Futtermittelunverträglichkeit: THP-Labor Vetscreen

201606 Futter1Reaktionen auf Futterbestandteile sind für Hund und Katzen schon seit ca. 100 Jahren bekannt. So wie wir Menschen leiden auch sie immer häufiger an Futtermittelunverträglichkeiten bis hin zu Futtermittelallergien. Allein jeder 2. Hund in Deutschland mit Verdacht auf eine Futtermittelallergie wird positiv getestet. Leider gibt es keine typischen Reaktionen, die sicher auf eine Futtermittelunverträglichkeit schließen, aber meist sind Haut und/oder Gastrointestinaltrakt betroffen, wobei von Durchfall über Flatulenzen oder häufigen Kotabsatz mit oft weicher Konsistenz alles möglich sein kann. Fest steht: Bei chronischem Durchfall liegt oft eine Futtermittelunverträglichkeit vor. Bei Katzen rechnet man mit ca. 30 Prozent, die von Futtermittelallergien betroffen sind. Eine Futtermittelunverträglichkeit kommt deutlich häufiger bei Jungtieren als bei alten Tieren vor, bleibt aber bis ins hohe Alter bestehen, dann oft mit milderem Verlauf.

Einige Vierbeiner neigen eher zu Futtermittelallergien als andere. Hierzu zählen vor allem Siamkatzen, aber auch der West Highland White Terrier, Weiße Boxer, Schäferhunde und der Cocker Spaniel. Irische und Englische Setter fallen besonders durch ihre Gluten-Empfindlichkeit auf.

Symptome, die bei einer Futtermittelunverträglichkeit  auftreten können 

  • Erbrechen, das sich nach Futterumstellung bessert 
  • Durchfälle, die sich nach Futterumstellung bessern 
  • Blähungen 
  • Juckreiz mit schuppiger Haut und Haarausfall 
  • Hautreaktionen 
  • Appetitlosigkeit und Antriebsarmut 
  • Wachstumsstörungen bei Jungtieren

Die beste Diagnostik stellt das Füttern einer Diät dar, die lediglich einen Teil an Kohlehydraten und Eiweiß enthält. Möglichst wählt man etwas, was vorher selten oder nie gefüttert wurde und daher mit großer Wahrscheinlichkeit gut vertragen wird. Kommt es während der Diät zum Ruhen der Symptome, wird die vorherige Diät gefüttert, um zu beweisen, dass Futter und Krankheitserscheinungen wirklich voneinander abhängen. Bis zu 12 Wochen kann es dauern, bis diese Eliminationsdiät Früchte trägt – ein zeitraubender Prozess. Als Basis einer Futterumstellung kann ein Futtermittelallergietest dienen.

Probleme in der Diagnostik

Wer kann schon seine Tierhalter dazu bringen, dass wirklich nur ein Futter angeboten wird, dass nebenbei nichts an Leckerli gegeben werden darf? Immer wenn Diätfehler passieren, muss mit dem 12-Wochen-Intervall von vorne begonnen werden, was oft für den Tierhalter nicht einzusehen ist. Ein diagnostisches Dilemma.

Lösen des diagnostischen Dilemmas

Seit einigen Jahren kann man mit einer Blutprobe Antikörper gegen Futtermittelbestandteile nachweisen. Bei Stoffen, in denen weder Antikörper der Klasse IgG oder IgE nachweisbar sind, ist eine Unverträglichkeit extrem unwahrscheinlich. Damit besteht eine größere Auswahl an Nährstoffen, die risikoarm gefüttert werden können. Das macht es dem Tierhalter einfacher, die von Ihnen als Therapeuten empfohlene Fütterungshinweise auch wirklich umzusetzen. Der Therapieerfolg tritt ein.

Wie groß ist die Erfolgsrate bei  Verwendung des Futtermitteltests?

Sehr groß. Auf Unverträglichkeiten beruhende Durchfallproblematiken sind innerhalb weniger Tage behoben, bei Hautveränderungen braucht es mehrere Wochen. Hier sollte parallel auch ermittelt werden, ob gleichzeitig eine Allergie gegen Milben, Pollen, Flohspeichel oder Schimmelpilze vorliegt.

Fallbeispiel Hündin Ruby

201606 Futter2Die Labrador-Hündin Ruby, weiblich, 2 Jahre alt, wurde aufgrund ständig wiederkehrenden Durchfalls mit Ausscheidung unverdauten Futters in der Tierheilpraxis vorgestellt. Ruby hat Bauchschmerzen und ist seit Tagen schlapp. In der Praxis erfolgte nach eingehender Untersuchung eine Blutentnahme. Die Tierhalterin brachte noch Kot zur Untersuchung mit. Blut und Kot wurden ins Labor geschickt. Im Blutbild fand man die Eosinophile leicht erhöht. Das Durchfallscreen aus dem Kot war ohne Befund. Daraufhin wurde die Erstellung eines Futtermittelallergietests aus der Blutprobe von der Tierheilpraktikerin nachgefordert.

