Fütterungsdiäten bei Erkrankungen des Hundes

Foto: © Felix –FotoliaDiät, Diätetik oder  Diätologie

Das Wort „Diät“ suggeriert ein Gefühl von Verzicht. Dabei ist der aus dem Griechischen kommende Begriff lediglich die Bezeichnung für eine den Körper und die Seele gesund erhaltende oder zur Heilung beitragende Lebensweise.

Physiologische Grundlagen

Jeder lebende Organismus ist, um den Stoffwechsel aufrechtzuerhalten und alle Lebensfunktionen erfüllen zu können, auf die regelmäßige Zufuhr von Nahrung angewiesen, Durch Auf-, Abund Umbau von Kohlenhydraten, Proteinen, Fetten, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen gewinnt der Organismus die benötigte Energie. Die Regulation der Energiebilanz läuft unbewusst über einen biologischen Regelkreis ab. Dabei werden Aufnahme, Abgabe und Speicherung der Energie von spezifischen Signalen gesteuert. Hierzu zählen Signale aus dem Magen-Darm-Trakt, stoffwechselbedingte Signale sowie Signale durch die Geschwindigkeit der Magen- und Darmentleerung.
Für das Gefühl der Sättigung ist nicht nur der gefüllte Magen verantwortlich, sondern auch die Konzentration der Nährstoffe im Dünndarm. Die aufgrund des Stoffwechsels resultierenden Sättigungssignale leiten ihre Informationen über den Nervus vagus an spezielle Sensoren im Gehirn weiter. So erhält es die notwendigen Informationen über die Stoffwechsellage des Organismus und den Energiegehalt der Nahrung.
Wie hoch der Grundumsatz ist, also der minimal notwendige Energieumsatz zur Aufrechterhaltung der lebensnotwendigen Körperfunktionen, hängt von Faktoren wie Alter, Geschlecht und Konstitution eines Tieres ab.
Dabei bleibt die Körpermasse konstant. Steigt der Umsatz z.B. durch mehr Bewegung, Training, Reproduktion und Laktation an, spricht man vom Leistungsumsatz.
Grundsätzlich aber gilt, dass die Menge an verwertbaren Nährstoffen, die dem Organismus aus der Nahrung zur Verfügung stehen, die entscheidende Rolle spielt, und nicht die Menge der aufgenommenen Nahrung an sich.

Proteine … 

sind aus verschiedenen Aminosäuren zusammengesetzt, die aus tierischer oder pflanzlicher Herkunft stammen. Man unterscheidet essenzielle und nichtessenzielle Aminosäuren. Erstere müssen über die Nahrung aufgenommen werden, letztere können über stickstoffhaltige Vorstufen synthetisiert werden. Zu ihren vielfältigen Aufgaben zählen regulative Maßnahmen, Stützund Schutzfunktionen, kontraktile und Abwehrfunktionen.

Fette …

gelten als die wichtigsten Energiespeicher, die dem Körper aus der Nahrung zur Verfügung stehen. Als Depotfett in Form gesättigter Fettsäuren und als Nährstoff für den Stoffwechsel als ungesättigte Fettsäuren steht Fett dem Organismus zur Verfügung. Als Trä- ger der fettlöslichen Vitamine A, D, E, und K sind Fette für den Organismus unverzichtbar. In der Nahrung sind sie die energiereichsten Bestandteile. Sie sind hochverdaulich und gut verträglich.

201705 Ernaehr2Kohlenhydrate …

erfüllen ihre Funktion als Energielieferanten in Form von Glukose. Dieser Einfachzucker liefert kurzfristige Energie. In der Nahrung finden sich Monosaccharide (Einfachzucker) und Polysaccharide (Mehrfachzucker). Polysaccharide sind Verbindungen, die sich aus zahlreichen Zuckermolekü- len zusammensetzen. Über Abbauprodukte werden Polysaccharide in Glukose (Monosaccharid) umgewandelt und gelangen dann über die Blutbahn in den Organismus. Besonders Erythrozyten (rote Blutkörperchen) und das Gehirn decken ihren Energiebedarf ausschließlich über Kohlenhydrate.
Monosaccharide werden, wenn sie den Grundumsatz übersteigen, in Glykogen umgewandelt und in Leber und Muskulatur gespeichert. Ist längerfristig das Angebot höher als der Verbrauch, wird Glykogen auch als Depotfett gespeichert.

Mineralstoffe …

können nicht vom Organismus synthetisiert und müssen daher über die Nahrung zugeführt werden. Es handelt sich um Bausteine für Knochen und Zähne, die als Regler bei Stoffwechselvorgängen dienen. Mineralstoffe lassen sich in Mengenund Spurenelemente unterteilen. Mengenelemente wie Kalzium, Phosphor, Magnesium, Kalium, Natrium und Chlor treten in relativ hoher Konzentration im Körper auf. Eisen, Kupfer und Zink zählen zu den Spurenelementen. Sie weisen eine geringe, aber entscheidende Konzentration im Körper auf.

Vitamine …

machen den kleinsten Teil der Nahrungsbestandteile aus. Unterschieden werden fettlösliche (A, D, E, K) und wasserlösliche Vitamine (B-Komplex, C). Sie sind essenziell und müssen in ausreichender Menge vorhanden sein. Vitamine können durch Mikroorganismen oder im Stoffwechsel aus Vorstufen synthetisiert werden. Absorbiert werden sie oder ihre Vorstufen im Verdauungstrakt. Bei einer Überversorgung werden fettlösliche Vitamine in der Leber gespeichert, wasserlösliche über den Urin einfach wieder ausgeschieden.

