Kaninchen-Senioren und ihre Bedürfnisse

201701 Kaninchen1Nach Hund und Katze sind die beliebtesten Haustiere kleine Heimtiere wie Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und Chinchillas. Die Haltungsformen dieser Tierarten variieren derzeit noch stark, wobei sich glücklicherweise artgerechte Haltung und Ernährung immer stärker durchsetzen. Im Folgenden wird die Lebenssituation von Kaninchen und deren Bedürfnisse in der zweiten Lebenshälfte betrachtet.

Wann und wie fängt das Seniorenalter an?

Durchschnittlich werden Kaninchen 10 Jahre alt, wobei die Lebenserwartung von verschiedenen  Faktoren,  wie  z. B.  der  Rasse, abhängt. So können Zwergkaninchen  auch 12 oder 13 Jahre alt werden, während größere Kaninchen äußerst selten älter als 7 Jahre werden. Je nach Literatur gelten Kaninchen ab 5 oder 7 Jahren als Senioren.
Zu beobachten sind dann meist schon einige Veränderungen, die allerdings nicht  auf alle Tiere in Verbindung mit dem Alter zutreffen. So nimmt der Bewegungsdrang  z. B.  oft  ab,  häufig  bedingt  durch  Arthrosen in Sprunggelenken oder Spondylosen (degenerative Veränderung) an  der Wirbelsäule. Die Tiere bewegen sich schmerzbedingt  weniger,  hüpfen  nicht  mehr auf erhöhte Plätze oder schaffen es  nicht, ihr Fell vollständig zu putzen. Den  Tierbesitzern  fällt  manchmal  auf,  dass  sich die Tiere mit den Hinterläufen nicht mehr  an  den  Ohren  kratzen  können  oder  das  Gesicht  nur  noch  mit  einer  Vorderpfote geputzt wird, während die  andere  den  Körper  stützt.  Durch  den  altersbedingten Abbau und die geringere Bewegung kommt es zum Muskelschwund, den Tierhalter v. a. an der  Wirbelsäule bemerken, die dann besser sicht- und tastbar wird.

Sichtbare Zeichen

Das  Fell  in  der  Analregion  ist  häufig  verklebt  und  Blinddarmkot wird  nicht  mehr aufgenommen. So wird verstärkt  Fellpflege  durch  den  Halter  notwendig, ebenso wie eine tägliche Kontrolle  bzw.  das  tägliche  Säubern  des Afterbereichs.  Auch  Inkontinenz  (häufig  Harninkontinenz)  führt  zu  Mehrarbeit  des Besitzers, genauso wie Durchfall,  der  beim  alten Tier  durch  schlechtere Verdauungsleistung des Darms und  verminderte  Wasser-Resorptions-Fähigkeit begünstigt wird. Wird das verklebte Fell nicht täglich gereinigt und  getrocknet, tritt in der Regel im Frühling und im Sommer Madenbefall auf,  der den Tieren große Qualen bereitet  und meist zum Tod führt.

Außengehege

201701 Kaninchen2Sind  ältere  Kaninchen  gesund  und  haben  ausreichend  dichtes  Winterfell  entwickelt,  können  sie  unter  täglicher Kontrolle weiter im Außengehege  leben.  Allerdings  kommt  es  häufig  vor,  dass  das  Winterfell  weniger  dicht ausgeprägt ist als in jungen Jahren oder dass die Tiere Probleme haben, bei sehr kaltem oder feucht-kaltem Wetter ihre Körpertemperatur zu  halten. Als Folge kommt es zu Muskelzittern,  Apathie  und  erhöhter  Krankheitsanfälligkeit. Dann müssen die Tiere  umgehend  auf  Innenhaltung  umgestellt  werden.  In  manchen  Fällen  hilft es, wenn man den Tieren erlaubt,  sich im Spätsommer und im Herbst etwas mehr Winterspeck als üblich anzufressen, da der Speck als isolierende  Schicht  fungiert.  Keinesfalls  darf  das  ins  Gegenteil  umschlagen,  sodass die Tiere am Ende stark übergewichtig werden. Übergewicht begünstigt die Entstehung von Arthrose, verschlechtert  eine  bestehende  Arthrose und führt häufig zum Krankheitsbild  der  Fettleber.  Eine  ausgewogene  Ernährung  und  regelmäßige  Gewichtskontrolle  (optimal  1  x  monatlich)  sind  bei Kaninchen-Senioren sehr wichtig.

