HUNDEPSYCHOLOGIE: Der Phosphorus-Hund

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EIN KAPITEL FÜR SICH


Das homöopathische Konstitutionsmittel Phosphorus wird aus dem sehr gefährlichen chemischen Element Phosphor gewonnen.

 

Gegensätze ziehen sich an

201502 Phosphor1Physiologisch gesehen ist Phosphor für jeden Organismus sowohl lebensnotwendig als auch potenziell tödlich! Jede DNA bzw. RNA besteht aus Molekülen, die aus Phosphorverbindungen gebildet werden. Ohne Phosphor also kein Leben und auch keine Evolution, denn nur durch Moleküle der DNA können Erbinformationen von Generation zu Generation weitergegeben werden. Weiterhin ist Phosphor ein sehr wichtiger Bestandteil des Blutes und spielt für den Energiestoffwechsel eine wichtige Rolle, indem er am Aufbau von Zuckerphosphaten, dem Zuckermolekül Adenosintriphosphat (ATP), Phospholipiden, unterschiedlichen Coenzymen und am Aufbau gesunder Knochen und Zähne beteiligt ist. Jeder Organismus muss mit jeder Mahlzeit eine geringe Dosis an Phosphor zu sich nehmen, um gesund und lebensfähig zu bleiben. Wie bei den meisten anderen Stoffen gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift. Ist der Phosphorgehalt dauerhaft deutlich zu hoch, führt das zu massiven Schäden und nicht selten zum Tod des Tieres, da dem Organismus die lebenswichtige Beteiligung an der Eiweißund Kohlenhydratsynthese sowie an zentralnervösen Vorgängen zum Verhängnis wird. In zu hoher Dosis führen die durch den Phosphor ausgelösten chemischen Vorgänge im Körper zu einer Zerstörung von Enzymen und zu neurologischen Störungen bzw. Ausfällen. Das Gefährliche an der zerstörerischen Wirkung von Phosphor ist, dass sie erst mit einer Verzögerung von einigen Tagen zutage tritt. Die Zerstörung ist also zum Zeitpunkt des Behandlungsbeginns bereits sehr weit fortgeschritten. Direkter Hautkontakt führt zu tiefen, stark brennenden Verletzungen, die nur sehr langsam wieder heilen.

201502 Phosphor4Phosphor ist aber nicht gleich Phosphor. Es sind vier verschiedene Ausführungen von Phosphor bekannt: weißer, roter, schwarzer und violetter Phosphor. Aufgrund der unterschiedlichen Strukturen in der Kristallbildung haben alle Phosphor-Ausführungen unterschiedliche chemische Eigenschaften. Die Ausgangsform aller vier Formen ist der sog. weiße Phosphor, der sich nach kurzer Zeit gelblich färbt. Dieser weiße bzw. gelbe Phosphor ist nicht nur die Ausgangssubstanz des homöopathischen Mittels Phosphorus, sondern auch der Gefährlichste seiner Art. Der gelbe Phosphor ist hoch reaktiv und entzündet sich von selbst, wenn er in Kontakt mit Sauerstoff kommt. Chemisch gesehen geht Phosphor besonders gerne bzw. leicht Sauerstoffbindungen ein und wirkt anschließend stark reduzierend. Nachdem sich der Phosphor entzündet hat, reagiert Schwefelsäure mit weißem Phosphor und wird zu Schwefeldioxid reduziert. Durch diesen Verbrennungsvorgang entsteht Phosphorpentoxid und entwickelt sich in Verbindung mit feuchter Luft sehr schnell zu einem hochgiftigen Nebel. Trotz dieser Verbrennungsvorgänge bleibt der Brand bestehen und das Feuer erlischt nicht wieder von selbst. Wird sehr viel Wasser zum Löschen verwendet, ist es zwar möglich, den Phosphorbrand kurzzeitig zum Stillstand zu bringen, es entstehen aber reaktive Rückstände, die sich an der Luft sofort wieder entzünden, sobald das Wasser getrocknet ist. Weiterhin besteht jederzeit die Gefahr, dass die gesamte Umgebung durch eine heftige Explosion zerstört wird.

