Progressive Muskelentspannung auf dem Pferd

Foto: Regina OchsStress – wer kennt ihn nicht? In einer Zeit der ständigen Verfügbarkeit und Erreichbarkeit wird es zunehmend schwieriger, abzuschalten und zu entspannen, die Seele baumeln, die Gedanken schweifen zu lassen und einmal an nichts zu denken. Immer wieder tauchen sie auf, die Gedanken, vielleicht etwas vergessen zu haben, oder die Aufgaben, die noch erledigt werden müssen. So sind wir ständig in Habachtstellung. Nun fragen Sie sich, was hat das nun mit meinem Pferd zu tun? Mein Pferd hilft mir, mich zu entspannen. Wenn ich in den Stall zu meinem Pferd fahre, dann kann ich mich entspannen. Im Buch „Natural Horse-Man-Ship“ von Pat Parelli lautet einer der Merksätze: „Wenn Dein Pferd Erholung für Dich sein kann – kannst Du auch Erholung für Dein Pferd sein?“ Haben Sie sich diese Frage einmal gestellt?

Empfindsamkeit

Fotos: © Regine OchsWir wissen, wie empfindsam Pferde sind. Jede noch so kleine Fliege, die auf dem Pferd landet, wird erspürt und durch gezieltes Muskelzucken verscheucht. So ist es doch vorstellbar, dass auch die Anspannung des Reiters vom Pferd gespürt wird, diese jedoch nicht so leicht abgeschüttelt werden kann. Es ist für uns Menschen schon schwierig, die eigenen Anspannungen zu erspüren. Wenn wir diese fühlen, handelt es sich in den meisten Fällen bereits um eine erhebliche Verspannung der Muskulatur. Was können wir nun tun, um die eigene Anspannung, die beispielsweise durch Stress verursacht wurde, rechtzeitig zu erkennen und somit Verspannungen zu reduzieren? Was können wir tun, um die Körpersprache zwischen Pferd und Reiter zu fördern?

Gezieltes An- und Entspannen

Die Progressive Muskelentspannung nach Edmund Jacobson ist eine der bekanntesten Entspannungstechniken für den Menschen. Der Arzt und Psychologe Dr. E. Jacobson (1888 – 1979) wies durch wissenschaftliche Untersuchungen den Zusammenhang zwischen übermäßiger muskulöser Anspannung und unterschiedlichen körperlichen und seelischen Spannungszuständen nach. Es wurde erkannt, dass Spannung und Anstrengung immer mit einer Verkürzung der Muskelfasern zusammenhängt und als Gegenteil von Erregungszuständen die Entspannung eintritt. Somit stand fest, dass Stress und muskuläre Anspannung überwiegend zusammen auftreten. Im Rahmen seiner Forschung konnte Jacobson belegen, dass sich dieses Prinzip umkehren lässt. Es findet eine Rückkopplung zum Nervensystem statt, wenn sich die Muskeln entspannen, und das wirkt beruhigend, entspannend und stressreduzierend. Das ist die Grundlage der Progressiven Muskelentspannung. Durch das gezielte An- und Entspannen bestimmter Muskelgruppen kann eine wohlige Entspannung herbeigeführt werden. In einer zunächst festgelegten Reihenfolge werden nacheinander die einzelnen Muskelgruppen angespannt, dann entspannt. Der Übende konzentriert sich auf den Wechsel zwischen An- und Entspannung und fühlt den Unterschied.

Hinspüren – Anspannen – Spannung halten – Loslassen – Nachspüren

Durch die Anwendung dieser Übungen kann eine Muskelanspannung aufgrund verbesserter Körperwahrnehmung rechtzeitig erspürt und eine muskuläre Entspannung herbeigeführt werden. Ziel der Progressiven Muskelentspannung ist der Abbau übermäßiger körperlicher und seelischer Spannung und damit Entspannung in alltäglichen Situationen. Den typischen stressbedingten Störungen und Krankheiten wird somit vorgebeugt.

Problemfaktor Stress

Auch unsere Tiere leiden immer mehr unter Stress. Sei es der Boxennachbar, der „Stress macht“, die Fahrt auf dem Anhänger zum und die Atmosphäre beim Turnier, die Mülltonne am Straßenrand etc. Viele Erkrankungen am Bewegungs- und Verdauungsapparat gehen mit muskulärer Verspannung einher. Neben den bewährten Therapiemethoden Akupunktur, Elektrotherapie, Stresspunktmassage, Phytotherapie usw. kann die Progressive Muskelentspannung über bzw. den Reiter begleitend Anwendung finden.

Einfühlsame Kommunikation

Foto: Regina OchsDer Reiter kann diese Entspannungstechnik und die Feinfühligkeit des Pferdes nutzen, um den Muskeltonus des Pferdes zu senken. Die einzelnen Übungen werden zunächst im Sitzen, Stehen und Liegen erlernt. Der Übende lernt, den Unterschied zwischen angespannter und entspannter Muskulatur zu fühlen. Er lernt, gezielt einzelne Muskelgruppen zu entspannen. Nachdem diese Erfahrung gemacht wurde und die Abfolge der Übungen beherrscht wird, geht es auf das Pferd. Um die Sicherheit zu wahren, erfolgen die Übungen auf dem Pferd an der Longe. Um das Pferd besser spüren zu können, ist es sinnvoll, ohne Sattel auf dem Pferd zu sitzen. Der Übende (Reiter) kann sich auf den Wechsel zwischen An- und Entspannung konzentrieren und sich in das Pferd hineinspüren. Die Übungen werden angesagt und begleitet. Es ist deutlich sichtbar, wie sich mit zunehmender Entspannung des Reiters auch das Pferd entspannt. Der Kopf senkt sich, der Rücken hebt sich, es schnaubt ab und beginnt zu kauen. Der Reiter verschmilzt mit dem Pferd, wird eins. Eine positive Erfahrung für beide, die dann zukünftig genutzt werden kann, um das Pferd z. B. vor einem Turnier zu beruhigen, nach einer anstrengenden Arbeitseinheit zu entspannen oder in einer für das Pferd angsteinflößenden Situation zu begleiten. In jedem Fall dient es der Förderung der Kommunikation zwischen Pferd und Reiter, im besten Fall der Erholung der Pferdes und somit der Gesunderhaltung!

BRITTA BORCHERT-EHLERS BRITTA BORCHERT-EHLERS
TIERHEILPRAKTIKERIN IN EIGENER MOBILER PRAXIS IM KREIS PLÖN

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TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE:

  • Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • Akupunktur/ Akupressur
  • Stresspunktmassage
  • MET-Therapie
  • Homöopathie
  • Schüßler-Salze
  • Dozentin an den Paracelsus Schulen

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