Herzensgeschichte: Hund Wilma – Mein großes Glück aus Griechenland

von Patricia Spazierer

201505 Wilma1Irgendwann mal einen Hund haben – das ist schon lange ein Traum von mir gewesen! Zum Glück habe ich einen Mann geheiratet, der das genauso sieht. Bernd und ich arbeiteten aber beide noch Vollzeit, sodass wir keinem Hund zumuten wollten, bei uns einzuziehen. Was also tun, um meinen Traum wahr werden zu lassen? Schwanger werden und daheim bleiben? In Teilzeit gehen? Nebengewerblich betreibe ich ein kleines Nagelstudio. Wenn das mal gut läuft, wollten wir das mit der Teilzeit endlich mal in Angriff nehmen. Ende 2014 war es dann soweit und wir entschlossen uns dazu, uns nach einem Hund umzuschauen.

Durch eine Bekannte wurden wir auf die Internetseite animalfriends-greece.jimdo.com aufmerksam und fanden die kleine Katja. Für mich war es Liebe auf den ersten Blick. Wir riefen Karin an, die die Flüge der Hunde nach Deutschland organisiert. Karin erklärte uns, dass vor einer Vermittlung ein Hausbesuch erforderlich sei, um sicherzustellen, dass die Hunde in gute Hände vermittelt werden. Sie klärte uns auch darüber auf, dass ein Hund eine große Veränderung ist und dass man sich darüber bewusst sein muss, dass die Hunde nicht stubenrein sind. Karin nahm sich viel Zeit, um uns so genau wie möglich zu erklären, wie alles ablaufen würde. Um genauere Informationen über die kleine Katja bekommen zu können, gab sie uns die Telefonnummer von Sophia, der guten Fee auf Kalymnos. Wir riefen sie noch am gleichen Abend an, um mehr über Katja zu erfahren. Sophia erklärte uns das Wesen von Katja: sportlich, anhänglich, neugierig, wagemutig, verschmust. Passt perfekt! Auch die Größe war optimal und wir entschieden uns, dass wir die kleine Maus kennenlernen wollten. Aber was ist, wenn wir sie sehen und merken, dass sie nicht zu uns passt? Wir können sie dann ja nicht zurück auf Kalymnos schicken! Sophia sagte uns, dass sie in diesem Fall in einer Pflegestelle unterkommt, bis sie vermittelt wird. Ich konnte mir zwar nicht vorstellen, dass sie nicht zu uns passt, aber für alle Fälle wollte ich das abgeklärt haben. Schon nächsten Donnerstag sollte sie in Deutschland ankommen! Da wir beide am Freitag noch arbeiten mussten, baten wir darum, Katja für eine Nacht in die Pflegestelle zu geben, damit sie nicht gleich am nächsten Tag schon alleine sein muss.

201505 Wilma2Nach einer langen Woche war es dann endlich soweit: Wir konnten die kleine Maus zu uns holen! Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, schon ein paar Sachen für unsere Wilma einzukaufen: Halsband, Leine, Spielzeug, Körbchen, Futter, Leckerlies, Näpfe. Ich konnte es kaum erwarten, bis ich endlich meine „Wilma“, kennenlernen durfte. Als wir bei der Pflegestelle klingelten, kam uns Wilma mit ein paar anderen Hunden entgegen. Ich erkannte sie sofort und nahm sie auf den Arm! Das ist meine Wilma! Ich konnte es kaum fassen, ich hatte sie wirklich auf dem Arm und sie war einfach perfekt! Ich war den Tränen nahe vor Glück und wusste, dass wir drei ein gutes Team werden! Wir erledigten den Papierkram, bezahlten die Schutzgebühr und gingen zu dritt zum Auto! Ich war überglücklich.
Ich trug Wilma bis zum Auto. Nicht nur, weil es geschneit hatte, sondern auch, weil ich sie nie wieder hergeben wollte. Im Auto saß sie auf meinem Schoß und fiepte noch ein paar Minuten. Ich kuschelte mit ihr und beruhigte sie. Als sie in ihrem neuen Zuhause ankam, inspizierte sie ganz neugierig ihr neues Revier. Dann verkroch sie sich zwischen Sofa und Tisch und schlief erst mal. Am Abend haben wir sie ins Schlafzimmer in ihr Körbchen getragen, in dem sie dann auch die ganze Nacht durchschlief. Am nächsten Morgen hüpfte sie zu uns ins Bett und durfte natürlich auch im Bett bleiben! Sie kuschelte sich unter meine Decke und wir genossen beide unsere Nähe.

Wilma war ein toller Hund und eine wirkliche Bereicherung für unser Leben. Wir waren überglücklich, sie gefunden zu haben und mochten gar nicht daran denken, was passiert wäre, wenn Sophia die kleine Maus nicht gerettet hätte. Sie wäre wahrscheinlich im Pappkarton, in dem sie mit ihrem Bruder gefunden wurde, neben der Mülltonne verhungert.

Ich entschloss mich, diesen Artikel zu schreiben, weil Wilma mein Leben auf so wundervolle Art bereichert hat, dass ich dieses Glück nie wieder missen wollte.

Doch leider wird Glück oft vom Schicksal überschattet und lässt Traurigkeit und Leere zurück. Eines schwarzen Tages lief Wilma über die Straße und wurde von einem Bus erfasst. Sie war sofort tot. Wir konnten unser Glück mit Wilma nur ein Jahr genießen, doch in unserem Herzen wird sie immer bei uns sein.

< zurück