Labordiagnostik: Das Blutbild

Die Labordiagnostik hat im Praxisalltag einen extrem hohen Stellenwert, da mit ihrer Hilfe gezielt Diagnosen gestellt und Differenzialdiagnosen ausgeschlossen werden können. Auch ein individuell erstellter Therapieplan basiert auf vorher erstellten Laborwerten.
Im Check-up oder Gesundheitsscreen werden die wichtigsten Laborparameter der Organe abgefragt. Das Gesundheitsscreen ist eine Zusammenstellung verschiedener Parameter für die Tätigkeit der Organe, das Körpermilieu, die allgemeine Abwehr- und Versorgungssituation, gleichzeitig ein Barometer für Schweregrad, Prognose und Therapieverlauf. Es ist konzipiert für Einstiegsdiagnostik bei unklaren, komplexen bzw. vorbelasteten Krankheitsbildern. Wir empfehlen, ein Gesundheitsscreen inkl. Blutbild schon recht früh in den Untersuchungsplan mit aufzunehmen, um die Weichen für nachfolgende Check-ups und eine gezielte Therapie rechtzeitig stellen zu können.

WAS SAGT DAS GESUNDHEITSSCREEN INKL. BLUTBILD AUS?

Durch das Gesundheitsscreen wird abgeklärt, ob es Hinweise gibt, dass Leber, Nieren oder Pankreas in ihrer Funktion beeinträchtigt sind und ob das jeweilige Organ selbst intakt ist, oder eventuell Zellschädigungen vorliegen (aus welchem Grund sei zunächst hintenangestellt).
Liegen Auffälligkeiten vor, wird via Gesundheitscheck zusätzlich die Frage beantwortet, welche/s Organ/e betroffen sind.
Labordiagnostik hilft, Verdachtsdiagnosen anhand des klinischen Bildes zu sichern.
Wichtig ist es, die Blutbefunde lesen und die Parameter richtig interpretieren zu können.

a) Harnstoff und Kreatinin

  • Geben Hinweise auf Nierenfunktionsstörungen.
  • Kreatinin steigt erst an, wenn ca. 75 Prozent der Organfunktionen ausgefallen sind.
  • Harnstoff wird auch von Nahrungsaufnahme und Eiweißstoffwechsel beeinflusst. Wird eiweißreich gefüttert, steigt der Harnstoff an.
  • Wir empfehlen, einen Nierenfrüherkennungsparameter zum Screen dazuzubuchen. SDMA ist ein Nierenfrüherkennungsparameter, der schon bei 30 Prozent Funktionseinschränkung ansteigt.t.

b) ALT, AP

  • Geben Hinweise auf die Unversehrtheit bzw. einen Zellschaden in der Leber.
  • AP ist bei der Katze erst bei massivsten Gewebeschäden erhöht.
  • Hat ein zirrhotischer Umbau des Gewebes stattgefunden, so ist die Funktion beeinträchtigt, die Enzymkonzentration aber nicht (mehr) erhöht.

c) AST, CK

  • Sind als Muskelparameter zu werten, ein Anstieg weist auf Zellzerstörungen hin.
  • Leichte Anstiege werden auch nach Injektionen oder andauerndem Liegen nachgewiesen.
  • Muskelrisse sowie Kreuzverschlag führen zu mindestens 10-fachen Erhöhung über den Referenzwert.

d) Eiweiß

  • Ist ein Maß für die Leberfunktion, fällt erst sehr spät ab.
  • Ein Anstieg erfolgt im Rahmen chronischer Entzündungen, z.B. wenn massiv Antikörper gegen Infektionserreger gebildet werden.

e) Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium

  • Verschiebungen geben Hinweise auf eine Störung im Mineralstoffwechsel. Eine Veränderung zeigt sich besonders bei Wasserverlust (Durchfall, Erbrechen), Tumorverdacht, Umstallung auf Weide (Großtier), nach Abkalben oder Werfen (Großtier: bei Beginn der Laktation; Kleintier: häufig erst einige Wochen später).
  • Geben einen Hinweis auf endokrine Störungen.

f) Amylase, Lipase

  • Weisen auf Entzündungen der Bauchspeicheldrüse hin (erhöhte Werte oft bei Pankreatitis).
  • Ein Hinweis auf Vorliegen einer exokrinen Pankreasinsuffizienz ist nicht möglich. Andere Produktionsorte der Enzyme verhindern einen erkennbaren Abfall, auch wenn die Verdauungsfunktion des Pankreas schon massiv eingeschränkt ist.

Sollten Amylase und/oder Lipase erhöht sein, empfiehlt es sich immer, PLI (Pankreaslipase) nachzubewerten, um den Verdacht einer Pankreatitis zu bestätigen.

