Des Wolfes Seele im Hundepelz: Was der Mensch vom Hund lernen kann

Foto: petunyia - AdobeEs ist einfach wahr: Wir schauen unserem Hund in die Augen und können bis auf den Grund seiner Seele blicken. Nichts  ist ehrlicher, vertrauensvoller und aufrichtiger als ein Blick in die Augen eines Hundes. Die Augen sind das „Tor zur Seele“, sagt man – und so ist es auch. Der Augenausdruck unserer Hunde drückt einfach alles aus. So sehr wir unsere Hunde  auch lieben und achten, eines sollten wir nie vergessen: Hunde mögen zwar die „besseren Menschen“ sein, aber sie sind  und bleiben Tiere. Was Hunde wirklich von Menschen unterscheidet, ist mehr,  als man glaubt. Und auch das Zusammenleben von Mensch und Hund hat sich  im Laufe der Zeit gravierend verändert.

Wie aus dem Wolf ein Hund wurde

Es ist unbestritten, dass der Hund seit Jahrtausenden das älteste Haustier des Menschen und sein treuester Begleiter ist. Nachforschungen ergaben jedoch unterschiedliche Angaben darüber, zu welcher Zeit der Wolf domestiziert wurde, denn vermutlich erfolgte die Domestizierung zweimal. Einmal vor ca. 15.000 Jahren in Europa sowie ungefähr 2.500 Jahre später in Ostasien.
Das bedeutet, dass der Hund existierte, bevor die Menschen sesshaft wurden, Schafzucht betrieben, Kühe gemolken haben oder der Landwirtschaft nachgingen. Eigentlich ist man stets davon ausgegangen, dass der Wolf als Vorfahre des Hundes nur einmal gezähmt worden ist und sich anschließend gemeinsam mit den Menschen ausbreitete. Es wird angenommen, dass Wölfe und die ersten Hunde über ausgesprochen weite Strecken wanderten und die gesamte nördliche Hemisphäre besiedelten, wobei sich Hunde- und Wolfspopulationen vermischten und so immer wieder zu genetischen Veränderungen führten. Die heutigen Hunde finden ihren Ursprung also in 2 unterschiedlichen „Familien“: den asiatischen und den europäischen Gattungen.
Wissenschaftler fanden heraus, dass das Gehirn eines Wolfes völlig anders funktioniert als das eines Hundes. Daher lassen sich Wölfe nicht domestizieren, selbst dann nicht, wenn man sie direkt nach der Geburt in die Obhut eines Menschen gibt. Ein Wolf bleibt stets unberechenbar und furchtsam. Bleibt die Frage: Wer kam zuerst auf den anderen zu? Der Mensch zum Wolf oder der Wolf zum Menschen? Anzunehmen ist, dass der Wolf die Nähe des Menschen suchte, um etwas von dessen Beute abzubekommen. Aber auch die Menschen begriffen, dass sie dem wilden Tier etwas beibringen können, damit es ihnen auch beim Jagen helfen kann. Irgendwann wurden dann wohl Wolfswelpen mit der Hand aufgezogen, sodass sich die eigentlich wilden Tiere immer mehr an den Menschen gewöhnten und im Laufe der Zeit zahm wurden. Die vielen unterschiedlichen Hunderassen entstanden wesentlich später, vermutlich nach und nach durch die Anpassung der Tiere an verschiedene Lebensräume und -bedingungen, sodass sie sich genetisch veränderten. Denn ein Hütehund verfügt über andere Eigenschaften als ein Spurensucher oder Jagdhund. Gemein ist dem Wolf und jedem Hund das territoriale Schutzverhalten und ihre große Sensibilität. Wölfe leben – ähnlich wie wir Menschen – in Rudeln mit festen sozialen Strukturen.
Die Mensch-Hund-Beziehung hat sich nur sehr langsam und über einen größeren Zeitraum entwickelt. Heute sind Hunde emotional sehr eng mit ihren Menschen verbunden. Hunde müssen auch nicht mehr selbst jagen, sondern werden gefüttert, was sie natürlich von uns abhängig macht. Alleine und in freier Wildbahn würden unsere Hunde nicht mehr zurechtkommen. Bewachen, Schutz geben und Feinfühligkeit sind Eigenschaften, über die Hunde ebenso wie ihre wölfischen Artgenossen verfügen.
Es gibt Hunderassen wie z. B. den Golden Retriever, die sich hervorragend als Therapiehunde ausbilden lassen und somit im Zusammenleben mit ihren bedürftigen Hundehaltern täglich ihren „Beruf“ ausüben. Das bedeutet, dass sie ihre natürlichen und durch eine Spezialausbildung verfeinerten Fähigkeiten leben dürfen und es auch sollen. Wir Menschen haben heutzutage einen völlig anderen Bezug zu unseren Hunden als noch vor vielen Jahren.

