MILBEN - DEMODIKOSE

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Milben sind mikroskopisch kleine Parasiten, die bei unseren Haustieren und auch bei uns selbst mehr oder weniger schwere Hautkrankheiten auslösen können. Eine dabei häufig vertretene Milbenart ist die Demodex-Milbe, die sich v. a. in den Haarfollikeln der Haut vermehrt und deshalb auch Haarbalgmilbe genannt wird. Demodex-Milben kommen aber auch in Talg- und apokrinen Schweißdrüsen vor. Sie gehören zur normalen Hautoberfläche behaarter Säugetiere und auch des Menschen, wobei sie artspezifisch in meist zwei bis drei Unterarten auftreten. Kommt es zu einer massiven Vermehrung der Milben, springt der „physiologische Milbenbefall“ in ein Krankheitsgeschehen um, dessen Pathogenese schwierig und noch nicht eindeutig geklärt ist.

Generalisierte, erblich bedingte Demodikose

Beim Menschen konnte ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten einer Demodikose und Leukozytenantigenen nachgewiesen werden, während beim Hund oft ein hereditäres (erbliches), generalisiertes Geschehen vorliegt, wobei als Ursache ein auf die Kontrolle der Demodexmilben beschränkter und nicht näher spezifizierter Defekt von T-Lymphozyten vermutet wird, der zum gehäuften Auftreten bei bestimmten Rassen führen soll. Grund zu dieser Annahme gibt die Tatsache, dass Demodex-Milben nur dann eine Erkrankung auslösen, wenn das Immunsystem des Tieres nicht mehr richtig funktioniert.
Die generalsierte, erblich bedingte Demodikose tritt beim Hund i. d. R. mit 1,5 bis 2 Jahren auf. Der Verlauf der Erkrankung hängt vom Schweregrad des Immundefektes ab, wobei sekundär auftretende Infektionen das Immunsystem weiter schwächen und das Krankheitsgeschehen verschlimmern können.
Betroffene Tiere zeigen meist einen nur geringen Juckreiz, aber deutlichen Haarausfall, der insbesondere im Gesicht in Brillenform um die Augen auftritt. Auch die Vorderbeine sind betroffen und zeigen meist als erstes deutliche Hautveränderungen und Haarausfall. Häufig weisen diese Hautbezirke auch eine Rötung der Haut (Erythem) mit Schuppenbildung auf. Eine Generalisierung erfolgt i. d. R. sehr rasch. Auch treten Sekundärinfektionen gehäuft auf und führen zu weiteren Komplikationen durch Papel- und Pustelbildung, verstärktem Juckreiz, Ödemen, Zellulitis, Fistelbildung und Schmerzen. Auch eine Hyperkeratose, deutliche Lymphknotenschwellungen und Fieber können auftreten.

Foto: BeckDiagnose und Therapie

Die Diagnose wird i. d. R. durch mikroskopische Untersuchung eines tiefen Hautgeschabsels gestellt. Ein Hautgeschabsel zu entnehmen ist für betroffene Tiere nicht schmerzhaft, sondern tut ihnen meist sogar gut, da dadurch das Kratzen ersetzt wird. Das Geschabsel wird mittels Skalpellklinge gewonnen, auf die zum besseren Halt des zu gewinnenden Materials zunächst ein Tropfen Paraffinöl aufgetragen wird. Unmittelbar nach der Entnahme wird das Material auf einen Objektträger übertragen, mit einem Deckgläschen abgedeckt und bei 100facher Vergrößerung mikroskopisch untersucht.
Bei manchen Rassen, wie z. B. dem Shar-Pei, und bei bestimmten Lokalisationen der Hautveränderungen, z. B. an den Pfoten, oder bei entzündungsbedingt chronisch verdickter Haut, kann der Milbennachweis trotz korrekter Geschabsel-Technik falsch-negativ ausfallen. In solchen Fällen kann bei dringendem Verdacht auf Vorliegen eines Milbenbefalls nur eine Hautbiopsie Klarheit schaffen. Versucht werden kann auch eine Haaruntersuchung, da bei Ausrupfen von Haaren an verdächtigen Hautbezirken an deren Wurzeln oftmals Milbeneier kleben, die mikroskopisch nachweisbar sind.
Therapie und Prognose sind unterschiedlich. Meist werden zur Behandlung einer erblich bedingten Demodikose Akarizide in Bäderform und systemisch oral oder als Spoton-Präparate eingesetzt. Bei langhaarigen Hunden ist meist auch eine Schur des Haarkleides unumgänglich. Die Therapie ist langwierig und der Erfolg auch von der Behandlungsbereitschaft des Tierbesitzers abhängig. Unbedingt zu beachten ist, dass Cortison aufgrund seiner negativen Wirkung auf das Immunsystem bei einer Demodikose absolut kontraindiziert ist. Deshalb müssen auch bereits verordnete Cortisonpräparate auf jeden Fall ausgeschlichen und dürfen selbst nach erfolgreicher Demodex-Behandlung nur unter strenger tierärztlicher Aufsicht wieder eingesetzt werden.
Betroffene Hunde sind aufgrund des erblichen Hintergrundes unbedingt aus der Zucht zu nehmen.

Foto: BeckLokalisierte, spontane Demodikose

Bei Jungtieren, bei denen das Immunsystem noch unausgereift ist, tritt oftmals eine lokalisierte, spontane Demodikose im Alter von 12 bis 18 Monaten auf. Davon betroffen sein können alle Hunde aller Rassen. Die Tiere zeigen einige wenige haarlose Stellen, zum Teil mit Rötungen und Schuppenbildung, aber keinen oder nur geringen Juckreiz. Diese Form der Demodikose ist nicht erblich und heilt bei über 90 Prozent der Hunde spontan wieder ab. Daher kann hier auf eine Behandlung und einen Zuchtausschluss verzichtet werden. Allerdings sollten betroffene Tiere überwacht und regelmäßig auf Milben überprüft werden, da eine lokalisierte, spontane Demodikose auch in eine generalisierte Demodikose übergehen kann, die dann unbedingt behandlungsbedürftig wäre.

Lokalisierte, iatrogene Demodikose

Bestimmte Gegebenheiten können dazu führen, dass sich ein Krankheitsgeschehen von sich heraus entwickelt. So kann eine lokalisierte Demodikose auch unabhängig von Alter oder Rasse iatrogen, z. B. durch eine Cortison- Injektion, -Salben oder -Cremes o. ä. ausgelöst werden. Der vermehrte Milbenbefall mit seinen Folgen tritt dann auch nur in diesem isolierten Bereich auf. Durch die Cortison-Anwendung erscheint die Haut an dieser Stelle meist auch dünn und pergamentartig. Eine Behandlung ist meist nicht erforderlich, auch wenn die Veränderungen aufgrund der Depotwirkung des Cortisons oft hartnäckig sind. Meist heilen die im Grunde harmlosen Veränderungen aber irgendwann dann doch spontan aus, sodass auch kein Zuchtausschluss erforderlich ist.

DR. ISA FOLTIN DR. ISA FOLTIN
TIERÄRZTIN, RADIOLOGIN, DIPLOM-JOURNALISTIN

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