Angststörung beim Hund: Auslöser und Behandlungsansätze

Foto: OneSmallSquare - FotoliaEs ist in Mode gekommen, Hunde aus dem Ausland nach Deutschland zu vermitteln, insbesondere diejenigen Hunde, die in ihren Heimatländern in Tötungsstationen sitzen. Es ist verständlich, dass es hier liebevolle Neubesitzer gibt, die die Züchtungen vor Ort nicht weiter finanzieren möchten, während in anderen Teilen der EU bereits geborene Hunde einfach eliminiert werden. Meist kommen diese Hunde aus sehr schlechten Lebensbedingungen. Diverse Krankheiten oder Mangelerscheinungen werden oftmals schon im Ursprungsland von bemühten Helfern behandelt, sodass der Gesundheitszustand der Hunde auch für einen wenig erfahrenen Tierhalter durchaus tragbar ist. Die seelischen Grausamkeiten, die diese armen Hunde erleben mussten, sind damit jedoch noch nicht gelöst.

Die Angstauslöser lassen sich nicht immer sofort lokalisieren, da die Umstellung auf das neue Heim und die neuen Menschen viel Kraft und Zeit braucht. Dennoch ist es als begleitender Tierheilpraktiker/ in sehr wichtig, nach spezifischen Mustern zu forschen.

In der Regel kontaktieren mich Hundebesitzer mit angstvollen Tieren zunächst per Telefon oder E-Mail. Ich versuche dann im Erstgespräch zu ermitteln, ob und inwieweit ich eine mögliche Tierkommunikation vor dem ersten Besuch anbieten kann. Manchmal lässt sich dabei bereits ein Gefühl für den jeweiligen Angstauslöser entwickeln. Dennoch ersetzt die mentale Verbindung zur Seele nicht eine ausführliche Anamnese, auf die ich mich möglichst neutral und unvoreingenommen einstelle. Grundsätzlich teile ich Angstauslöser in verschiedene Kategorien ein.

Es gibt aber auch Hunde, deren Auslöser nur einer Kategorie zuzurechnen sind, während andere aus mehreren Kategorien stammen und einige wenige sogar ganz eigene Kombinationen aufweisen.
Für meinen detaillierten Fragebogen, der ein gutes Hilfsmittel darstellt, um alle bisher von mir gefundenen Auslöservarianten abzufragen, sind die Kategorien wie folgt eingeteilt: 

Diese Liste ist natürlich nicht vollständig. Berührungen, Entfernungen, spezifische Dinge wie Fahrstuhl, Zug- oder Autofahrten, bestimmte Gerüche usw. sind ebenfalls darin enthalten, sodass die gesamte Liste bereits sechs Seiten stark ist und weiter anwächst. Es hat sich bewährt, diese Liste zumindest bei der Erstanamnese einmal durchzuarbeiten, denn meist fallen dem Hundebesitzer dabei weitere Auslöser ein.

Nach dem Erstbesuch mit ausführlicher Anamnese sollte eine weitere Tierkommunikation stattfinden, wobei die gefundenen Auslöser manchmal schon relativiert und neu visualisiert werden können. Ich weise die Hundebesitzer darauf hin, dass die Auslöser zunächst vermieden werden sollten. Ein langsames und sortiertes Vorgehen zahlt sich für den Erfolg der Behandlung in jedem Falle aus.
Die ersten Übungen mit evtl. Klickern und positivem Verstärken, sportlichen Übungen wie Aport oder Target sind die ersten Hausaufgaben, die ich den Besitzern auftrage. Auch die Auswahl einer passenden Bachblüte oder Chakrablüte kann den positiven Effekt verstärken.
Die Desensibilisierung ist eine Möglichkeit der Angstüberwindung. Dabei gilt: Weniger ist mehr. Der beste Einstieg ist, die Entwicklung der Abläufe, die zur Angstsituation führen, zu erkennen und ganz sanfte kleine Anfänge damit zu wagen. Wenn ein Hund Angst z. B. vor dem Autofahren hat, so kann das Einsteigen ins Auto schon zu Hause ohne Auto geübt und positiv verstärkt werden. Gerne schicke ich Hunde dazu mit dem Targetstick in ein Körbchen, eine Box oder einige Stufen auf einer Treppe nach oben. In der Kombination mit dem Sprung ins Auto lässt sich dann schon die erste Stufe der Angst (wie ich sie nenne) beobachten. Dennoch überwiegt die positive Bestärkung, wenn sie eine Stufe der Gewöhnung durch regelmäßiges Training erreicht hat. Der Hund lernt zudem, dass das Trainingsprogramm inneren Halt und Sicherheit bietet. Kleine Schritte sanft und geduldig aufeinander aufbauen und die Stufen der Angst bleiben klein und überwindbar.

