Serie Heilpflanzen: Hagebutte, die Frucht der Wildrose

HagebutteDie Hagebutte Rosa canina

Die Familie der Rosengewächse ist besonders reich an Nutzpflanzen und bietet uns sehr viele Heilpflanzen. Die Früchte der Rosen nennen wir allgemein Hagebutten. Im engeren Sinne sind es die Früchte der Wildrose oder Heckenrose: Rosa canina. Verfüttern kann man alle Hagebutten, in der Therapie wird jedoch ausschließlich die Frucht der Heckenrose genutzt. Lange litten Hagebuttenfrüchte, Hagebuttenmus (Hiffenmark) und Hagebuttentee unter dem angestaubten Image als „Jugendherbergstee“ und „Arme Leute Obst“. Deswegen wurden Hagebutten lange kaum geschätzt.


Im Überfluss des Herbstes

Ihre auffallenden Früchte, die Hagebutten, stehen Jahr für Jahr im Herbst und Winter als wertvolle Nahrung zur Verfügung. Sie liefern viele Vitalstoffe und stellen einen wichtigen Anteil des Futters dar, mit dem das Überleben gesichert werden kann. Die Selbstverständlichkeit, mit der sich die Früchte heute immer noch überall anbieten, ließen sie als unbedeutend, ja wertlos erscheinen. Heute wissen wir um den hohen Vitamin-C-Gehalt der Hagebutten und geben sie gerne den Tieren, die wie der Mensch nicht in der Lage sind, Vitamin C selbst zu synthetisieren. Wenn wir uns die natürlichen Jahresrhythmen anschauen, stellen wir erstaunt fest, das Vögel während der Mauser und vor der Reise nach Süden, Pferde im Fellwechsel und zahlreiche andere Tiere, die sich auf den Winter vorbereiten, gerne und reichlich von den säuerlich schmeckenden Früchten fressen. Also auch Tiere, die ihr Vitamin C sehr gut selbst bilden können.

Der Stoffwechsel der meisten Tiere muss jetzt Höchstleistungen vollbringen. Vitamin C ist ein wichtiger Zellschutzfaktor und hilft bei der Bekämpfung der freien Radikalen und oxidativem Stress. Es ist u. a. beteiligt an der Synthese der Collagenfasern, es ist wichtig für Blutgefäße, hält sie elastisch, verhindert ein Brüchigwerden und stoppt Blutungen. Gleichzeitig hilft das natürliche Vitamin K in der Hagebutte dabei, die Blutgerinnung zu beschleunigen. Vitamin C hilft der Leber bei der Ausscheidung von körperfremden Stoffen wie Medikamenten, Umweltgiften oder Pestiziden. Vitamin C ist für jeden Organismus deshalb ein wichtiges Immunstimulanz, nicht nur bei Erkältungskrankheiten. Es hilft beim Zellaufbau und bei der Zellerneuerung. Der Überschuss an Vitamin C fällt also genau in die Zeit, in der ein erhöhter Bedarf bei Tieren besteht. Bei unseren Haustieren müssen wir diese Jahresrhythmen beachten und darauf eingehen, denn sie spielen für die hormonelle Steuerung eine besondere Rolle.


Getrocknete HagebuttenMehr Vitamin C als Zitronen

Die Hagebutte enthält zehnmal soviel Vitamin C wie die vergleichbare Menge Zitronen: In 100 Gramm frischen Hagebutten sind 400 bis 500 Milligramm Vitamin C. In den getrockneten ist es nicht viel weniger, denn das natürliche Vitamin C der Hagebutte ist sehr stabil und wird vom Organismus gut aufgenommen. Wer synthetisches Vitamin C, also reine Ascorbinsäure, verfüttert, erlebt oft, dass die Tiere Durchfall bekommen, weil die Darmschleimhaut gereizt wird. Die natürlichen Pektine in der Hagebuttenschale verhindern diese Reizungen.


