Schlafstörungen bei Hunden - Warum Ruhephasen so wichtig sind


Unsere Vierbeiner sind echte Schlafmützen, wenn sie die Möglichkeit dazu bekommen. Der Mensch unterschätzt mitunter, dass gerade Energiebündel Pausen brauchen und ausreichende Ruhezeiten eine Grundlage für gesunde Hunde sind. Doch Schlafstörungen können auch eine genetische Ursache haben.

Laika liegt verdreht wie eine Brezel im Körbchen, Luna rollt sich als kleines Knäul zusammen, Benni hat sich auf seinem Lieblingsplatz ausgestreckt. Die drei Hunde verbringen viele Stunden tiefenentspannt, dösend und schlafend. Damit hat das Trio optimale Bedingungen, mit seinen Energien haushalten zu können, denn ausgewachsene Hunde ruhen – wenn man sie lässt – zwischen 18 und 20 Stunden täglich. Welpen und Senioren können noch länger auf Morpheus' Schwingen unterwegs sein.
Was auf den ersten Blick nach sehr viel klingt, erklärt sich jedoch bei genauerem Hinsehen. Haushunde haben sich über Generationen an die Abläufe des Menschen und damit dessen Schlafrhythmus angepasst. Wenn sie es sich auf einer Decke oder dem Sofa für ein Nickerchen bequem machen bzw. im Sommer in der warmen Sonne dösen, laden sie ihren Energiespeicher auf. Wirklich tief schlafen sie zwischen 5 – 8 Stunden. Dafür nutzen sie meist die Zeit, in der ihre Menschen ebenfalls zur Ruhe kommen.
Für ihre freilebenden wilden Verwandten hingegen kann Tiefschlaf gefährlich werden. Deshalb bleibt ein Teil von ihnen immer auf Empfang. Doch auch sie ruhen oft stundenlang. Sie benötigen Energie, um ihre Nahrung zu jagen, und verschwenden möglichst wenig davon mit anderen Aktivitäten.

DIE SCHLAFPHASEN

Gemeinsam mit dem Menschen haben Vierbeiner, dass sie drei Schlafphasen durchleben: eine Leichtschlafphase, eine Tiefschlafphase – auch Non-REM-Schlafphase genannt – und eine Traumschlafphase (REM-Schlaf). REM steht für Rapid Eye Movement (schnelle Augenbewegungen) und bezieht sich darauf, dass sich während dieses Schlafabschnitts die Augen unter den Lidern stark hin und her bewegen.
Gesteuert werden diese Schlafphasen durch Gehirnwellen. Vom entspannten Dösen mit Alpha-Wellen gleiten die Ruhenden in den als N1 bezeichneten leichten Schlaf mit Theta-Wellen. Die Muskelspannung reduziert sich, die Außenwahrnehmung nimmt ab. Nach einem Zwischenspiel durch N2 mit weiteren Theta-Wellen beginnt die Tiefschlafphase mit Delta-Wellen. Währenddessen sinken Körpertemperatur, Blutdruck, Atem- und Herzfrequenz, die Muskulatur erschlafft. Tiefschlafende Hunde sind während dieser Phase nur schwer weckbar, können Geräusche machen (Knurren, Schmatzen) und Schlafwandeln. Daran schließt sich der REM-Schlaf mit Theta-Wellen an. Es treten lebhafte Träume auf, Atem- und Herzfrequenz steigen wieder, ebenso der Blutdruck, die Muskelspannung nimmt zu und macht Bewegung während des Schlafs möglich. Diese Schlafphasen verlaufen in Zyklen. Während Menschen pro Nacht etwa 4 Zyklen mit je ca. 90 Minuten durchleben, sind sie bei Hunden wesentlich kürzer. Die Intervalle dauern im Durchschnitt 16 Minuten. Daher erleben unsere Vierbeiner über 20 Zyklen pro Nacht.
Zudem verbringt der Mensch ca. 25 Prozent seiner gesamten Schlafzeit im REM-Schlaf und weitere 20 Prozent im Tiefschlaf, um zu regenerieren und die Energiespeicher aufzufüllen. Beim Hund nehmen beide Phasen zusammen etwa 25 Prozent des gesamten Schlafs ein. Daraus lässt sich schließen, dass der Hundeschlaf im Vergleich zu dem von uns Zweibeinern weniger erholsam ist.

