Immunsystem unterstützen - Tipps aus der Praxis

Foto: ©с C.. Jadew – AdobeGerade in der kalten Jahreszeit hat man das Gefühl, etwas für die Tiere tun zu müssen. Das Wetter ist oft nasskalt und man möchte das Tier bestmöglich unterstützen. Was könnte da besser sein, als das Immunsystem zu stärken? Bevor man hier aktiv wird, sollte man sich überlegen, was das Immunsystem bewirkt und ob es immer sinnvoll ist, dieses gewollt zu stärken. Es handelt sich um ein sehr komplexes System, in dem viele Dinge ineinandergreifen, um den Körper zu schützen.

AUFGABEN DES IMMUNSYSTEMS

Das Immunsystem hat sehr viele Aufgaben und stellt eine effektive Abwehr gegen alles dar, was in den Körper eindringt und ihm zu schaden droht. Zu den wichtigsten Aufgaben des Immunsystems gehören:

Eindringlinge und Fremdartiges erkennen
Dazu gehören Viren, Pilze, Bakterien, Parasiten sowie Krebszellen.

Eindringlinge und Fremdkörper vernichten
Wenn etwas Fremdartiges erkannt wird, wird es genau untersucht und die Informationen dazu gespeichert. So lernt das Immunsystem und kann beim nächsten Mal schneller aktiv werden.

Abwehrmechanismen entwickeln
Das Immunsystem lernt und bildet z.B. gegen Viren Antigene, um gleichartige körperfremde Stoffe zukünftig abwehren zu können.

Gut von Böse unterscheiden
Die Zellen des Immunsystems müssen ständig sehr genau abwägen, ob ein Fremdkörper krankmachend ist und zerstört werden muss – oder ob er für den Körper keine Gefahr darstellt und in Ruhe gelassen werden sollte.

DEFINITION IMMUNSYSTEM

Der Aufbau des Immunsystems ist sehr komplex. Es besteht aus vielen verschiedenen Teilen, die Hand in Hand arbeiten. Dieses komplexe Netzwerk durchzieht den gesamten Körper und ist pausenlos damit beschäftigt, diesen erfolgreich gegen Bakterien, Viren, Parasiten und Co. zu schützen.
In Knochenmark und Thymus (den primären lymphatischen Organen) bilden und vermehren sich die wichtigen Abwehrzellen, z.B. die T-Lymphozyten. In den Lymphknoten werden Krankheitserreger abgefangen und Antikörper gebildet. Die Haut steht mit dem Schleimhautsystem (in Nase, Mund, Augen, Magen-Darm- und Urogenitaltrakt) über den Blutkreislauf in enger immunologischer Verbindung, um den Körper bestmöglich vor Erkrankungen zu schützen. Die Haut als größtes Organ wehrt durch die geschlossene Oberfläche zusammen mit den Schleimhäuten bereits viele Krankheitserreger von außen ab. Die Schleimhäute verfügen über Abwehrzellen, die ein Anheften von Bakterien und Viren verhindern.
Ein großer Teil der Immunabwehr findet im Magen-DarmTrakt statt. Im darmassoziierten Immunsystem (GALT) befinden sich über 50 Prozent aller Immunzellen. Fremdkörper werden markiert, zerstört und deren Bauplan zum Schutz vor späteren Angriffen gespeichert.
Das Immunsystem nutzt bei seiner täglichen Arbeit zwei wichtige Strategien. Einerseits die angeborene allgemeine Immunabwehr, andererseits die erworbene spezialisierte Immunabwehr. Diese unterschiedlichen Ansätze arbeiten eng zusammen und übernehmen unterschiedliche Aufgaben.
Das Besondere an der angeborenen Immunabwehr ist ihre schnelle Reaktion. Hier arbeiten Abwehrzellen (Leukozyten), Killerzellen (Makrophagen) und Enzyme Hand in Hand, um Eindringlinge rasch abzufangen und zu eliminieren.
Im Gegensatz dazu baut sich das erworbene Immunsystem erst langsam auf. Schritt für Schritt entwickelt sich die Immunabwehr und lernt stetig dazu. T-Lymphozyten und B-Lymphozyten bilden gezielt Antikörper im Blut und die Gedächtniszellen speichern den Bauplan der Erreger ab, damit der Körper bei erneutem Kontakt mit dem Fremdkörper schnell und effektiv reagieren kann.
So lernt das Immunsystem eines jungen Tieres langsam, Gutes von Schlechtem zu unterscheiden. Umso wichtiger ist es, dem jungen Körper Zeit zu geben, die vielen neuen Dinge richtig einzuordnen. Gerade im ersten Lebensjahr sieht man bei jungen Tieren, ähnlich wie bei Kleinkindern, immer wieder unspezifische Reaktionen, die einer Allergie ähneln, aber nichts mit einer zu tun haben.