Die Gegenkondition soll die angstauslösenden Reize in angenehme Rei-ze verwandeln. Wenn das Klingeln an der Türe zur Anspannung führt, aber der Mensch, der zur Türe herein kommt, dem angespannten Hund ein Leckerchen gibt und sich freut, den Hund zu sehen, dann lässt sich durch häufige Wiederholungen die angstauslösende Programmierung lösch-en. Allerdings ist es nicht immer ratsam, diesen Weg zu gehen, da die Angst manchmal bleibt und sich anders weiterentwickelt. Oftmals ist es aber auch der schnellste und beeindruckendste Soforterfolg.

Bei der klassischen Konditionierung werden Reize miteinander kombiniert. Dieser Weg ist sehr sicher, bedarf aber der intensiven Ermittlung genauer Auslöser. Als ich noch Pferde für tägliche Reitvorführungen ausgebildet habe, massierten wir unsere Hengste, während eine CD auf voller Lautstärke lief. Man konnte lautes Applaudieren im Wechsel mit dem intensiven Trampeln der Zuschauer unserer Reithallentribüne hören. Bei den Junghengsten dauerte es nicht lange und sie koppelten die Entspannung mit den eigentlich stressauslösenden Geräuschen. Manch ein Hengst brauchte später den Applaus zu Beginn der Vorführung sogar, um selbst die schwierigsten Lektionen entspannt zeigen zu können.

Funktionieren kann natürlich auch die Gewöhnung an den angstauslösenden Reiz. Dieser Weg ist empfehlenswert, wenn der Reiz nur zur Anspannung führt und diese durch lange Direktkonfrontation abgebaut werden kann. So kann man z. B. bei Katzen den angstauslösenden Gegenstand einfach in der Nähe des Futternapfes aufstellen und so eine schnellere Gewöhnung an den Gegenstand bewirken. Bei einer meiner Katzen-Patienten führte das soweit, dass sie einige Wochen im Korb des familiären Kinderwagens ihr Futter erhielt.
Eine ausweglose Konfrontation sollte dem Patienten nicht zugemutet werden. Als Berufsreiterin habe ich gelernt, wie man jungen Tieren die Angst beim Erstkontakt erfolgreich nehmen und gleichzeitig ein grundsätzliches Verfahrensmuster in die junge Seele implantieren kann. Jedoch gehört das in äußerst erfahrene Hände und sollte auch in vollem Umfang abgeschlossen werden. Bei Hunden verschiebt sich die Angst oder potenziert sich unbeherrschbar, wenn dieser Weg nicht gelingt. Schon so mancher Hundeflüsterer hat damit bei einem angstgestörten Hund zu einer untragbaren Wesensveränderung geführt. Nicht jede Methode ist akzeptabel und daher sollte sich ein Tierheilpraktiker dessen auch immer bewusst sein.


ADRIANA LUDEWIG

TIERHEILPRAKTIKERIN PFERD & HUND
GRÜNDERIN LIBRA EQUINUS

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  • Akupunktur
  • Klangmassagen
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  • Ausbildung von Pferden und Reitern
  • Dozentin an den Paracelsus Schulen

Fotos: © OneSmallSquare, Shutterstock, Cynoclub, pizuttipics, Jana Behr - Fotolia

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