BIS ZU 20 TRÄUME JEDE NACHT

Gerade noch hat Laika entspannt gedöst. Plötzlich zuckt die Hündin im Schlaf mit den Pfoten und Ohren, wufft dabei immer mal wieder leise oder schmatzt. Zeichen dafür, dass sie träumt. Andere Hunde knurren, bewegen ihre Beine oder bellen schon mal laut auf. Die neurologische Forschung geht davon aus, dass unsere Vierbeiner, wie wir Menschen auch, im Schlaf, ganz besonders in ihren Träumen, Erlebnisse und Lerninhalte verarbeiten. Basis dafür sind ihre kognitiven Fähigkeiten, sich zu erinnern, Emotionen ausdrücken zu können, ihre Umgebung wahrzunehmen und sich ihrer selbst bewusst zu sein. Ob sie sich an die Inhalte erinnern, darüber streiten sich die Wissenschaftler noch. Durch die verkürzten Schlafzyklen können sie bis zu 20 Träume pro Nacht haben.
Sie währenddessen zu wecken, ist nicht unbedingt erforderlich. Sie könnten sich erschrecken und schnappen. Lässt das reaktive Verhalten den Schluss zu, dass der Vierbeiner eher einen Albtraum durchlebt, reicht es oft aus, ihm sanft die Hand auf die Flanke oder den Rücken zu legen. In den meisten Fällen beruhigt er sich wieder. Von Rütteln oder Anstupsen sollte man absehen.


URSACHEN FÜR SCHLAFSTÖRUNGEN

Hunde brauchen eine Rückzugsmöglichkeit. Haben sie diese nicht, z.B. weil ihr Körbchen mitten im Flur steht und die ganze Familie immer wieder daran vorbeiläuft oder weil ihre Menschen glauben, sie müssten, um ausgelastet zu sein, ständig beschäftigt werden, wirkt sich dies auf ihren Schlafrhythmus aus. Sie sind überfordert und können bei dauerhaftem Schlafentzug schwere gesundheitliche Probleme bekommen.
Folge ist ein gestörter Ruhezyklus, der betroffene Vierbeiner selbst nachts nicht in den Schlaf finden lässt. Etwa, weil sie vor Erreichen der REM-Phase hochschrecken. Doch gerade der REM-Schlaf ist sehr wichtig, weil währenddessen Erlebtes wie Gelerntes im Traum verarbeitet werden. Eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung kommt tatsächlich am häufigsten bei Hunden vor. Bei ihnen ist das, was wir hin und wieder bei einem träumenden Vierbeiner beobachten können, wie Zucken und Bewegen der Beine, besonders ausgeprägt. Sie scheinen im Schlaf zu rennen, treten und schnappen um sich. In schweren Fällen können sie sogar aufstehen und wie ein Schlafwandler im Raum umherlaufen, rennen gegen Wände oder Gegenstände. Die Gefahr, dass sie sich und andere dabei verletzen können, ist groß.

Inzwischen ist bekannt, das bestimmte Rassen besonders anfällig für Schlafstörungen sind, dazu zählen neben der Englischen Bulldogge Labrador-Retriever, Dobermann, Pudel und Beagle.
Findet ein Hund nicht in den Schlaf, ist unruhig, wandert umher oder wechselt immer wieder den Liegeplatz bzw. die Liegeposition, können dies Anzeichen dafür sein, dass er Schmerzen hat. Atemwegs- oder Herzerkrankungen können eine weitere Ursache dafür sein. Diffuse sowie konkrete Ängste (z.B. vor Geräuschen) bringen so manchen Hund um den Schlaf, und nicht zuletzt kann eine Altersdemenz der Grund dafür sein, dass der Senior (vor allem nachts) durch die Wohnung wandert.
Besonders bei adipösen Tieren und kurznasigen Rassen wird nicht selten eine Schlafapnoe diagnostiziert. Dabei treten Atemprobleme während des Schlafs oder in Ruhephasen auf, die es dem Vierbeiner erschweren, sich zu erholen. Anzeichen sind lautes Schnarchen und Abgeschlagenheit während der Wachphasen.

GENDEFEKT NARKOLEPSIE

Anders als stressbedingte Schlafstörungen ist die Narkolepsie – im Volksmund Schlafkrankheit genannt – eine neurologische Erkrankung. Lange Zeit war die Ursache für einen gestörten Wach-Schlaf-Rhythmus, bei dem der Betroffene plötzlich einschläft oder eine unspezifische Tagesschläfrigkeit zeigt, unbekannt. Ebenso wenig wusste man, warum auch Hunde an Narkolepsie leiden können. Erst seit 10 Jahren glaubt die Wissenschaft, der Ursache auf die Spur gekommen zu sein, und vermutet sie in einem Hyocretin-Defizit im Zentralen Nervensystem. Hyocretin (auch Orexin genannt) ist ein Peptit-Neurotransmitter. Gebildet wird er im Hypothalamus von Neuronen, die vorwiegend diese Aufgabe haben. Im Zusammenspiel mit Transmittersystemen ist Hyocretin maßgeblich an der Regulierung des Wach-Schlaf-Rhythmus beteiligt. Entdeckt wurde dies vor wenigen Jahren durch die Untersuchung von narkoleptischen Hunden. Bei erkrankten Menschen suchten die Forscher Belege dafür vergebens. Dafür stellten sie bei Zweibeinern eine Autoimmunerkrankung als Ursache fest, die zwar beim Hund noch nicht nachgewiesen wurde, aber nicht auszuschließen ist.
Narkolepsie kann eine erbliche Ursache haben. Entsprechende Fälle sind vom Dackel, Dobermann, Labrador, Beagle und Pudel bekannt. Die Symptome treten vielfach schon im Welpenalter und vor der Pubertät auf. So ist vom Labrador bekannt, dass erste Anfälle zwischen der 14. und 24. Woche geschehen, beim Dobermann zwischen dem 1. und 4. Monat. Bei Dackeln zeigen sich erste Anzeichen zwischen 5. Monat und 7. Lebensjahr.
Bei der genetisch bedingten Narkolepsie sind Hündinnen und Rüden gleichermaßen betroffen. Verursacht wird sie durch zwei Mutationen im Gen für den Hypocretin-Rezeptor-2 (HCRTR2). Es erkranken nur Tiere mit HCRTR2- Genkopien der Mutation beider Elternteile. Sie werden dadurch selbst zum hundertprozentigen Überträger, sofern sie Nachkommen haben. Beim Menschen ist dieser Gendefekt noch nicht nachgewiesen worden.

