Wickel & Umschläge - Indikationen & Anwendungen

201706 Wickel1Wickel und Umschläge sind ein Bestandteil der Hydrotherapie. Die Anwendung von Wasser zu therapeutischen Zwecken hat eine lange Tradition und wurde schon in der griechischen Antike erwähnt. Durch Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 – 1897) wurde diese Therapieform auch bei uns populär und ist bis heute aktuell. Man kann sie zur Behandlung unterschiedlicher pathologischer Befunde anwenden. Wickel haben die beste Wirkung am Pferd, aber auch Hunde sprechen sehr gut auf sie an. Bei Katzen jedoch hat man nur mäßigen bis keinen Erfolg, da sie meist zu empfindlich sind. Bei Wickeln und Umschlägen werden die betroffenen Körperbereiche in ein nasses und in ein bis zwei darüber liegende trockene Tücher eingehüllt. Sollte allerdings mehr als die Hälfte eines Körperteils eingehüllt werden, spricht man von einem Ganzwickel oder einer Packung.

Woraus besteht ein Wickel?

201706 Wickel2Ein Wickel oder ein Umschlag besteht in der Regel aus drei Tüchern. Das erste Tuch sollte aus grobmaschigen Leinen bestehen. Dieses wird nass direkt auf das Fell des Patienten gelegt. Die zweite Lage sollte aus einem dünnen, luftdurchlässigen Leinen- oder Nesseltuch bzw. aus einer dünnen Baumwollwindel bestehen. Es soll ein paar Zentimeter größer sein als das erste Tuch und dafür sorgen, dass der Verdunstungsprozess langsam und gleichmäßig abläuft. Dies ist für den Erfolg der Therapie wichtig. Schließ- lich dient das dritte Tuch als äußere Hülle. Es sollte aus Frottee oder Wolle sein. Bei Wickeln oder Umschlägen mit Zusätzen, z.B. Moor oder Lehm, werden nur zwei Lagen verwendet.

Wirkung

Sehr häufig wird mit Wickeln gearbeitet, die mit Wasser oder einem Wasser-Alkoholgemisch getränkt sind. Durch die Nässe des inneren Leinentuchs und Dauer des Anlegens können Reaktionen wie Entziehung der Wärme, Stauung der Wärme und Erzeugung von Schweiß ausglöst werden.
In der Regel werden Wickel mit kaltem Wasser bei Tieren angelegt. So ist die Wirkung erfahrungsgemäß besser. Da jedoch bei pathologischen Fällen wie Gelenkverletzungen, Koliken, Arthritis oder Muskelblockaden Kälte eine Kontrawirkung hätte, legt man hier natürlich warme Wickel an. Die Dauer des Anlegens variiert nach Tierart. Da Wickel/Umschläge vornehmlich bei Pferden therapeutisch angewendet werden, soll hier der Zeitrahmen angezeigt werden, der bei diesen Tieren eingehalten werden muss. Ein Wickel mit kaltem Wasser wird etwa 45 – 90 Minuten, ein schweißtreibender Wickel 90 – 240 Minuten angelegt. Bei Hunden sind die Zeiten wesentlich kürzer. Weiterhin sollte die Therapiezeit vom jeweiligen Patienten abhängig sein.

Bei einem wärmeentziehenden Wickel wird das erste Tuch mit kaltem Wasser sehr nass gemacht und nur leicht ausgewrungen. Darüber kommt das zweite, dünne Tuch, dann das dicke Wolltuch. Dabei darf das nasse Tuch die trockenen Tücher nicht überragen, da hierdurch die gesamte Wirkung des Wickels beeinträchtigt wird. In diesem Fall würde sich am Rand eine verstärkte Verdunstungskälte und damit eine Kältezone bilden. Der wärmeentziehende Wickel bleibt so lange aufgelegt, bis er sich erwärmt hat. Durch die hervorgerufene Verdunstungskälte kommt es zum verstärkten Wärmeentzug in der umwickelten Körperpartie. Um den Verdunstungseffekt zu verstärken, kann man auch ein Wasser-Alkoholgemisch verwenden.

Indikationen

Hauptindikationen sind bei dieser Therapie Fieber und Entzündungen.

HALSWICKEL werden bei Laryngitis, Pharyngitis, Tracheitis, Otitis externa, Oesophagitis und Tonsillitis angewendet.
BRUSTWICKEL helfen bei Erkrankungen der Atmungsorgane.
LEIB- UND RUMPFWICKEL wirken bei akuten und schmerzhaften Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes und bei Entzündungen von Leber, Niere, Bauchfell oder Gebärmutter. Hier unbedingt warme Wickel einsetzen.
WICKEL AN DEN EXTREMITÄTEN helfen bei Sehnenentzündungen, Gelenk- und Schleimbeutelschwellungen und Entzündungen der Gelenke.

Gebräuchliche Zusätze

Wickel werden nicht nur mit Wasser oder einem Wasser-Alkoholgemisch angewendet. Es gibt auch noch einige sehr wirkungsvolle Zusätze.

201706 Wickel3WICKEL MIT HEILERDE
Hier wird die Heilerde mit etwas Wasser zu einem Brei vermischt. Wenn ein warmer Wickel hergestellt werden soll, wird dieser Brei auf dem Herd leicht erhitzt. Die Temperatur darf aber nicht zu hoch sein, damit keine Verbrennung beim Tier entsteht. Dann wird er dünn auf ein Leinentuch gestrichen und auf die vorgesehene Stelle gelegt. Darüber kommt ein dickeres Frottee- oder Wolltuch. Auf die Zwischenlage wird verzichtet. Heilerde wirkt gut bei Hautausschlägen, Stoffwechselstörungen, leichten Arthrosen, Ödemen, bei Reizung von Sehnen und Knochenhaut.

201706 Wickel4WICKEL MIT LEHM
Dieser Wickel wird genauso hergestellt wie der Wickel mit Heilerde. Er kann noch mit Kräuterauszügen versetzt werden und hilft bei Hautentzündungen, Phlegmonen, Insektenstichen, Geschwüren und Entzündungen der Venen.

WICKEL MIT MOOR
Dieser Wickel wird so wie die zuvor beschriebenen hergestellt. Moor hilft bei leichten Arthrosen, Prellungen, Schleimbeutelentzündungen, Furunkel und Ekzemen.

201706 Wickel5WICKEL MIT SCHWARZEM SENF
Die Zubereitung ist analog der anderen Wickel. Hier kommt jedoch Senfmehl als Zusatz zur Anwendung. Der Wickel sollte nie länger als zehn Minuten aufgelegt werden, da es sonst zu Haureizungen bis hin zu Blasenbildung kommen kann. Weiterhin sollte er nicht großflächig eingesetzt werden. Offene Wunden sind in diesem Fall eine Kontraindikation. Mit diesem Wickel wird eine starke Durchblutung des betroffenen Körpergebiets erreicht. Er eignet sich besonders für chronische Gelenk-, Muskel- und Sehnenerkrankungen.

PETER BOMASPETER BOMAS
TIERHEILPRAKTIKER
HUNDEPHYSIOTHERAPEUT
PRAXIS IN BIELEFELD

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