VERDAUUNGSSTÖRUNGEN - Labordiagnostische Möglichkeiten

201504 Labor1THP-LABOR VETSCREEN

Verdauungsstörungen beim Pferd, aber auch Durchfall und Erbrechen bei Hund und Katze kommen gleichermaßen häufig vor und geben oft Anlass für einen Therapeutenbesuch.

Es gibt sehr viele Erreger, die Durchfall verursachen können, wie z. B. Bakterien, Pilze, Viren, Parasiten (Würmer) bzw. Protozoen (Kokzidien, Giardien), aber auch Katzenseuche oder Parvovirose der Hunde können zu Durchfällen führen. Daher ist es sinnvoll, zunächst eine Kot- und/oder Blutprobe untersuchen zu lassen.

Warum ist bei Durchfall oder Erbrechen eine Untersuchung des Blutes sinnvoll?

Foto: einstein – FotoliaAuch Leberentzündungen, Niereninsuffizienz (rezidivierendes Erbrechen von hellem, fast weißem Schaum) oder Schilddrüsenüberfunktionen (Hyperthyreose) können ebenfalls zu Durchfall und/oder Erbrechen führen. Bei diesen Erkrankungen stehen jedoch Leitsymptome wie gestörtes Allgemeinbefinden, Appetitlosigkeit, Gelbsucht, Blutungen oder Fellveränderungen im Vordergrund.
Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten können über einen Allergietest im Blut ausgeschlossen werden. Wie immer ist der Schlüssel zum Therapieerfolg – oder besser – zum gesunden und glücklichen Vierbeiner erst einmal eine gründliche Anamnese:

1. WIE ALT IST DAS TIER UND WANN WURDE DAS LETZTE MAL NACH ENDOPARASITEN, ALSO WÜRMERN ODER EINZELLERN, GESCHAUT?

Foto: Kzenon – FotoliaBesonders Jungtiere sind häufig von Parasiten befallen. Aber auch bis in das hohe Alter finden wir regelmäßig Wurmstadien bei der Untersuchung. Giardien z. B. sind bei Hunden und Katzen in mittlerem Alter bei jeder zehnten Untersuchung anzutreffen. Die Untersuchungen sollten regelmäßig, und zwar in Abhängigkeit von Infektionsrisiko mindestens 4 Mal jährlich erfolgen. Regelmäßige Kontrollen sind der pauschalen vorsorglichen Entwurmung natürlich immer vorzuziehen.
Es gilt als erwiesen, dass das Risiko einer unbemerkten Erkrankung nur vermindert werden kann, wenn mindestens 4 Mal jährlich untersucht oder prophylaktisch behandelt wird. Seltenere Untersuchungen sind aufgrund der kurzen Entwicklungszeiten der Parasiten kein ausreichender Schutz. Handelt es sich um Jungtiere, sind kleine Kinder, immungeschwächte Menschen oder Senioren im Haushalt oder gibt es intensiven Kontakt mit anderen Hunden bzw. handelt es sich bei den Samtpfoten um Freigänger, dann ist sogar eine häufigere Untersuchung anzuraten. Parasiten sind eine der häufigsten Ursachen für Diarrhöen und sollten daher immer mit abgeklärt werden.

2. HAT EIN UMZUG ODER EIN FUTTERWECHSEL VORGELEGEN?

Auch unsere Vierbeiner können, genau wie wir, unter Stress leiden. Dies kann z. B. durch ein neues Baby, ein neues Haustier, aber auch durch einen Umzug verursacht werden. Ist die Aufnahme von ungewohnter Nahrung direkt im Vorfeld der Erkrankung beobachtet worden (unsere Lakritznasen oder Samtpfoten sind ja oft keine Kostverächter und nehmen von Schnee bis Vogelfutter alles an)? In solchen Fällen reicht häufig intensive Beratung und eine gute Diät. Achtung: Auch der Wechsel zurück zum normalerweise gefütterten Futter sollte langsam erfolgen!

3. HANDELT ES SICH UM STARKEN DURCHFALL MIT GEWICHTSVERLUST ODER WERDEN HÄUFIG KLEINE KOTMENGEN ABGESETZT, OHNE DASS DAS ALLGEMEINBEFINDEN BEEINTRÄCHTIGT IST?

