HAUTERKRANKUNGEN: THP-Labor Vetscreen

Foto: © CYNOCLUB – FotoliaHauterkrankungen sind ein sehr komplexes Thema und machen einen Großteil der Patienten aus, die in den Tierheilpraktiker-Praxen vorgestellt werden. Die Ursachen für Erkrankungen der Haut sind zahlreich, und meist ist die Behandlung mit  dem richtigen Therapieansatz nicht immer einfach zu finden, da viele Krankheitsursachen zu ähnlichen Hautbildern führen. Um eine Hauterkrankung dauerhaft und schnell heilen zu können, muss die Anamnese möglichst umfangreich und  sorgfältig erstellt werden. Eine Diagnose nur aufgrund der Hautsymptome alleine ist meist nicht möglich. 

Kopfschütteln, Kratzen, Pfoten lecken

Die Symptome von Hauterkrankungen können die Lebensqualität des Tieres stark beeinträchtigen. Daher ist es hier – nach sorgfältiger Anamnese – wichtig, schnell Abhilfe zu schaffen. In den Tierarztpraxen ist oft Kortison das Mittel der Wahl, da es gegen Juckreiz schnell Erleichterung bringt. Jedoch wird dabei nur das Symptom behandelt, nicht aber die Krankheit, die dieses hervorruft.
Viele Hautpatienten haben schon einen längeren Leidensweg hinter sich, wenn sie in den Praxen vorgestellt werden. Gerade in solchen Fällen sind Informationen über die Vorgeschichte des Patienten, Aufenthalte im Ausland, Krankheitsverlauf, Voruntersuchungen, Vorbehandlungen, Medikamentengabe, letzte Entwurmung, Spot-on-Präparate etc. besonders wichtig, um für den Patienten die beste Untersuchungsmethode und später auch die beste Therapie wählen zu können.

Vektoren

Nicht immer ist das Krankheitsbild durch äußere Einflüsse hervorgerufen, daher müssen auch das Umfeld bzw. die Lebensumstände des Patienten in die Anamnese mit einfließen. Psychische Ursachen wie eine veränderte Lebenssituation oder gar Langeweile können ebenfalls Auslöser für Hauterkrankungen (z.B. Leckdermatitis) sein.

Diagnostik

Es gibt eine Vielzahl von Hautkrankheiten bei Hund, Katze und Pferd. Viele von ihnen sehen sehr ähnlich aus und unterscheiden sich nur in kleinen Details. Um die Ursache abzuklären, werden Hautgeschabsel, Haare, Abklatschpräparate, Sekrete oder Abstriche je nach Krankheitsbild auf Bakterien, Pilze oder Parasiten im Labor untersucht.
Eine bakteriologische und mykologische Untersuchung ist sinnvoll bei Hautveränderungen (Rötung, Schuppen, Sekret) mit oder ohne Juckreiz oder für Ohrinfektionen. Ein kreisrunder Haarausfall z.B. kann ein Zeichen für eine Pilzinfektion sein.

Pilze

Die Malassezia-Dermatitis ist eine Erkrankung, bei der sich Hefepilze (Malassezien) auf der Hautoberfläche stark vermehren und zu einer Infektion führen. Dies geschieht meist, wenn der Abwehrmechanismus der Haut schon vorab durch eine andere Erkrankung geschwächt ist. Rötungen, Schuppen, fettige Oberfläche und unangenehmer Geruch sind typisch für einen Malassezienbefall. Besonders Ohren, Halsunterseite, Pfoten und Achseln können betroffen sein.

Bakterien

Bakterien sind bei fast allen Hauterkrankungen im Spiel. Sie vermehren sich, wenn die Haut ohnehin schon geschwächt ist, z.B. bei Allergien. Eine Mischinfektion mit Staphylokokken, Hefepilzen oder anderen anaeroben Keimen kommt ebenfalls häufig vor und kann das klinische Bild entsprechend verändern. Um sich ein Bild über die beteiligten Keime zu machen, ist die bakterielle Untersuchung eines Tupfers Mittel der Wahl.

