Schlittenhunde: Ernährung

Foto: FritzSchlittenhunde erbringen im Vergleich zu anderen Tierarten höchste körperliche Leistungen. Sie laufen Rennen unterschiedlichster Streckenlängen. Neben Sprintrennen, an denen sie auf zwei bis drei aufeinanderfolgenden Tagen je nach Gespanngrösse bis zu 60 km laufen, werden Mittel- (150-500 km) und Langstreckenrennen (bis 2000 km) veranstaltet. Es leuchtet ein, dass der Ernährung dieser Hunde große Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Der tägliche Energiebedarf von Schlittenhunden steigt bei intensiver Belastung bis zum Drei- oder gar Vierfachen des Erhaltungsbedarfes, bei ungünstigen klimatischen Bedingungen (extreme Kälte) sogar noch höher.
Im Vergleich zu anderen Rassen haben Schlittenhunde aber einen verminderten Erhaltungsbedarf, sie sind also genügsamer.
Praktischen Erfahrungen zufolge liegt dieser Erhaltungsbedarf für einen rund 20 kg schweren Hund bei ungefähr 950-1100 kcal pro Tag. Dieser Bedarf steigt im Training bei mäßiger Bewegung (10-20 km im Trab) oder bei Sprintrennen auf 1800 kcal und mehr an.
Bei extremen Langstreckenrennen wie dem Yukon Quest oder dem Iditarod benötigt ein Hund sogar bis zu 12000 kcal pro Tag.
Foto: FritzSchauen wir uns kurz die Fütterung während der Trainings- und Rennsaison an.
Schlittenhunde müssen fettreich ernährt werden. Ein wesentlicher Vorteil dieser fettreichen Fütterung ist ein positiver Effekt auf das Leistungsvermögen, da der Hund wegen der hohen Energiedichte ein geringeres Futtervolumen aufnehmen muss und die Energiebereitstellung im Organismus über Fettsäuren begünstigt wird.
Kohlenhydratreiche Rationen können aufgrund der höheren Insulinausschüttung die Lipolyse hemmen sowie den Wasserhaushalt in stärkerem Umfang belasten. Besonderer Nachteil kohlehydratreicher Futtermischungen ist die potenzielle Gefährdung der Membranintegrität von Muskelzellen aufgrund eines verstärkten Glykogenabbaus und einer daraus resultierenden Laktatakkumulation. Auch wächst unter diesen Bedingungen das Risiko von stressbedingten Verdauungsstörungen. Bei hohen Fettgehalten von 30 Prozent und mehr muss der Proteingehalt etwa 30 Prozent erreichen, um einer Anämie oder gar Muskelschäden vorzubeugen. Die heutigen Hochleistungsfertigfutter haben meist einen Anteil von 30 Prozent Rohprotein und 20 Prozent Fett. Zusätzlich wird entsprechend noch die gleiche Menge an Fisch oder Fleisch gegeben, um den Schlittenhund perfekt durch die Saison zu führen.

Füttert man frisch, so nimmt man hochwertige Fleisch- oder Fischsorten (Schaf, Pferd, Lachs), ergänzt diese gegebenenfalls mit tierischen Fetten (Rinderfett, Gänseschmalz). Der zusätzliche pflanzliche Anteil sollte 30 Prozent der Ration nicht übersteigen.

Was aber, wenn die Rennsaison vorbei ist und die Schlittenhunde in ihre wohlverdiente Sommerpause gehen? Die Hunde genießen diese Pause, in welcher sie sich von den körperlichen und auch geistigen Anstrengungen erholen können. Viel wird mit ihnen nicht gemacht, vielleicht etwas Erziehungsarbeit, ein kurzer Ausflug zum Badestrand, doch eigentlich dürfen sie einfach ihre „Seele baumeln lassen“ und sich in den kühleren Abendstunden bei Ballspielen im Auslauf die Zeit vertreiben.

Foto: FritzWie wir oben festgestellt haben, ist der Erhaltungsbedarf eines Schlittenhundes geringer als bei anderen Rassen. Es liegt also auf der Hand, dass die Hunde mit der Winterfütterung sehr schnell massiv Gewicht zulegen würden. Sie dürfen zwar gerne über den Sommer ein, zwei Kilo zulegen, damit sie im Herbst mit genügend Substanz ins Training gehen können, dennoch muss das Futter im Sommer angepasst werden. Es ergibt sich aus dem vorher gelesenen, dass dabei das Fett und auch das Protein reduziert werden.
Wer vorher ein Leistungsfutter verwendet hat, wechselt im Sommer vielleicht auf ein Futter mit geringerem Energiegehalt oder kürzt einfach die Ration und lässt das zusätzliche Fleisch weg.
Wer frisch füttert, wechselt auf weniger hochwertige Fleischsorten (Geflügel, Pansen), streicht die Fettzugabe und erhöht gegebenenfalls den pflanzlichen Anteil etwas oder reduziert einfach die Gesamtration.

Allerdings muss bei Rationskürzungen immer auch darauf geachtet werden, ob der Mineralstoff- und Vitaminbedarf des Hundes damit noch gedeckt ist. Ist dies nicht der Fall, muss entsprechend eine Ergänzung zugefüttert werden.

Quelle: Helmut Meyer/Jürgen Zentek: Ernährung des Hundes, Grundlagen – Fütterung – Diätetik, 5. Auflage Parey 2005.


Wolfgang FritzWolfgang Fritz
Heilpraktiker, viermaliger Vizeweltmeister und fünffacher Deutscher Meister im Schlittenhunderennen
Eigene Praxis in Freden

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Tätigkeitsschwerpunkte:

  • Neuraltherapie
  • Ganzheitliche Krebstherapie
  • Chiropraktik nach Ackermann
  • Strukturelle Osteopathie
  • Unterrichtet an den Paracelsus Schulen


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