Lustiges, Skurriles und Erfreuliches aus der Praxis

In 10 Jahren Zusammenarbeit mit einem naturheilkundlichen Tierarzt in München konnte ich nicht nur Erfahrungen für  die eigene Tierheilpraxis sammeln, sondern hatte auch Kontakt zu Patientenbesitzern, die zuerst kaum Annäherung an  die Naturheilkunde hatten und im Laufe der Behandlungen regelrechte Fans von Homöopathie, Phytotherapie & Co. wurden. Kennengelernt habe ich diese wundervolle Tierarztpraxis in München-Schwabing vor 14 Jahren durch die Tierheilpraktiker-Ausbildung an der Paracelsus Schule München. Dort wurden Adressen und Informationen ausgetauscht; ich  erfuhr von den Wochenend-Praktika in der Tierarztpraxis und war gleich Feuer und Flamme. Da ich damals noch in München wohnte, war es mir möglich, meine Nachmittage in besagter Tierarztpraxis zu verbringen und mich somit für meine  Praxis richtig fit zu machen. Dreimal wöchentlich bis zur THP-Prüfung und von da an 12 Jahre lang einmal wöchentlich in  einem naturheilkundlichen Team zu arbeiten – ein Traum für jede Tierheilpraktikerin in der Aus- und Weiterbildung! Und  was ich dort alles erleben durfte und immer wieder erleben darf, das möchte ich an dieser Stelle mit interessierten Tierheilpraktikern und THP-Anwärtern teilen.

Eau de Parfum: Mufti eleganti anali

THP 3 18 300 Page52 Image2In der Praxis ist es nicht üblich, „Arzttracht“ zu zeigen – Chef und Personal haben das an, was bequem ist und auch mal schmutzig werden darf. Trotzdem ist Umziehen wichtig, denn Analdrüsen auszudrücken gehört zur täglichen Routine, und natürlich auch die damit zusammenhängenden spritzenden „Geruchstropfen“. Für mich war es immer klar, dass ich meine Straßenkleidung mit Praxiskleidung austausche, sobald die Sprechstunde beginnt (das kommt noch aus meiner Zeit in der Zahnmedizin und hat sich eingeprägt). Allerdings hatte ich einmal vergessen meine Socken zu wechseln und war in der Praxis mit meinen „Straßensocken“ in Birkenstockschuhen unterwegs. Es war ein Tag, an dem wir viele Analdrüsen-Problematiken zu behandeln hatten. Und wie es so kommt: Ich hatte am Abend eine Verabredung mit einer Freundin bei unserem Lieblingsitaliener. Zunächst fand ich die Zurückhaltung meiner Freundin etwas seltsam, dann die Ignoranz bzw. die Kurzangebundenheit unseres Stammkellners, bis mir schließlich mein Gegenüber zuflüsterte, dass ich einen seltsamen Geruch ausströmen würde. Natürlich habe ich mich sofort an den Praxisnachmittag erinnert, ging zur Toilette, um meine Socken zu entsorgen, doch leider hatten meine Lederschuhe bereits den Geruch meiner Socken angenommen. Wenn man den ganzen Tag den Geruch von Analbeuteln in der Nase hat, nimmt man diesen mit in die Freizeit. Das kennt jeder, der aktiv in einer Tierarztpraxis arbeitet. Es lässt sich dann nicht vermeiden, dass auch andere Menschen das erschnüffeln. Ich habe mich beim Kellner entschuldigt und meiner Freundin erklärt, woher der seltsame Geruch kam. Von da an habe ich immer viele Socken zum Wechseln mit in die Praxis gebracht, damit mir dieser Fauxpas nie wieder passiert!

Ich liebe Frettchen!

THP 3 18 300 Page52 Image1Wir hatten vor einigen Jahren in der Praxis ein Punk-Pärchen, das ein einjähriges Geschwister-Frettchenpaar aus dem Tierheim bei sich aufgenommen hatte. Nun gehören Frettchen nicht zu den üblichen Patienten in der Praxis, sondern sind eher die Ausnahme. Da Frettchen eigentlich Wildtiere sind, haben sie einen strengen Geruch an sich, solange sie nicht kastriert sind, und sie haben einen starken eigenen Willen. Also nichts mit Schmusi-Busi – oder etwa doch?

