EQUIKINETIC® - Muskelaufbautraining für Pferde

Foto: LeistnerEIN STARKER RÜCKEN KENNT KEINEN SCHMERZ

Gibt es ein Training für Pferde, das rasch Muskeln aufbauen kann? Eines, das einfach umzusetzen ist? Eines, bei dem man nicht viel Zeit aufwenden muss? Eines, das man nahezu überall durchführen kann? Eines, das auch für Rentner und Rehapferde geeignet ist und deren Heilung unterstützt? Ja, das gibt es! Es nennt sich Equikinetic®. Der Erfinder dieser Methode ist Michael Geitner aus dem bayerischen Rechtmehring, der bereits die Dual Aktivierung erfunden hat und damit sehr erfolgreich Pferde trainiert. Kurz gesagt bedeutet Equikinetic® longieren in Innenstellung nach einem bestimmten Zeitsystem. Durch die gleichmäßige konstante Beanspruchung der Muskelgruppen werden diese optimal trainiert und aufgebaut.

Für wen eignet sich Equikinetic®?

Grundsätzlich ist es für alle Pferde geeignet. Gesunde Reitpferde brauchen eine gute Muskulatur, um gesund zu bleiben. Viele Reiter bemerken aber, dass ihr Pferd nicht richtig untertritt, die Zehen schleifen, es verwirft sich im Genick oder geht taktunklar. Das kann ein Hinweis auf Probleme mit der Muskulatur sein. Eine gesunde Rückenmuskulatur ist Voraussetzung dafür, einen Reiter tragen zu können! Kranke Pferde, die u. U. auch noch längere Zeit in der Box stehen mussten, bauen schnell Muskulatur und Kondition ab und dürfen nur schonend wieder aufgebaut werden. Jungpferde können auf ihre Arbeit unter dem Sattel vorbereitet werden, da sie bei der Arbeit in der Quadratvolte lernen, Last mit dem inneren Hinterbein aufzunehmen und sich mit einem Reiter besser ausbalancieren können. Alte Pferde können hier geistig und körperlich ausgelastet werden, ohne einen Reiter tragen zu müssen. Dünne Pferde werden runder durch den Aufbau der Muskulatur, moppelige Pferde nehmen ab und werden muskulöser. Besonders bei Wohlstandserkrankungen wie EMS und Hufrehe ist jedes Kilo zu viel schädlich. Im Zweifelsfall entscheidet der behandelnde Tierheilpraktiker, inwieweit ein krankes Pferd bewegt werden darf.

Wie funktioniert nun dieses Training?

Foto: LeistnerFangen wir mit der Ausrüstung an. Das Pferd muss einen Kappzaum tragen, um das Maul zu schonen und die Stellung erreichen zu können. Das Material kann nach Belieben ausgesucht werden, der Kappzaum muss nur sehr gut passen. Es darf kein Druck auf die Nasentrompeten ausgeübt werden, um die Atmung nicht zu behindern, und er sollte nicht rutschen, da es sonst sein kann, dass bei Zug der gegenüberliegende Backenriemen am Auge drückt.
Auch wird eine Longe benötigt, wobei hier eine kurze Longe von 5 Metern reicht, da man relativ nahe am Pferd mitgeht. Eine Touchiergerte, die ca. 1,50 Meter lang sein sollte. Sie hilft, Einfluss auf die Hinterhand oder die Schulter zu nehmen.
Gebraucht wird auch ein Intervalltimer, z. B. Gymboss oder eine der kostenfreien Handy-Apps. Das Rundenzählen ist für ein effektives Training nicht geeignet, weil das Tempo des Pferdes nicht immer gleich ist und die Grundvoraussetzung die Einhaltung der Zeiten ist.
Zudem 8 oder 4 Dualgassen innen und 12 Pylonen. Dualgassen sind mit Schaumstoff gefüllte, 3 Meter lange Balken in den Farben Blau und Gelb. Von Holzstangen wird ausdrücklich abgeraten, hier ist die Verletzungsgefahr zu hoch!

Wieso unbedingt Blau und Gelb?

Foto: Alexandra LeistnerHier kann man sich auch in der Equikinetic® die Vorteile der Dualaktivierung zunutze machen. Pferde können am besten die Farben Blau und Gelb unterscheiden. Da das Pferd ein Fluchttier ist, kann es mit dem rechten und linken Auge unabhängig voneinander sehen und Informationen wahrnehmen (monokulares Sehen). Die Augen sind diagonal mit den jeweiligen Hirnhälften vernetzt und es findet nur ein träger Austausch statt. Mit intensiven Reizen kann man diesen Austausch verbessern. Das hat positive Auswirkung in Bezug auf Konzentration und Schreckhaftigkeit.

Nun können wir mit dem Training beginnen

Aus den Dualgassen wird eine Quadratvolte gelegt. Der Durchmesser beträgt bei Großpferden 8 Meter, für Ponys können die Gassen entsprechend kleiner gelegt werden. Der Abstand zwischen den Gassen oder Gasse/Pylonen soll 80-150 Zentimeter betragen. Die Quadratvolte hat den Vorteil, dass man immer dieselbe Kreisgröße hat, sodass aus dem Zirkel kein Osterei wird. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle Muskeln immer gleich beansprucht werden. Außerdem kann sich der Longenführer auf die beiden Knackpunkte Tempo und Stellung konzentrieren. Zuerst sollte das Pferd ungefähr 10 Minuten aufgewärmt werden, z. B. durch einen kurzen Spaziergang. Dann kann das Training starten. Der Intervalltimer wird beim ersten Training auf 60 Sekunden Arbeitsphase und 45 Sekunden Pausenzeit bei insgesamt 8 Runden eingestellt. Handwechsel werden nach jeder zweiten Einheit durchgeführt.

