Serie Heilpflanzen: Lavendel

Foto: Veneratio - FotoliaLAVANDULA ANGUSTIFOLIA

In der Familie der Lippenblütler finden sich zahlreiche intensiv duftende Arten. Der Lavendel gehört durch die ihm eigene Farbe und seinem Duft zu den besonders auffallenden Vertretern dieser Familie. Der höchste Gehalt an ätherischem Öl befindet sich, auch das ist eine Besonderheit, in der Blüte.
Seine Heimat sind die sonnigen, trockenen Hänge der Mittelmeerregion. Als Parfüm-, Heil- und Gewürzpflanze wird er seit der Antike genutzt. In großen Feldern angebaut, ist Lavendel die charakteristische Pflanze der Provence. In warmen und trockenen Lagen entwickelt der Lavendel auch bei uns seinen intensiven Duft.


Breites Wirkspektrum

In der Human- wie in der Tiermedizin werden die Lavendelblüten genutzt. Sie wirken beruhigend, blähungswidrig und gallentreibend. Gerade bei unbestimmter Unruhe, auch im Magen und Darmbereich, bei Nervosität und Erschöpfung hilft Lavendel zuverlässig, ebenso bei Menschen oder Tieren mit unruhigem Schlaf. Lavendelblüten an gereizte Pferde verfüttert, beruhigen und sind eine wirkungsvolle Vorbeugung zu Silvester oder sonstigen lauten und stressigen Anlässen.
Lavendel enthält neben dem ätherischen Öl (bis zu 3 Prozent in den Blüten) Gerbstoffe, Flavonoide, Cumarine, Harze, insgesamt wurden über 60 verschiedene Inhaltsstoffe nachgewiesen.


Kostbares Therapeutikum

Ein unschätzbares therapeutisches Mittel ist das ätherische Lavendelöl: Seine beruhigende Wirkung wird in der Aromatherapie genutzt. Lavendelöl löst Verspannungen und innere Blockaden. Zahnbehandler und Pferdedentisten nutzen ätherisches Lavendelöl zur Beruhigung und als Schmerzmittel. Hinzu kommen die antiseptischen, eiterwidrigen und wundheilenden Wirkungen des Lavendelöls.
Äußerlich hilft es bei Brandwunden, Lavendelöl sorgt für ein gutes Abheilen von Wunden und verhindert die Bildung harten Narbengewebes. Außerdem hilft Lavendel bei Muskelschmerzen.

Verpilzungen auf der Haut, im Huf- oder Klauenbereich, ebenso Nagelpilz können rasch und zuverlässig mit Lavendelöl bekämpft werden. Es darf als eines der wenigen ätherischen Öle unverdünnt aufgetragen werden. Das Mischen mit fettem Öl als Trägeröl sorgt dafür, dass das ätherische Öl nicht so schnell verfliegt und auch langsamer in die Haut einzieht.


Blüte oder Blatt

Foto: Diana Taliun - FotoliaWährend wir heute ausschließlich auf die Blüten schauen, weil sich darin der höchste Gehalt an ätherischen Ölen befindet, so sollten wir das graufilzige Laub nicht ganz verachten. Wer an einem warmen Sommertag Lavendelblätter zwischen den Fingern zerreibt, riecht auch hier die ätherischen Öle, mit denen sich die Pflanzen vor Insektenfraß schützen. Der graufilzige Belag ist ein Schutz vor der intensiven Sonneneinstrahlung in den steinigen Bergregionen seiner Heimat, sie ist auch gleichzeitig ein Verdunstungsschutz. Die Strahlung im Gebirge wird durch die Reflexion vom Gestein verstärkt, darum der Rundumschutz. Wir erkennen allein daraus die starke Analogie des Lavendels zur Haut!

In Südfrankreich nehmen die Jäger, deren Hunde von Schlangen gebissen wurden, Lavendelkraut und reiben die Bissstelle ein. Die ätherischen Öle dringen durch die Haut ein, eine Erste Hilfe, die in der Provence leicht durchzuführen ist und mit der die Hunde sich oft ohne weitere Behandlung gut regenerieren.
Geflügelzüchter nutzten früher Lavendelkraut für die Legenester ihrer Vögel, um Parasiten und Insekten fernzuhalten, ohne die Gelege zu belasten. Der heiße Teeaufguss aus Lavendelblüten wird besser getrunken als der etwas bittere Kaltauszug. Pferden und anderen Pflanzenfressern können wir die Blüten, aber auch die Stängel oder das Kraut füttern.


Richten wir noch einen Blick auf das ätherische Lavendelöl:

Ätherische Öle werden durch Destillation gewonnen. Für einen Liter ätherisches Öl braucht man ca. 100 kg Lavendelblüten. Wir haben in dem Destillat die Wirkstoffe stark konzentriert und brauchen daher nur sehr wenig davon.
Die unterschiedlichen Typen und Qualitätsbezeichnungen des Öls sollten Klarheit verschaffen, stiften aber häufig nur Verwirrung:
Aus Lavandula angustifolia werden „Lavendel fein“ und „Lavendel extra“ gewonnen. Als Destillationsgrundlage für „Lavendel extra“ dient der Lavendel aus den Bergregionen. „Lavendel Barreme“ oder „Mont Blanc“ sind Handelsbezeichnungen für reine ätherische Lavendelöle, denen ein standardisierter Esteranteil zugrunde liegt.
In der Provence wird hauptsächlich Lavandin angebaut, eine Kreuzung von Echtem Lavendel und Speik-Lavendel (Lavandula latifolia). Daraus werden preiswerte Essenzen und Öle gewonnen. Deren Duft ist jedoch schwächer als der von Produkten aus echtem Lavendel. Lavendinöle werden hauptsächlich für Duftlampen, Kosmetika und Seifen eingesetzt. Der Lavandin ist therapeutisch nicht relevant.


Lavendel und Lavendelöl

In der Praxis setzen wir Lavendelblüten oder Lavendelöl als beruhigendes und stressreduzierendes Mittel ein. Nervöse, ängstliche Hunde und Pferde, die zu Überreaktionen neigen, Pferde, die sich nicht gut verladen lassen oder eine Umstellung in der Herde als Belastung erleben, Hunde und Pferde, die auf Lärm oder Silversterknallerei heftig reagieren sollten in dieser Zeit mit Lavendel versorgt werden. Man nimmt einen Esslöffel Blüten für ein mittelgroßes Pferd, Hunden gibt man 150 - 300 ml Tee aus 1-2 Teelöffel voll Lavendelblüten über den Tag verteilt.
Die krampflösende Wirkung des Lavendels nutzen wir bei Magen- und Darmbeschwerden, zur Vorbeugung gegen Koliken, bei Blähungen und Aufgasungen. Hierbei hat sich die Kombination mit Thymian sehr bewährt.


MANFRED HESSEL MANFRED HESSEL
DIPLOM-ÖKOLOGE AUS WALTROP ENTWICKELT, PRODUZIERT UND VERTREIBT ERGÄNZUNGSFUTTER UND KRÄUTERMISCHUNGEN FÜR PFERDE UND HUNDE

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