Gewicht und Zahnprobleme

Während  tatsächlich  die  meisten  älteren  Tiere  eher  übergewichtig  werden, kann auch der gegenteilige Effekt  eintreten, dass ein Tier stark abnimmt.  Die häufigsten Ursachen sind Probleme  mit  den  Zähnen,  mit  der Verdauung  oder  Nierenerkrankungen.  Werden  Kaninchen  nicht  mit  passendem  Futter  versorgt,  entstehen  unweigerlich  Zahnprobleme  wie  Zahnspitzen  oder  abgebrochene  Zähne.  Je  länger ein Tier falsch ernährt wird (zu wenig Heu/frisches Wiesenfutter), desto  höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass  Probleme  mit  den  Zähnen  auftreten.  Somit erklärt sich das gehäufte Auftreten von Zahnproblemen im Alter.

Alterskrankheiten

Wie andere Tierarten leiden auch Kaninchen  unter  diversen  alterstypischen Erkrankungen wie Grauer Star  oder  Herzerkrankungen/Herzmuskelschwäche. Ebenso wird von Symptomen berichtet, die denen eines demenzkranken Hundes ähneln. So bemerken Halter immer wieder, dass ihr  altes Kaninchen minutenlang in einer  Position verharrt, ohne dass ein Grund  dafür ersichtlich ist. Das Tier „erstarrt“  mitten im Putzen, beim Fressen oder  vor dem Wassernapf und bewegt sich  nicht, geht aber anschließend derselben  oder  einer  anderen  Beschäftigung nach.

Handling älterer Kaninchen

201701 Kaninchen3Es ist wichtig, jeglichen Stress zu vermeiden  (ganz  besonders  bei  Tieren  mit gesundheitlichen Problemen) und  keinen unnötigen Partnerwechsel vorzunehmen. Trotzdem  darf  ein  fortgeschrittenes  Alter  auf  keinen  Fall  als  Ausrede dienen, ein Tier alleine leben  zu  lassen,  denn  Kaninchen  sind  extrem  gesellig  und  sollten  immer  mindestens  zu  zweit  gehalten  werden.  Auch  wenn  man  sich  dazu  entschieden hat, die Kaninchenhaltung aufzugeben,  sollte  das  letzte Tier  nicht  alleine  leben.  Neben  der  Möglichkeit,  es  mit  einem  anderen  alleine  lebenden  Senior  zu vergesellschaften,  gibt  es  auch  die  Möglichkeit,  ein  „Leihkaninchen“ bei sich leben zu lassen. Dieses  Tier  lebt  so  lange  bei  einem,  bis  das eigene Kaninchen stirbt, und wird  dann an seinen Eigentümer zurückgegeben. Dieses Leihtiere stammen aus  artgerechter Haltung und werden nur  zu passenden Kaninchen vermittelt.