Pathologische Überlegungen

Grundsätzlich ist alles vom Gesunden abweichenden krankhaft. So ist bei Indikationen für Fütterungsdiäten zunächst an Durchfall, Erbrechen, Verstopfung und Blähungen zu denken. Natürlich muss jeder Fall für sich beachtet und eine ausgiebige Anamnese erhoben werden. Zugrunde liegende Erkrankungen müssen diagnostiziert und mögliche Differenzialdiagnosen ausgeschlossen werden. Eine Überweisung zum Tierarzt ist wichtig

Anamnese

Der Anamnesebogen sollte so umfassend wie möglich sein. Hier ein kleiner Ausschnitt:

ABMAGERUNG BEI KONSTANTER FUTTERMENGE 

  • Alterserscheinung, bedingt durch Muskulaturabbau 
  • Stoffwechselstörung

ADIPOSITAS, DICKER BAUCH 

  • Allgemein oder lokal
  • Stoffwechselerkrankungen 
  • Bestehen Verschleißerscheinungen des Bewegungsapparates?

SCHLUCKBESCHWERDEN 

  • Futterverweigerung 
  • Will fressen, kann nicht, liegt vor dem Napf
  • Speicheln, räuspern, hüsteln 
  • Rachen gerötet, Fieber, matt 
  • Achtung: Tollwut, Staupe, Leptospirose, Hepatitis verursachen Schluckbeschwerden

ZAHNPROBLEME, ZAHNFLEISCHENTZÜNDUNG, ZAHNSTEIN 

  • Zahnwechsel zwischen 4. und 6. Monat 
  • Gelbe bis bräunliche Kalkablagerung 
  • Rötung oder Verdickung am Zahnfleischrand 
  • Unangenehmer Maulgeruch 
  • Futterverweigerung 
  • Tumore, Bläschen, Aphthen

Erbrechen …

führt zu Flüssigkeitsverlust, der Kreislaufproblematiken und Schäden im Mineralstoffhaushalt nach sich ziehen kann. Daher gilt als oberste Regel, auf die Flüssigkeitszufuhr zu achten. Liegt Erbrechen vor und der Hund steht in Sägebockstellung und hechelt stark, besteht Verdacht auf Magendrehung. Dies ist ein lebensbedrohlicher Zustand und der Hund muss sofort in eine Tierklinik gebracht werden!

URSACHEN

  • Zu schnelles, gieriges essen 
  • Unverträglichkeiten 
  • Psychischer Stress 
  • Vergiftung, ein Knoblauch ähnlicher Geruch des Erbrochenen könnte ein Hinweis auf eine Phosphorvergiftung sein 
  • Gelblich-schleimiges Aussehen des Erbrochenen weist auf Stoffwechselstörungen von Leber/Galle hin

THERAPIE 

  • Zufuhr von Flüssigkeit 
  • Nicht füttern 
  • Erst nach Besserung langsam kleine Mengen Futter zuführen 
  • Eventuell mit Ausschlussverfahren nach und nach die Futterzusammensetzung fortsetzen 
  • Darmflora aufbauende und entzündungshemmende Mittel zufüttern

Durchfall …

beschreibt ein Symptom einer möglichen Krankheit. Er zeigt an, dass der Organismus Entgiftungsreaktionen vornimmt. Vor allem Welpen und Junghunde können auf Veränderungen mit Durchfall reagieren. Bessert sich der Durchfall nach drei Tagen nicht, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden.

URSACHEN 

  • Fütterungsfehler (ungewohnte Nahrungsmittel, zu schnelle Futterumstellung) 
  • Aufregung, Freude, Ärger, Trauer, Trotz, Schock, Überanstrengung 
  • Folge von Infektionskrankheiten 
  • Mangel an Verdauungsenzymen

THERAPIE 

  • Ein Tag ohne feste Nahrung, nur Wasser 
  • Magen-Darm Diät, bis der Kot wieder normal erscheint 
  • Gekochte Kartoffeln oder Reis mit etwas Brühe 
  • Erst nach und nach die Futterkomponenten wieder erhöhen

Verstopfung

Meist einhergehend mit festem Stuhl. Sind Hilfsmaßnahmen am folgenden Tag nicht erfolgreich, sollte ein Therapeut aufgesucht werden. Geht der Kot tröpfchenweise ab, ist an eine Magendrehung zu denken.

URSACHEN 

  • Fütterungsfehler (zu viel Knochen, zu wenig Ballaststoffe, zu wenig Flüssigkeit) 
  • Mangelnde Bewegung 
  • Schmerzen im Analbereich 
  • Medikamente 
  • Sekretionsstörungen 
  • Mechanische Gründe (Darmverschlingung, verschluckter Fremdkörper, Darmverschluss, -lähmung, -divertikel, -tumore, Eingeweidebruch)

THERAPIE 201705 Ernaehr3

  • Keine Knochen füttern 
  • Reduktion des Reisanteils im Futter 
  • Erhöhung der Flüssigkeitsaufnahme und Bewegung

Dieser Artikel ist nur ein kleiner Ausflug in den Bereich der Futterdiätik. Da jeder Patient und jeder Krankheitsverlauf unterschiedlich ist, müssen Futterdiäten individuell dem Patienten angepasst werden, um erfolgreich sein zu können.

SANDY MAULSANDY MAUL

TIERHEILPRAKTIKERIN
PRAXIS IN HEIDENAU

TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE

  • Klassische Homöopathie 
  • Phytotherapie 
  • Mykotherapie 
  • Bewegungstherapie 
  • Massagen
  • Ernährungsberatung 

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