Allergien

Foto: cynoclub – FotoliaWenn sich der Patient plötzlich leckt und wie verrückt kratzt, sollte man auf jeden Fall auch an Allergien denken. Bei vielen Hunden tritt diese Symptomatik z.B. auf, wenn ein neues Futter gegeben wird bzw. eine Futtermittelallergie auf Bestandteile der Nahrung vorliegt. Hier wird empfohlen, Allergietests aus Blut durchführen zu lassen, einen Futterplan zu erstellen u n d mit einer Ausschlussdiät zu arbeiten, um Abhilfe zu schaffen. Oft lösen auch Vorratsmilben allergische Reaktionen aus.
Die 3 häufigsten Auslöser für Allergien bei Hunden sind die Futtermittelallergie, die Milbenallergie und die Flohspeichelallergie.
Beachtet werden muss, dass bis zu 6 Wochen vor Durchführung eines Allergietests kein Kortison gegeben werden darf, da die Allergietests sonst negativ ausfallen können.

Parasiten

Traditionell nimmt die parasitäre Last im Winter ab, jedoch stellen gut geheizte Wohnungen eine gute Brutstätte für Milben und Flöhe dar. Sie sind in warmer Umgebung in der Lage, sich in den Wintermonaten zu vermehren. Bei Flöhen ist immer zu bedenken, dass sich nur 20 Prozent der Population auf dem Wirt aufhalten, 80 Prozent sind in der Umgebung (Körbchen, Schmusedecke etc.) zu finden.
Die parasitologische Untersuchung dient dem Nachweis von Ektoparasiten-Stadien an der Haut bzw. in den Haaren. Für die Fixation bestimmter fraglicher Objekte im Fell kann ein Tesafilmpräparat angefertigt werden. Bei Flohbefall liegt meist zusätzlich ein Befall mit Endoparasiten vor, sodass es wichtig ist, immer auch an eine Kotsammelprobe zu denken und diese parasitologisch untersuchen zu lassen.
Unter den Milben finden sich beim Kleintier Demodex, Sarkoptes und Cheyletiella. Die Demodexmilbe kommt auf jeder Haut vereinzelt vor und erreicht nur bei immunschwachen Tieren eine klinisch relevante Menge. Die Tiere zeigen stellenweise Haarausfall, möglicherweise auch nässende Hautveränderungen ohne nennenswerten Juckreiz. Durch eine Sekundärinfektion mit Bakterien oder Hefen kann das Erscheinungsbild komplexer werden und Juckreiz entstehen. Lokal begrenzte Formen (Kopfbereich, Pfoten), aber auch generalisierte Demodikose können auftreten. Die Diagnose erfolgt über einen Ausstrich pustulärer Massen oder über mehrere tiefe Hautgeschabsel. Bei der generalisierten Form fällt im Differenzialblutbild häufig auch eine starke Eosinophilie auf.
Sarkoptes und Cheyletiella werden über Ansteckung erworben. Während Sarkoptes-Milben schon bei geringer Anzahl zu starkem Juckreiz und dem typischen Räudebild führen, ist die Dichte bei der Cheyletiella-Milbe häufig hoch. Klinische Symptome variieren aber von fast keinem bis hin zu starkem Juckreiz. Anzeichen einer Infektion sind meist massenhaft große Schuppen besonders am Rücken, u.U. auch lediglich eine schlechte Ausbildung der Unterwolle.
Mehrere (mindestens 5) tiefe Hautgeschabsel sind zur Diagnose von Sarkoptes- bzw. Demodexmilben unverzichtbar, da die Anzahl der Milben eher klein ist. Bei länger als 4 Wochen bestehender Symptomatik, und vorausgesetzt, dass keine Kortisonbehandlung stattgefunden hat, ist ein Sarkoptes-Antikörpernachweis im Serum einem Hautgeschabsel vorzuziehen. (Der Antikörpernachweis ist lediglich bei Sarkoptes möglich, wird zeitverzögert erst nach ca. 4 Wochen nach Infektion positiv und bleibt auch bei erfolgreicher Therapie über Monate bestehen.) Der Cheyletiella-Nachweis gelingt häufig durch Tesafilm- oder Abklatschpräparate, die von typischen Arealen (meist vom Rücken) genommen werden sollten.

