Darmgesundheit - Neu: Dysbiosescreen


INFORMATIONEN VOM LABOR  THP 4 19 gross Page24 Image2

Die Darmflora ist eine Lebensgemeinschaft von Bakterien verschiedener Arten (über 300 Arten sind  bekannt). Diese Symbiose schafft ein Ökosystem mit optimalen Lebensbedingungen für die dazugehörigen Keime. Fremde Keime haben im gesunden Organismus daher kaum eine Chance, sich häuslich niederzulassen oder gar auszubreiten, denn die Standortflora produziert neben einem sauren  Milieu und einem lückenlosen Bakterienrasen auch verschiedene Mikrobizide, die gezielt gegen andersartige Bakterien und Pilze gerichtet sind.
Der Löwenanteil (über 99,9 Prozent) der physiologischen Darmflora sind Anaerobier, also Keime, die  auf eine sauerstofffreie Umgebung angewiesen sind (Bifidobakterien, Eubakterien, Bakteroides-Arten). Die bekanntesten Vertreter dieser Gruppe sind die Laktobazillen. Ihre Stoffwechselaktivität ist  schützend: Sie zersetzen Kohlenhydrate und in gewissem Umfang auch Rohfaser ohne Gasbildung  in niedermolekulare Fettsäuren, die vom Körper aufgenommen und weiter verstoffwechselt werden. Fakt ist: Mehr als 25 Prozent des Kotabsatzes vom Hund besteht aus abgestoßenen Darmbakterien,  wobei Anaerobier mit 99 Prozent den Großteil ausmachen. 
Wenn man die Gesamtheit aller metabolischen Prozesse dieses Bakterienverbunds betrachtet, hat  diese eine höhere Stoffwechselkapazität als die Leber!

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Darmassoziiertes Immunsystem

Der Anteil, den die Darmmikroben zur Gesundheit des Wirtes beitragen, ist mittlerweile mehrfach durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt. Dabei zeigt sich, dass eine ganze Reihe komplexer Stoffwechsel- und immunregulatorischer Prozesse durch die Darmflora positiv beeinflusst werden.

THP 4 19 gross Page25 Image1Problem Dysbiose (Bakterielle Fehlbesiedelung)

Bei bakteriellen Imbalancen im Darm ist die Mikroflora nur noch unzureichend in der Lage, ihre schleimhautnutritiven und -protektiven Aufgaben zu erfüllen. Dies hat nicht nur die Vermehrung pathogener Keime zur Folge, auch für Viren, Pilze und Parasiten ist es dadurch ein Leichtes, gastrointestinale Beschwerden wie Diarrhö, Obstipation und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen hervorzurufen. Dysbakterie-Keime bevorzugen die Verstoffwechselung von Proteinen (Fäulnis) bzw. sind fulminante Kohlenhydratfermenter und setzen dabei Gase und hohe Mengen an Ammoniak frei. Gewinnen diese die Oberhand, wird das gesamte Darmmilieu geändert: Es kommt zu pH-Verschiebungen, Gasbildung und Funktionsstörungen (Diarrhö, Resorption, Peristaltik). Die Darmbarriere wird durch Bakteriengifte geschädigt und Mukosazellen werden zersetzt. Damit verbunden kommt es zum Vordringen fremder Substanzen in die Abwehrzonen, und das kann zum Auslöser von Futtermittelallergien werden, Fellprobleme und Hautekzeme begünstigen. (Achtung: Länger anhaltende Fäulniszustände führen zur Leberschädigung aufgrund höherer notwendiger Entgiftungsleistung.)

THP 4 19 gross Page26 Image2Diagnostik und Interpretation

Ein Darmflorascreen ist neben der Bestimmung der pankreatischen Elastase und nach Ausschluss eines Parasitenbefalls bei gastrointestinalen Beschwerden wie z.B. rezidivierenden Durchfällen das Mittel der Wahl. Hier können u.a. pathogene Keime wie Salmonellen, Yersinien und Campylobacter sowie physiologische Keime, Gasbildner und Pilze ermittelt werden. Sind diese Untersuchungen ohne besonderen Befund, kann eine molekularbiologisch basierte Analyse der Darmflora die Differenzialdiagnose stützen. Eine große Zahl anaerober Bakterien mit entzündungshemmenden, schleimhautschützenden und -nährenden Eigenschaften (z.B. Faecalibacterium prausnitzii) lässt sich nur sehr schwer oder gar nicht kulturell anzüchten. Die „gute“ Darmflora kann nur eingeschränkt mikrobiologisch nachgewiesen werden.

