Serie: Unsere Tiere und ihre G´schichterl

THP 5 19 final korr Page40 Image1Die Auffangstation für Reptilien in München kümmert sich  schon lange nicht mehr nur um wechselwarme Tiere wie  Reptilien,  Amphibien,  Fische  und  Invertebraten,  sondern  auch um exotische Säugetiere. In dieser Serie möchten wir  Ihnen  unsere Tiere  und  die verschiedenen Tierarten,  um  die wir uns bemühen, vorstellen und näherbringen. Auch  diesmal  geht  es  uns  jedoch  nicht  um  ein  einzelnes Tierschicksal,  sondern  um  einen  anderen  wichtigen  Teil  unserer Arbeit: Arten- und Naturschutz.  Aufbauend auf dem  Artikelthema des letzten Magazins, in dem es um das Insekten-  und  Bienensterben  ging, wird  die Auffangstation  pünktlich zur Vorweihnachtszeit ein Set mit fünf Postkarten  zum  Thema  Biodiversität  herausbringen.  Abgebildet  sind  immer  ein  exotisches  Reptil,  eine  Wildpflanze  und  eine Wildbienenart. 
Gemalt wurden die Biodiversitäts-Postkarten von unserer  langjährigen, ehrenamtlichen Mitarbeiterin Isabel „Isi“ Grefen. Das Set wird erhältlich sein auf www.reptilienauffangstation.de. Der Erlös fließt gänzlich in unseren seit langer  Zeit geplanten und dringend notwendigen Neubau.

THP 5 19 final korr Page40 Image2Postkarte Nr. 1: Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni), Braunbürstige Hosenbiene (Dasypoda hirtipes), Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus)
Griechische Landschildkröten gehören zu den am häufigsten in Privathand gehaltenen Schildkröten und sind auch sehr häufig in unserer Auffangstation anzutreffen. Vor allem männliche Tiere, da diese sich schwieriger vergesellschaften lassen als weibliche. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich über weite Teile des europäischen Mittelmeerraums, ihr Bestand gilt als gefährdet. Die einheimische Braunbürstige Hosenbiene, hier dargestellt ein Weibchen, ist eine seltene, gefährdete Wildbiene, die auf Korbblütler (Asteraceae), z.B. die Wegwarte, als Nahrung angewiesen ist. Als Bodennister benötigt sie sonnenexponierte, sandige Brachflächen, um ihre bis zu 60 cm tief in die Erde reichenden Niströhren graben zu können. Wichtig ist, dass diese sandigen Gebiete wenig Vegetation aufweisen. Verbuschung gefährdet den Fortbestand dieser Bienenart. Geeignete Nistflächen bieten Sandgruben, sandige Wegränder, Sanddünen, Lößböschungen, sandige (Bahn-)Dämme, selbst Sandfugen zwischen Gehwegplatten können genutzt werden. Die Gemeine Wegwarte ist eine weit verbreitete einheimische Wild- und Heilpflanze, die häufig an Wegrändern anzutreffen ist. Ihre tiefreichende Pfahlwurzel kann als Kaffeeersatz genutzt werden. Wegwartenblüten werden nicht nur von Dasypoda hirtipes, sondern auch von anderen Bienen und Schwebfliegen bestäubt.

THP 5 19 final korr Page41 Image1Postkarte Nr. 2:  Streifenköpfige Bartagame (Pogona vitticeps), Mohn-Mauerbiene (Hoplitis papaveris), Klatschmohn (Papaver rhoeas)
Bartagamen sind beliebte Terrarientiere, da sie den Ruf haben, auch für Terraristik-Anfänger gut geeignet zu sein. Diese australischen Echsen sind in unserer Auffangstation zahlreich vertreten. Obwohl die Reptilienfauna generell unter dem Klimawandel, der Umweltverschmutzung, dem Habitatsverlust und – besonders in Australien – invasiven Tierarten leidet, ist die Bartagame in ihrem Bestand noch nicht gefährdet. Im Gegensatz dazu ist die sehr seltene, extrem scheue Mohn-Mauerbiene in Deutschland akut vom Aussterben bedroht. Sie gräbt ihre Niströhre in sandigen, vegetationsarmen Boden und kleidet diese Röhre mit Stücken von Mohnblütenblättern aus, die sie mit ihren kräftigen Kieferzangen in wenigen Sekunden aus der Mohnblüte schneidet. Pollen sammelt sie gern von Kornblumen, Klatschmohn und anderen Wildblumenarten. Der Klatschmohn ist ein typischer Kulturbegleiter und verbreitete sich überall, wo Ackerbau betrieben wurde. Als Lichtkeimer und Pionierpflanze breitet er sich schnell auf Brachflächen aus, bevor er mit zunehmendem Wachstum anderer Pflanzen zurückgedrängt wird.

