Geriatrie: Man ist so alt, wie man sich fühlt…

201506 Geriatrie1… das gilt natürlich auch für unsere geliebten Vierbeiner, allen voran die Hunde und Katzen. Wie auch bei uns Menschen sollten unabhängig vom Gesundheitszustand – also auch beim gesund erscheinenden Tier – Vorsorgeuntersuchungen im fortgeschrittenen Alter durchgeführt werden, um schleichende Krankheitsprozesse früh zu erkennen.

201506 Geriatrie2Wann ist ein Tier alt?

Der Prozess des Alterns ist komplex; erste Involutionserscheinungen treten beim Menschen bereits nach Abschluss der Wachstumsphase, also zwischen 20 und 30, auf. Dennoch: Vorsorgeuntersuchungen werden erst später eingeleitet.
Wann die Grenze genau gezogen werden soll zwischen Wachstum, Reife und Alter, das ist individuell unterschiedlich, und auch die einzelnen Organsysteme altern unterschiedlich schnell. Einfluss haben aber auch Haltung (natürliche Haltung verlängert das Leben) und Fütterung (adipöse Tiere altern und sterben früher).

Folgende Richtwerte können gegeben werden

Geriatrische Vorsorgeuntersuchungen sollten bei kleinen Hunderassen ab dem 8. Lebensjahr und bei großen Hunden schon ab dem 6. Lebensjahr durchgeführt werden. Katzen sollten ab dem 8. bis 10. Lebensjahr ebenfalls routinemäßig vorsorglich untersucht werden. Das empfohlene Intervall von Vorsorgeuntersuchungen ist halbjährlich, maximal jährlich.

Welche Organsysteme und Funktionen sind besonders betroffen?

201506 Geriatrie3Nach Hofecker (1996) werden folgende Alterungsveränderungen beschrieben:

  • Das Verhältnis von Fett und Körperwasser verändert sich, der Wasseranteil nimmt um ca. 10% ab.
  • Die Zellmasse, besonders die von Niere, Leber und Muskeln, nimmt ab.
  • Die Atmungs-, Kreislauf- und Nierenfunktionen nehmen bis zu 50% ab.
  • Die maximale Sauerstoffaufnahme nimmt um ca. 60% ab.
  • Die Immunfunktionen des Thymus sind eingeschränkt. Für den Tierheilpraktiker wie auch für den Tierhalter auffällig: Die Zahl der Erkrankungen nimmt zu – beim Hund ist das im Alter von 6-8 Jahren der Fall und bei der Katze ab dem Alter von 10 Jahren.

Welche Vorsorgeuntersuchungen sind sinnvoll?

Ganz vorne steht eine Laboruntersuchung zur Abklärung der Nierenfunktion. Mit Harnstoff und Kreatinin im Serum werden Zustände erfasst, bei denen die Nierenfunktion um über 70% eingeschränkt ist. Einmal zerstörtes Nierengewebe kann bekanntlich nie mehr regeneriert werden. Es gilt daher, möglichst früh eine eingeschränkte Funktion zu erkennen. Aus diesem Grund wird der Eiweiß-Kreatinin-Quotient im Harn bestimmt, der als Nierenfrüherkennungsparameter gilt. Ist der Quotient aus dem Rahmen, kann eine weitere Störung der Organfunktion diätetisch verhindert oder zumindest verlangsamt werden. Alternativ kann der Früherkennungsparameter für die Niere, Cystatin C, im Serum bestimmt werden.

Bei der Katze noch wichtiger als beim Hund ist die Abklärung der Schilddrüsenfunktion. Eigene Untersuchungen zeigen: Bis zu 30% aller Katzen im Alter von über 10 Jahren sind von einer Schilddrüsenüberfunktion betroffen. Diese bewirkt eine Steigerung des gesamten Stoffwechsels – zunächst von Tierhaltern als erwünschtes Jungbleiben falsch interpretiert. Später werden Hyperaktivität, Heißhunger mit Durchfall und unzureichender Nahrungsausnutzung und daraus resultierende Abmagerung sowie Fellveränderungen bemerkt.

Auch der Diabetes mellitus, allgemein als Zucker bezeichnet, kommt bei älteren Tieren gehäuft vor. Zur Überprüfung eignet sich entweder eine Blutzucker- bzw. eine Fructosaminbestimmung im Serum. Fructosamine sind Proteine, an die Zucker gebunden sind. Sie sind immer nur dann erhöht, wenn ein länger dauernder Anstieg des Blutzuckers vorliegt. Während die Blutglukose auch durch den Stress des Praxisbesuchs über den Referenzwert hinaus erhöht sein kann, ist das bei den Fructosaminen nicht der Fall.

Natürlich sollte auch die Leber bei einem Geriatriecheck überprüft werden: tierartspezifisch werden Leberenzyme im Serum kontrolliert.

Ebenfalls nicht fehlen sollte die Bestimmung eines Blutstatus, um einen Einblick auf das rote wie auch auf das weiße Blutbild zu haben. So lassen sich klinisch noch nicht erkennbare Anämien oder Hinweise auf Entzündungen erkennen.

Sprechen Sie Ihre Tierhalter auf die Möglichkeit zur Vorsorgeuntersuchung an – sie werden es Ihnen danken (und deren Tiere auch)!

201406 Labor4DAS LABOR FÜR TIERHEILPRAKTIKER

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