Tierwissen für Kids: Bemerkenswertes Rentier

ANGEBLICH ZIEHT ES DEN SCHLITTEN DES WEIHNACHTMANNES, ABER ES HAT AUCH NOCH ANDERE BESONDERHEITEN

Fotos: © Andreas Gradin, senoldo - FotoliaIM NORDEN DAHEIM

Das Rentier, oder auch kurz Ren genannt, ist die am weitesten nördlich lebende Hirschart. Rentiere bewohnen das nördliche Kanada und Alaska ebenso wie Grönland, Nordeuropa und Sibirien. In Nordamerika werden die Tiere Karibu genannt, was wörtlich aus dem Indianischen übersetzt „Scharrer“ oder „Kratzer“ bedeutet und die Gewohnheit des Ren beschreibt, mit seinen Vorderhufen den Schnee wegzuscharren, um Nahrung zu finden. In den endlos wirkenden, baumlosen Steppenlandschaften des Nordens ernähren sie sich vorwiegend von Flechten, Pilzen, Kräutern und Gräsern.


EIN FLEISSIGER WANDERER

Kein anderes Landsäugetier legt regelmäßig so lange Distanzen zurück wie das Rentier. Da im Winter die Essensvielfalt sehr eingeschränkt ist, ziehen die Rentiere Richtung Süden in die Taiga, flüchten aber im Frühling vor den riesigen Insektenschwärmen wieder in die nördlich gelegene Tundra. Durch dieses Hin und Her legen die Tiere in einem Jahr Entfernungen von bis zu 5000 Kilometern zurück.


Fotos: © Andreas Gradin, senoldo - FotoliaFLIEGENDE RENTIERE?

Durch die jahrtausendlange, enge Verbindung mit dem Tier entstanden zahlreiche Erzählungen und Legenden. Darunter auch die des Weihnachtsmannes, dessen Schlitten von Rentieren gezogen wird. Diese Legende kam dann durch Auswanderer nach Amerika, von wo aus sie in die ganze Welt getragen wurde. Kein Mensch hat jemals fliegende Rentiere gesehen, was aber nicht heißt, dass es sie nicht gibt…


GEZÄHMTER SONDERFALL

Das Rentier ist die einzige Hirschart, die vom Menschen gezähmt werden konnte. Dies war nur möglich, weil das Ren von Natur aus nicht so scheu wie andere Hirscharten ist. In Nordamerika sind nach wie vor die meisten Rentiere wild, weil die Indianer ihre Jägermentalität nicht ablegen wollten. Als Nutztier verbreitete es sich deshalb in erster Linie von Sibirien aus bis nach Skandinavien. Hier wurde es sehr erfolgreich als Last- und Zugtier eingesetzt, da es im Gegensatz zu anderen Nutztieren die extremen Temperaturen aushalten konnte. Auch heute noch gibt es dort die Rentierzucht. Die Herden können frei herumwandern, die Menschen folgen ihnen und ihren Wanderwegen mit Motorschlitten und setzen zur jährlichen Zählung zum Zusammentreiben riesiger Herden Hubschrauber ein.


SIE BEWAHREN EINEN KÜHLEN KOPF

Wenn Ihr im Winter rennen müsst, damit Euch der Schulbus nicht wegfährt, wird es warm unter der Winterjacke. Ihr fangt an zu schwitzen und zieht Eure Jacken im Bus aus. Leider können die Rentiere nach einer erfolgreichen Flucht vor Feinden nicht so einfach aus ihrem dicken Fell schlüpfen. Dennoch überleben sie, denn sie verfügen über ein dreistufiges Kühlsystem. Läuft das Rentier langsam, atmet es schneller durch die Nase. Dadurch wird das Blut im Nasenraum kälter und von dort im ganzen Körper verteilt. Reicht das nicht aus, hecheln die Tiere mit heraushängender Zunge, um die Wirkung zu verstärken. Bei großer Anstrengung hilft jedoch nur noch die besondere Beschaffenheit ihres Blutgefäßsystems: Arterien und Venen liegen so dicht beieinander, dass das kühle Venenblut das warme, zum Gehirn fließende Arterienblut abkühlen kann.


ELCH ODER RENTIER?

Obwohl beide Hirscharten sich im Norden aufhalten und imposante Geweihe tragen, sind die Unterschiede enorm. Das fängt bei der Größe an: Während das Ren eine Schulterhöhe von bis zu 140 cm und maximal 300 kg erreicht, bringt es der Elch als größter bekannter Hirsch auf 240 cm bzw. 850 kg. Sein Rücken würde also beinahe die Latte eines Fußballtores berühren! Auch die Art des Geweihs ist sehr unterschiedlich. Beim Rentier ist es sehr unregelmäßig, stark verzweigt und, was einzigartig ist, auch die weiblichen Tiere besitzen ein Geweih. Der Elch dagegen trägt ein flaches, breites Schaufelgeweih. Auch ist der Elch Einzelgänger und liebt den Wald, während das Ren in großen Gruppen in der Steppe lebt.


LUFTIGER PELZ UND NATÜRLICHE SCHNEESCHUHE

Das Rentier hat sich optimal an die eisigen Temperaturen angepasst. Sein Fell ist etwa dreimal so dick wie bei anderen Hirscharten. Dabei sind die Haare von innen hohl, sodass sich zwischen Ober- und Unterfell eine gut isolierende Luftschicht bildet. Auch die Hufe haben sich anders entwickelt: Sie sind viel breiter, wodurch sich die Trittfläche vergrößert und ein Einsinken in den Schnee vermindert, meist sogar ganz verhindert werden kann. Was wir Menschen nur mit umgeschnallten Schneeschuhen erreichen, ist dem Rentier naturgegeben. Laufen die Tiere auf normalem Boden, kann man ihre breiten Hufe knarren hören.


SIE LIEBEN ES GESELLIG

Rentiere sind Herdentiere. Sie finden sich zu den regelmäßigen Wanderungen zusammen und können so bis zu 500.000 Tiere umfassen. Bei den Weideplätzen angekommen, lösen sie sich in bis zu 100 Tiere große Gruppen auf. Die Herde dient in erster Linie als Schutz vor den natürlichen Feinden wie Bären, Wölfe oder Luchse, die gegen eine gut organisierte Gruppe in der Regel das Nachsehen haben. Lediglich kranke oder schwache Tiere sind mögliche Beuteopfer. Hirschkälber sind immer „Einzelkinder“ und sehr schnell selbstständig. Bereits eine Stunde nach der Geburt können sie laufen.

Fotos: © Andreas Gradin, senoldo - Fotolia

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