Gesund geklebt - Der Einsatz von Tapes in der Tierheilkunde

Tapes in der TierheilkundeWann immer wir uns sportliche Wettkämpfe anschauen, sei es die Olympiade, einen Marathon oder einfach nur die Bundesliga, fallen an vielen Sportlern bunte Klebestreifen auf. Diese sind kein modischer Gag oder gar eine Werbekampagne, sondern eine therapeutische Maßnahme. Und die lässt sich auch beim Tier hervorragend anwenden.

Anni Friesinger hat es vorgemacht

In der Humanmedizin und der Physiotherapie hat das Tapen bereits einen nicht mehr weg zu denkenden Stellenwert und wird von international erfolgreichen Sportlern genauso wie von „Nicht-Sportlern“ sehr geschätzt. Anni Friesinger erzählte auf dem FN-Kongress „Athlet Pferd“ im März letzten Jahres, dass sie selbst schon Kilometer an Kinesio-Tapes verbraucht habe. Die 16-fache Weltmeisterin musste im Laufe ihrer Karriere 16 Knieoperationen über sich ergehen lassen und hat Dank der Physiotherapie und dem Einsatz von Tapes immer wieder und in kürzester Zeit den Weg auf‘s Eis gefunden. Auch unsere Pferde sind wahre Athleten, egal ob Freizeit- oder Sportpferde. Die Methode des Tapens wurde historisch betrachtet bereits im alten Rom während der Olympiade erwähnt. Damals verwendete man allerdings starre Tapes zur Fixierung. Das heutige Taping ist entsprechend nicht mehr mit der Methode von damals zu vergleichen. Heute verwendet man flexible Tapes, die auch in ihrem Einsatzgebiet wesentlich flexibler sind. Diese uns heute bekannte Tapeart wurde in den 70er Jahren von Dr. Kenzo Kase, einem japanischen Chiropraktiker, entwickelt.

Tapes in der Tierheilkunde

Das Tier ist eben kein Mensch

Im Bereich des Tapings sind nur einige Teile aus der Humanmedizin auf die Tierheilkunde übertragbar, denn unsere Patienten haben Fell und das alleine verändert schon die Haltbarkeit der Tapes. Ebenso die Wirksamkeit, denn z. B. Pferde haben eine wesentlich empfindsamere Hautoberfläche als Menschen. Jeder von uns hat schon sehen dürfen, was passiert, wenn sich eine Fliege auf dem Fell niederlässt und kitzelt, dann wird durch Zittern des Fells die Fliege einfach „abgeschüttelt“. Auch wenn wir Menschen das noch so sehr versuchen, es gelingt uns leider nicht. Es macht aber umso deutlicher, dass Tapes beim Pferd bzw. beim Tier mindestens so gut wirken müssen, wie bei uns Menschen.

Es gibt verschiedene Anlagemöglichkeiten von Tapes

  • MuskelanlagenTapes in der Tierheilkunde

Bei den sogenannten Muskelanlagen werden die Propriozeptoren angesprochen. Durch sie gelangen Informationen über Muskelspannung, Muskellänge, Gelenkstellung und Bewegung zum Kleinhirn und zum Cortex, wo diese unbewusst verarbeitet werden. Zu den Propriozeptoren zählen u. a. die Muskelspindel und das Golgi-Sehnenorgan. Die Muskelspindeln sind Dehnungsrezeptoren in der Muskulatur. Sie sind für die Messung der Muskellänge und der Veränderungsgeschwindigkeit der Muskellänge verantwortlich. Wir können also für das Anspannen und Relaxieren der Muskulatur mittels eines Reizes, den wir durch ein korrekt gesetztes Tape geben, diese von außen beeinflussen. Muskeltapes werden sowohl bei Hypertonus als auch bei Hypotonus angelegt (erhöhter oder verminderter Ruhespannung des Muskels). Muskelanlagen bewirken eine Normalisierung des Muskeltonus, eine Schmerzlinderung und eine verbesserte Belastbarkeit, was wiederum eine schnellere Heilung bewirkt. Auch Verletzungen der Muskulatur (Faserrisse oder stumpfe Traumata) sprechen hervorragend auf eine Tape-Therapie an.

