Tier des Monats: Pferd Donna

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201603 Donna2Donna – mein Herzenspferd
Sie ist meine Lehrerin, meine Partnerin, mein Spiegelbild und somit auch oft meine Gegnerin, denn manchmal gefällt einem nicht, was man sieht. Immer wieder wird man im Umgang mit dem Pferd mit Situationen konfrontiert, die unser Verhalten im Alltag reflektieren. Bisweilen braucht es einiges an Überlegungen, bis man in Betracht zieht, selbst der Ursprung des Problems zu sein. Viele Male wird das Tier, das eigentlich Wegbegleiter sein sollte, für eigene Schwierigkeiten verantwortlich gemacht oder gar bestraft. Ich möchte mich persönlich nicht aus diesem Verhaltensmuster herausnehmen. Womöglich ist es menschlich, Makel zuerst bei anderen zu suchen. Als ich vor über 11 Jahren im Kindesalter Donna kennenlernte, sahen meine Ansprüche völlig anders aus als heute.

201603 Donna3Manchmal kommt es anders als man denkt – oder wünscht …
Ich wollte sportlich erfolgreich sein, Schleifen und Pokale mit nach Hause bringen und jedes Wochenende an einem Turnier teilnehmen.
Meine Stute machte mir jedoch einen Strich durch die Rechnung. Nachdem wir damals als absolute Pferdelaien bei einem Stallwechsel einen gravierenden Fehler beim Verladen machten, fing sie an, sich zu weigern, in einen Transporter einzusteigen. Zu Recht, denn beim Ausladen öffneten wir die Trennwand, damit sie nicht von der Klappe fallen konnte. Für Donna die Möglichkeit, sich umzudrehen, sodass sie daraufhin minutenlang im Pferdeanhänger feststeckte.
Das Training wollte ich dennoch nicht aufgeben und habe drei private Reitstunden pro Woche angesetzt sowie eine Springstunde und ab und zu Gruppenunterricht. Bis zu einem gewissen Punkt zeigte sich Donna kooperativ und freute sich sichtlich, wenn sie Zuschauer hatte, die sie bewunderten. Doch plötzlich mochte sie nicht mehr mitmachen. Jede Reitstunde wurde zum Kampf, und auch die eigentlich geliebten Ausritte waren kaum mehr möglich. Ich ließ Ausrüstung und Pferd überprüfen, Osteopathie und Physiotherapie durchführen und die Blutwerte checken. Doch außer einer leicht gereizten Muskulatur war alles in bester Ordnung.

201603 Donna4Späte Erkenntnis
Ich räumte Donna eine Pause ein, machte mit ihr nur noch Spaziergänge und Longenarbeit und fing erst nach einiger Zeit wieder langsam mit leichtem Training an. Die Stute zeigte sich von ihrer besten Seite und arbeitete freudig mit – bis zu diesem einen Punkt des Unterrichts, an dem wir bereits das letzte Mal scheiterten. Ich brauchte sehr lange, bis ich nach vielen Neuversuchen und Reitstunden endlich begriff, dass ich selbst mit meinem Ehrgeiz der Auslöser für Donnas „unrittiges“ Verhalten war.
Ich war so fixiert darauf, gut auf dem Pferd auszusehen und das Pferd unter mir gut aussehen zu lassen, dass ich den Spaß an der Arbeit und die Bedürfnisse des Pferdes vergaß. Heute bedaure ich, dass Donna unter meinem Ehrgeiz leiden musste, und ich bin ihr unendlich dankbar, denn ein anderes Pferd hätte das vielleicht stillschweigend über sich ergehen lassen. Meine Donni zeigte mir ihre und auch meine Grenzen auf.

201603 Donna5Erfahrungen weitergeben
Die Erfahrungen, die ich mit Donna machen konnte, habe ich zusammen mit einem Freund, der ebenfalls in der Pferdebranche tätig war, in einem Buch zusammengefasst. Donna dient dabei als Vorlage für das Pferd Diva der Protagonistin Chiara. „Mein Herz für Equitas“ heißt das Manuskript, das jungen Reitern viel Fachliches zum Thema Pferd und Reiten vermitteln soll, vor allem die Grundaussage, die Donna mir so oft zeigte: „Das Pferd ist dein Gefährte. Es dient dir nicht als Mittel zum Zweck. Es ist kein Statussymbol und auch kein Sportgerät.“

Noch ein paar Fakten zu Donna
Sie wurde in Baden-Württemberg am 1. Mai 1998 geboren und großgezogen. Vier Jahre verbrachte sie auf der Koppel, bis sie angeritten und verkauft wurde. Sie sollte das Turnierpferd eines damals 12-jährigen Mädchens werden. Doch Donna hatte damals schon einen starken Charakter und war nicht bereit, sich von Ausbildern für den Sport brechen zu lassen. Nach reiflicher Überlegung der Eltern des Mädchens wurde Donna im Alter von 6 Jahren abgegeben. Ich war 10 Jahre alt, als Donna zu uns ins Allgäu zog. Das erste gemeinsame Jahr kostete mich viel Angstschweiß, denn sie kann ein richtiges Geschoss sein. Inzwischen haben wir einen Weg gefunden, um in Ruhe und locker reiten zu können, ohne Stress und Druck. Das macht sich auch in ihrem Blutbild bemerkbar, denn seither sind die Muskelwerte im Normbereich. Für all das, was meine Donni, auch liebevoll „Toffi“ genannt, mir beigebracht hat, hat sie den Titel „Tier des Monats“ verdient. Sie hat mich nicht nur persönlich weitergebracht, sondern mich auch zum Schreiben eines Buches animiert, das jungen Reitern den Weg zur Seele des Pferdes eröffnen soll.

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Fotos: © Heiko Steinbrecher, Andreas Barth

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