Chronische Niereninsuffizienz bei der Katze: Diagnosemöglichkeiten im Labor

INFORMATIONEN VOM LABOR        THP 6 18 Page34 Image3

THP 6 18 Page34 Image1Die Aufgaben unserer Nieren sind vielfältig und breit gefächert. Einfach gesagt sind sie ein Filterorgan, das schädliche  und überflüssige Stoffe aus dem Körper schwemmt. Doch das ist noch lang nicht alles, was unsere Nieren leisten: Zu ihren Funktionen gehört – neben dem Ausscheiden von Stoffwechselprodukten und bioaktiven Substanzen (wie z. B. Gastrin für die Magensäureproduktion) – die Regulation des Wasser- und Säure-Basenhaushaltes. Sie steuern den Elektrolythaushalt (Kalzium, Phosphat, Kalium), aktivieren die Vitamin-D3-Bildung und produzieren Hormone (Renin, Erithropoetin).

THP 6 18 Page34 Image2Unter einer chronischen Niereninsuffizienz (CNI) versteht man eine schleichend fortschreitende Erkrankung der Nieren mit einer irreversiblen Schädigung. Laut Statistik erkranken 30 Prozent der älteren Tiere daran. Nicht nur Katzen, sondern auch Hunde können betroffen sein. Doch wie kann es so weit kommen? Viele verschiedene Krankheitsprozesse können die Nieren angreifen. Bleibt dies unbemerkt und unbehandelt, kann das Endergebnis eine chronische Niereninsuffizienz sein, die letzten Endes zum Tod führt. Die Nieren verfügen über eine sehr hohe Kompensationsfähigkeit. Erst wenn über 65 Prozent des Nierenfunktionsgewebes zerstört ist, treten die ersten Symptome auf, und sogar in diesem Stadium können diese bei der Katze noch sehr subtil aussehen. Häufig sind Tierhalter sehr überrascht, wenn ihnen der Therapeut mitteilen muss, dass ihr geliebter Vierbeiner lebensbedrohlich erkrankt ist.

Wie merke ich, dass mein Tier betroffen ist?

Im Frühstadium sind die Krankheitsanzeichen sehr unspezifisch. Im Gegensatz zum Hund, der durch vermehrten Urinabsatz (Polyurie) und erhöhter Wasseraufnahme (Polydipsie) auffällig ist, wird dies nur bei 30 – 40 Prozent der Katzen beobachtet.

Die auffälligsten Anzeichen bei der Katze

  • Schwäche, Lethargie 
  • Inappetenz, Gewichtsverlust
  • Zahn- und Zahnfleischerkrankungen 
  • glanzloses und/oder dünnes Fell 
  • steifer Gang 
  • häufiges Erbrechen (Dies lässt sich auf das Ansteigen der Stoffwechselprodukte im Blut zurückführen, die nun von der Niere nicht mehr funktionsgemäß ausgeschleust werden.)
  • plötzliches Erblinden aufgrund von Bluthochdruck (Die Niere ist das Regulationsorgan für das Blutdrucksystem.)

Obwohl Niereninsuffizienz ein schleichender Prozess ist, kann sich das Krankheitsbild sehr plötzlich entfalten. Ausschlaggebend können Faktoren wie Hungern, Erbrechen oder Durchfall sein, was eine milde Dehydrierung zur Folge haben und durch die vorgeschädigte Niere nicht mehr kompensiert werden kann.
Auch Narkosen können bei vorgeschädigten Patienten zu Problemen führen. Bei jeder Narkose kommt es zu einem Blutdruckabfall, der eine Minderdurchblutung der Nieren bewirkt. Dies kann nur durch Infusionen während der Narkose verhindert werden.

Wie wird die CNI diagnostiziert?

THP 6 18 Page35 Image3Eine Erkrankung der Niere lässt sich über einen Bluttest eindeutig erfassen, aber die nierenspezifischen Parameter wie Harnstoff und Kreatinin steigen erst bei einer Schädigung von 70 Prozent deutlich an. Eine Erhöhung des Harnstoffwertes ist durch nicht-renale Ursachen möglich, wie z.B. Dehydration, Blutverlust (prärenale Störungen), auch durch eiweißreiche Fütterung (wird oftmals bei gebarften Hunden beobachtet). Eine Urämie (Harnvergiftung) entsteht, wenn der Abfluss des Urins z.B. durch Blasenentzündung, Harngrieß oder Blasensteine (postrenale Störung) gestört ist. Dann treten die toxischen Stoffwechselprodukte in das Blut zurück. Dies ist ein absoluter Notfall!
Akutes Nierenversagen kann durch Aufnahme von Giften auftreten. Hier steigen die Harnstoff- und Kreatinin-Werte rapide an. Auch hier wird die Niere nicht ausreichend mit Blut versorgt – eine sofortige Notfalltherapie muss eingeleitet werden!

Vorbeugen ist angesagt

Mittlerweile gibt es Früherkennungsparameter in Blut und Urin, die schon bei 30 Prozent Funktionseinschränkung „anschlagen“. Hier bestimmt man die Parameter SDMA oder Cystatin C im Blut oder das Protein-Kreatinin-Verhältnis im Harn. Je früher eine Nierenerkrankung erkannt wird, desto erfolgreicher sind die möglichen Therapien.
Wir empfehlen, ältere Tiere routinemäßig einer Vorsorgeuntersuchung (Altersscreen) zu unterziehen, um bisher symptomlos erkrankte Tiere zu erkennen. Statistisch gesehen sind Tiere über 15 Jahre zu 30 Prozent von renalen Dysfunktionen betroffen. Hund und Katze gelten ca. ab dem 7. Lebensjahr als Senioren, jedoch können auch jüngere Tiere an CNI leiden.

Therapieansätze und Behandlung

Die Nierenschädigung muss ausreichend abgeklärt werden. Hierzu dienen neben Blutund Urintest auch Röntgen, Ultraschall und – je nach Fall und Ausmaß – eine Nierenbiopsie.

Je nach Schädigungsgrad können folgende therapeutische Massnahmen ergriffen werden 

  • Rehydration 
  • Korrektur des Säure-Basen-Spiegels 
  • Erbrechen und Durchfall-Behandlung 
  • Appetitanreger 
  • Bluthochdruck-Behandlung 
  • Anämie-Behandlung 
  • Kontrolle von Phosphat und Kalzium
  • antibakterielle Behandlung

Es sollte versucht werden, die Katze auf Diätfutter bzw. leicht verdauliches Futter umzustellen. Allerdings muss dies langsam und behutsam geschehen, da Katzen dehydrieren können, wenn sie nicht fressen. Dies kann den Zustand dramatisch verschlimmern.
Viele Katzen werden anämisch. Das ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass die erkrankte Niere nicht ausreichend Erytropoetin produziert. Auch können Toxine, die nicht mehr mit dem Harn ausgeschieden werden, zu Darmblutungen führen oder die roten Blutzellen angreifen.
Nur wenn die Krankheit frühzeitig erkannt wird, können wir helfen, dass unsere Samtpfoten auch weiterhin ein leidfreies und frohes Leben führen können. Bei allgemeinen Fragen hierzu oder zur Auswahl geeigneter Tests können Sie uns gerne anrufen oder uns eine E-Mail schreiben.

THP 6 18 Page35 Image2Herzlichst

Ihr Tierheilpraktikerlabor Vetscreen
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