THP 4 19 gross Page26 Image3Neu im Programm: Dysbiosescreen

Durch molekularbiologische Verfahren basierend auf der Analyse der 16S-rRNA-Gene können Bakterien unabhängig von ihren Kultivierungsbedingungen identifiziert und quantifiziert werden. Bei neuesten Studien von Hunden mit akuten und chronischen Enteropathien wurden diverse, hauptsächlich obligat anaerobe Bakteriengruppen identifiziert, deren Keimzahlen sich signifikant von denen einer gesunden Kontrollgruppe unterschieden. Diese Unterschiede qualifizieren solche Keime besonders gut als Biomarker für eine Untersuchung auf Darmdysbiosen. Aufbauend auf den Ergebnissen wurde ein Nachweisverfahren mittels PCR entwickelt, das zur Abklärung von Darmdysbakterien bestens geeignet ist.
Hier kommt unserer Dysbiosescreen ins Spiel, bei dem auf folgende Bakterienspezies getestet wird: Eschericha coli, Faecalibacterium prausnitzii, Fusobacteria spp., Blautia spp., Turicibacter spp., Clostridium hiranonis sowie die Gesamtkeimzahl aller sich im Darm befindlichen Bakterien.
Mit der im neuen Dysbiosescreen enthaltenen molekularbiologischen Analyse können mittels moderner kulturunabhängiger Verfahren anaerobe und aerobe Schlüsselkeime der Darmflora quantifiziert und so Dysbakterien schnell und einfach nachgewiesen werden. Benötigt wird eine Frischprobe Kot, die Untersuchungsdauer beträgt ca. 5 Arbeitstage.

Wann ist ein Dysbiosescreen sinnvoll?

  • Wenn der Darmflorascreen ohne besonderen Befund ist (sprich: keine pathogenen Keime, keine Pilze trotz Symptomatik)
  • Bei Verdauungsstörungen mit exkretorischer Pankreasinsuffizienz (Durchfall bei 38 Prozent der Patienten mit niedrigen Pankreaselastase-Werten)
  • Als Verlaufsmarker nach Darmsanierung bzw. Darmaufbau
  • Als Verlaufskontrolle bei entzündungshemmenden Therapien bei akuten oder chronischen Darmerkrankungen
  • Zur Beurteilung der Darmflora nach Antibiosen
  • Bei Durchfällen unklarer Genese
  • Bei „austherapierten“ Patienten
  • Bei intermittierenden Durchfällen atopischer Symptomatik
  • Bei Haut- und Fellproblematik

Therapeutische Maßnahmen bei einer Dysbakterie

Schleimhautunterstützende Substanzen wie Huminsäuren, Zeolith oder Heilerde sind hier anzuraten.
Zwar ist eine direkte Supplementierung der anaeroben Keimflora wie Faecalibacterium prausnitzii, Blautia oder Turicibacter (noch) nicht möglich, dies ist aber aufgrund der vielschichtigen Interaktionen im Darm nicht zwingend erforderlich, um eine einzelne Bakteriengruppe anzusprechen.
Jeder Eingriff in die Darmflora, sei es über Futterumstellung, präbiotische Futtermittelergänzung oder Probiotika, beeinflusst alle Bakterienstämme direkt oder indirekt. So kann der Einsatz mikrobiologischer Präparate die klinischen Beschwerden deutlich verbessern und dem Auftreten von Rezidiven vorbeugen.

Falls Sie Fragen zum Thema haben, zögern Sie nicht uns anzurufen oder schreiben Sie uns eine E-Mail. Wir helfen Ihnen gerne weiter!

THP 4 19 gross Page26 Image1Ihr Tierheilpraktikerlabor  Vetscreen
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