Das Geheimnis der Rose

Hecken zeigen Grenzen, trennen Innen und Außen, bieten Schutz. Die Menschen umgaben früher die Gärten damit zum Schutz vor Tieren. Heckenrosen erneuern sich immer wieder aus dem Boden, ein Zeichen ihrer unglaublichen Vitalität und Lebenskraft. Vitalität und Lebenskraft übermittelt die Wildrose durch ihre Früchte, aber auch die jungen Zweige, wenn sie im Frühling frisch geerntet und verfüttert oder als Tee gegeben werden. Gleiches gilt auch für die Blüten.
Die Rose steht auch für Verschwiegenheit und für Geheimnis, für Mystik und Erotik ebenso wie für die Spiritualität von Geheimbünden. Orden und Logen tragen sie im Wappen und was unter der Rose gesprochen wurde, wurde nicht weitergetragen; nicht aus dem Beichtstuhl und nicht aus dem Ordenstempel. Die Rose, hier wie da als Symbol in Holz geschnitzt, wachte darüber. Ein besonderes Geheimnis hat sie lange bewahrt:


WildrosenblüteErstaunliche Entdeckung für Arthrosepatienten

Ins öffentliche Bewusstsein gelangten Hagebutten wieder, als vor einigen Jahren der dänische Arzt und Biochemiker Dr. Kay Winther in Hagebutten einen Stoff nachgewiesen hat, ein Galaktolipid (GOPO), das bei Gelenkschmerzen und Arthrose die Schmerzempfindlichkeit reduziert und die Geschmeidigkeit der Bewegung verbessert. Galactolipide sind komplexe Verbindungen, eine Mischung aus Fettsäuren und Zucker; ein Fettsäureanteil ist dabei durch die Zuckerkomponente ersetzt.
GOPO hemmt das Einwandern der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) in den entzündeten Bereich, wodurch Entzündungen reduziert und der gesunde Gelenkknorpel geschützt wird. Schmerzen werden deutlich gelindert und die Beweglichkeit verbessert. Sie sind eine wirksame Hilfe für viele arthritische Tiere, ebenso auch für ihre Halter.
Dadurch und durch die Bewegung der Rohfütterung für Hunde und Katzen hat die Hagebutte wieder eine erstaunliche Karriere gemacht. Auch bei Pferden gehören Hagebutten wieder zum täglichen Speiseplan, denn sie bieten wesentlich mehr als Vitamin C:


Hagebutte – ein Gefäß für Vitalstoffe

Die Hagebutten enthalten nicht nur Vitamin C, sondern eine ganze Vitaminsammlung. Vitamin E, (Alpha-, Betaund Gamma-Tocopherol), Vitamine des B-Komplexes, dann Vitamin A, auch Carotinoide, (Lycopin und Beta-Carotin) und das so wichtige Vitamin K1.
Außerdem sind Hagebutten reich an Fruchtsäuren, und die Kerne enthalten die ungesättigten Fettsäuren Linol- und Linolensäure. Diese Fettsäuren sorgen für glatte, schuppenfreie Haut und mehr Glanz in Fell oder Gefieder. Darum sollten den Tieren, die die Samen verdauen können, die ganze Hagebutte mit den Samen verfüttert werden, und nicht nur die Fruchtschale. Pferde, die gut mit Hagebutte versorgt werden, zeigen ein gutes Hufwachstum. Das liegt an der besseren Durchblutung der Huflederhaut und dem dadurch verbesserten Zellstoffwechsel.


Die Haare der Kerne sind ein wirksames Mittel gegen DarmwürmerWürmer mögen keine Haare

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Hagebutte sind die Haare der Kerne. Sie sind ein hochwirksames Mittel gegen Darmwürmer. Deshalb sollte von den Hagebutten nach Möglichkeit immer alles verfüttert werden, Schale mit Kernen und Haaren. In Kräutermischungen zur Entwurmung dürfen Hagebuttenkerne nicht fehlen. Hagebuttenkerne, als Tee zubereitet, sind ein bewährtes Mittel zur Durchspülungstherapie der Nieren.
Hagebutten werden im Handel als ganze Früchte, gemahlen oder geschrotet angeboten; man erhält die Schalen oder Kerne auch gesondert. Hagebuttenkernöl ist ein hochwertiges Öl, das in der Hautpflege bei trockenen Ekzemen und bei Neurodermitis eingesetzt wird.
Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn die Heckenrose ist außerordentlich vielseitig und auch immer für eine Überraschung gut.


Manfred Hessel Manfred Hessel
Diplom-Ökologe aus Waltrop
Entwickelt, produziert und vertreibt Ergänzungsfutter und Kräutermischungen für Pferde und Hunde
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Tätigkeitsschwerpunkte:

  • Ernährungsberatung
  • Phytotherapie mit speziellen, der Natur abgeschauten Mischungen

Fotos: Shutterstock

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