Fortpflanzungsphasen bei Kater & Katze

Foto: © CYNOCLUB – FotoliaKater

Im Vergleich zu Kätzinnen sind Kater wahre „Spätzünder“,  denn bei ihnen setzt die Pubertät später ein als bei ihren  weiblichen  Gegenspielern.  Das  normale Alter  dafür  liegt  zwischen  dem  achten  und  zehnten  Lebensmonat, wobei  freilebende Kater ihre pubertäre Phase meist früher erreichen  als  Wohnungskatzen.  Bei  bestimmten  Rassen,  wie  z. B. den Persern, kann die Geschlechtsreife aber auch erst  mit zwei Jahren eintreten. Ab dem Zeitpunkt der Pubertät  sind Kater dann auch zur Fortpflanzung fähig.

Stark ausgeprägte Triebe

Ausschlaggebend für den Zeitpunkt der Pubertät ist beim Kater das Körpergewicht. Ab etwa drei Kilogramm setzt die Hormonproduktion im Hoden ein und es wird vermehrt Testosteron gebildet. Im Unterschied zur weiblichen Katze weist ein Kater keinen „saisonabhängigen“ Sexualzyklus auf. Hat er seine Geschlechtsreife erreicht, ist sein Sexualtrieb so stark, dass er sich sofort auf die Suche nach einer geeigneten Deckpartnerin macht. Kater legen dabei oft sehr weite Strecken zurück und kommen tagelang nicht nach Hause. Gestaltet sich die Suche nach einer Deckpartnerin schwierig, neigen die paarungsbereiten Tiere mehr und mehr zur Aggression, was meist in Kämpfen unter Artgenossen gipfelt. Damit verbunden ist nicht nur ein erhöhtes Verletzungsrisiko, sondern auch die Gefahr einer Ansteckung mit Krankheiten. Ist eine passende Kätzin gefunden, dauert das Vorspiel meist mehrere Tage, da weibliche Katzen den Deckakt nur zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt ihres Zyklus dulden. Während des Geschlechtsaktes können sich sowohl Kater als auch Kätzin mit verschiedenen Infektionskrankheiten anstecken, weshalb von einem unkontrollierten Deckakt in freier Natur abgeraten wird.

Machtausübung durch Markieren

Geschlechtsreife Kater lassen sich schnell am Geruch erkennen, da sie ihre Territorien durch Markieren kennzeichnen. Dabei strecken sie den Schwanz senkrecht nach oben und besprühen Gegenstände mit Urin. Die Schwanzspitze zittert stark während des Markierens. Die im ausgesprühten Urin enthaltenen Pheromone signalisieren anderen Katern, dass hier schon ein Rivale das Revier für sich beansprucht. Der stark stinkende Geruch lässt sich schwer entfernen und stellt für Menschen eine derartige Belästigung dar, dass sie ihre Kater nach der Geschlechtsreife meist kastrieren lassen. Auch bei Freigängern hat die Kastration Vorteile, da kastrierte Tiere sich nicht mehr so weit vom Haus entfernen und zudem die unkontrollierte Vermehrung der Tiere unterbunden wird, was im Hinblick auf die Zahlen der Straßenkatzenpopulation auch im Sinne des Tierschutzgesetzes ist (§ 6 Abs. 1). Züchter, die sich potente Deckkater halten, bringen diese in separaten Räumen unter oder setzen von Zeit zu Zeit Hormonchips ein, um die Kater von ihrem starken Drang zwischendurch zu befreien, da der ausgeprägte Sexualtrieb auch für das Tier selbst mit viel Stress verbunden ist.

