Homöopathie: Warum Nux nix nutzt

Fotos: © schubertiade - FotoliaVOM WERT UND UNWERT PATHOGNOMONISCHER SYMPTOME

Wir Tierheilpraktiker haben immer ein offenes Ohr, wenn irgendwo in unserer Hörweite über Tiere gesprochen wird. Wahrscheinlich waren daher einige von uns auch schon einmal Zeuge eines Dialoges – ähnlich diesem hier:

TIERBESITZERIN A: „Nux Vomica, das ist ein ganz tolles Mittel. Der Tierarzt hat bei unserem Dackel, dem Waldi, vor einigen Monaten eine Blasenentzündung festgestellt. Ständig wollte er raus in den Garten zum Urinieren, beim Harnabsatz hatte er aber ganz offensichtlich Schmerzen und es kamen immer nur ein paar Tropfen. Weil wir den Waldi gerne mit naturheilkundlichen Verfahren unterstützen wollten, haben wir eine Tierheilpraktikerin aufgesucht. Die hat ein ausführliches Gespräch mit uns geführt. Sie hat sehr genau gefragt, nicht nur zu den konkreten Beschwerden von Waldi. Wir mussten auch viele Fragen beantworten, die gar nichts mit der Entzündung zu tun hatten – dachten wir. Und danach hat sie dem Waldi Nux Vomica verordnet. Die Blasenentzündung ist ganz ohne Probleme geheilt, Waldi war innerhalb von wenigen Tagen wieder ganz der Alte.“

TIERBESITZERIN B: „Dass man bei Blasenentzündung auch naturheilkundlich behandeln kann, haben wir auch schon gehört. Unsere Katze Gina hatte vor einigen Monaten auch solche Beschwerden und wir wollten sie homöopathisch unterstützen. Wir haben schon lange ein kleines Heft zu Hause mit homöopathischen Empfehlungen bei verschiedenen Erkrankungen. Bei Blasenentzündung wird dort auch zu Nux Vomica geraten. Das hat bei der Gina aber überhaupt keine Verbesserung gebracht, wir haben dann doch den Tierarzt um Hilfe gebeten.“

DA STELLT SICH DIE FRAGE: WARUM NUTZT NUX UND WARUM NUTZT NUX NIX?

Fotos: © schubertiade - FotoliaUnter Zystitis versteht man eine Entzündung der Harnblase, die mit einer Entzündung der Harnröhre (Urethritis) vergesellschaftet sein kann. Sie kann bei Tieren jeden Alters und Geschlechts auftreten. Ältere Tiere oder auch kastrierte Hündinnen sind tendenziell öfter damit konfrontiert. Bakterien (E. coli, Streptokokken, Staphylokokken u. a.) sind die häufigste Ursache einer Zystitis, daneben können auch Harnsteine, welche die Schleimhaut der Blase reizen, Grund für Entzündungen sein.

Zu den wichtigsten äußerlich sichtbaren Symptomen einer Blasenentzündung zählen:

  • auffälliger Harndrang
  • Urinabsatz häufig und in kleinen Mengen
  • eventuell blutiger Urin
  • Fieber (wenn fortgeschrittene Entzündung)
  • gestörtes Allgemeinbefinden
  • Schmerzäußerungen beim Abtasten der Blasenregion