THP 1 21 Page8 Image3UNTERSTÜTZUNG DES IMMUNSYSTEMS

Ein gesundes Immunsystem ist ohne Hilfe von außen in der Lage, seine Aufgaben richtig zu erfüllen. Bei einem gesunden Tier braucht man also gar nicht viel tun. Eine ausgewogene, artgerechte Fütterung, ausreichend Flüssigkeit, regelmäßige Bewegung und das Vermeiden von Stress und Giftstoffen (Pestizide, übermäßige Medikamentengaben etc.) bilden eine gute Basis, um dem Immunsystem Unterstützung zu geben.
Während es in den ersten Lebensjahren viel dazulernt und Erfahrungen sammelt, lässt die Immunabwehr im Alter nach, da das Knochenmark vermehrt durch Fettgewebe ersetzt wird, wodurch die Zahl der produzierten Abwehrzellen sinkt und die Abwehrleistung nachlässt. Auch verlangsamte Stoffwechselprozesse, empfindliche Haut und trockene Schleimhäute lassen die natürliche Schutzbarriere des Körpers im Alter sinken. Eine abwechslungsreiche Fütterung, tägliche Bewegung, ausreichend Schlaf und wenig Stress sind Faktoren, die für das Immunsystem der älteren Tiere besonders wichtig sind.
Wenn das Immunsystem durch eine Krankheit oder Operation sehr in Anspruch genommen wird, ist der Körper kurzweilig geschwächt. In bestimmten Fällen kann eine Schwächung des Immunsystems auch als Nebenwirkung eines Medikamentes auftreten. Das ist z.B. im Rahmen von Chemotherapien der Fall. Die hier verabreichten Medikamente unterdrücken die Zellteilung. Dadurch können sich Tumorzellen zwar nicht mehr vermehren, aber auch die Zellen des Immunsystems nicht. Somit ist die Immunabwehr geschwächt und die Infektanfälligkeit wird erhöht. Dies gilt für alle Zytostatika, die im Rahmen einer Chemotherapie Verwendung finden.
In derartigen Lebensphasen kann es sinnvoll sein, das geschwächte Immunsystem zu unterstützen.

KONTRAINDIKATIONEN

Es gibt auch Umstände, in denen es nicht sinnvoll ist, das Immunsystem bewusst zu beeinflussen. Dann nämlich, wenn das Immunsystem bereits anderweitig beeinflusst wird. Das ist z.B. bei Allergien und Autoimmunerkrankungen der Fall. Wenn das Immunsystem bereits überreagiert und fehlerhaft funktioniert, hat es keinen Sinn, es zusätzlich hochzupushen.
Bei medikamentösen Behandlungen, bei denen das Immunsystem runtergefahren wird, z.B. bei einer Applikation von Kortison, ist es ebenfalls unvorteilhaft, dagegen zu steuern und das Immunsystem zwanghaft hochfahren zu wollen.
Daher ist es wichtig, sich immer gut zu überlegen, ob es sinnvoll ist, das Immunsystem zu unterstützen, und was man mit der Unterstützung erreichen will.

TIPPS AUS DER PRAXIS

Eine sinnvolle Unterstützung der Immunabwehr kann z.B. durch eine ausgewogene Fütterung mit Abdeckung der wichtigen Nährstoffe erreicht werden. Hierzu zählen:

Zink
Das Spurenelement Zink ist ein wichtiger Bestandteil der Abwehrkräfte und kommt sowohl in der zellulären als auch in der humoralen Infektabwehr zum Einsatz. Es ist an der Bildung und Aktivierung von Abwehrzellen beteiligt und daher enorm wichtig für die Infektabwehr.

Vitamin C
regt die Bildung der weißen Blutkörperchen an und beschleunigt dadurch die Abwehrreaktionen des Körpers. Es ist ein starkes Antioxidans und vermindert oxidativen Stress.