201502 Phosphor5Genauso wie Phosphor in unterschiedlichen Formen und Funktionen vorkommen kann, hat sein Name auch zwei vollkommen gegensätzliche Bedeutungen. Die griechische Übersetzung lautet „Lichtbringer“, die sich aus den beiden Wortstämmen „Phos“, was so viel wie „Licht“, und „phor“, was so viel wie „tragen“ bedeutet, ableitet. Übersetzt man das nun ins Lateinische, so ergibt sich der Begriff „Lucifer“. Dieser Name wird als Inbegriff des Bösen, nämlich des Teufels, verstanden. Auch hier finden sich die beiden Gegensätze von Leben und Tod wieder, da es ohne Licht keinerlei Leben gibt und der Teufel mit dem Tod „im Bunde ist“.

Weiter wird das Gegensätzliche des Phosphors deutlich, wenn man bedenkt, dass Phosphor seit jeher in zwei gegensätzlichen Arten eingesetzt wird. Bereits 1669 entdeckte der Apotheker Hennig Brand den Phosphor und dass dieser als Leuchtmittel für Lampen benutzt werden kann, was dem Namen „Lichtträger“ gerecht wird. Landwirte hingegen nutzen Phosphor als Düngemittel und bislang gibt es keinen weiteren Stoff, der an die positive Düngewirkung des Phosphors heranreichen könnte.
Im 2. Weltkrieg wurde die zerstörerische Wirkung des Phosphors dazu benutzt, giftige Nebelgranaten und Phosphorbomben zu bauen. Neben der toxischen Wirkung auf die Atmungsorgane und den gesamten Organismus konnten Phosphorbomben auch dafür sorgen, dass ganze Städte als nicht löschbar in Brand gesetzt werden konnten. Eine einmal eingeleitete Zerstörung war also mehr oder weniger endgültig und konnte weder schnell in den Griff bekommen noch rückgängig gemacht werden. Jeder, der eine derartige Situationen miterleben musste, wurde stark traumatisiert und kann diesen lebensbedrohlichen und scheinbar aussichtslosen Zustand niemals wieder vergessen. Durch Kleinigkeiten, die an solch ein Erlebnis erinnern, kann es jederzeit zu einer sog. Retraumatisierung kommen.

Der Phosphorus-Hund

Genauso gegensätzlich wie die Eigenschaften des Ausgangsstoffes Phosphor sind auch Hunde, denen mit dem Konstitutionsmittel Phosphorus geholfen werden kann. Ein und derselbe Hund hat zwei vollkommen gegensätzliche Seiten, sodass der Halter häufig den Eindruck hat, als hätte er zwei unterschiedliche Hunde.

Der Grundcharakter von Phosphorus-Hunden

Foto: HoffmannDer Phosphorus-Hund ist hoch reaktiv und reagiert auf Außenreize wie Geräusche, Bewegungen, Lichtquellen, Berührungen etc. sofort. Hierbei kann es jederzeit zu wahren Explosionen kommen, wobei es egal ist, ob der Hund sich freut, Angst hat oder jemanden nicht mag. Seine Reaktion ist immer überschießend und kann auch ansteckend sein. Phosphorus-Hunde sind im Normalfall sehr lebendig und stehen immer an der Grenze zur Hyperaktivität. Es ist nicht schwer, sie zum Training zu motivieren. Werden sie mit Hilfe von positiver Verstärkung trainiert, können sie fast jede Art von Kunststückchen und Sportarten lernen und laufen dort zur Höchstform auf. Wenn man allerdings nicht aufpasst, überdrehen diese Hunde schnell und kommen überhaupt nicht mehr zur Ruhe bzw. werden zu „Junkies“. Es ist zwar möglich, den Bewegungs- und Aktivitätsdrang dieser Hunde zu „löschen“, aber die Ruhe hält nicht lange an, denn bereits nach einer kurzen Verschnaufpause ist der Hund wieder vollkommen ausgeruht und bereit zu neuen Taten. Insofern lautet die Grundregel bei Beschäftigung und Training auch für Hunde: Die Dosis macht das Gift.
Eine extrem hohe Reaktivität zeigen diese Hunde auch dadurch, dass sie jede Stimmung ihrer Menschen sofort wahrnehmen und dementsprechend reagieren. Es ist also nicht immer ganz einfach zu erkennen, ob der Hund selbst z. B. Angst vor etwas hat oder auf die Stimmungsübertragung seines Menschen reagiert. Häufig wird diesen Hunden auch eine Art „Hellsichtigkeit“ nachgesagt und diese scheint sich bei Begegnungen von Menschen und Hunden auch häufig zu bestätigen.
Es kommt oft vor, dass ein Phosphorus- Hund – obwohl er grundsätzlich nicht aggressiv ist, den Kontakt zu Menschen und Artgenossen genießt und von sich aus sucht – mit aggressivem Abwehrverhalten auf bestimmte Hunde oder Menschen reagiert, obwohl der Halter keinerlei Auslöser dafür erkennen kann. Kommt ein fremder Hund näher, reagiert er entweder äußerst aggressiv auf den Phosphorus-Hund oder der Halter warnt schon von Weitem, dass sein Hund gefährlich ist.