Die Beziehung zwischen Mensch und Hund

Dass so unterschiedliche Arten wie Mensch und Hund heutzutage so eng miteinander zusammenleben, grenzt fast an ein Wunder. Ein Hund ist kein Mensch, sondern zählt zur Artengruppe der Kaniden (abgeleitet vom lateinischen Wort „canis“ = Artengruppe von Hund, Wolf, Schakal usw.), und diese sind vollkommen anders geartet als wir.
Wissenschaftler argumentieren, dass wir Menschen uns nicht gut in die Grundsätzlichkeiten von Hunden hineinversetzen können. Wir Menschen stammen vom Affen ab, in dessen Ordnungssystem hierarchische Zweckgesellschaften vorherrschen. Diese Hierarchie bringt vorwiegend Vorteile für den, der an der Spitze steht, weil Nahrung hier sehr gut individuell gesucht und verteidigt werden kann. Männliche Tiere haben die Vorherrschaft. Ein solches Verhalten entspricht aber nicht dem der Kanidengruppen, deren Zweckgemeinschaft nicht streng hierarchisch funktioniert. Es ist also kein Wunder, dass wir Menschen ein völlig anderes Verständnis von Sozialverhalten haben als unsere Hunde.
Man fragt sich vielleicht zu Recht, warum man sich besser an den Regeln seines Hundes orientieren sollte, anstatt umgekehrt. Der Grund ist, dass wir mit vollkommen anderen Lebewesen zusammen in einem Haushalt leben. Wenn wir also ein harmonisches Zusammenleben erreichen wollen, sollten wir etwas über das Wesen wissen, mit dem wir einen Haushalt teilen. Hunde lernen anders, spielen anders, assistieren anders und lieben anders. Dennoch sind sie unsere besten Gefährten. Wir bilden sie aus und bringen ihnen Regeln bei, die sie in unsere individuelle Lebensführung integrieren. Wir hängen an ihnen und sie hängen an uns. Der Bezug zwischen Herrchen, Frauchen, Kindern und Hund ist eng und familiär – aber wir Menschen haben das Sagen. Ein Hund hat unseren Anweisungen möglichst aufs Wort zu folgen, damit er „gesellschaftsfähig“ ist. Ein guter Hund ist jener Hund, der sofort tut, was man ihm sagt. Dressur ist alles – nein, nennen wir es besser Ausbildung, denn heutzutage gehört es in Hundehalter-Familien längst dazu, dass man mit seinem Vierbeiner eine Hundeschule besucht.
Natürlich sollten unsere treuen Hunde-Begleiter schon gewissen Anweisungen verlässlich Folge leisten, weil sie eben manche Gefahrensituationen gar nicht erkennen und einschätzen können. Man denke dabei allein an den Straßenverkehr. Kein Hund würde von alleine bei Überquerung einer Straße am Bordsteinrand stehen bleiben, bis kein Fahrzeug mehr kommt, oder brav vor einer Ampel sitzend auf „Grün“ warten. Eine solide Ausbildung unserer Hunde ist also für Hundehalter ein Thema, dem heute viel Beachtung geschenkt wird.
Für eine echte Bindung zwischen Mensch und Hund ist es erforderlich, dass der Hund seinen Menschen voll und ganz akzeptiert und ihn als „Leitwolf“ akzeptiert. Aber das alleine reicht noch lange nicht aus, um eine innige Bindung zu entwickeln. Ein Hund sollte seine Menschen nicht nur als Leitperson sehen, sondern auch als besten Kumpel, mit dem man auch mal so richtig Quatsch machen kann. Unsere Hunde verstehen uns immer, kein Tier wird uns je besser verstehen können als unser Hund. Auch unsere nonverbale Kommunikation kann er viel besser deuten und verinnerlichen als wir selber. Wir dürfen uns auch gewiss sein, dass unser Hundefreund sich wirklich richtig freut, wenn wir nach der Arbeit oder dem Einkaufen nach Hause zurückkehren. Er freut sich ebenso, wenn wir mit ihm zusammen Urlaub machen oder Joggen gehen. Selbst wenn wir mit einer Grippe im Bett liegen, uns nach einem Schlaganfall erholen oder durch eine Gelenkverletzung nicht gut laufen können, unser Hund stellt sich darauf ein und unterstützt uns. Er ist also unser treuester Partner im Alltag.

