Coole Tipps für coole Kaninchen

THP 4 21 Page12 Image1Da ist er nun, der Sommer! Unsere Aktivitäten finden zu dieser Jahreszeit überwiegend draußen statt. Wir erfrischen uns mit einem leckeren Eis oder kühlen Getränk und lassen den Feierabend entspannt in unseren Gärten oder auf dem Balkon ausklingen. So toll, wie ein Großteil von uns den Sommer findet, hat er aber auch seine „Schattenseiten“, insbesondere für unsere Haustiere. Schon Temperaturen ab 20°C können unseren Kaninchen ganz schön zu schaffen machen. Physiologisch vertragen die kleinen Langohren kalte Temperaturen (bis -20°C) weitaus besser als Wärme oder gar Hitze. In der freien Natur können sich Wildkaninchen in ihre unterirdischen kühlen Bauten zurückziehen, um sich vor Hitze zu schützen. Unsere Hauskaninchen sind hier auf unsere Hilfe angewiesen.

WARUM SIND HOHE TEMPERATUREN FÜR KANINCHEN GEFÄHRLICH?

Hohe Temperaturen beeinträchtigen den Stoffwechsel und die Organfunktionen der Tiere. Die normale Körpertemperatur beim Kaninchen liegt zwischen 38,5 und 40,0°C. Die Langohren können nicht schwitzen und nur einen minimalen Teil der Wärme über ihre Ohren ableiten. Bei großer Hitze reicht das nicht aus, um die Körpertemperatur im Normalbereich zu halten. Es besteht höchste Gefahr eines Hitzschlages, der wiederum zu Kreislaufversagen führt … Lebensgefahr für das Kaninchen!

WAS SIND DIE ANZEICHEN EINES HITZSCHLAGES?

Es gibt mehrere Symptome, die auf eine Hyperthermie (Hitzschlag) hindeuten. Oft findet man die Tiere mit Flankenatmung flach auf dem Boden liegend vor. Auch offene Maulatmung, starkes Hecheln und tiefe Atmung sind Anzeichen einer Hyperthermie. Die Tiere sind matt und apathisch.

WELCHE FAKTOREN VERURSACHEN EINEN HITZSCHLAG?

Die Kaninchen sind im Außengehege oder Freilauf der prallen Sonne schutzlos ausgesetzt, denn hier befindet sich kein kühler, schattiger Rückzugsort. Daher sollte bei der Planung des Standortes beachtet werden, dass dieser nicht der direkten Sonne ausgesetzt ist. Eventuell bietet sich die Möglichkeit, die Unterkunft der Kaninchen unter einem schattigen Baum oder neben Büschen und ungiftigen Sträuchern zu errichten. Zusätzlich können ins Gehege Betonplatten oder größere Fliesen integriert werden, auf denen die Tiere ein kühlendes Ruheplätzchen finden. Es ist auf eine gute Luftzirkulation zu achten, damit sich die Hitze nicht staut. Große Sonnensegel können gespannt werden.

AdobeStock 164418068Einige Kaninchenhalter bieten ihren Tieren gefrorene PET-Flaschen im Gehege zur Abkühlung an. Dazu werden die leeren Flaschen zu ¾ mit Leitungswasser gefüllt und eingefroren. Im Anschluss können diese an den Lieblingsplätzen der Langohren verteilt werden, und man wird beobachten, wie sich die Tiere in unmittelbarer Nähe der kühlenden Flaschen niederlassen, um die willkommene Abkühlung zu genießen.

Auch sollten viele schattige Rückzugsorte wie Häuschen oder Tunnel, in denen sich die Wärme nicht stauen kann, angeboten werden.
Die Gefahr eines Hitzschlages besteht aber nicht nur in Außenhaltung. Auch im Haus kann Hitze, verursacht z. B. durch große Fenster, durch die die Sonne scheint, den Tieren Probleme bereiten. Es empfiehlt sich bei der Kaninchenhaltung im Haus, ob nun im Kaninchenzimmer oder Wohnungsgehege, in den frühen Morgen- und den späten Abendstunden zur Abkühlung gut durchzulüften. Die Vorhänge bzw. Rollläden an den Fenstern sollten bei großer Sonneneinstrahlung geschlossen bleiben und erst geöffnet werden, wenn die Sonne zur gegenüberliegenden Seite gewandert ist. Mit Wasser angefeuchtete Hand-/ Badetücher oder aussortierte Kopfkissenbezüge können den Langohren zur Abkühlung gegeben werden.
Vorsicht beim Aufstellen von Ventilatoren: Deren Geräusche sind ein Stressfaktor für die Tiere und der Luftstrom kann zu einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) führen.
Finger weg von im Handel angebotenen Kühlmatten für Hunde/Katzen/ kleine Heimtiere: Diese Matten enthalten ein giftiges Gel, das beim Annagen der Matte auslaufen und bei Aufnahme zu schweren Vergiftungen bis hin zum Tod führen kann.