  • Ligamentanlagen

Tapes in der TierheilkundeDank des Golgi-Sehnenorgans verhält es sich mit den Ligamentanlagen ähnlich den Muskelanlagen, da auch dieses zu den Propriozeptoren gehört. Ligamentanlagen werden bei Sehnen oder Bandproblematiken angewendet. Sie bewirken eine Entlastung, Schmerzlinderung und Verbesserung der Belastbarkeit, was sich positiv auf den Heilungsprozess auswirkt. Es gibt keine vergleichbare Behandlungsmethode, die es in dem Ausmaß möglich macht, eine überdehnte Sehne oder auch überdehnte Bänder sofort zu entlasten. Wichtig ist bei diesen Krankheitsbildern eine genaue Diagnosestellung und eine genaue Dokumentation des Krankheitsverlaufs. Der Tierbesitzer ist insbesondere bei dieser Anlagetechnik genauestens dahingehend zu unterweisen, wie er mit seinem Tier (z. B. Pferd) umgehen soll, denn auch wenn die Sehne durch ein Tape aktiv entlastet wird, ist sie noch lange nicht geheilt.

  • Tapes in der TierheilkundeFaszienanlage

Als weitere Anlageform gibt es die Indikationsanlage. Hierbei werden die Tapes entsprechend den verschiedenen Krankheitsbildern angelegt. Zu den häufigsten Formen gehört dabei die Faszienanlage nach einer ISG-Problematik (bei einer Subluxation des Kreuz-Darmbein-Gelenks). Diese Anlage ist besonders nach einer osteopathischen Behandlung sinnvoll, da hier durch eine Faszienanlage die richtige Position des Gelenks vorgegeben wird und ein „Zurückrutschen“ in die „alte Position“ verhindert wird.

  • Spatanlage

Bei Anwendung der Spatanlage werden Sie direkt nach der Anlage eine deutliche Verbesserung des Gangbildes feststellen. Ziel dieser Anlage ist es die Lahmheit zu beseitigen bzw. auf ein Minimum zu reduzieren sowie durch Entlastung die Schmerzen zu lindern. Ebenso hilfreich ist die Anlage bei einem Fesselringbandsyndrom. Bei konsequenter Anlage über einen längeren Zeitraum und früher Diagnosestellung konnte schon manchem Pferd eine Operation erspart werden. Hierbei handelt es sich um eine Einschnürung der vermehrt gefüllten Beugesehnenscheide vom unelastischen Fesselringbad. Hier kann man mit Hilfe des Tapes für eine Entstauung der Sehnenscheide sowie Entlastung des Fesselringbandes sorgen.

  • Tapes in der TierheilkundeKorrekturanlage

Als weitere Anlageform gibt es die Korrekturanlage, diese wird bei knöchernen Fehlstellungen oder Verklebungen der Faszien angewendet. Bei Korrektur von knöchernen Fehlstellungen im Erwachsenenalter von Pferden ist aber zunächst immer mit einer Bewegungsverschlechterung zu rechnen, da wir einen jahrelang gewohnten und vermutlich auch schmerzfreien Bewegungsablauf durch diese Korrektur ändern, um der Bildung von Arthrosen z. B. vorzubeugen. Bei älteren Pferden empfehle ich, sogar vor der Behandlung ein Röntgenbild anfertigen zu lassen, um sicher zu gehen, dass das Gelenk noch keine Veränderung aufweist. Liegen bereits Veränderungen am Gelenk vor, sollte genau abgewogen werden, ob eine Tape- Anlage überhaupt sinnvoll ist.