DAS BLUTBILD (HÄMATOLOGIE)

Das Blutbild besteht aus

  • Erythrozyten
  • Leukozyten
  • Thrombozyten
  • Hämoglobin
  • Hämatokrit
  • Differenzialblutbild

Es bietet einen Überblick des Gesundheitsstatus, ist besonders indiziert bei kranken Patienten, als Prä-OP-Screen, Vorsorge im Alter oder zur Kontrolle bei vormals auffälligen Tieren. Neben den Serumparametern sollte immer gleichzeitig ein Blutbild erstellt werden. Die Zahl der Leukozyten (Weißen Blutzellen) und das Verteilungsmuster der Subpopulationen schließen einen pathologischen Prozess aus oder geben einen Hinweis darauf.

Erhöhte Leukozytenzahlen geben Hinweis auf

  • bakterielle Entzündungen, Urämie, Diabetes mellitus, Darmtoxine
  • Muskelkrankheiten, Tumore, Impfungen, Hyperthyreose, Cushing-Syndrom
  • Anwendung von Kortikosteroiden, ACTH, Thyroxin, TSH
  • Traumen, Blutungen
  • Bauchfell-, Brustfell- oder Gebärmutterentzündung

Erniedrigte Leukozytenzahlen geben Hinweis auf

  • virale Entzündungen (z.B. Parvovirose)
  • Salmonelleninfektion beim Pferd
  • erhöhten Leukozytenverbrauch durch Schock, Blutdruckabfall, Kreislaufinsuffizienz

Erhöhte eosinophile Granulozyten geben Hinweis auf

  • Parasitenbefall
  • Allergien
  • Lungenentzündung
  • Infektionskrankheiten in der Heilphase
  • Läufigkeit der Hündin
  • ggf. Morbus Addison

Erniedrigte eosinophile Granulozyten geben Hinweis auf

  • Infektionskrankheiten (Anfangsphase oder akute Infektion)
  • Urämie
  • Entzündungen
  • Gabe von Kortikosteroiden
  • Stress
  • Morbus Cushing

Erhöhte basophile Granulozyten geben Hinweis auf

  • Dirofilarien
  • Allergien
  • basophile Leukämie (seltene Tumorerkrankung)

Erhöhte Lymphozyten geben Hinweis auf

  • besondere Stresssituationen bei der Katze
  • chronische Infektionskrankheiten
  • virale Infektionskrankheiten
  • ein Cushing-Syndrom

Erniedrigte Lymphozyten geben Hinweis auf

  • eine akute Stresssituation
  • eine akute Infektionskrankheit
  • eine immunsuppressive Therapie
  • angeborene oder erworbene Immundefizienz
  • Immunsuppression
  • Gabe von Kortikosteroiden
  • eine ACTH-Therapie
  • chronische Niereninsuffizienz

Erhöhte Monozyten geben Hinweis auf

  • eine chronische Infektionskrankheit
  • ein Cushing-Syndrom
  • Gabe von Kortikosteroiden
  • eine ACTH-Therapie
  • eine hämolytische Anämie
  • Entzündung von Bauch- oder Brustfell

Erhöhte neutrophile Granulozyten geben Hinweis auf

  • Aufregung, Furcht oder körperliche Belastung
  • Infektionskrankheiten (bakteriell, Protozoon oder Mykosen)
  • eine Intoxikation
  • Tumore
  • Morbus Cushing
  • Hyperthyreose
  • eine Überempflindlichkeitsreaktion
  • eine hämolytische Anämie
  • einen Lupus Erniedrigte neutrophile Granulozyten geben Hinweis auf
  • eine virale Infektionskrankheit (besonders Parvovirose)
  • Protozonoosen (z.B. Toxoplasmose)
  • Rickettsiosen (z.B. Ehrlichiose)
  • einen Schock

Hinweis
Segmentkernige = ausgereifte Granulozyten
Stabkernige = nicht ganz ausgereifte Granulozyten

Das rote Blutbild wird durch die Parameter Erythrozyten, Hämoglobin und Hämatokrit charakterisiert. Damit können Anämien (erniedrigte Werte) oder aber auch Hämokonzentrationen (z.B. durch massive Durchfälle bedingt) nachgewiesen werden. Auch oder gerade wenn bei der klinischen Untersuchung eine Anämie erkennbar wird, sollte eine Laboruntersuchung zur Feststellung des Ausmaßes durchgeführt werden, damit therapeutische Maßnahmen besser ausgewählt werden können.
Mit Hilfe der Labordiagnostik kann die Diagnose objektiviert und in ihrer Relevanz besser eingeschätzt werden. Dabei ist es wichtig, das Laborergebnis richtig zu interpretieren. Auch weitere speziell angepasste Screens, z.B. das Altersscreen bei vierbeinigen Senioren, sind möglich.

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