Weihnachtsgeschenk Haustier: Eine Entscheidung, die gut überlegt sein will

201506 Weihnacht1Wenn Weihnachten vor der Türe steht und Kinder ihre Wunschzettel schreiben, stehen Haustiere meist ganz oben auf der Liste. Doch Kinder sind sich der Verantwortung, Arbeit und Kosten, die durch ein Haustier entstehen, nicht bewusst, sodass die Konsequenzen die Eltern zu tragen haben. Deshalb rufen Tierschützer, Tierheime und auch der Gesetzgeber jedes Jahr zur Umsicht auf und bitten Eltern, den Haustierwunsch ihrer Kinder gut zu durchdenken und die Tiere nicht unüberlegt unter den Weihnachtsbaum zu setzen.

Eigenheiten sollten berücksichtigt werden

Jedes Tier ist anders und hat individuelle Bedürfnisse, wie wir Menschen auch. Steht also die Frage der Anschaffung eines Haustieres wirklich im Raum, gilt es, bestimmte Dinge zu berücksichtigen. Dass Hunde Auslauf und Katzen viel Ansprache brauchen, ist hinreichend bekannt, doch jedes Rassetier weist unterschiedliche Charaktereigenschaften auf und da macht es durchaus einen Unterschied, ob die Wahl auf einen Hütehund oder einen Jagdhund fällt oder ob die Katze eher aktiv und laut oder zurückhaltend und leise ist. Stehen Kaninchen, Meerschweinchen oder Hamster auf der Wunschliste, sollten sich Eltern im Klaren darüber sein, dass Kaninchen und Meerschweinchen extrem gesellig sind und nicht alleine gehalten werden wollen und Hamster nachtaktive Tiere und damit für Kinder im Grunde ungeeignete Spielkameraden sind.

Der Arbeitsaufwand ist nicht ohne

201506 Weihnacht2Das Sprichwort „Kleinvieh macht auch Mist“ darf bei der Anschaffung eines Haustieres durchaus ernst genommen werden, denn selbst Mäuse und Ratten haben ein Bedürfnis nach Sauberkeit und fordern das Reinigen ihrer Käfige von ihren Besitzern ein. Und oftmals ist das Sauberhalten von Kaninchen- und Meerschweinchenkäfigen mit wesentlich mehr Aufwand verbunden als das Reinigen einer Katzentoilette. Auch das tägliche mehrmalige Gassi gehen mit dem Hund ist nicht nur ein zeitlicher Aufwand, sondern bei schlechtem Wetter auch mit einem Mehraufwand an Schmutzbeseitigung verbunden. Der Hund muss gebadet und die schmutzigen Pfotenabdrücke auf dem Fußboden müssen entfernt werden. Bedacht werden sollte dabei auch, dass dieser Arbeitsaufwand nicht zeitlich begrenzt werden kann, denn Katzen werden im Durchschnitt 15, Hunde 10, Kaninchen 8 und Meerschweinchen 6 Jahre alt. Aber auch 25 Jahre alte Katzen, 20 Jahre alte Hunde und 12 Jahre alte Kaninchen und Meerschweinchen stellen keine Seltenheit dar.

Anschaffungs- und Folgekosten

201506 Weihnacht3Für die Anschaffung eines Rassehundes oder einer Rassekatze ist mit Kosten zwischen 800 und 1.500 Euro zu rechnen, sodass das Tier als Weihnachtsgeschenk schon zu den extrem kostspieligen Geschenken zu zählen ist. Kaninchen und Meerschweinchen sind zwar um ein Vielfaches günstiger zu bekommen, der Anschaffungspreis alleine gibt jedoch nicht die zu kalkulierenden Gesamtkosten vor. Für Impfungen müssen in der Regel für alle Tierarten 30 bis 60 Euro angesetzt werden und für sonstige Tierarztkosten, Futtermittel, Streu etc. im Monat 50 bis 200 Euro, wobei Hundeschule, Hundesteuer und Tierversicherungen hierbei noch nicht berücksichtigt sind. Tiere kosten richtig Geld und die Kosten können und sollten nicht vom Taschengeld des Kindes beglichen werden. Hier stehen die Eltern in der Verantwortung, die Kosten zu tragen und vorher kalkuliert zu haben. Denn ein Tier muss man sich auch leisten können.