„Klassische“ Anlageformen

Zu den „klassischen“ Anlageformen gehört zum einen die Lymphanlage, welche das Anheben der Haut bewirkt, sodass sich der Raum zwischen Haut und subkutanem Gewebe vergrößert und so die Lymphflüssigkeit aus den Zwischenräumen einfacher in das Lymphsystem abfließen kann. Für diese Anlagetechnik sind Grundkenntnisse der Lymphdrainage erforderlich, da die Tapes eine vergleichbare Wirkung haben, sofern sie richtig angelegt wurden. Des weiteren gibt es noch sogenannte Spacetapes. Diese haben eine ähnliche Wirkung wie Lymphtapes. Sie heben wie Lymphtapes die Haut an, funktionieren aber durch ihre sternartige Anlage eher wie ein Saugnapf, der punktuell die Haut anhebt und so z. B. Hämatomen zu einem schnelleren Abfluss verhilft. Diese Tapes können auch kurzzeitig (1 bis 3 Tage) auf Triggerpunkte gesetzt werden, um diese zu stimulieren.

Cross Tapes

Als weiteres Tape gibt es noch Cross Tapes. Diese sind energetisch geladen und ziehen sich förmlich zu entzündlichen Stellen hin. Diese Tapes haften auch nur an den Stellen, an denen der Körper sie benötig. Bei diesen Tapes ist es in der Tat so, dass der Körper sie abstößt, wenn er sie nicht mehr benötigt.

Haltbarkeit von Tapes

Die Haltbarkeit von Tapes auf Tieren ist sehr unterschiedlich und von deren Nutzung abhängig. Um Tapes auf dem Fell besser haftbar zu machen, wird ein zusätzlicher Kleber verwendet, der vor dem Tapen auf die zu behandelnde Stelle aufzutragen ist. Dieser Kleber ist speziell für diesen Einsatz entwickelt worden und somit auch unbedenklich anzuwenden. Oft liest man besonders in der Verbindung mit dem Humantaping, dass die Tapes sich einfach lösen, wenn der Körper sie nicht mehr braucht. Das ist bei dem Taping von Tieren anders, denn hier hat die Haltbarkeit maßgeblich mit dem Reinheitszustandes des Fells, der Länge und der Eigenschaft des Fells zu tun. Daher ist es für Therapeuten enorm wichtig, den Tierbesitzern Informationen darüber, wie lange ein Tape getragen werden soll und dass es eventuell erneuert werden muss, an die Hand zu geben.

Pferde-Taping ist kein Doping

Interessant für jeden Therapeuten ist es zu wissen, dass Taping bei Pferden kein Doping ist (im Golfsport hingegen schon), aber der Turnierstart mit einem getapten Pferd von dem jeweiligen KLW-Vertreter auf dem Turnier genehmigt werden muss. Hintergrund dafür ist, dass das Tape noch als Ausrüstung des Pferdes betrachtet wird und eine solche Ausrüstung nach keiner Literatur verboten oder erlaubt ist. Die FN arbeitet jedoch bereits an einer Form des Verbots, denn ein Turnierstart ist nur mit Pferden gestattet, die sich in körperlich einwandfreier Verfassung befinden (so sieht es die LPO vor). Und ein getaptes Pferd ist laut Aussage der FN (Nationale Reiterliche Vereinigung) in keiner einwandfreien Verfassung.

Sabine Rosner Sabine Rosner
Tierheilpraktikerin in Ostwestfalen- Lippe
Selbstständig mit Fahrpraxis, ab Herbst 2013 in eigenen Räumlichkeiten
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Tätigkeitsschwerpunkte:

  • Behandlung von Pferden und Heimtieren
  • Laboruntersuchungen
  • International zertifizierte EquiK-Taping® Therapeutin
  • Tierarzthelferin mit fast 10-jähriger Berufserfahrung
  • Unterrichtet an den Paracelsus Schulen, aktuelle Kurse im August/September in Bielefeld

Fotos: Rosner

< zurück