Auswirkungen des Testosterons

Das männliche Geschlechtshormon Testosteron hat beim Kater großen Einfluss auf den Körperbau. Geschlechtsreife unkastrierte Tiere verfügen über einen wesentlich größeren Kopf als kastrierte Tiere. Auch die Muskelmasse ist beim potenten Kater kräftiger als bei Kastraten und die Haut wirkt insgesamt straffer. Testosteron steuert aber auch das Sexualverhalten der Tiere. Je mehr Testosteron vorhanden ist, desto triebhafter sind die Tiere und desto mehr werden sie auch ihre Territorien markieren. Potente Kater sind zudem in der Lage, mehrmals täglich zu decken, und entfernen sich weit von zuhause, um eine geeignete Kätzin zu finden.

Der Deckakt

Hat ein potenter Kater eine deckwillige Katze gefunden, so fixiert er sie zur Ausführung des Deckaktes, indem er sie in den Nacken beißt. Während des Deckaktes stößt die Katze dann sog. Begattungsschreie aus, da der Penis des Katers mit kleinen Papillen, die Widerhaken tragen, ausgestattet ist und diese der Katze beim Zurückziehen des Penis Schmerzen bereiten. Dies begründet auch, warum die Katze den Kater nach dem Deckakt mit Pfotenhieben vertreibt und er dann schnell das Weite sucht.

201706 Fortpflanzung2Katze

Weibliche  Katzen  unterscheiden  sich  in  ihrem  Sexualzyklus stark von dem des Menschen, des Hundes und dem  von  anderen  Tierarten.  Katzen  weisen  einen  Zyklus  auf,  den man in der Fachsprache „saisonal polyöstrisch“ nennt.  Das bedeutet, dass ihre Brunstzyklen zwar in regelmäßigen Abständen, aber nur in gewissen Jahreszeiten auftreten. Abhängig ist der Zyklus von der Dauer der Lichteinwirkung.  Beträgt  diese  zwölf  Stunden  pro Tag,  setzt  die  sexuelle Aktivität  (Rolligkeit)  ein.  Hat  die  Katze  in  dieser  Zeit keinen Kontakt zu einem Kater, wird sie alle zwei bis  drei Wochen rollig.

Phase der Pubertät

Von Pubertät spricht man bei der Katze, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, an dem sie erstmals ein sexuell geprägtes Verhalten an den Tag legt. Diese Geschlechtsreife tritt bei Hauskatzen in einem Altervon sechs bis acht Monaten ein, bei manchen Rassekatzen wie den Siamesen, den Abessiniern oder den Burmesen bereits mit vier Monaten, bei anderen wie der British Kurzhaar oder der Perser meist erst mit zwölf Monaten oder später. Auch korreliert die Geschlechtsreife der Katze mit dem Körpergewicht und tritt erst ab etwa drei Kilogramm ein.