Steht ein Kaninchentransport bei hohen Temperaturen an, kann ein feuchtes Handtuch in die Transportbox gelegt werden. Den Tieren sollten vor Antritt der Fahrt die Öhrchen, das Genick und das Köpfchen mit etwas Wasser vorsichtig benetzt werden. Die Transportbox sollte nach Möglichkeit nicht abgedeckt werden, es besteht sonst die Gefahr eines Hitzestaus im Inneren. Es empfiehlt sich, die Box hin und wieder zur Luftzirkulation zu öffnen. Eine Begleitperson, die diese Aufgabe während der Fahrt übernimmt, wäre eine hilfreiche Option. Mit Trinkwasser befüllte Einwegspritzen können den Tieren in der Box angeboten werden, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und den Kreislauf stabil zu halten.
Generell sollte Kaninchen im Sommer mehr Trinkwasser angeboten werden. Um die Langohren dazu zu animieren, mehr Flüssigkeit aufzunehmen, kann man dem Trinkwasser Gurkenscheiben, Apfelstücke, Himbeeren oder Wassermelonenstücke für einen attraktiveren Geschmack hinzufü- gen. Auch Kräutertees oder Wasser mit zerriebenen, erfrischenden Pfefferminzblättern begeistern. Bei hartnäckigen „Trink-Muffeln“ kann das Frischfutter vor der Fütterung mit etwas Wasser besprenkelt werden.

ERSTE HILFE BEI HITZSCHLAG

Wird ein Hitzschlag vermutet, muss das Kaninchen sofort aus der Sonne geholt und an einen kühlen Ort gebracht werden. Dann sollte das Tier mit feuchten Handtüchern langsam heruntergekühlt werden. Die Vorderpfoten können in eine kleine, mit Wasser gefüllte Schüssel gestellt werden. Dem Kaninchen vorsichtig über eine nadellose Einwegspritze Wasser ins Mäulchen geben. Bei längerer Überhitzung kann eine Infusion durch den Tierarzt/Tierheilpraktiker notwendig sein. Allerdings muss man anmerken, dass die Prognose für das Tier eher schlecht ist, sollte es bereits längerer Zeit der Hitze ausgesetzt gewesen sein.

MYIASIS (FLIEGENMADENBEFALL)

Neben dem Hitzschlag ist die Myiasis (Fliegenmadenbefall) eine Schattenseite des Sommers für unsere Kaninchen. Schon ab dem Frühjahr sollten die Kaninchen mehrmals täglich, insbesondere um die Afterregion, kontrolliert werden. Leidet ein Tier an Durchfall, werden die Schmeißfliegen von diesem Geruch angezogen und legen dort ihre Eier ab. Die daraus schlüpfenden Maden fressen die Kaninchen langsam von außen nach innen auf, qualvoll und elendig.
Ebenso können schon kleinste Wunden die Fliegen anziehen und zur Gefahr werden. Ältere und gesundheitlich angeschlagene Tiere, die sich nicht mehr ausgiebig putzen können, sind besonders betroffen. Mit Kot verschmierte Afterregionen, blutige, eitrige Wunden, verdorbenes Futter, verschmutztes Einstreu sowie verdreckte Kotecken gehören zu den Vektoren, die Schmeißfliegen anlocken.

Bei Innenhaltung empfiehlt es sich, Fliegengitter an den Fenstern anzubringen. Der Duft von Lavendel und Zitronenmelisse wirkt abschreckend auf die Schmeißfliege. Auch hier sollten die Kaninchen regelmäßig kontrolliert werden, denn trotz aller Vorsichtsmaßnamen hat sich schnell eine Fliege ins Haus verirrt.

autorenkastenSYLVIA RECH
TIERHEILPRAKTIKERIN

TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE
Tierhaltungsberatung,Tierheilkunde, spezialisiert auf Kaninchen und Meerschweinchen, Buchautorin

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