THP 6 18 Page22 Image1Hunde und ihr „Beruf“

Die bekannteste Ausbildung für Hunde ist die zum Blindenhund, Polizeihund oder Spürhund. Bereits seit geraumer Zeit zählt der Schäferhund als hervorragend geeignet, um als Suchhund Drogen und Tätern auf die Spur zu kommen. Inzwischen gibt es aber verschiedene Hunderassen, die diverse Aufgaben mit Freude und Bravour im Alltag bewältigen und immer häufiger in tiergestützten Therapien zu finden sind.
Der Golden Retriever kann durch seine rasche Auffassungsgabe viel mehr als nur treuer Familienhund sein. Da diese Hunderasse schnell und gut lernt, findet man den „Goldie“ inzwischen immer häufiger in recht verantwortungsvollen „Jobs“ wieder. So hat er das Talent zum Begleithund schwerbehinderter Menschen. Aber es gibt natürlich auch etliche Mischlingshunde und viele andere Hunderassen, die intelligent genug sind, viele Dinge zu erlernen, die eigentlich nicht zu einem alltäglichen und „normalen“ Hundeleben gehören. Aufnahmefähigkeit und Sensibilität sind lediglich 2 Voraussetzungen, die Hunde mitbringen müssen, um zu guten Therapiehunden ausgebildet werden zu können. Solche Hunde sind dann in der Lage, Diabetikern, geh- oder schwerbehinderten Menschen, darunter auch Kinder und Senioren, das alltägliche Leben zu erleichtern. Sie öffnen Schubladen, helfen Socken oder Pullover an- und auszuziehen, bedienen Lichtschalter, holen und bringen diverse Gegenstände und bewachen sogar den Schlaf eines erkrankten Familienmitglieds, wenn es notwendig ist.

THP 6 18 Page23 Image1In den vergangenen Jahren kommen auch immer häufiger Schulhunde zum Einsatz. Meggi, einer der ersten Schulhunde, trat seinen Dienst vor 10 Jahren an einer Grundschule in Eschborn an. Hierzu war er speziell ausgebildet und geprüft worden.
Als Schulhunde eignen sich ruhige Hunde mit ausgeglichenem Temperament und guter Erziehung. Sie müssen in der Lage sein, ein recht hohes Stresslevel aushalten zu können, ohne Aggressionen zu zeigen. Die Rasse spielt hierbei keine Rolle, lediglich auf das Wesen des jeweiligen Tiers sollte geachtet werden. Da ein Hund von Natur aus keinerlei Vorurteile kennt, ist er gerade Kindern gegenüber oft freundlich und geduldig gesinnt. Schulhunde vermitteln Kindern Aufmerksamkeit, Anerkennung, Nähe, Sicherheit und Geborgenheit. Sie erleichtern auch den Leistungsdruck, der oft leider schon in Grund- und Vorschulen zu finden ist. Viele Hunde erkennen instinktiv „Außenseiter“ und wenden sich ihnen gerne und hilfsbereit zu. Dies führt viele Kinder zurück in die natürliche Gemeinschaft. Zahlreiche Versuche in Kindergärten und Vorschulen haben ergeben, dass Kinder im Klassenzimmer wesentlich ausgeglichener, stressfreier und ruhiger sind, wenn sie sich in Anwesenheit eines „hündischen Co-Pädagogen“ befinden. Es gibt auch auffallend weniger Streitigkeiten oder Auseinandersetzungen. Auf diese Weise lernen Kinder Verantwortung zu tragen und Rücksicht zu nehmen, wenn sie sich um den Hund kümmern müssen. Sie füttern ihn, geben ihm Wasser, müssen sich mit ihm beschäftigen und mit ihm Gassi gehen.