Phase der Brunst

Die Rolligkeit besteht aus einer Vorbrunst und der eigentlichen Brunstphase, die durch das Ansteigen des weiblichen Sexualhormons Östrogen im Blut eingeleitet wird. Während bei Hündinnen in dieser Phase eine deutliche Veränderung am äußeren Genital zu beobachten ist, zeigen Katzen keine derartigen Veränderungen. Auf das Vorliegen einer Rolligkeit deutet nur das veränderte Verhalten der Katzen hin. Anfangs sind sie extrem anhänglich und verschmust, miauen ständig und zeigen sich aggressiv gegenüber Katern. Diese Aggression nimmt aber nach ein paar Tagen ab. Nach etwa drei Tagen zeigen die Tiere eine deutliche Unruhe, ein Reiben und Wälzen mit lautem Miauen und Einnehmen einer eindeutigen Deckposition. Die Katze hockt auf ihren Vorderbeinen, scharrt mit ihren Hinterbeinen, biegt dabei den Rücken durch und den Schwanz zur Seite. Dauer und Intensität der Rolligkeit sind rasseabhängig. Erst nach dem Eisprung (Ovulation) endet die Rolligkeit. Damit der Eisprung eintreten kann, ist jedoch meist der Deckakt notwendig. Man spricht vom Phänomen der induzierten Ovulation. Beim Deckakt werden Rezeptoren (Sinneszellen, die auf mechanische Reize reagieren) in der Scheidenwand mechanisch stimuliert. Durch diesen Reizwird in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) das Luteinisierungshormon (LH) freigesetzt, das die Reifung der Eizellen bewirkt. Der optimale Deckzeitpunkt ist daher ab dem dritten Tag der Rolligkeit gegeben. Da für die Ovulation jedoch eine bestimmte LH-Konzentration im Blut vorhanden sein muss, die durch einen einmaligen Deckakt meistens nicht erreicht wird, kommt es in der Regel zu drei bis fünf Deckakten innerhalb von ein bis zwei Stunden. Erfahrene Züchter berücksichtigen dies und lassen ihren Zuchtkater nur zwei Stunden täglich zu ihrer rolligen Zuchtkätzin. Ist durch das mehrmalige Besteigen die Mindestgrenze des LH-Spiegels erreicht, kommt es nach ein bis zwei Tagen zum Eisprung. Da in diesem Zeitraum die Katze für andere Kater noch empfänglich bleibt, besteht in freier Natur die Möglichkeit, dass die Katze Nachkommen von verschiedenen Vatertieren bekommt. Generell spielt sich die Brunstphase von Februar bis September ab, wobei hier mehrere Zyklen mit einer jeweiligen Dauer von 15 bis 20 Tagen ablaufen, wenn kein Deckakt stattfindet. Im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, tritt die Katze in den sog. Anöstrus, die Phase der sexuellen Ruhe, ein. Diese erstreckt sich unter natürlichen Bedingungen von September bis Dezember. Stehen die Katzen aber unter künstlichem Lichteinfluss, wie das bei Wohnungskatzen meist der Fall ist, bleibt die sexuelle Aktivität auch im Winter erhalten.

Phase der Trächtigkeit

Nach dem Eisprung entwickeln sich auf dem Eierstock Gelbkörper, die das Trächtigkeitshormon Progesteron freisetzen. Die Trächtigkeit selbst beträgt bei der Katze etwa 64 Tage, ist aber von der Wurfgröße abhängig. Die Föten können etwa zwei Wochen nach dem Deckakt als kugelige Gebilde durch die Bauchwand getastet werden. Eine Woche später, also nach dreiWochen, kann derTierarzt dieTrächtigkeit mittels Ultraschalluntersuchung bestätigen. Im letzten Drittel der Trächtigkeit steigt der Kalorienbedarf der Katze stark an. Das sollte man berücksichtigen, wenn man eine trächtige Katze zuhause hat. Vor der Geburt frisst die Katze dann meist nichts mehr und zieht sich zurück, um in Ruhe gebären zu können. In dieser Phase öffnet sich der Muttermund und die Wehen setzen ein. Im Normalfall werden die Kitten in Intervallen von weniger als einer Stunde geboren. Die Nachgeburten folgen innerhalb von 5 bis 15 Minuten nach der Geburt jedes Kitten. Katzen können in der Regel zweimal pro Jahr Kitten gebären. Die Wurfgröße beträgt bei Hauskatzen zwei bis fünf Kitten proWurf. Bei Rassekatzen sind die Wurfgrößen sehr unterschiedlich.

201706 Fortpflanzung3Phase der Laktation

Die Säugephase (Laktation) beträgt etwa 50 Tage. Säugende Katzen zeigen keinen Brunstzyklus, weil das Säugen eine hemmende Wirkung auf den Eierstock hat. Ab der vierten Woche nach der Geburt fangen die Katzen aber an, ihre Jungen abzusetzen. In dieser Zeit kann der Katzenbesitzer anfangen zuzufüttern. Sind dieWelpen abgesetzt, erkunden sie mehr und mehr ihre Umwelt und werden selbstständig. Im Alter von zwölf Wochen können sie dann von den Züchtern an ihre neuen Besitzer abgegeben werden.

DR. ISA FOLTINDR. ISA FOLTIN
TIERÄRZTIN
RADIOLOGIN
DIPLOM-JOURNALISTIN

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