Die beiden Frettchen kamen zur Erstuntersuchung. Sie hießen Frida und Fritz. Die Besitzer zeigten sich eher unsicher, denn es waren die ersten Haustiere, die sie bei sich aufgenommen hatten. Zuerst das obligatorische Vorgespräch: Warum, woher, wie lebend etc. In der Zwischenzeit hatte ich mich geruchstechnisch schon mal bei den beiden im Käfig vorgestellt, und als ich die Türe des Tragekorbs öffnete, machte Fritz einen kleinen Schnalzer, krabbelte unter mein T-Shirt, „erklomm“ meinen Oberkörper mit seinen kleinen, scharfen Krallen und streckte seinen Kopf aus dem Halsausschnitt meines T-Shirts. Er machte es sich auf meiner Schulter bequem und sah interessiert und ruhig zu, als wir seine Schwester Frida untersuchten. Sie war rundum gesund. Als Fritz das begutachtet hatte, war die Situation für ihn gut und er hat sich ebenfalls untersuchen lassen.
Das war vor 6 Jahren, und seitdem kommen die beiden immer wieder in die Praxis (meistens, wenn ich Dienst habe), denn Fritz tut auch jetzt immer noch das, was Fritz tun muss! Mein Mann weiß übrigens immer, wann Fritz zur Behandlung da war, denn den Geruch bekommt man erst nach einigen Tagen wieder weg. Aber ich liebe dieses wundervolle Frettchen, das mich irgendwie adoptiert hat.

Auf den Hamster gekommen

THP 3 18 300 Page53 Image3Es ist bekannt, dass Meerschweinchen oft mit üblen Abszessen zu kämpfen haben. Aber es gab da auch einmal den Fall eines Hamsters: Der kleine Kerl hatte einen Abszess am Hals, der so groß wie sein eigener Kopf war. Er konnte diesen auch nicht mehr bewegen oder drehen, und seine Schmerzen waren offensichtlich. Es ist nicht üblich, einen Abszess zu teilen, wenn dieser sich nicht von selbst öffnet, und tatsächlich half in diesem Fall ein „scharfer Blick“. Ich hatte den Kleinen zart in der Hand, wobei ein sanfter Druck ausreichte, um die Beule zu öffnen. Der Pfui-Teufel-Inhalt hat sich gelöst und lief an Fell und meiner Hand hinab. Nach dieser Schmerzentleerung wurde die Beule neben dem Kopf deutlich kleiner und der Hamster konnte plötzlich sein Köpfchen wieder drehen und wenden. Er biss gleichzeitig in das für ihn Nächstmögliche, nämlich meinen Finger. Vor Schreck habe ich meine Hand geöffnet und der Hamster hing festgebissen an meinem Finger. Aber wir konnten die Abszessöffnung nun spülen und säubern und den Kleinen beruhigen. Nach einiger Zeit ließ er dann los und ich durfte ihn in seinen Käfig zurückbringen. Bei der Nachuntersuchung war dann alles in Ordnung. Die Liebe zu meinen Fingern hat der kleine Hamster jedoch beibehalten, denn zum Abschied nach jedem Besuch in unserer Praxis versucht er nach wie vor, mich in den Finger zu beißen. Ich ertrage das lächelnd, denn der Kleine ist einfach zu süß!

Man nennt mich „Die Katzenflüsterin“

THP 3 18 300 Page53 Image5Mein Chef hat meine Affinität zu Katzen relativ früh entdeckt. So gab es immer wieder einige „schwierige“ Katzenfälle, die wir gemeinsam bewältigt haben. Ich merkte sehr schnell, dass Katzen, die als „schwer behandelbar“ galten, bei mir relativ entspannt reagierten. Na gut, es gibt immer wieder Ausnahmen und ich war auch schon einige Male wegen Katzenbissen beim Hausarzt zur Antibiotika-Behandlung, aber in der Regel geht das immer gut. Es ist schwer, eine Katze zu beruhigen und zu einer Untersuchung zu überreden, insbesondere wenn sie noch nicht bekannt ist. Aber ich versuche es immer wieder. Am besten klappt dies, wenn ich die Katze an meinen Körper anlege, und zwar auf die Herzseite, sodass sie meinen Herzschlag spürt und meinen Geruch wahrnimmt. Ich muss dabei eine starke Ruhe ausstrahlen, darf keine hektischen Gedanken führen oder Angst zeigen. Wenn sie zubeißt, ist das nunmal so, sie versucht nur sich zu schützen. Am besten ist es, wenn wir zu einer Einheit verschmelzen. Mein Chef gibt mir dafür die Zeit und die Patientenbesitzer werden darüber informiert, wie wir verfahren. Wenn diese Behandlung klappt (wir haben eine 100-Prozent-Erfolgsstatistik), wollen es die Patientenbesitzer nicht mehr anders. Meist ist es auch so, dass dadurch das Vertrauen von Patient und Patientenbesitzern gestärkt wird.

Fortsetzung folgt!THP 3 18 300 Page53 Image2

INA-LENA WÄHNERINA-LENA WÄHNER

TIERHEILPRAKTIKERIN
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