Heilkräuter in der Tierheilpraxis

Foto: Calek – ShutterstockDie Behandlung von Erkrankungen durch Kräuter ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Von Naturvölkern und Tieren wird sie intuitiv angewandt, als Selbstbedienung aus der Apotheke der Natur. Kräuter und die darin enthaltenen Substanzen bilden die Grundlage unserer modernen Medizin. Auch in der Behandlung von Tieren haben die Kräuter von Anbeginn einen festen Platz. Heute besinnen wir uns gerade in der Naturheilkunde wieder auf altes Wissen und die Nachfrage nach Heilkräutern im Veterinärbereich steigt stetig an. Dabei zeigt sich die Vielfältigkeit der Einsatzmöglichkeiten der relativ nebenwirkungsarmen Therapieform. Wir haben mit der Kräuterheilkunde ein sehr breitgefächertes Therapiefeld in Verbindung mit einer großen Vielfältigkeit an Verabreichungsmöglichkeiten.

Form und Anwendung

Heilkräuter können frisch, getrocknet, als Tee, Tinktur, in Form von Salben, Breien, Umschlägen und zur Inhalation innerlich wie äußerlich angewandt werden. Die besten Erfahrungen habe ich in meiner Praxis mit der Verwendung von getrockneten Kräutern in Form von Mischungen gemacht. Heilkräuter sollten immer nur als Kur verwendet werden. Je nachdem, welche Kräuter in der jeweiligen Mischung enthalten sind, kann der Zeitraum der Kur zwischen acht Wochen und sechs Monaten liegen. Bei manchen Kräutern und Erkrankungen besteht auch die Möglichkeit einer dauerhaften Beigabe. Dies stellt jedoch die absolute Ausnahme dar.

Qualität und Wirkung

Bei der Verwendung von Kräutern ist immer ganz besonders auf die Qualität zu achten. Ich bevorzuge Kräuter in Arzneibuchqualität, also mit einem garantiert hohen Wirkstoffgehalt. Die Phytotherapie kann begleitend und unterstützend zu anderen Therapieformen eingesetzt werden. Lediglich bei der gleichzeitigen Gabe von Homöopathika muss darauf geachtet werden, dass manche Heilkräuter die Wirkung von Homöopathika antidotieren können. Insbesondere sind hier Heilkräuter (z. B. Pfefferminze) mit ätherischen Ölen als wichtigem Inhaltsstoff genannt.

Beachtenswertes

Es gibt aber natürlich – wie in jeder anderen Therapieform auch – einiges zu beachten: Ohne entsprechendes Wissen sollte auch die Phytotherapie nicht angewandt werden. So darf z. B. nicht jedes Kraut bei jedem Tier verwendet werden. Ein gravierender Unterschied liegt hier schon durch die Unterscheidung vor, ob es sich um einen Pflanzen- oder Fleischfresser handelt. Auch kommt es immer auf die Dosierung an. Gerade bei Heilkräutern ist die Menge ganz entscheidend, die einem Lebewesen zugeführt wird. Viele Pflanzen entfalten in geringen Dosen ihre heilsamen Wirkungen, während sie in größeren Dosen giftig sind (z. B. Knoblauch). Weiter dürfen einige Pflanzen z. B. nicht bei tragenden Tieren eingesetzt werden, da sie fruchtaustreibende Wirkung haben und, in einem zu frühen Stadium der Trächtigkeit gegeben, zu einer Fehlgeburt führen können (z. B. Petersilie). Auch rechtliche Aspekte müssen berücksichtigt werden. So fallen Heilkräuter unter das Dopinggesetz und dürfen im Turniersport nicht eingesetzt werden.

Fallbesprechung: Chronischer Husten beim Pferd

201506 Heil2Lakota, ein 16-jähriger Irish-Tinker-Wallach mit chronischem Husten und der Tendenz zu COB immer mit Beginn der Heufütterung seit über 10 Jahren. Auch wenn das Heu nass verfüttert wird, tritt der Husten in jedem Winter mit Beginn der Heufütterung auf und verschlimmert sich zusehends im Laufe des Winters und von Jahr zu Jahr. Diverse Therapien wurden bereits versucht, alle mit eher geringem Erfolg. Die Situation wurde jährlich schlimmer. Im Winter 2013 wurde erstmalig mit der Kräutermischung Atem-Akut der Firma Bergsiegel begonnen. Innerhalb von nur 14 Tagen war eine deutliche Besserung zu verzeichnen. Das Pferd konnte freier atmen und der Husten war für den restlichen Winter deutlich vermindert. Im Jahr 2014 wurde mit der Fütterung von Atem-Akut bereits vor dem Start der Heufütterung begonnen. Der gesamte Verlauf der Erkrankung war daraufhin deutlich gemildert. Es trat zwar weiterhin Husten auf, dieser jedoch deutlich weniger und auch weniger heftig. Das Pferd hatte wesentlich geringere Atemprobleme als die Jahre zuvor. Die Kräutermischung wird während der gesamten Heufütterungszeit, also bis zum Beginn der Weidesaison (ca. 6 Monate), durchgängig gefüttert. Sie wird direkt trocken über das Futter gegeben. Danach wird die Mischung für die Dauer der Weidesaison gänzlich abgesetzt. Das Pferd zeigt während der Weidesaison keinerlei Atemsymptomatiken mehr.

BRITTA KLOSTERMEIER BRITTA KLOSTERMEIER
TIERHEILPRAKTIKERIN, FACHBERATERIN FA. BERGSIEGEL

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Fotos: © belozu – Shutterstock, Snelson Stock – Shutterstock

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