Infektionserreger und Parasiten als Ursache sind immer abzuklären. Das gilt aber auch für Viren bei Jungtieren!

4. WIRD NUR HÄUFIGER KOTABSATZ BEOBACHTET ODER LIEGEN BLÄHUNGEN UND FLATULENZEN VOR?

In solchen Fällen kann eine Pilzbesiedelung vorliegen. Der beste Weg zur Ursachenfindung ist hier ein Darmflora- Screen zum Ausschluss von Pilzen, pathogenen Keimen, Ermittlung des pH-Wertes, Gasbildnern oder auch Fehlbesiedlungen. Pathogene Keime (an erster Stelle Salmonellen bei Hund und Katze) kommen als Durchfallerreger vor.
Auch Dünndarmüberbesiedlungen bei Haustieren oder Fehlgärungen im Dickdarm bei Pferden kommen als Ursache in Frage. Abgeklärt wird ein solcher Verdacht über die Untersuchung von Phenolen, Nitrosonaphthol und Indikan im Morgenharn. Diese Substanzen sind Stoffwechselprodukte von Bakterien, die bei Fehlbesiedlungen über das Blut aufgenommen und über den Harn ausgeschieden werden.

5. VERDAUUNGSSTÖRUNGEN BEIM ÄLTEREN TIER IN ZUSAMMENHANG MIT GEWICHTSABFALL?

201504 Labor4Beim Hund sollte immer auch an die exokrine Pankreasinsuffizienz gedacht werden. Ist die Abgabe von Verdauungsenzymen der Bauchspeicheldrüse in den Dünndarm vermindert, dann erfolgen unzureichender Aufschluss der Nahrung und bakterielle Gärungen aufgrund der im Darm verbleibenden Nahrungsbestandteile. Die Bestimmung der pankreatischen Elastase im Kot kann hier Aufschluss geben.

Bei der Katze wird alternativ der Fettgehalt und die Gallensäuren bestimmt, um eine Fehlbesiedelung des Dünndarms auszuschließen.
Beim Pferd sollten immer die Zähne kritisch überprüft werden, Zahnprobleme sind – ähnlich wie bei Heimtieren – auch nicht selten die Ursache von Verdauungsproblemen. Die Partikelgröße im Kot ist abhängig von der Zerkleinerung im Kopfdarm und spiegelt die Verdauungsleistung des Kopfdarmes wieder. Wenn die aufgenommene Nahrung unvollständig bzw. unzureichend zerkleinert abgeschluckt wird, kann kein ausreichender Aufschluss erfolgen. Daraus resultieren Fehlgährungen, die sich in wechselnder Kotbeschaffenheit ausdrücken können. Die Untersuchung der Partikelgröße ist daher besonders bei älteren Tieren mit länger andauernden Verdauungsproblemen angezeigt.

Sand wird normalerweise mit dem Futter so gut wie gar nicht aufgenommen. Der Sandgehalt im Kot ist damit ein Hinweis auf mangelnde Futterqualität oder abnormes Fressverhalten. Sandgehalt und Partikelgröße im Kot sind hilfreiche Untersuchungen zur Eingrenzung von Ursachen.

WEITERE URSACHEN FÜR DURCHFALL ODER ERBRECHEN KÖNNEN SEIN:

  • Allergische Reaktionen auf bestimmte Bestandteile im Futter (hier wäre ein Futtermittelallergietest anzuraten als Basis für eine Ausschlussdiät).
  • Infektion mit Helicobacter (v. a. bei häufigem Erbrechen, Ausschlus über die Untersuchung einer Kotprobe im Labor).
  • Vorherige Medikamentengabe: Viele Medikamente können als Nebenwirkung Durchfall verursachen. Auch wenn der Patient vorher Antibiotika bekommen hat, kann es aufgrund einer gestörten Darmflora zu Durchfall kommen, da das Antibiotika auch die physiologische Keimflora zerstört.
  • Angeknabberte Pflanzen (Gifte).
  • Zu schnelles Wechseln der Futtersorten oder zu viel Futter auf einmal.

Bei eventuellen Fragen zu diesem Thema oder als Hilfestellung zur Auswahl des geeignetsten Tests rufen Sie uns gerne an oder schreiben Sie uns eine E-Mail. Wir helfen gerne weiter.


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