THP 5 19 final korr Page42 Image1Postkarte Nr. 3: Westliche Smaragdeidechse (Lacerta bilineata), Graue Sandbiene (Andrena cineraria), Huflattich (Tussilago farfara)
Die Westliche Smaragdeidechse kommt nur in wenigen Gebieten Deutschlands vor und gilt als stark gefährdet. Sie ist eng verwandt mit der Östlichen Smaragdeidechse, ist jedoch eine eigene Art. Die Graue Sandbiene ist eine hübsche Wildbiene, die hierzulande weit verbreitet ist. Auch sie benötigt zum Nestbau vegetationsarme, lockere, trockene Böden, aber es muss, im Gegensatz zu vielen anderen Wildbienenarten, nicht ausschließlich sandiger Boden sein. Auch bei ihrer Nahrungssuche ist sie weniger wählerisch: Sie ernährt sich von Pflanzen verschiedenster Familien (Korbblütler, Dolden-, Rosen-, Hahnenfuß- und Weidengewächse, Kreuzblütler). Der Huflattich ist weit verbreitet und einer der ersten Frühlingsblü- her. Somit ist er eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten. Seine Blüten erscheinen und verblühen lange Zeit vor dem Entfalten seiner Laubblätter. Diese gegen Husten und Krankheiten der Atemwege hervorragende Heilpflanze wird heute aufgrund der enthaltenen Alkaloide, die potenziell karzinogen sind, nicht mehr verwendet.

THP 5 19 final korr Page42 Image2Postkarte Nr. 4: Europäische Hornotter (Vipera ammodytes), Natternkopf-Mauerbiene (Osmia adunca), Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare)
Die Europäische Hornotter (Sandviper) gehört zu den europäischen Giftschlangen, mit Verbreitungsgebiet Südeuropa, Balkan und Teilen des Mittleren Ostens. In der EU ist sie streng geschützt, ihr Bestand variiert von „stark gefährdet“ bis hin zu „vom Aussterben bedroht“. Sie ist ovovivipar, legt also keine Eier, sondern bringt lebende Jungtiere zur Welt. Die Natternkopf-Mauerbiene ist eine Wildbienenart, die sich einzig und allein vom Natternkopf ernährt. Fehlt diese Pflanze, gibt es auch diese Biene nicht. Zum Nisten benötigt sie Lehmoder Lößwände, alte Steinwände oder -mauern, Totholz und hohle Stängel. Gerne werden vom Menschen angebotene Nisthilfen angenommen („Bienenhotels“). Der Gewöhnliche Natternkopf ist eine auffällige Trockenpflanze mit lang herausragenden Griffeln und Staubblättern. Die Blüte verfärbt sich mit der Zeit von rosarot zu blau. Nur die rosa Blüten sind reich an Nektar. Nicht nur Natternkopf-Mauerbienen besuchen die Pflanze, auch viele andere Insekten, vor allem zahlreiche Schmetterlingsarten.

THP 5 19 final korr Page42 Image3Postkarte Nr. 5: Pantherchamäleon (Furcifer pardalis), Efeu-Seidenbiene (Colletes hederae), Gewöhnlicher Efeu (Hedera helix)
Das Pantherchamäleon kommt auf Madagaskar sowie einigen nahegelegenen Inseln vor. Es weist einen deutlichen sexuellen Dimorphismus aus, sowohl was Färbung als auch Körpergröße angeht. In deutschen Haushalten wird Furcifer pardalis gerne als Haustier gehalten. Da Pantherchamäleons, wie viele andere Chamäleonarten auch, nicht besonders alt werden, werden sie eher selten in der Auffangstation abgegeben. Die Efeu-Seidenbiene wurde erst in den 1990er-Jahren als eigene Art erkannt und beschrieben, da sie verwandten Seidenbienenarten sehr ähnlich sieht. Sie ist auf Efeupollen zur Larvenaufzucht angewiesen. Da Efeu spät im Jahr blüht (September und Oktober), ist diese in Deutschland seltene Biene auch spät im Jahr unterwegs. Zum Nisten benötigt sie Lößwände oder Sandflächen, selbst in Sandkästen wurde sie schon beobachtet. Der Gewöhnliche Efeu wird oft als lästiges Unkraut betrachtet, aber seine Blüten und Früchte sind eine wichtige Nahrungsquelle für viele Insekten und Vögel. Ebenso finden zahlreiche Tiere Schutz in mit Efeu bewachsenem Erdreich, Mauern und Bäumen. Interessant ist, dass die Laubblätter der Jugendform die als „typisch“ angesehene handförmige Lappung haben, während die Altersform des Efeus spitz zulaufend eiförmig ist, ohne Lappung. Nur die Altersform ist blühfähig und fruchttragend.

DR. MARKUS BAURDR. MARKUS BAUR

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