Foto: Cole - FotoliaWo immer Phosphorus-Hunde angeboten werden, sind sie meist die ersten, die ein Zuhause finden. Nicht selten werden sie kurze Zeit später aber wieder abgegeben, weil die Halter mit ihnen überfordert sind. Abgabegründe sind dann häufig ein extrem unsicheres Verhalten in unbekannten Situationen, das auch durch Training nicht beeinflusst werden kann, hyperaktives Verhalten und Ungehorsam. Hier zeigen sich die „zwei Gesichter“ des Phosphorus. Der Hund lernt einerseits extrem schnell und gerne und ist auch rasch sehr gehorsam, doch dieser Gerhorsam hält nicht zuverlässig an. Der Hund lässt sich von Außenreizen ablenken und ist dann nicht mehr ansprechbar. Bei Unarten wie unerwünschtem Jagdverhalten, dem Fressen von ungenießbaren Dingen auf Spaziergängen oder dem Anspringen von Menschen können durch Training zwar grundsätzlich relativ gute Erfolge erzielt werden, diese sind aber keinesfalls dauerhaft abrufbar. Zum einen lässt der Phosphorus-Hund keine Möglichkeit aus, um seinen Menschen auszutricksen und seinen Willen doch, wann immer möglich, durchzusetzen und zum anderen fällt er immer wieder in alte Verhaltensweisen zurück, ohne dass man als Halter schnell genug reagieren bzw. damit rechnen könnte.
Personen oder Artgenossen, die er in sein Herz geschlossen hat, werden sehr überschwänglich begrüßt und der Hund klebt förmlich an diesen Menschen oder Artgenossen. Kann er jemanden aber nicht leiden, zeigt er das leider genauso deutlich und der Situation nicht immer angemessen.

Als Halter hat man jedoch häufig das Gefühl, dass der Hund „das größte Goldstück“ ist, da er überaus lieb und verschmust ist, gerne lernt und immer gut gelaunt ist. Und diese gute Laune überträgt sich sowohl auf den Halter als auch auf die meisten Menschen, denen man mit dem Hund begegnet. Bei Verhaltensweisen aber, die man als Mensch gerne verändern möchte, erweist sich der Phosphorus-Hund jedoch oft als wahrer „Teufel“, der einen immer wieder an den Rand der Verzweiflung bringt. Am schwierigsten wird es, wenn ein Phosphorus-Hund traumatisiert wurde oder andere problematische Verhaltensweisen zeigt. Auch hier gilt: Es ist zwar häufig möglich, das Problem durch ein sehr intensives und zeitaufwendiges Training zu „löschen“, aber es kommt immer wieder zu mehr oder weniger schweren Rückfällen. Ist ein Phosphorus- Hund durch einen Unfall, einen lauten Knall oder eine vergleichbar schlimme Situation sehr erschrocken, prägt sich diese „Lebensgefahr“ sehr tief und dauerhaft im Gedächtnis des Hundes ein. Es scheint häufig so, als befände sich der Hund dauerhaft am Tor zur Hölle und würde befürchten, in den brennenden Gluten versinken zu müssen.
Egal wie erfolgreich ein Hundetraining verlaufen ist, das Trauma hinterlässt auch nach dem „Löschen“ noch hochreaktive und gefährliche Rückstände, die jederzeit wieder explodieren können. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Phosphorus-Hunde sehr verschmuste und freundliche Gefährten sind, wenn man bereit ist, den einen oder anderen Kompromiss einzugehen und ihm mit Respekt, Verständnis und Geduld begegnet.

ALEXANDRA HOFFMANN ALEXANDRA HOFFMANN
TIERPSYCHOLOGIN
HEILPRAKTIKERIN FÜR PSYCHOTHERAPIE IN EIGENER PRAXIS IN GERMARING BEI MÜNCHEN
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TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE

  • Bach-Blütentherapie für Hunde
  • Veterinärhomöopathie
  • Humanpsychologie und Notfallmedizin
  • Angewandte Prävention und Gesundheitförderung in der Tiermedizin
  • Dozentin an den Paracelsus Schulen

Fotos: © viperagp - Fotolia, doomu - Fotolia, Patryssia - Fotolia

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