Verantwortung ist mehr als Zuwendung

Jedes Tier braucht Aufmerksamkeit und Zuwendung und gerade Tiere aus dem Tierheim oder dem Auslandstierschutz lechzen danach, ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer neuen Besitzer zu erhalten. Doch Zuwendung alleine reicht zur Haltung eines Haustieres nicht aus. Ein Welpe ist nicht stubenrein und muss erst mal erzogen werden, bevor das Familienleben mit Hund reibungslos und geregelt verlaufen kann. Katzen kratzen an Möbelstücken oder reißen Gardinen kaputt, sodass auch ihnen klare Grenzen beigebracht werden müssen, bevor ein harmonisches Leben mit Katze gelebt werden kann, und Kaninchen und Meerschweinchen wollen ebenso spielen und beschäftigt werden wie ein Kind selbst. Die Verantwortung, dies alles zu gewährleisten, kann einem Kind alleine nicht übertragen werden, sodass eine klare Aufteilung der Aufgaben und Verantwortlichkeiten vor der Anschaffung eines Haustieres notwendig ist und auch mit den Kindern besprochen werden sollte. Den meisten Kindern ist die Verantwortung und die Arbeit, die ein Haustier mit sich bringt, nicht bewusst, sodass die Freude schnell nachlassen kann, wenn die ersten Aufgaben anstehen. Wurde Verantwortung und Arbeitsteilung jedoch vorher besprochen und geklärt, werden die Wünsche auf den Weihnachtswunschzetteln oft noch einmal geändert und die Frage „Haustier – ja oder nein“ kann in aller Ruhe nach Weihnachten geklärt werden. Um Fehlentscheidungen zur Haustieranschaffung, wie sie an Weihnachten besonders häufig getroffen werden, entgegenzuwirken, vermitteln viele Tierheime um die Weihnachtszeit heutzutage keine Tiere mehr und auch Tierschutzorganisationen, Versicherungen und der Gesetzgeber klären über mögliche Folgen zum Thema „Tiere unterm Weihnachtsbaum“ auf.

Tiere aussetzen ist kein Kavaliersdelikt

Foto: Ema Woo – ShutterstockGerade nach Weihnachten werden mehr Tiere an Autobahnrasthöfen, im Wald oder vor Tierheimen angebunden und einfach zurückgelassen, als zu jeder anderen Zeit des Jahres. Die Tiere landen dann in Tierheimen oder streunen herrenlos auf den Straßen herum. Doch das Aussetzen von Tieren ist kein Kavaliersdelikt und gilt nach dem Tierschutzgesetz als Ordnungswidrigkeit, die mit hohen Bußgeldern belegt ist. Bis zu 25.000 Euro Strafe können auf das Aussetzen eines Tieres verhängt werden. Und das mit Recht, denn schließlich sollte jeder erwachsene Mensch in der Lage sein, sich vor der Anschaffung eines Tieres über Zeit-, Arbeitsund Geldaufwand zu informieren. Ein hohes Bußgeld wird im Übrigen auch für das Herbeiführen einer Situation verhängt, die es einem Tier ermöglicht, zu entlaufen oder zu entwischen, wie das oft bei Reptilien, Vögeln oder kleinen Nagern der Fall ist. Von „Freiheit schenken“ kann hier keine Rede sein, da die Tiere in freier Natur meist keine oder nur geringe Überlebenschancen haben.

Ein Haustier ist kein Fehler

201506 Weihnacht5Auch wenn Weihnachten in der Regel nicht der richtige Zeitpunkt für die Anschaffung eines Haustieres ist, ist ein wohlüberlegter tierischer Familienzuwachs trotzdem immer positiv zu werten. Viele Studien haben gezeigt, dass Tiere eine extrem positive Wirkung auf uns Menschen und insbesondere auf Kinder und Senioren ausüben, sodass auch viele Pädagogen die Anschaffung eines Haustieres zum Wohle des Kindes empfehlen. Studien dazu haben gezeigt, dass Kinder schneller ein gutes Sozialverhalten und schulrelevante Konsequenzen entwickeln, wenn sie zusammen mit einem Haustier aufwachsen und für dieses auch Verantwortung übernehmen müssen. Auch wurde eine ausgeprägtere Fähigkeit zur nonverbalen Kommunikation und eine bessere Kompromissbereitschaft in Streitfällen bei Kindern mit Haustieren beobachtet, als bei Kindern, die ohne Haustier aufwachsen. Ebenso bestätigen Organisationen, die mit Tieren alte und kranke Menschen in Seniorenheimen besuchen, die überaus positive Wirkung der Tiere auf Senioren. Insofern kann die Anschaffung eines Haustieres niemals falsch sein, wenn sie gut überlegt ist und bewusst getätigt wurde. Dann ist es auch durchaus legitim, wenn der vierbeinige Familienzuwachs unterm Weihnachtsbaum Platz nimmt und das Fest bereichert.

DR. ISA FOLTIN DR. ISA FOLTIN
TIERÄRZTIN, RADIOLOGIN, DIPLOM-JOURNALISTIN

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE

  • Medizinjournalismus für Pharmafirmen, Wissenschafts- und Publikumsmedien
  • Vergleichende Radiologie bei Mensch und Tier
  • Spezialgebiet Kernspintomographie
  • Dozentin an den Paracelsus Schulen

Fotos: © Africa Studio – Shutterstock, Igor Kovalchuk – Shutterstock, ABIT.GAMES studio – Shutterstock, Anna Maloverjan – Shutterstock

< zurück