Ernährung

Artgerechtes  Futter  ist  bei  Senioren  enorm  wichtig,  um  Zahn-  und  Verdauungsproblemen vorzubeugen.  Ein  hoher  Wasseranteil  des  Futters  (viel  Wiesenfutter  im  Sommer/Salate  und  Kohlsorten im Winter) sorgt für gutes  Durchspülen  der  Nieren.  Der  Zugang  zu Futter und Wasser sollte gerade bei  Senioren  möglichst  komfortabel  sein.  Wenn  die  Tiere  in  jüngeren  Jahren  noch  animiert  wurden,  sich  ihr  Futter  zu erarbeiten, sollte es im Seniorenalter einfach zugänglich und leicht verfügbar  sein.  Die  Fütterung  aus  niedrigen Heuraufen oder direkt vom Boden  bietet  sich  bei  älteren Tieren  an,  ebenso  wie  die  Verwendung  flacher  Pflanzenuntersetzer  als  Futterschale  statt Näpfe mit hohen Rändern. Wasser  kann  ebenfalls  in  diesen  flachen  Schalen angeboten werden, sofern sie  wasserundurchlässig sind.
Ist es nötig, ein Tier mithilfe von Futter  „aufzupäppeln“,  eignen  sich  Haferflocken oder weiche Sämereien wie Kolbenhirse bis zu einer Menge von 1 EL  pro  Tier  und  Tag  über  mehrere  Wochen (Menge langsam steigern). Allerdings sollte der Anteil an der gesamten Ration nicht überhand nehmen, da  sonst ein ungünstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis  entsteht,  das  diverse  Erkrankungen  nach  sich  ziehen  kann.  Täglich ein kleines Stück Banane (ca.  3 cm) erhöht die Kalorienzufuhr deutlich,  wird  aber  von  manchen  Kaninchen nicht gut vertragen.

Haltung

Ein  oft  auftretendes  Problem  bei  Innenhaltung  ist  das  Wegrutschen  der  Tiere  beim  Aufstehen  oder  beim  Hoppeln  auf  glatten  Böden.  Hierbei  schmerzen  dann  die  erkrankten  Gelenke, sodass die Tiere anfangen, Bewegung  zu  vermeiden  oder  sich  nur  sehr  langsam  bewegen.  Beides  ist  nicht  im  Sinne  der  Gesunderhaltung  und  sollte  unterbunden  werden.  Abhilfe kann durch verschiedene Bodenbeläge  geschaffen  werden.  So  kann  das Innengehege der Tiere mit altem  Teppichboden  belegt  werden  (Achtung,  nur  bei  stubenreinen  Tieren!)  oder man wählt einen PVC-Boden, der  mit  waschbaren  Baumwollteppichen  ausgelegt  wird.  Wichtig  ist,  dass  das  Material  nicht  angeknabbert  werden  kann, da die meisten Stoffe für Kaninchen unverträglich sind (z. B. Farbstoffe)  oder  schwere  Verdauungsstörungen  auslösen  (z. B.  Teppichbodenfasern) können.

Jährlicher Check

Ratsam ist es auch, ältere Tiere jährlich  einem Check zu unterziehen, der eine  Blutuntersuchung,  eine  Überprüfung  der Seh- und Hörfähigkeit sowie eine  Endoparasiten-Kontrolle beinhaltet. Ist  die Kontrolle der Sehfähigkeit auffällig,  sodass sichergestellt ist, dass das Tier  einen  Teil  seiner  Sehfähigkeit  eingebüßt hat, ist es wichtig, seinen Lebensraum  nicht  mehr  gravierend  umzugestalten. Werden immer wieder Gegenstände wie Futterschüsseln, Heuraufen oder Unterschlüpfe versetzt, ist  das  Tier  Stress  ausgesetzt  und  läuft  vielleicht  orientierungslos  gegen  Einrichtungsgegenstände.  Daher  sollte  man in diesen Fällen das Gehege bis  auf  regelmäßig  frische  Knabberzweige unverändert lassen.

Fazit

Auch  ältere  Kaninchen  sind  wunderbare  Haustiere  und  verdienen  unsere  volle  Aufmerksamkeit  und  Pflege.  Wenn  man  einige  Dinge  beachtet  und  auf  ihre  Bedürfnisse  eingeht,  können sie glücklich und mit guter Lebensqualität ein hohes Alter erreichen.  Und wenn sie in späten Jahren immer  noch  mit  ihrem  Kaninchenfreund  kuschelnd in der Sonne liegen oder fröhlich  durch  ihr  Gehege  hoppeln,  werden wir für unsere Mühe doch allemal  entlohnt!

INA SCHIMANSKIINA SCHIMANSKI

TIERHEILPRAKTIKERIN

 

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