Stresspunktmassage beim Pferd: Stresspunkte 7, 8, 9, 10 und 11

Stresspunkt 7

Foto: purplequeue – FotoliaBei Stresspunkt 7 handelt es sich um den Obergrätenmuskel (Supraspinatus). Dieser hat die Aufgabe, das Schultergelenk zu strecken und wirkt gleichzeitig als Schutz gegen seitliche Lagever- änderungen des Gelenkes, dem Kellen. Er liegt, wenn man mit dem Zeigefinger vom Widerrist Richtung Venenwinkel wandert, im oberen Drittel des Schulterblattes.
Erscheint die Vorwärtsbewegung seitlich betrachtet als Schrittverkürzung oder Zügellahmheit, so ist es keine Lahmheit im herkömmlichen Sinne, sondern eine Schrittverkürzung durch eine Muskelverspannung. Die Diagnostik hierzu ist nicht immer ungefährlich, denn der Punkt ist sehr schmerzempfindlich. Pferde neigen dazu, schnell zu beißen, so, als würden sie nach einer Fliege schnappen. Das Problem dabei ist, dass man selbst derjenige ist, der dann vom Pferd gebissen wird. Wer das schon einmal erlebt hat, weiß, wie schmerzhaft das sein kann.
Für diese Untersuchungen an der Schulter lasse ich die Pferde deshalb gerne so anbinden, dass sie nicht nach mir schnappen können, also mit zwei Anbindestricken.
Zunächst nehme ich die Fingerspitzen und suche auf dem Muskel nach Muskelzittern. Liegt eine Verspannung vor, sehen wir es in einem Zucken der betroffenen Region. Das Pferd ist nicht kitzelig, es handelt sich um die Reaktion des Muskels auf die Verspannung. Dann erfolgen kreisförmige Zirkelungen in Uhrzeigerrichtung. Einige Pferde, z.B. rossige Stuten, machen schreiende Geräusche oder weichen stark zur Seite aus. Dann ist es für Sie als Therapeut der richtige Weg. Ich baue den Druck immer mehr auf, um eine Entspannung der Muskulatur zu erreichen. Die Behandlung erfolgt auf jeder Seite ca. 10 – 15 Minuten.
Erfahrungsgemäß ist ein zu enges Kopfeisen im Sattel die häufigste Ursache dieser Verspannung. Jede Behandlung wird zunichtegemacht, wenn sich hier nichts ändert.

Stresspunkt 8

Stresspunkt 8, der Untergrätenmuskel (Infraspinatus), sorgt dafür, dass das Schultergelenk in seiner natürlichen Bewegung nicht überdehnt werden kann. Gleichzeitig ermöglicht der Muskel die begrenzte natürliche Kreisbewegung der Schulter. Wenn Sie den SP 7 gefunden haben, liegt SP 8 in der gedachten Linie Richtung Hüfthocker in der Horizontalen und der Widerrist in der Vertikalen.
Ein Anheben der Vorderbeine und nach hinten ziehen, wobei eine Hand am Unterarm und die andere am Röhrbein ist, dehnt den M. supraspinatus und den M. infraspinatus auf.
Die Dehnbewegung ist Richtung Bauch und sollte 3 – 5 Mal pro Seite ausgeführt und 5 – 10 Sekunden gehalten werden. Hierbei ist es wichtig, dass der Kopf des Pferdes nicht verkantet.
Unterstützen kann man die Massagen mit feuchten Wickeln über den Schultern für 20 Minuten oder mit elektrischen Massagegeräten, wenn die Pferde es sich gefallen lassen. Bitte die Massagegeräte nicht auf dem Knochen anwenden, denn das könnte für das Pferd sehr schmerzhaft sein. Die Massagen fördern die Durchblutung der betroffenen Region. Sollten Sie Salben oder ätherische Öle verwenden, achten Sie bitte auf verbotene Substanzen (Doping)!
Die Behandlungen sollten nach drei Tagen wiederholt werden. Die Erfolge sind jedoch nicht von Dauer, wenn sich am Sattel nichts ändert. Die o.g. Stresspunkte neigen zu Rückfällen und sind bei Problemen der Vorderhand im Springen (kein schnelles Vorderbein) im Auge zu behalten. Spring-, Distanz- sowie Fahrpferde zeigen vermehrt Probleme in den Stresspunkten 7 und 8. Diese Pferde sollten für längere Zeit vorwärts abwärts geritten oder gefahren werden.

