Fallstudie: Equines Sarkoid

Der Holsteiner Wallach „Casimir“ lebt auf einem Gestüt. Er litt an einer stetig wachsenden tumoralen Hautveränderung am ventralen Abdomen. Tierärztlich wurde ein equines Sarkoid diagnostiziert. Der Gestütsleiter wollte eine naturheilkundliche Behandlung versuchen.


Anamnese:

Bei der telefonischen Terminvereinbarung hatte der Gestütsleiter um Behandlung einer „Warze“ gebeten. Daher war ich beim ersten Behandlungstermin entsetzt über die Dimension der faustgroßen Wucherung. Die Geschwulst wucherte blumenkohlartig, nässte teilweise und war an einigen Stellen blutig. Sie war nicht stielartig, sondern großflächig mit der Haut verwachsen. (Foto 1) Ansonsten keine auffälligen Symptome.


Das equine Sarkoid:

Das equine Sarkoid ist der am häufigsten vorkommende Hauttumor bei Pferden. Ursache ist eine Infektion mit dem Bovinen Papillomvirus, das über kleinste Hautwunden in den Körper eindringt. Das Sarkoid ist ein semimaligner Tumor, der jedoch keine Tendenz zur Metastasenbildung in inneren Organen hat. Die Geschwulst verursacht weder Juckreiz noch Schmerzen, kann jedoch zur Unbrauchbarkeit des Pferdes führen, wenn es sich beispielsweise in Gurtlage befindet. Sarkoide treten häufig in Regionen auf, wo die Haut dünn, wenig behaart und feucht ist, so z. B. am Augenlid, Schlauch oder den Innenschenkeln. Problematisch ist die hohe postoperative Rezidivbildung, weshalb im hier aufgezeigten Fall der Gestütsleiter von einer rein operativen Behandlung absehen wollte.

Schulmedizinische Behandlungsmethoden sind neben der chirurgischen Entfernung u. a. die Kryotherapie (Behandlung mit Flüssigstickstoff), Laser- und Chemotherapie. In der Fachliteratur wird dazu geraten, unterschiedliche Verfahren zu kombinieren, um die Rezidiv. a.e zu verringern.


Therapieempfehlung für Casimir:

Hier hatten wir es mit einem fibroblastischen Sarkoid zu tun. Ich entschied mich für eine homöopathische Behandlung sowie eine gleichzeitige Stimulierung des Immunsystems, da es sich ja um eine virusbedingte Erkrankung handelt. Das homöopathische Arzneimittelbild von Thuja beinhaltet Wucherungen der Haut wie Warzen und Geschwüre. Casimir erhielt dreimal täglich Thuja Globuli C 6 oral. Außerdem wurde das Sarkoid täglich großzügig mit Thuja Tinktur extern betupft, speziell am Ansatz zum Bauch. Behandlungsbeginn war Anfang November 2012. Für eine Kräftigung des Immunsystems erhielt Casimir täglich ein natürliches Kräuter-Mineralfuttermittel, mit dem ich bereits gute Erfahrungen gemacht hatte. Der Gestütsleiter wurde darauf hingewiesen, dass eine konsequente tägliche Verabreichung sowohl von Thuja als auch des Kräuter-Mineralienpräparates wichtig ist, und dass mit einer langwierigen Behandlung zu rechnen sei.

Kontrollbesuch Mitte Dezember 2012: Die Therapie schien gut anzuschlagen. Ein oder zwei kleinere Teile des Sarkoids waren ausgetrocknet und abgefallen. Die gesamte Wucherung wies eine eitrige Exsudation auf. Die Behandlung wurde deshalb unverändert fortgesetzt.

Kontrolle Ende Dezember 2012: Das Sarkoid hatte sich weiter verändert, ein paar weitere Teile waren von selbst abgefallen. Der Tumor war feucht und leicht blutig, sonderte aber kaum noch Flüssigkeit ab. Allerdings war nun der Bauch vor dem Sarkoid berührungsempfindlich, gespannt und verhärtet. Daher passte ich die Therapie an die neuen Symptome an: Apis Globuli D 4 dreimal täglich oral und lokale Behandlung mit einer Salbe aus Zinkpaste mit dem Wirkstoff aus Blutwurz (lat. Sanguinaria). Diese – leider recht teure – Salbe ist fünf Tage lang täglich, besonders großzügig am Ansatz des Sarkoids, aufzutragen. Dann sollten fünf Tage Pause folgen, bevor die Salbe erneut verwendet werden sollte.

Kontrolle Ende Januar 2013: Die neue Therapie zeigte guten Erfolg. Die Verhärtungen am Bauch waren nicht mehr zu fühlen, das Sarkoid war kleiner geworden. Daraufhin Absetzen der Apis-Globuli, aber Fortführung der lokalen Behandlung mit der Blutwurz-Salbe, und zwar wie gehabt fünf Tage lang täglich auftragen, dann fünf Tage Pause usw.

Kontrolle Ende April: Das Sarkoid war nur noch stielartig mit dem Bauch verbunden und weiter geschrumpft.

Kontrolle Anfang Juni: Fast geschafft! Nur noch eine vergleichsweise winzige Geschwulst war übrig geblieben. Der Gestütsleiter schlug vor, einen kleinen Gummiring (Ligatur) direkt am Ansatz des Sarkoids anzubringen und es dadurch vollkommen austrocknen zu lassen.

Kontrolle Ende Juni: Nur noch eine leicht verfärbte Stelle am Unterbauch zeigte, wo das riesige Sarkoid einmal saß. Der Gestütsleiter hatte viel Geduld und die Therapie gut und konsequent durchgeführt. Zu hoffen bleibt, dass es nicht zu einem Rezidiv kommt. Das Ergänzungsfutter auf der Basis von Kräutern und Algen wird daher zur Steigerung des Immunsystems vorerst weitergegeben.

Marlies Ludwig-Bansemer Marlies Ludwig-Bansemer
Tierheilpraktikerin mit mobiler Praxis in Ostholstein

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Tätigkeitsschwerpunkte:

  • Homöopathie
  • Bachblütentherapie
  • Mykotherapie
  • Ernährungsberatung
  • Spenglersan-Immuntherapie

Nach Pascoe und Knottenbelt lassen sich sechs verschiedene Formen des equinen Sarkoids unterscheiden, wobei sich eine wenig aggressive Form z. B . durch Scheuern des Halfters oder Gurtes durchaus zu einer aggressiveren Form entwickeln kann:

  • Okkultes Sarkoid: Häufig haarlose und erhabene Stelle mit rauer Hautveränderung, nur langsam wachsend.
  • Verruköses Sarkoid: Die Hautoberfläche zeigt sich grau und schuppig mit warzenartiger Umfangsvermehrung mit Hyperkeratose.
  • Noduläres Sarkoid: Knoten unterschiedlicher Größe, die weit in die Unterhaut vordringen können.
  • Fibroblastisches Sarkoid: Derbe bindegewebige, blumenkohlartige Masse mit ulzerierter, oft blutiger Oberfläche. Neigt zu schnellem Wachstum.
  • Malevolentes Sarkoid: Seltene aggressive Form, infiltriert die Lymphbahnen. Die Haut ist in deren Verlauf strangartig verdickt.
  • Gemischtes Sarkoid: Gleichzeitiges Auftreten von Merkmalen verschiedener Sarkoidformen, z.B. verrukös, okkut und fibroblastisch.

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