Ausleitende Verfahren: Blutegeltherapie

Foto: Ott – FotoliaDie ausleitenden Verfahren sind ein auf Hippokrates zurückgehendes Therapiekonzept. Seine Folgerung aus der uralten Kenntnis von Zusammenhängen zwischen Körperinnerem und Hautoberfläche  war, dass die Organe eines kranken Körpers gereinigt werden können, indem über äußere Maßnahmen schädliche Stoffe nach außen abgeleitet werden. Daraus resultiert der Begriff „Ausleitende Verfahren“. Zu ihnen zählen Schröpfen, Fasten, Aderlass, Baunscheidttherapie, Cantharidenpflaster, Wickel, Schwitzkuren, basische Bäder und Ausleitung über Verdauungsorgane.
In diesem Artikel wird eines der bekanntesten und in der Tierheilkunde häufig angewandten Ausleitungsverfahren vorgestellt: die Blutegeltherapie.

Medizinischer Blutegel
(Hirudo medicinalis)

201704 Blut2Blutegel werden zu therapeutischen Zwecken auf der Hautoberfläche angesetzt, um lokale Fülle-Zustände anzuleiten. Es handelt sich um ein altes Verfahren der Traditionellen Europäischen Medizin, das bis heute erfolgreich eingesetzt wird. Die Wirkung versteht sich als ein lokaler Aderlass in Kombination mit hochwirksamen Arzneistoffen aus dem Speichel der Blutegel.
Bei der naturheilkundlichen Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparates von Tieren hat sich der Blutegel den obersten Rang erobert. Die Blutegeltherapie gehört zu den Humoralverfahren: Über unterschiedliche Ausleitungsverfahren für die Körpersäfte und das Blut werden Stoffwechselvorgänge angeregt. Durch den Biss des Blutegels wird ein „Wirkstoffcocktail“ in den Organismus injiziert, der u.a. gerinnungs- und entzündungshemmend sowie schmerzstillend wirkt. Die Durchblutung wird lokal stark erhöht, Schlackenstoffe werden abtransportiert und die körperlichen Regenerationsprozesse angeregt. Hauptindikation für die Blutegelbehandlung sind Erkrankungen des Bewegungsapparates.
Die Blutegeltherapie zählt zu den ältesten Heilmethoden der überlieferten Medizingeschichte. In Europa war sie seit den Anfängen einer sich als wissenschaftlich verstehenden Medizin Bestandteil der ärztlichen Therapie, aber auch immer Part der Volksmedizin. Auch die gelehrten Griechen und Rö- mer wussten mit ihr Krankheiten zu behandeln. Es gab Erfolge der Blutegeltherapie im Rahmen eines naturheilkundlichen schmerztherapeutischen Ansatzes und die Ergebnisse von mehreren wissenschaftlichen Studien aus universitären naturheilkundlichen Abteilungen zur Wirksamkeit der Blutegeltherapie bei symptomatischen Gelenkserkrankungen. Die lokale Wirkung wird durch mehrere Wirkstoffe, die der Egel während des Saugens in die Wunde einbringt, erreicht: 

  • Hirudin hemmt die Blutgerinnung, wirkt diuretisch und antibiotisch. Es hält die Wunde für den ca. 30-minütigen Saugakt offen und das Blut fließfähig. 
  • Calin hemmt ebenfalls die Blutgerinnung, hat aber im Vergleich zu Hirudin eine längere Wirkungszeit und sorgt somit für die ca. 12 Stunden dauernde Reinigung der Wunde durch Nachbluten. 
  • Hyaluronidase ist ein Ausbreitungsfaktor, der dafür sorgt, dass sich die anderen Wirksubstanzen an der Bissstelle ausbreiten können. 
  • Eglin hemmt Verdauungsproteasen. 
  • Bdellin ist ein Plasminhemmer.

Bei der Blutegeltherapie beobachtet man unterschiedliche Wirkungen: 

  • Gerinnungshemmung 
  • Viskositätsminderung des Blutes (Je niedriger die Viskosität, desto dünnflüssiger (fließfähiger) ist das Blut) 
  • Lymphstrombeschleunigung (Besserer Abtransport der Schlackenstoffe) 
  • Antithrombotische Wirkung
  • Immunisierende Wirkung 
  • Antiphlogistische Wirkung (antientzündlich) 
  • Analgetische Wirkung (schmerzlindernd)

Die Blutegelbehandlung dauert zwischen 45 und 90 Minuten. Je nach Größe des zu behandelnden Tieres und der Art der Erkrankung werden 1 – 10 Egel angesetzt. Nach dem Saugvorgang, bei dem der Egel ein Mehrfaches seiner ursprünglichen Körpergröße zunimmt, fällt er automatisch ab. Der Blutverlust ist abhängig von der Anzahl der Egel und dem jeweiligen Krankheitsbild. Die Nachblutung ist erwünscht und sollte nicht unterbunden werden. Je nach Indikation und Heilungsverlauf können mehrere Therapiesitzungen erforderlich sein.

ELENA MALIZKIELENA MALIZKI

HUNDEFRISEURIN, TIERAKUPUNKTEURIN
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