Fotos: Leetz

Stresspunkt 9

Stresspunkt 9 ist der Musculus serratus ventralis thoracis (zum Bauch hin liegender Sägemuskel). Dieser Muskel zieht den Rumpf nach, wenn das Vorderbein aufgesetzt wird.
Er liegt fast auf einer Linie mit SP 7 und SP 8, jedoch tiefer, aber in einer Linie zum Widerrist Richtung Ellenbogenhöcker.
An der Longe und in der freien Bewegung ist nichts zu sehen. Erst wenn der Sattel aufliegt oder angezogen wird, ist eine Steifheit in der Bewegung zu erkennen.
Der Sattel rutscht, der Reiter rutscht und baut sich zur Sicherheit ein Polster auf, um dem Rutschen entgegenzuwirken (aus Fell und Gelpads oder was der Handel noch so hat).
Durch das Rutschen von Sattel und Reiter entsteht beim Reiten eine Unruhe, sodass eine Balance in der Bewegung nicht möglich ist. In der Fachsprache sagt man: Es läuft nicht rund. Eine Dehnung des Muskels aufgrund seiner Lage ist nur schwer möglich, aber die bereits zu den vorhergehenden SP abgearbeiteten Dehnungs- übungen finden hier ihre komplexe Anwendung.
Möhrchen-Test, Heben und Strecken der Vorderbeine, leichtes Schwingen der Vorderbeine nach vorne, Dehnen der Vorderbeine wie bei SP 7 und 8 sind nur einige Möglichkeiten, den Muskel zu dehnen.

Stresspunkt 10

Stresspunkt 10 ist das obere Ende des Oberarmmuskels (Musculus triceps brachii). Dieser ist für die Bewegung des Schultergelenkes zuständig. Er liegt in der gedachten Verbindung zwischen Widerrist und Buggelenk.
Bei der Trabverstärkung kommt es zu Taktunreinheiten bis hin zu Lahmheiten. Springpferde lassen ein Bein in der Vorderhand hängen und machen Fehler. Es kommt in der Dressur zu Taktunreinheiten, ebenso beim Fahren, was nicht nur unschön aussieht, sondern auch auf ernsthafte muskuläre Probleme des Pferdes in der Schulter schließen lässt.
Alle bereits erwähnten Dehnungs- übungen können hier zur Anwendung kommen.

Stresspunkt 11

Stresspunkt 11 ist das untere Ende des Oberarmmuskels. Er liegt am Ellbogengelenk und wirkt als Strecker.
Pferde, die mit SP 11 Probleme haben, haben Schwierigkeiten, in den richtigen Galopp zu springen. Dies gilt vor allem für Dressurpferde. Auch bei Springpferden, die nach dem Sprung nicht auf dem richtigen Bein landen, ist es ein Zeichen dafür, dass der Muskel verspannt ist. Bei Pferden, die hier Probleme haben, sollte das tägliche Trainingspensum reduziert werden. Ein paar Tage Ruhe schaden nicht (Weide).

Wer von uns schon mal Probleme mit der Schulter gehabt hat, weiß, wie langwierig so etwas sein kann.
Sollte nach den ersten Behandlungen keine Besserung eintreten, können andere Schäden die Ursache sein und das Pferd sollte einem Fachmann vorgestellt werden.

Behandlungen, die bei Schulterproblemen des Pferdes angewendet werden können: 

  • Dehnungsübungen 
  • Strom 
  • Laserdusche 
  • Warme Wickel 
  • Magnetfeld 
  • Möhrchentest 
  • Elektrische Massagegeräte 
  • Massagen mit Ölen 
  • Ultraschall

Wählen Sie die aus, die Ihnen liegen. Alle drei Tage sollten die Behandungen zur Anwendung kommen und 30 Minuten nicht übersteigen.
Als Hausaufgabe muss das tägliche Training überprüft und ein den Muskelproblemen angepasstes Trainingsprogramm erstellt werden.
Sattel- und Probleme mit Geschirren sind durch Fachpersonen zu überprüfen.
In der nächsten Folge stelle ich die Stresspunkte 12, 13 und 14 vor. Diese betreffen die Mittelhand (Bauch/Rü- cken).

CORNELIA LEETZCORNELIA LEETZ

DIPLOM-AGRAR- ÖKONOMIN, TIERHEILPRAKTIKERIN
EIGENE PRAXIS IN GROSS DRATOW

TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE

  • Stresspunktmassage beim Pferd
  • Magnetfeldtherapie
  • Laserbehandlung
  • Akupunktur

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