Nässende Haut

Nässende, krustige Hautstellen, Verschlimmerung in der nass-kalten Jahreszeit, besonders an Rücken, Kopf und anderen Körperbereichen, die der Nässe ausgesetzt sind? Hinter diesem Erscheinungsbild bei Pferden oder Wiederkäuern könnte der Erreger Dermatophilus congolensis stecken. Dieses Bakterium führt zu langwierigen, nässenden Ekzemen und ist auch als Mauke-Auslöser bekannt.
In kleinen Hautdefekten und bei mangelhafter Hornbarriere durchnässter Haut gelingt es den Sporen, sich anzusiedeln. Sie bilden ein fädiges Geflecht in der Haut, die darauf mit tiefer Entzündung und Abgrenzung reagiert. Das Gewebe wird in borkigen Krusten abgestoßen. Dieses Krustenmaterial ist infektiös und kann auf andere Tiere, Tierarten und in seltenen Fällen auch auf den Menschen übertragen werden.

Hormonelle Störungen

Hormone haben ebenfalls einen entscheidenden Einfluss auf den Zustand der Haut und des Fells. Hunde mit einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) leiden oft an schütterem, stumpfem Fell und trockener Haut.
Wenn die Nebenniere vermehrt Hormone ausschüttet (Cushing Syndrom), können ebenfalls Hautprobleme auftreten. In diesem Fall zeigen sich Haarausfall, Hautverfärbungen und wiederkehrende Hautinfektionen bei den Patienten. Manche Tiere haben eine papierdünne, fast durchsichtige Haut.
Werden durch einen Hodentumor beim Rüden oder Eierstocktumoren bei Hündinnen vermehrt weibliche Hormone gebildet, kann das ebenfalls zu Fellverlust oder Fellveränderungen führen.
Bei Verdacht sollten die entsprechenden Hormone über eine Blutprobe abgeklärt werden.

Autoimmunerkrankungen – wenn der Körper sich selbst bekämpft

Die Hundehaut reagiert auch auf Erkrankungen, bei denen das Immunsystem auf körpereigenes Gewebe reagiert. Der Diskoide Lupus erythematodes (auch Collie Nose genannt) kann außer beim Collie und Sheltie auch bei vielen anderen Rassen entstehen, wie z.B. beim Siberian Husky, beim Deutschen Schäferhund und beim Deutsch Kurzhaar.
Bei über 90 Prozent der betroffenen Patienten treten zuerst Pigmentverlust und Hautrötungen am Nasenspiegel und in angrenzenden behaarten Hautbezirken auf. Der Nasenspiegel verliert seine Oberflächenstruktur und wird glatt, später kann es zur Krustenbildung kommen oder Geschwüre können entstehen. Sonneneinstrahlung führt zu einer Verschlimmerung der Erkrankung. Der Pemphigus foliaceus ist wahrscheinlich die häufigste Autoimmunerkrankung bei Hund und Katze. Er zeigt sich in krustigen Hautveränderungen, zunächst im Gesicht und an den Ohren, später über den ganzen Körper verteilt. Verdächtig sind auch Hautinfektionen, die resistent gegen- über Antibiotika sind. Typisch für diese Erkrankung ist, dass die Patienten trotz massiver Hautveränderungen meist ein gutes Allgemeinbefinden zeigen. Nachweisen lässt sich diese Erkrankung nur durch eine Biopsie oder eine Gewebeprobe.

201605 Haut3Und denken Sie daran: Eine sorgfältig erhobene Anamnese kann mehr als 50 Prozent der Diagnose ausmachen!

Wir hoffen, Ihnen mit diesem Leitfaden weitergeholfen zu haben. Sollten Sie noch Fragen haben, rufen Sie uns gerne unter Tel. 0971/78 59 79 02 an oder schreiben Sie uns eine E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! – wir freuen uns auf Sie!

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