POSITIVE AUSWIRKUNGEN VON SCHULHUNDEN AUF BETREUTE KINDER 

  • Die Kinder gehen lieber zur Schule 
  • Außenseiter werden aus ihrer Isolation geholt 
  • Positive soziale Kontakte werden gefördert 
  • Auffälligkeiten bei Kindern reduzieren sich 
  • Die Aufmerksamkeit richtet sich mehr auf den Lehrer

THERAPIE-/ASSISTENZHUNDE SCHENKEN IHREN MENSCHEN 

  • mehr Sicherheit im alltäglichen Leben 
  • Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten 
  • Aufmerksamkeit und Freude 
  • Verminderung der Isolation 
  • Akzeptanz sich selbst gegenüber

Hunde haben generell sehr viele positive Einflüsse auf ihre Menschen. Eigentlich ließe sich jeder Hund zumindest als Begleithund bezeichnen.

Hunde und ihre Wirkung auf den Menschen

Hund und Mensch bilden eine symbiotische Beziehung, die jeder Hundehalter sicher folgendermaßen bezeichnen würde: „Mein Hund ist mein innigster Freund.“
So einfach lässt sich die wirklich besondere Bindung zwischen Mensch und Hund in Worte fassen. Ich glaube, dass es kaum Hundehalter gibt, die etwas anderes dazu sagen würden.
Tatsächlich hat ein Hund spürbar physiologische, psychologische und soziale Wirkungen auf uns Menschen.

PHYSIOLOGISCHE AUSWIRKUNGEN 

  • Hunde stabilisieren unser Herz-Kreislauf-System, sodass Herzfrequenz und Blutdruck sinken 
  • Das Schmerzempfinden verringert sich durch die Freisetzung von Endorphinen 
  • Wir bauen Stress ab (Das Stresshormon Kortisol wird vermindert ausgeschüttet.) 
  • Koordination, Motorik und Wahrnehmung werden gefördert 
  • Aktivität und Bewegung in der Natur verbessern Körpergefühl und Befindlichkeit 
  • Die Muskulatur entspannt, da sich der Muskeltonus reguliert

MENTALE/PSYCHOLOGISCHE AUSWIRKUNGEN 

  • Hunde fördern das emotionale Wohlbefinden 
  • Hunde steigern das Selbstwertgefühl 
  • Sensibilität für die eigenen Ressourcen entwickelt sich 
  • Hunde senken das Stresslevel, beruhigen und entspannen uns 
  • Hunde schenken uns Halt und Sinn im Leben 
  • Hunde sind eine große Unterstützung in Krisensituationen

SOZIALE AUSWIRKUNGEN 

  • Hunde erleichtern den Kontakt zur Außenwelt und erlösen Menschen aus Einsamkeit/ Isolation 
  • Hunde wirken als „sozialer Katalysator“ und brechen das Eis zwischen uns und anderen

„Ein Tag ohne meinen Hund ist ein verlorener Tag!“

Foto: Lorenzo Ferrucci - AdobeDiesen Satz hört man von den meisten Hundehaltern, denn es gibt kaum jemanden, der das glückliche Zusammenleben mit seinem Hund oder seinen Hunden nicht genießt. Schließlich hat man keinen Hund um sich herum, um unglücklich zu sein oder zu werden. Unsere Hunde sind unsere treuesten Begleiter und Gefährten. Sie texten uns nicht zu, wollen nichts ausdiskutieren, brennen nicht mit der besten Freundin durch, lassen uns nicht sitzen. Unsere Hunde sind einfach immer für uns da.
Ein Leben mit Hund ist ein bereichertes Leben, ein lebendiges und aufrichtiges Leben. Eine innigere Beziehung als zwischen Hund und Mensch gibt es nicht. Wenn jeder Mensch einen Hund hätte, würde es vermutlich auch keine Kriege mehr geben oder zumindest deutlich weniger. Hunde verbinden Menschen, denn sie lehren uns so viel Wesentliches, was wir einfach vergessen haben.
Ich danke meinen Hunden von Herzen, ich bin froh und glücklich, dass sie da sind und ich durch sie in letzter Zeit so manche Beiträge über Hunde schreibe. Sogar mein therapeutisches Tun und Wirken, selbst mein Zhineng Qigong, schließt inzwischen Hunde mit ein. Wie könnt‘s auch anders sein …

ANDREA LIPPERTANDREA LIPPERT

HEILPRAKTIKERIN
PRAXIS IN BAD SEGEBERG

TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE

  • Zhineng Qigong
  • Facial Harmony
  • Dorn/Breuß-Therapie
  • Traditionelle Chinesische Medizin
  • Yoga
  • Dozentin an den Paracelsus Schulen

KONTAKT
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