Man geht eine gute Armlänge entfernt an der Schulter des Pferdes mit (begleitendes Longieren). Arbeitsphase bedeutet, das Pferd in gleichmässiger Innenstellung in fleißigem Tempo durch die Gassen zu longieren. Die ersten Runden können im Schritt absolviert werden, dann im Trab. Der Galopp wird in der Equikinetic® nicht verwendet. Von vorne betrachtet sollte die Pferdenase vor der Brust sein und die Ohren auf einer Höhe. Das innere Auge ist in einer gedachten Linie, anfangs in minimaler Stellung mit dem äußeren Buggelenk, in maximaler Stellung mit dem inneren Buggelenk. So kann gewährleistet werden, dass das Pferd gleichmäßig gebogen wird. Diese Stellung wird während der gesamten Arbeitsphase beibehalten. Dies ist extrem anstrengend für das Pferd und fällt ihm anfangs schwer. Die Zeit wird beibehalten, auch wenn das Pferd aus den Gassen ausweicht, angaloppiert oder buckelt. Die Schrittlänge des Longenführers beeinflusst auch das Pferd, deshalb sollte er mit zügigen, großen Schritten das Pferd begleiten. Im Idealfall tritt die Hinterhand unter den Schwerpunkt, das innere Hinterbein nimmt die Last auf. Das Tempo sollte flott, aber nicht übereilt sein und im gleichmäßigem Takt. Junge, ältere oder verletzte Pferde können auch im Schritt gearbeitet werden, dadurch kann derselbe Effekt des Muskelaufbaus erzielt werden. Wirkt das Pferd überfordert, fängt es an zu stolpern, verwirft sich im Genick oder bockt. Weniger ist hier mehr! Auf Hilfszügel wie Ausbinder oder ähnliches muss bei der Equikinetic® verzichtet werden. Pferde reagieren mit Druck auf Gegendruck und verspannen so die Muskulatur. Eine verspannte Muskulatur wird nicht richtig durchblutet und kann so auch nicht optimal aufgebaut werden. Nach den 60 Sekunden Arbeit piepst der Timer. Viele Tiere reagieren schon nach kurzer Zeit automatisch auf dieses Geräusch. Das ist auch gewollt, denn wenn die Muskeln schon anfangen zu brennen, haben sie gelernt, dass sie so lange arbeiten müssen, bis es piepst, dann kommt die Erholungsphase. Pferde haben ein gutes Zeitgefühl und die Tendenz, „dem Piepsen“ hinterherzulaufen. In dieser Pausenzeit wird anfangs jedes zweite Mal der Handwechsel durchgeführt. Das Pferd und auch der Mensch können sich erholen, da die Arbeitsphase von beiden viel Konzentration fordert. In der Pause darf keine Stellung verlangt werden, das Pferd darf Schritt gehen, innerhalb oder außerhalb der Gassen. Wenn man dann dieses Training dreimal absolviert hat, das Pferd fit ist und keine Ermüdungsanzeichen zeigt, kann in die höhere Stufe gesteigert werden.

Wie oft sollte man trainieren?

Ungefähr 20 Minuten Training am Tag klingen sehr einfach, sind aber extrem anstrengend für das Pferd, mental und körperlich. Deshalb sollten zwischen den Trainings konsequent 48 Stunden Pause eingehalten werden. Muskeln wachsen nur in den Ruhephasen, nicht in der aktiven Bewegung. Erlaubt sind ruhige Schrittausritte oder Spaziergänge, freie Bewegung auf der Weide natürlich auch. Ergänzend zur Equikinetic® sind auch klassische Massagen, Touch- oder Stresspunktmassage zu empfehlen. Eine gute Grundlage schafft man mit 4-8 Wochen je zweimal pro Woche Equikinetic. Danach sollte das Training einmal pro Woche weitergeführt werden. Rehapferde oder Pferde, die aufgebaut werden, dürfen dreimal pro Woche Equikinetic® trainieren, und das auch über einen längeren Zeitraum von ungefähr 12 Wochen.

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Wieso ist ein Intervalltraining besser?

Es hat den Vorteil gegenüber „normalem“ Longieren, dass effektiv Muskeln in kurzem Zeitraum aufgebaut werden. Belastungs- und Erholungsphasen wechseln sich ab, dadurch wird der Trainingsreiz gesetzt. Ein vielseitiges Training, bei dem das Pferd auf beiden Seiten gleichmäßig durchgearbeitet wird. „Use it or lose it“ – Muskeln können sich nur aufbauen, indem man sie benützt. Das wird oft vergessen und dadurch entstehen die gesundheitlichen Probleme im Bewegungsapparat. Die Effekte dieses Trainings sind verblüffend. Achtet man auf die Stellung, das Tempo und die korrekten Zeiten, kann man innerhalb kürzester Zeit einen Muskelaufbau beim Pferd sehen. Ein Training also, das man problemlos in den Alltag integrieren kann und das von jedermann nahezu überall durchzuführen ist. Als Tierheilpraktiker/in hat man nun eine Möglichkeit, seinen Kunden eine Trainingshilfe an die Hand zu geben, die unterstützend zu den therapeutischen Maßnahmen durchgeführt werden kann.

ALEXANDRA LEISTNER ALEXANDRA LEISTNER
TIERHEILPRAKTIKERIN IN AUSBILDUNG AN DER PARACELSUS SCHULE REGENSBURG, PFERDEBESITZERIN

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