Vitamin D3
Cholecalciferol stimuliert die Produktion bestimmter antimikrobieller Substanzen, die im Kampf gegen Viren und Bakterien wichtig sind. Damit stärkt Vitamin D3 das Immunsystem und wirkt Entzündungsprozessen entgegen.

THP 1 21 Page9 Image1Naturstoffe, Kräuter, Vtitalpilze
In der Naturheilkunde kennt man natürliche Helfer zur Immunstimulation (Anregung der Immunantwort) und zurTHP 1 21 Page9 Image2 Immunmodulation (Veränderung der Immunantwort). Zu den Immunstimulantien gehören z.B. Pflanzen wie der Rote Sonnenhut (Echinacea), die Mistel, die Taigawurzel (Eleutherokokkus) oder der Lebensbaum (Thuja).

THP 1 21 Page9 Image4Propolis und Honig sind bekannt für ihre positive Wirkung auf das Immunsystem. Es ist nachgewiesen, dass Propolis die Zellen stärkt und zur vermehrten Produktion von Abwehrzellen führt. Durch die Ergänzung der Fütterung mit Honig kann der Anteil der überaus nützlichen Killerzellen und der T-Lymphozyten erhöht werden.

THP 1 21 Page9 Image5Ebenso ist Kurkuma ein bekanntes Hausmittel zur Immunabwehrstärkung.
THP 1 21 Page9 Image3Einige Vitalpilze wie der Reishi und der Shiitake haben eine stark ausgleichende (modulierende) Wirkung auf das Immunsystem.
Beim Einsatz von Kräutern muss darauf geachtet werden, ob diese für Tiere geeignet sind. Vor allem bei Katzen ist Vorsicht geboten, da sie aufgrund ihres Stoffwechsels auf manche Inhaltsstoffe von Kräutern (z.B. ätherische Öle) sehr empfindlich reagieren. Ebenso sollte man sich vorab über die richtige Anwendung und Dosierung von Kräutern, Heilpflanzen und Vitalpilzen informieren, um die Wirkstoffe auch wirklich nutzbar einzusetzen.
Echinacea und Propolis haben ein hohes allergenes Potenzial und sollten immer nur mit Bedacht eingesetzt werden.

SCHUTZ DES MIKROBIOMS

In und auf dem Körper siedeln Millionen verschiedener Bakterien. Diese Bakterienflora wird Mikrobiom genannt. Am größten ist das Mikrobiom des Darms – die Darmflora. Sie spielt eine wichtige Rolle in der Immunabwehr. Die guten Darmbakterien verhindern, dass sich krankmachende Keime in der Darmschleimhaut ansiedeln und ausbreiten. Zudem trainiert die Darmflora den im Darm lokalisierten Teil des Immunsystems. Diese Prozesse funktionieren aber nur, wenn die Darmflora im Gleichgewicht ist. Faktoren wie z.B. eine falsche Fütterung, Antibiotika oder Kortison können die Zusammensetzung der Darmflora aus der Balance bringen (Dysbiose).
Indem man die Darmflora des Tieres pflegt und gesund erhält, fördert man auch das Immunsystem. Ist die Gabe von Medikamenten notwendig, sollte man nicht vergessen, die Darmflora währenddessen oder danach mit Probiotika/Prä- biotika zu unterstützen, damit die gesunden Bakterien die Oberhand im Darm behalten und pathogene Keime keine Chance haben.

FAZIT

Das körpereigene Immunsystem schützt das Tier gegen Eindringlinge wie Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten von außen sowie gegen fehlgeleitete körpereigene Gegner wie Krebszellen. Man kann das Immunsystem sehr einfach unterstützen, indem man auf einen gesunden Lebenswandel des Tieres, eine ausgewogene Fütterung, ausreichend Bewegung und die Vermeidung von Schadstoffen achtet. Der Leitsatz „Im Darm liegt die Gesundheit“ kommt nicht von ungefähr, denn der Darm beherbergt über 50 Prozent des Immunsystems. Ein gesunder Darm ist das A und O für ein gesundes Immunsystem!

VANESSA RÖSSLERVANESSA RÖSSLER

ERNÄHRUNGSBERATERIN
FÜR HUND UND KATZE

TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE
BARFen und artgerechtes Kochen, Phytotherapie beim Hund, Mykotherapie, Darmgesundheit, Autorin mit eigenem Blog

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