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Infektiöse Anämie der Einhufer (ansteckende Blutarmut)

Was ist unter der infektiöse Anämie der Einhufer zu verstehen?

Die auch als ansteckende Blutarmut der Einhufer bezeichnete virusbedingte Erkrankung des Blutes und der blutbildenden Organe befällt Equiden (Pferde, Esel, Maultiere, Maulesel, Zebras) und kann tödlich enden. Menschen werden nicht gefährdet. Die Erkrankung ist weltweit verbreitet. In Deutschland traten bislang nur vereinzelte Fälle auf, die sich bislang auf wenige Tiere beschränkte. Auslöser waren importierte Pferde aus Ost- und Südosteuropa, wo die Seuche häufiger vorkommt.

Die Krankheit verläuft akut, chronisch oder inapparent (unauffällig), wobei die klinischen Symptome je nach auftretender Form variieren.

Woran erkennt man die infektiöse Anämie der Einhufer?
Die Symptome sind eher allgemeiner Natur, die je nach Verlaufsform unterschiedlich stark und unterschiedlich vollständig ausgeprägt sein können:

• Fieber bis zu 41°C
• gerötete Augen mit wässrigem Ausfluss
• blasse oder gelbe Schleimhäute (Anämie)
• punktförmige Blutungen in den Schleimhäuten, besonders am Zungengrund
• Konditionsverlust, Schwäche, Gewichtsverlust
• Schwellungen an Gliedmaßen und Bauch (Ödeme)
• Aborte
• Unfruchtbarkeit
• unkoordinierte Bewegungen (Ataxien)
• Kolik
• Futterverweigerung
• Blut in den Pferdeäpfeln

Für die chronische Verlaufsform sind sich wiederholende Fieberanfälle und Krankheitsschübe typisch, die über 3 -5 Tage gehen und von 4 -6-wöchigem symptomfreien Intervallen gefolgt sind.

Tiere, die symptomlos erkranken und damit gesund erscheinen, sind lebenslang Träger des Virus und stellen eine ständige Ansteckungsgefahr für andere Equiden dar.

Bilder von typischen Krankheitssymptomen

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Die Inkubationszeit beträgt üblicherweise ein bis drei Wochen, seltener 3 Tage bis 3 Monate. Die Infektion kann in einem Zeitraum von 2 bis 7 Wochen zum Tod der Tiere führen. Mit der Vermehrung des Virus im infizierten Tier werden spezifische Antikörper gebildet, die zwei bis drei Wochen nach der Infektion erstmalig durch Blutuntersuchung nachweisbar für die Feststellung der Krankheit sind.

Wie wird die infektiöse Anämie der Einhufer übertragen?
• Über Vektoren: Bremsen, Mücken und Stechfliegen beim Stech-/ Saugakt; die zur Infektion notwendige Virusmenge wird durch mehrmaliges Stechen des Virusträgers erreicht.
• Über engen Kontakt von infizierten Tieren, die das Virus über Speichel, Milch, Urin und Sperma ausscheiden, mit anderen Tieren.
• Von der Mutterstute auf das Fohlen, auch schon im Mutterleib.
• Durch nicht genügend gereinigte und desinfizierte tierärztliche Instrumente.

Was tun bei infektiöser Anämie der Einhufer?
Die infektiöse Anämie der Einhufer ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Tiere, bei denen unklare Krankheitszeichen auftreten, sollten sofort dem Haustierarzt vorgestellt werden. Bei Seuchenverdacht ist außerdem unverzüglich das zuständige Veterinäramt zu unterrichten.

Dieses veranlasst weitere Maßnahmen wie Probenentnahme für diagnostische Untersuchungen, Einzelhaltung der verdächtigen Tiere, Verbringungsbeschränkungen (Teilnahmeverbot für Turniere, Verkauf, Handel etc.) und Exportverbote.

Sollte das Virus nachgewiesen werden, muss das betroffene Tier eingeschläfert werden, um die Weiterverbreitung der Seuche dieser unheilbaren Krankheit zu verhindern. Eine Therapie oder auch Impfung ist weder möglich noch erlaubt!

Verhaltenshinweise für Pferdebesitzer zur Verminderung der Seuchengefahr
• Sauberhalten der Boxen, Stallgasse und alle dazugehörigen Räumlichkeiten,
• Vermeiden vom gemeinsamen Gebrauch von Sattelzeug und Bürsten; wenn doch- sollten sie nach jedem Gebrauch desinfiziert werden, da gerade Geräte Hautabschürfungen oder Absorption von Sekreten oder Exkreten bewirken,
• regelmäßige Entfernung von Pferdeäpfeln und Mist,
• auf Weiden und Paddocks sollte kein Wasser stehen, sondern eine gute Drainage vorhanden sein, da stehendes Wasser Brutstätten von Insekten sind.
• sorgfältige Insektenkontrolle (erforderlichenfalls Einsatz von Insektiziden),
• importierte Pferde aus gefährdeten Gebieten sollten nur nach Vorlage eines negativen Untersuchungsergebnisses des Blutes in den Bestand eingestellt werden.
• Sofern noch nicht erfolgt, die eigene Pferdehaltung dem zuständigen Veterinäramt anzeigen, um die Seuchenbekämpfung nicht zu behindern und nicht massive Nachteile im Seuchenfall zu erleiden.

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Quelle: Landesuntersuchungsamt Koblenz (18.03.2010 )   Fotos: © Landesuntersuchungsamt Rheinland Pfalz