Foto: Heim

Nux Vomica ist ein Mittel, welches diese Symptome einer Zystitis abdecken kann, so wie viele andere Homöopathika auch. Die Rubrik „Blase – Entzündung“ im Synthesis (bzw. Radar) enthält 131 Mittel, die in Frage kommen, darunter 2-wertig auch Nux Vomica. Und genau da liegt das Problem von Tierbesitzerin B. Sie hat das Mittel für Gina offenbar nur anhand der typischen Symptome einer Blasenentzündung ausgewählt, anhand der sog. pathognomonischen Symptome, und nicht – wie im Fall der Tierbesitzerin A – aufgrund einer individuellen Fallanalyse bestimmt.
Das Wort „pathognomonisch“ oder auch „pathognostisch“ ist aus dem griechischen Wort „pathos“ (Leiden, erleiden) abgeleitet. Als pathognomonisch bezeichnet man in der Medizin solche Symptome, welche für sich alleine genommen hinreichend zur Erstellung einer Diagnose sind. Gerade diese Symptome sind dann jeweils spezifisch für eine ganz bestimmte Krankheit, d. h. diese Symptome treten in der Regel immer dann auf, wenn ein Patient an einer bestimmten Erkrankung leidet. Für die (Schul)medizin sind diese also unverzichtbar, um die Krankheit benennen zu können. Und häufig sind sie auch ausreichend für die Erstellung eines Therapieplans. Wie wertvoll sind diese pathognomonischen Symptome aber im Rahmen einer homöopathischen Mittelfindung? Dazu gibt uns § 153 Organon, 6. Auflage, einen wichtigen Hinweis:
„Bei dieser Aufsuchung eines homöopathisch spezifischen Heilmittels, das ist, bei dieser Gegeneinanderhaltung des Zeichen-Inbegriffs der natürlichen Krankheit gegen die Symptomenreihen der vorhandenen Arzneien … sind die auffallenden, sonderlichen, ungewöhnlichen und eigenheitlichen (charakteristischen) Zeichen und Symptome des Krankheitsfalles besonders und fast einzig fest in`s Auge zu fassen … Die allgemeineren und unbestimmten … verdienen weniger Aufmerksamkeit, da man so etwas Allgemeines fast bei jeder Krankheit und jeder Arznei sieht.“
Hahnemann schickt uns also nicht auf die Suche nach den Gemeinsamkeiten einer Zystitis, sondern er will, dass wir die charakteristischen Zeichen und Symptome am Patienten erkennen und zur Mittelfindung heranziehen.
Als Tierheilpraktiker ist es unsere Aufgabe, das Charakteristische, Besondere an dem Krankheitsfall zu finden – wir müssen den Fall ausreichend individualisieren. Eine Repertorisation nach den typischen, rein pathognomonischen Symptomen einer Zystitis oder eben, wie im Fall der Tierbesitzerin B, ein Nachschlagen in einem Ratgeber für Laien führt nicht oder nur zufällig zum Ziel.
Charakteristisch sind Zeichen und Symptome, die uns „stutzig“ machen, also Informationen, die wir nicht notwendigerweise mit der Pathologie einer Zystitis in Zusammenhang bringen würden, die mit dem Fall scheinbar überhaupt nichts zu tun haben. Zum Beispiel könnte der Waldi neben seinen Blasenbeschwerden auch Probleme mit dem Kotabsatz haben oder er könnte gerne neben dem Ofen liegen. Beides sind Symptome, welche zwar unabhängig von den pathognomonischen Symptomen der Blasenentzündung, aber auffallend und charakteristisch für Nux Vomica sind. Im Hinblick auf seine Gemütsverfassung könnte Waldi vermehrt Schutz und Zuspruch bei der Tierbesitzerin suchen oder plötzlich so richtig unwirsch reagieren, sobald man sich ihm nähert. Die letztere Verhaltensweise wäre typisch für Nux Vomica, die erste führt uns zu einem anderen Mittel.
Im § 165 Organon, 6. Auflage, schreibt Hahnemann:
„Ist aber von den auszeichnenden (charakteristischen), sonderlichen ungemeinen Symptomen des Krankheitfalles, unter den Symptomen der gewählten Arznei, nichts in genauer Ähnlichkeit vorhanden und entspricht die der Krankheit nur in den allgemeinen, nicht näher bezeichneten, unbestimmten Zuständen (Übelkeit, Mattigkeit Kopfweh u.s.w.) und findet sich unter den gekannten Arzneien keine homöopathisch passendere, so hat der Heilkünstler sich keinen unmittelbar vorteilhaften Erfolg von der Anwendung dieser unhomöopathischen Arznei zu versprechen.“
Das bedeutet, dass uns nicht das Gewöhnliche und Allgemeine der Krankheit zur Heilung führt, sondern nur das „Sonderliche“, also das, was nicht zum üblichen Bild der Krankheit gehört. Das, was nicht pathognomonisch ist. Sollen wir daher diese pathognomonischen Symptome überhaupt nicht mehr beachten? Spielen sie gar keine Rolle mehr im Verlauf unserer Mittelfindung? Viele Homöopathen haben das so interpretiert und Mittel fernab der eigentlichen Pathologie gesucht, manche vertreten die Meinung, „nur das Gemüt zählt“. Wer Homöopathie in dieser Form anwendet, dem wird aber dasselbe passieren wie der Tierbesitzerin B: Nux wird nix nutzen.
Wie wir es tatsächlich machen sollen, haben Hahnemann und seine Nachfolger genau niedergeschrieben. Hahnemann im § 6 Organon, 6. Auflage:
„Der vorurteilslose Beobachter nimmt Veränderungen im Befinden des Leibes und der Seele, Krankheitszeichen, Zufälle, Symptome wahr, das sind Abweichungen vom gesunden, ehemaligen Zustande des jetzt Kranken … Alle diese wahrnehmbaren Zeichen repräsentieren die Krankheit in ihrem ganzen Umfange…“
Das bedeutet: Beide Symptomgruppen sind wichtig, die pathognomonischen Symptome der Krankheit UND die charakteristischen Symptome des Patienten. Dr. Jahr erläutert das in einer seiner Schriften sehr gut. Er schreibt, dass die passende Arznei sowohl die pathognomonischen Symptome der Krankheit abdecken muss als auch alle sonstigen Auffälligkeiten und Abweichungen vom gesunden Zustand.

Jede der beiden Analysen erfüllt einen wichtigen Zweck im Verlauf der Mittelfindung:

  • Aus der Erfassung und Analyse der pathognomonischen Symptome erhalten wir einen Pool von Arzneimitteln, die aller Wahrscheinlichkeit die Kraft haben, eine bestimmte Pathologie zu heilen. Dieser Pool ist unsere Basis für weitere Überlegungen. Wir erhalten alle Arzneimittel „gegen Zystitis“.
  • Die individualisierende Analyse der charakteristischen Symptome führt uns zu demjenigen Mittel, welches den gewünschten Heilerfolg im konkreten Anlassfall erzielt. Wir erhalten DAS Arzneimittel für Waldis Zystitis.

