Kleine Heimtiere: Degu – die Rennmaus

Fotos: © pavel1964 – AdobeWeniger  der  Kletterkünstler,  mehr  der  Marathonläufer  –  das  ist der Degu.
Juan Ignazio Molina entdeckte die sportlichen Tierchen im 18.  Jahrhundert in Chile. Dort gelten sie eher als Schädlinge,  die großen Schaden auf Feldern, Weinbergen und Obstplantagen anrichten.
Degus  leben  in  freier  Wildbahn  in  Familienverbänden, die aus einem männlichen und mehreren weiblichen Tieren bestehen. Die Verbände schließen sich zu Kolonien zusammen,  die bis zu 100 Tiere stark sind. Dementsprechend kann eine Kolonie bis zu einem Hektar Land „belagern“.
Ihre  Lautgebung  ermöglicht  es  ihnen,  wieder  zu  ihren  Familien  zurückzufinden.
Bei  der  Haltung  der  „kleinen  Kobolde“  empfiehlt  sich  die  gleichgeschlechtliche  (nur  weibliche  oder nur männliche Tiere) oder  die Haremshaltung (ein kastriertes  Männchen mit mehreren Damen).

Bei  der  gleichgeschlechtlichen  Haltung vertragen sich Geschwistertiere am besten. Die Grundfläche für 2 – 5 Tiere sollte 2 qm  und eine Höhe von 150 cm betragen. Im Zoofachhandel angebotene Frettchenkäfige  oder  Volieren  für  Großsittiche  eignen sich auch für die Degu-Haltung. Bei Glasterrarien ist auf eine ausreichende  Belüftung zu achten (was sich bei einer Hö- he von mindestens 150 cm als schwierig erweist).

Zur abwechslungsreichen Strukturierung des Degu-Heims sollte eine Kombination aus Kletter- und Nagemöglichkeiten zur Verfügung stehen. Etagen  aus  unbehandelten  Holzbrettern  (wiederholte  Kontrolle  wegen  des  ständigen  Benagens),  Weidenrinde/Rolle, Kork- und Papiertunnel sorgen für interessante  Beschäftigung, ebenso Knabberäste von unbehandelten  Obstbäumen  oder  Haselnusssträuchern.  Täglich  beaufsichtigter  Freilauf  in  einem  „Degu-gesichertem“  Zimmer  (keine Giftpflanzen, Stromkabel oder scharfe Gegenstände, Steckdosen gesichert) ist ein Muss für die erkundungsfreudigen Tiere.

Zum  Einstreuen  des  Degu-Domizils  eignen  sich  Hanf-  oder Baumwollstreu, auch übliche Holzspäne, die z. B. mit  einem Waldbodenüberstreu (Rinde, Hölzchen, Moos) aufgepeppt werden können. Mehrmaliges Umstrukturieren des Geheges beugt Langeweile vor. Eine Buddelkiste sorgt für Action. Großräumige Rückzugs- bzw. Schlafmöglichkeiten sollten  in doppelter Anzahl der vorhandenen Tiere zur Verfügung  stehen. Diese  können  aus  Tontöpfen,  Nagerhäuschen  und  Weidenröhren bestehen.

In  Sachen  Fütterung  sind  Degus  recht  unkompliziert.  24  Stunden  gutes,  wohlriechendes  Heu  mit  getrockneten  Blättern und Blüten reichen. Dieses sollte in verschiedenen Ecken und Ebenen des Geheges verteilt werden, damit die Tiere sich ihre Mahlzeit  „erarbeiten“. Eine Fütterung mit Frischfutter/Gemüse ist weniger interessant. Wöchentlich kann 2 – 3 Mal eine geringe Menge  an Bittersalat, Tomate, Salatgurke oder Paprika gegeben  werden. Auch frische Kräuter wie Petersilie oder Dill werden gefressen. Auf Obst in jeglicher Form und FertigfutterMischungen aus dem Handel ist aufgrund der zu hohen  Diabetes-mellitus-Neigung ganz zu verzichten. Ein Muss sind allerdings ausreichend unbehandelte und  geeignete Äste und Zweige. Frisches,  sauberes  Wasser  muss  ständig  zur  freien  Verfügung stehen!

Degus sind zu unruhig und aktiv, um als „Kuscheltiere“ zu  gelten. Durch ihr Verhalten, insbesondere ihr Sozialverhalten, eignen sich die Nager jedoch für Tierfreunde, die gerne Beobachten  und  der  „Degu-Konversation“  lauschen  möchten. Ein ausgeprägtes Feingefühl ist beim Anfassen der Tiere  erforderlich, um sie an den Umgang mit dem Menschen  zu gewöhnen. Dies gelingt am besten, wenn die Tiere wenige Zeit nach  der Geburt an ein Handling gewöhnt werden.

Steckbrief Degu
Wissenschaftlicher Name: Octodon degus
Größe: 12 – 17 cm (Schwanz zusätzlich 8 – 14 cm)
Gewicht : 180 – 350g
Lebenserwartung : 5 – 8 Jahre
Tragezeit: 87 – 93 Tage
Ausgewachsen: durchschnittlich 12 Monate
Wurfgröße: durchschnittlich 4 – 6 Junge
Säugezeit: 4 – 6 Wochen
Aktivität: tagaktiv
Absetzalter: frühestens mit 6 Wochen
Herkunft: Chile
Gattung: Strauchratten
Besonderheiten: anfällig für Diabetes mellitus, oft Katarakt der Augen, Schwanz sehr empfindlich, Haut reißt leicht ein

SYLVIA RECHSYLVIA RECH

TIERHEILPRAKTIKERIN
MOBILE TIERHEILPRAXIS IN FELSBERG/SAARLAND

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