Das Testergebnis fiel positiv auf folgende Futtergruppen aus: 

  • Rind: Reaktionsklasse 5 
  • Huhn: Reaktionsklasse 3 
  • Kaninchen: Reaktionsklasse 3 
  • Sojabohnen: Reaktionsklasse 2 
  • Wild: Reaktionsklasse 3

Nachweis der Diagnose: Futtermittelallergie

Behandlung und Wirkung

In der Tierheilpraxis wurde der Futtermittelallergietest ausgewertet und eine neue Diät nach dem Ausschlussverfahren (Vermeidung der Futtermittel, die im Futtermittelallergietest positiv getestet wurden) für Ruby erstellt. Es wurde auf hypoallergenes Futter (Ente und Reis) umgestellt.
Rubys gesundheitlicher Zustand verbesserte sich enorm innerhalb der ersten 2 Wochen. Die Labrador-Hündin erlitt einen Rückfall, nachdem von der Tierhalterin wieder das ursprüngliche Futter gegeben wurde. Nach diesem Vorfall wurde von der Hundehalterin nur noch das hypoallergene Futter angeboten. Bis heute ist Ruby beschwerdefrei.

Fallbeispiel Kater Frankie

201606 Futter3Frankie ist ein Bengalkater, männlich, 3 Jahre alt. Er wurde in der Tierheilpraxis aufgrund chronischen Durchfalls mit Schleimbeimengungen vorgestellt. Außerdem litt Frankie unter Juckreiz im Gesicht und kleinen Erosionen im Maulbereich.
Maßnahme: Die Tierheilpraktikerin forderte eine Kotprobe des Tieres vom Tierhalter an und schickte diese ins Labor. Es wurde ein Kotscreen erstellt. Die Darmflora war unauffällig, es lag keine Dysbakterie vor. Daraufhin nahm die Tierheilpraktikerin dem Kater Blut ab. Die Ausbeute war gering, da Frankie nicht sehr kooperativ bei der Blutentnahme war. Aufgrund der geringen Blutmenge, die gewonnen werden konnte, wurde auf Wunsch der Therapeutin gleich ein Futtermittelallergietest durchgeführt.

Dieser ergab Folgendes: 

  • Rind: Reaktionsklasse 2
  • Lamm: Reaktionsklasse 3 
  • Kaninchen: Reaktionsklasse 5 
  • Kuhmilch: Reaktionsklasse 3

Nachweis der Diagnose: Futtermittelallergie

Behandlung und Wirkung

Nach Auswertung des Futtermittelallergietests wurde eine neue Diät nach dem Ausschlussverfahren von Frankies Tierheilpraktikerin angeordnet:
Das Futter wurde auf Wild mit grünen Erbsen umgestellt. Frankie nahm das neue Futter gut an. Es war eine sofortige Verbesserung zu erkennen. Der Kater leidet nun nicht mehr unter Durchfall, der Juckreiz im Gesicht ist auch verschwunden. Auf Leckerli wurde für den Anfang vollkommen verzichtet. Bis heute ist Frankie beschwerdefrei.

Fallbeispiel Kater Räuber

201606 Futter4Noch ein typischer Fall – Räuber, eine 5 Jahre alte, männliche Hauskatze: Wegen chronischen Durchfalls wurde eine Kotuntersuchung eingeleitet, die einen hohen Wurmbefall und eine Dysbakterie ergab. Der Durchfall hielt trotz verschiedener Therapien an. Es wurde daraufhin ein Futtermittelallergietest durchgeführt. Nach Diätumstellung unter Berücksichtigung der positiven Reaktionen (verschiedene Fleischsorten einschließlich Kaninchen) kam der Durchfall schnell zum Erliegen.

Die Labordiagnostik hilft, Verdachtsdiagnosen anhand des klinischen Bildes zu sichern. Futtermittelallergietests sind gute Hilfsmittel, um Tiere mit Futterunverträglichkeiten erfolgreich zu behandeln.

201606 Futter5Wir hoffen, Ihnen mit diesem Leitfaden weitergeholfen zu haben. Sollten Sie noch Fragen haben, rufen Sie uns gerne unter Tel. 0971/78 59 79 02 an oder schreiben Sie uns eine E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! – wir freuen uns auf Sie!

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Fotos: © Privat, Martina Osmy – Fotolia, Franziska Krug, aleksandr – Fotolia

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