Die Geschichte von Hündin Trixi: Ich will leben!

ZUSAMMENARBEIT VON TIERARZT UND TIERHEILPRAKTIKER

Melanie Gonnermann ist Tierheilpraktikerin und seit über 5 Jahren Tierarzthelferin bei einer erfahrenen Tierärztin in Unterrißdorf-Eisleben. Sie erzählt uns spannende Geschichten aus ihrem Praxisalltag.

THP 1 21 Page50 Image1ICH WILL LEBEN!

Zur Erinnerung an die tapferste, liebste und dankbarste Hündin, die ich je kannte. Trixi, ich werde dich niemals vergessen. Wie versprochen, erzähle ich nun allen deine unglaubliche Geschichte. Sie ist an menschlicher Grausamkeit und gleichzeitig ungebrochenen Willen, am Leben zu bleiben, kaum zu übertrumpfen. Trixi war etwas ganz Besonderes. Ein Hündin, die so viel Schlechtes erlebt hat, so viel Schmerzen und Leid erfahren musste und trotzdem leben wollte. Trixi wurde fast 20 Jahre alt. Sie war ein wunderbarer Mischlingshund. Im Alter von 8 Monaten wurde Trixi aus dem 4. Stock in die Tiefe geworfen, weil sie nicht stubenrein war. Da sie nicht tot war, trat der Besitzer auf sie ein. Zum Glück kamen ihre Retter noch rechtzeitig. Meine Chefin, die damals Notdienst hatte, konnte nicht glauben, was sie da sah. Ihre Retter brachten den im Koma liegenden Welpen in ihre Praxis. Trixi musste notoperiert werden. Ihre Beine waren gebrochen, das Becken kaputt und die Milz zertreten. Es ist unglaublich, wie sie das überleben konnte.

THP 1 21 Page50 Image2Trixis Geschichte sprach sich herum. Sie war in mehreren Zeitungen, sogar das Fernsehen berichtete über sie. Meine Chefin sagt heute, dass sie nicht mehr weiß, wie oft sie Trixi operiert hat. Doch Trixi kämpfte sich ins Leben zurück. Ihr körperlicher Zustand verbesserte sich Schritt für Schritt, aber ihre Psyche litt. Trixi biss die erste Zeit um sich, denn Hände waren für sie etwas Schlechtes, das Schmerzen zufügt. Sie hatte kein Vertrauen mehr zu Menschen. Mit viel Liebe und Geduld baute Trixi doch wieder Vertrauen auf, v.a. zu meiner Chefin. Trixi wurde eine kleine Berühmtheit, es meldeten sich viele Menschen, die sie adoptieren wollten. Das kam jedoch für meine Chefin nicht infrage. Sie hat Trixi behalten, denn es hätte Trixis Welt völlig durcheinandergebracht, wenn sie in ein neues Zuhause hätte einziehen müssen. Bald war sie überall beliebt. Die Kinder in der Nachbarschaft holten sie zum Gassigehen ab, manchmal sogar mehrfach am Nachmittag. Trixi genoss die Zeit, sie liebte Kinder, und wenn sie nicht zu ihr kamen, schlich sie sich davon und lief zu ihnen. Trixi lebte mit mehreren Hunden aus dem Tierschutz in einem Rudel zusammen. Sie wusste sich trotz ihres Schicksals durchzusetzen, war aber gleichzeitig ein sozial verträglicher Hund. Sie ist der Grund, warum ich heute nicht nur in einer Tierarztpraxis, sondern auch in einer Tierphysiotherapiepraxis arbeite. Darum bildete ich mich in Novafon- und Lasertherapie weiter. Trixi lernte wieder laufen.

Als ich Trixi vor 5 Jahren kennengelernt habe, verliebte ich mich in die damals schon 15-jährige Seniorin. Sie war so aufgeschlossen, lieb, unkompliziert und, trotz dieser Grausamkeit, die ihr in ihrer Jugend angetan wurde, extrem freundlich zu Menschen. Eine liebe Seniorin, die das Leben mit allen Höhen und Tiefen erlebt hat. Trixi zeigte im Alter demenzielle Verhaltensweisen, die dazu führten, dass sie manchmal schrie, weil sie nicht wusste, wo sie ist. Viele Menschen halten das für bemitleidenswert. Das ist sehr schade, denn genau deshalb lassen viele ihre Tiere einschläfern. Es gibt doch auch Menschen mit Demenz, wo es normal ist, dass man sich um sie kümmert. Warum also nicht auch bei Tieren?! Ich finde, dass man das seinem Tier schuldig ist. Ein Tier gibt uns ein ganzes Leben lang seine Liebe und Zuneigung. Können wir da nicht diesen letzten Weg mit ihm gehen und es unterstützen? Wir haben Trixi gezeigt, wo ihr Napf steht, sie die Treppen hinuntergetragen und, wenn nötig, eine Windel umgebunden.

Trixi bekam zur Durchblutung des Gehirns homöopathische Medikamente, Bach-Blüten gegen die Verwirrung und die Angstzustände. Das konnte sie nicht heilen, aber ihr das Leben lebenswert erhalten. Sie hatte schöne Wachmomente, in denen sie die Sonne genoss, die Blümchen ausgiebig beschnüffelte oder einfach ihre Streicheleinheiten einforderte. Es gibt sicherlich Tierärzte, die das Leben eines Hundes mit derartigen Symptomen frühzeitig beenden, weil sie es nicht besser wissen oder es moralisch nicht vertreten können. Meine Chefin tut so etwas nicht. Das ist ein Grund, warum ich so gerne mit ihr arbeite. Sie begegnet dem Leben mit Respekt.

Trixi war sehr inspirierend für mich und ich habe durch sie viel gelernt. Ihre Geschichte soll zeigen, dass die Chirurgie Unglaubliches leisten kann, dass aber der Erfolg ohne Physiotherapie und Naturmedizin nur halb so groß ist, und dass Geduld, Liebe und Vertrauen heilen können. Ohne all das wäre Trixi nicht fast 20 Jahre alt geworden. Ich möchte nun im Namen von Trixi meiner Chefin Danke sagen. Danke dafür, dass sie um ihr Leben gekämpft und sie nicht aufgegeben hat.
Trixi verstarb im Sommer 2020 ganz ruhig im Kreise ihrer Lieben. Ihre Geschichte soll zeigen, dass wir niemals aufgeben dürfen, egal wie klein die Chance ist.

MELANIE GONNERMANNMELANIE GONNERMANN
TIERHEILPRAKTIKERIN UND TIERARZTHELFERIN

TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE
Futterberatung, Laserakupunktur, Bioresonanztherapie, Novafontherapie

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Fotos: © M. Gonnermann

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