Darf der Hund ins Bett? Pro & Contra

THP 6 18 Page41 Image1Das Bett ist für Hunde oft ein Tabuthema. Darf der Hund ins Schlafzimmer oder gar ins Bett, stelle ich mir die Frage, ob ich bei der Erziehung etwas falsch gemacht habe und mein Hund mich nicht als „Chef“ ansieht? Fragen und Begebenheiten, die nur in unseren zivilisierteren Kulturen auftreten. Betrachten wir den Wolf, fällt zunächst auf, dass Wolf und Hund Rudeltiere sind. In einem Rudel schlafen die Tiere gemeinsam, sodass der Drang des Hundes nach unserem Bett fast logisch erscheint, auch wenn die Schlafgewohnheiten innerhalb eines Rudels nicht bedeuten, dass die Tiere immer nebeneinander liegen, denn oft kann zwischen den einzelnen Liegeplätzen ein Abstand von mehreren Metern sein. Trotzdem sind sie mit all ihren Sinnen miteinander verbunden und wissen zu jedem Zeitpunkt genau, wo sich die einzelnen Rudelmitglieder aufhalten. Ganz eng zusammen schlafen nur diejenigen Tiere, die sich sehr eng verbunden fühlen.

Wann schläft ein Wolf nicht beim Rudel?

Zum Alleinschläfer wird der Wolf, wenn er aus dem Rudel ausgeschlossen wurde oder so krank ist, dass er dem Rudel nicht mehr folgen kann bzw. eine Gefahr für das Rudel darstellen würde.
Die Inuit (Eskimostamm) nehmen während der Jagd ihre Hunde mit ins Schlafzelt, um sich zu wärmen, da die Körpertemperatur des Hundes bis zu 2°C über der des Menschen liegt. Es existieren Nachweise, dass unter den Felldecken in den Schlafzelten der Eskimos die Anordnung Mensch-Hund-Mensch-Hund immer eingehalten wurde.

Was spricht also in unserer Kultur dagegen?

HYGIENE?
Unsere heutigen Haushunde sollten sich in einem so gepflegten Zustand befinden, dass hygienische Aspekte hierbei keine Rolle spielen sollten. Zu beachten sind jedoch ausgefallene Hundehaare, die sich im Schlafzimmer oder Bett ablagern, da diese für Hausstauballergiker ein Problem darstellen. In diesem Fall sollte der Hund also tatsächlich vom Schlafzimmer ferngehalten werden. Ähnliches trifft auf das Kinderzimmer zu, da Kinder ein noch nicht so gut entwickeltes Immunsystem aufweisen, sodass abgewogen werden sollte. Denn einerseits wirkt sich ein Hund auf Kinder nachweislich positiv aus, da er deren Psyche beruhigt und Schutz vermittelt, andererseits können auch Krankheiten (Zoonosen) übertragen werden.

KRANKHEITEN?
Viele Krankheiten, die als Zoonosen auf den Menschen übertragen werden können, konnten mittlerweile durch ausreichenden Impfschutz ausgerottet werden, sodass diese Gefahr eher als gering zu bewerten ist.

PARASITEN?
Hierbei sind wir tatsächlich bei einem wichtigen Thema angekommen, da Hunde sich schnell und oft mit Parasiten infizieren und diese auch auf uns Menschen übertragen. Flöhe sind zwar relativ wirtsspezifisch, und als Mensch stellen wir hier einen Fehlwirt dar, doch trotzdem springen Flöhe hin und wieder vom Hund auf uns über, beißen ein paar Mal und springen dann wieder zurück. Zecken machen in puncto Wirt keine solchen Unterschiede, sodass im Bett vom Hund abgefallene Zecken nach verdauter Blutmahlzeit tatsächlich auch auf uns übertragen werden können. Zecken zählen als Faktoren für die Übertragung verschiedener Krankheiten, wie z. B. Borreliose, sodass anzuraten ist, den Hund nach jedem Spaziergang auf Ektoparasiten abzusuchen.

VERLIERT DER HUND DEN RESPEKT VOR UNS, WENN ER MIT UNS IM SCHLAFZIMMER ODER IM BETT SCHLÄFT?
Betrachten wir an dieser Stelle wieder das Rudel und insbesondere die Eigenschaften eines Rudelführers, sind es Souveränität und Sicherheit, die für alle Rudelmitglieder den entscheidenden Faktor der Zugehörigkeit darstellen. Daher bleibt anzuzweifeln, dass ein bei uns ruhender Hund den Respekt verliert, wenn er bei uns schläft, da Souveränität hiervon nicht beeinflusst und das Schutzgefühl eher noch verstärkt wird.

UND NUN?
Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, ob er mit seinem Hund das Bett teilen will. Trotzdem hoffe ich, einige Vorurteile beseitigt zu haben, denn insbesondere sehr ängstliche Hunde brauchen auch nachts den Kontakt zu ihren Menschen, um sich sicher zu fühlen und gut schlafen zu können. Zudem kann ein Hund bei uns im Schlafzimmer dazu führen, dass sich unser Serotoninspiegel erhöht und wir uns dadurch glücklicher und zufriedener fühlen und ebenfalls besser schlafen. Ich habe für mich beschlossen, meine Schlafzimmertür immer offen zu halten, sodass mein Hund selbst entscheiden kann, ob er lieber bei mir oder alleine schläft.

MONIKA HUSSMANNMONIKA HUSSMANN

ZOOTIERPFLEGERMEISTERIN
TIERHEILPRAKTIKERIN MIT EIGENER PRAXIS IN MANNHEIM

TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE

  • Akupunktur
  • Klassische Homöopathie
  • Phytotherapie
  • Blutegelbehandlung
  • Mykotherapie
  • Dozentin an den Paracelsus Schulen

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Foto: © Hussmann

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