BEGLEITERSCHEINUNG KATAPLEXIE

Die Narkolepsie geht häufig einher mit einer Kataplexie. Dabei handelt es sich um den vorübergehenden Verlust der Muskelspannung. Betroffene Tiere erleben dies während des Spiels, wenn sie fressen oder besonders aufgeregt sind. Meist knicken ihnen die Hinterbeine weg, sie fallen auf ihr Hinterteil oder kippen zur Seite weg. Dabei bleiben sie, anders als bei der Narkolepsie, bei vollem Bewusstsein, sind aber bewegungsunfähig. So ein Anfall kann wenige Sekunden bis zu mehreren Minuten andauern. Durch Berührung oder Ansprechen lassen sich die Vierbeiner aus der vorübergehenden Lähmung befreien. In der Regel bleiben von diesen Anfällen keine Folgeschäden zurück.
Diagnostiziert werden Narkolepsie und Kataplexie durch medizinische Tests, u.a. des Herz-Kreislauf-Systems, um andere Ursachen für einen Kollaps – z.B. einen Tumor, der auf den Hirnstamm drückt und Anfälle auslösen könnte – auszuschließen.
Weitere Möglichkeiten sind pharmakologische Tests, die durch die Gabe von Medikamenten einen Kollaps provozieren oder unterdrücken. Steht die Diagnose fest, hilft eine Medikation (z.B. trizyklische Antidepressiva), unabhängig davon, ob es sich um eine vererbte oder erworbene Narkolepsie handelt. Geregelte Ruhe- und Schlafphasen in Verbindung mit der Vermeidung von Aufregung oder Stress sind weitere Faktoren, die Anfälle reduzieren können. Ein Gentest kann Aufschluss darüber geben, ob der eigene Hund die Gen-Mutationen der betroffenen Rassen in sich trägt. Narkolepsie an sich ist zwar unheilbar, aber nicht lebensbedrohlich.



TIPPS FÜR EINEN GUTEN HUNDESCHLAF

Hundehalter können einiges dafür tun, dass sich ihr Hausgenosse wohlfühlt und entspannt ein Nickerchen machen kann. Wichtig ist ein Rückzugsort, eine Box, ein Körbchen oder eine Decke, an einem ruhigen Platz. Also eher nicht im Hausflur, in der Diele oder mit Blick auf Türen und Fenster. Zum Beispiel in einer Zimmerecke. Ist das nicht möglich, kann man eine Decke über eine Transportbox legen, um eine Art Höhle zu schaffen. Ganz gleich, wo der Hund diesen Platz bekommt, dort sollte er ungestört liegen dürfen. Das ist besonders wichtig, wenn Kinder gerne mal zum Streicheln ans Körbchen gehen.
Ruhephasen einzuplanen kann ebenso förderlich sein, wenn es sich um ein besonders energiegeladenes Exemplar und vor allem um einen Welpen handelt. Nach Spaziergang, Spiel, Sport oder Fressen steht eine Pause an. Senioren brauchen mehr Ruhe, die ihre Menschen unterstützen sollten. Gerade graue Schnauzen schlafen oft sehr viel fester als ihre jüngeren Artgenossen. Das sollte man ihnen zugestehen, sie nicht unnötig stören oder aufwecken.
Ehemalige Straßenhunde sind es in der Regel gewohnt, sich einen Platz zu suchen, um sich zurückziehen zu können. In einem turbulenten Haushalt sind sie schnell überfordert, wenn sie keinen Ruheort haben, der etwas abseits vom Geschehen liegt.

CLAUDIA HÖTZENDORFER
DIPL.-JOURNALISTIN

TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE
Autorin und Lektorin, Herausgeberin des Online-Magazins Duesseldogs.de,
Schwerpunkte: Ernährung, Gesundheit und Forschung

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