Wenn wir als Tierheilpraktiker diesen klassischen Weg der Mittelfindung verfolgen, werden wir sehen, dass NUX NUTZT.


Foto: ShutterstockSTECKBRIEF NUX VOMICA

WISSENSWERTES: deutsch: die Brechnuss. Die Brechnuss ist ein bis zu 13 Meter hoher Strauch aus Indien. Die Samen der Pflanze öffnen sich nur unter Spannung – explosionsartig. Die Samen enthalten Strychnin. In niedrigen Potenzen (od. Urtinktur) über einen längeren Zeitraum eingenommen, führt das Mittel u. U. zur Lähmung und zum Tod (Atemlähmung). Von Nux Vomica werden in Deutschland monatlich ca. 9.000 Packungen in D4 verkauft.

SIGNATUR: Intelligente, ehrgeizige, (leicht) reizbare und ungeduldige Tiere mit Magenverstimmung, totale Erschöpfung. Angezeigt nach Überanstrengung; Workaholic; sehr verfroren und frostig – gilt als eines der kältesten Mittel der gesamten MM.

CAUSA: Missbrauch von Medikamenten (auch homöop.). Vergiftungen. Beschwerden, ausgelöst durch Gemütszustände.

KLINISCHER ANWENDUNGSBEREICH, ORGANBEZUG:

  • Schwerpunkt: Nervensystem. Hier sowohl das ZNS (Erregung, Überempfindlichkeit, Spasmen) als auch das Autonome NS ( Verdauung, Rücken, Rückenmark), Magen-Darmtrakt, Verdauungsstörungen, Gastritis, Kolik, Vergiftungen, Leberbeschwerden.

GEMÜT:

  • Im gesunden Zustand: Durchaus empfindsam, mitfühlend, nehmen Stimmungen in der Umgebung wahr, lieben die Abwechslung und Beschäftigung. Sehr pflichtbewusste, ehrgeizige, intelligente Tiere. Arbeit und Leistung sind Hauptthemen im Leben. Die Tiere sind sehr leistungsstark, haben einen starken Willen, viel Energie, großes Selbstvertrauen.
  • Im kranken Zustand: Sehr empfindlich gegen jede Art von äußeren Eindrücken (Berührung, Geräusche, Licht, Gerüche); schmerzempfindlich. Kleinigkeiten lassen das Tier schnell wütend bzw. gereizt reagieren. Aggressive Reaktionen, wenn Tier im Schlaf gestört wird (z. B. der liebevolle Griff ins Körbchen).

KOPF-ZU-FUSS:

  • Kopf: Kopfschmerzen (drückt Kopf gegen Mauer), Kopfhaut berührungsempfindlich; Infektionen; Nase häufig betroffen (Atemwegsbeschwerden wegen verstopfter Nase), trockener Nasenspiegel.
  • Verdauungsapparat: Gilt als eines der Hauptmittel bei Verdauungsstörungen wie Übelkeit, Erbrechen (ergebnislos), mit viel leerem Würgen. Frisst viel, frisst gerne gewürzte Speisen. Verlangen nach Fett und Stimulanzien (schwierig bei Tieren festzustellen); Verstopfung mit ergebnislosem Stuhldrang, Schleim im Kot; Durchfall nach Futterumstellung; Kolik, Blähungen, Spasmen, Afterjucken, Leberbeschwerden; Gastritis, Magenschmerzen, schlimmer durch Wut.
  • Urogenitaltrakt: Zystitis (insbes. nach Unterkühlung), Schmerzen beim Wasserlassen – nur tropfenweise.
  • Extremitäten, Rücken: Rückenschmerzen, insbesondere Lumbalregion, Cauda Equina, Bandscheibenvorfall, Dackellähme, Steifheit, Rheuma, Krämpfe, Spasmen (Epilepsie); will nicht berührt werden.

MODALITÄTEN:

  • AMEL: Ergiebige, ungehemmte Absonderungen, Einhüllen des Kopfes, Milch, Fettiges, feuchte Luft, Seitenlage, heiße Getränke, im warmen Zimmer.
  • AGG: Am frühen Morgen, Kälte; kalte frische Luft, Zugluft, Entblößen, Mangel an Bewegung, Völlerei, Druck (Brustgeschirr, emotional), geringfügige Anlässe.

ELKE KRIEGER ELKE KRIEGER
TIERHEILPRAKTIKERIN, TIERPHYSIOTHERAPEUTIN

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  • Traditionelle Chinesische Tiermedizin
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MAG. ISOLDE HEIM MAG. ISOLDE HEIM
TIERHEILPRAKTIKERIN, HUMANENERGETIKERIN

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CLAUDIA SCHWAIGER CLAUDIA SCHWAIGER
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