Atemwegserkrankungen bei Schlangen

Foto: grafikplusfoto - FotoliaNATURHEILKUNDLICHE BEHANDLUNG

Obwohl Schlangen bei vielen Menschen Ängste und Phobien auslösen, werden sie in einigen Kulturkreisen verehrt. Die Tatsache, dass sie im Winter spurlos verschwinden und im Frühling „jugendlich schön“ wieder erscheinen, brachte ihnen den Ruf ein, „unsterblich“ zu sein. Sie gelten als Symbol für Heilung und Erneuerung. Sogar der griechisch-römische Gott Aesculapius wurde mit einem Stab dargestellt, um den sich eine Schlange windet. Der Äskulapstab symbolisiert heute noch Medizin und Pharmazie. Erst mit Einzug des Christentums wurde die Schlange zum Sündenbock. Sie symbolisierte plötzlich den Teufel und wurde zum Symbol für Falschheit.
Zum Glück gilt die Schlange heute nicht mehr als Ebenbild des Bösen. Sie zählt inzwischen zu den am häufigsten in Terrarien gehaltenen Tieren. Jeder Halter muss sich mit den Ansprüchen und Lebensbedingungen seines Tieres beschäftigen, um eine artgerechte Haltung gewährleisten zu können. Es gibt zwei Schlangenfamilien, die hauptsächlich in Terrarien gehalten werden: Riesenschlangen und Nattern.

Foto: Farinoza - FotoliaBoidae (Riesenschlangen)

Die Boidae sind kräftige Würgeschlangen. Zu ihnen gehören die größten Schlangen, wie z. B. die Anakonda, die Netzpython, die Königspython und die Boa.

Temperatur im Terrarium: tagsüber ca. 27–30 Grad, nachts ca. 23 Grad, Luftfeuchtigkeit: ca. 60–75 Prozent

Foto: trapp - FotoliaColubridae (Nattern)

Nattern sind weltweit am meisten verbreitet. Sie leben auf Bäumen, im Wasser und am Boden. Sie gehören zu den kleineren Würgeschlangen. Zu ihnen zählen u. a. Kornnattern, Königsnattern, Strumpfbandnattern und Erdnattern.

Temperatur im Terrarium: tagsüber ca. 24–28 Grad, nachts: ca. 20 Grad, Luftfeuchtigkeit: 50–65 Prozent

Die Temperaturangaben variieren je nach Unterart, Jahreszeit und Häutungszyklus.

Atemwegserkrankungen

Eine der häufigsten Erkrankungen von Terrarienschlangen sind Infektionen der Atemwege, meist hervorgerufen durch Bakterien. Schlangen haben ein schlecht entwickeltes respiratorisches Flimmerepithel und keinen Hustenreflex. Nur die Körperhaltung unterstützt den Abfluss von Schleim und entzündlichen Exsudaten.

Die Ursachen für Erkrankungen der Atmungsorgane sind unterschiedlich. Meist ist eine zu warme oder zu kühle Haltung verantwortlich, z. B. eine zu trockene Haltung bei feuchtigkeitsliebenden Schlangen oder eine zu feuchte Haltung bei Wüstenschlangen. Schlechte Hygiene im Terrarium ist ebenfalls eine Ursache für Bakterien- bzw. Parasitenbefall der Atmungsorgane. Schon deshalb müssen Exkremente schnell und restlos entfernt werden. Ein instabiles Immunsystem, bedingt durch Stress und/ oder falsche Haltung, macht das Tier grundsätzlich anfälliger für Infektionen. Unbehandelt kann ein Atemwegsinfekt zur Pneumonie (Lungenentzündung) führen.

SYMPTOME, AN DENEN EIN ATEMWEGSINFEKT ZU ERKENNEN IST:

  • Schleimabsonderung aus Nase und Maul
  • Pfeifendes, röchelndes Geräusch beim Atmen
  • Atmen mit geöffnetem Maul
  • Hochhalten des Kopfes beim Atmen
  • Nahrungsverweigerung

BEHANDLUNG:

Wird ein Atemwegsinfekt sehr früh erkannt, reicht meist eine naturheilkundliche Behandlung aus. Bei fortgeschrittener Erkrankung muss auf jeden Fall ein reptilienerfahrener Tierarzt hinzugezogen werden! Außerdem sollte die erkrankte Schlange separat von anderen Tieren gehalten werden, um eine Ansteckung zu verhindern!

BEHANDLUNGSSCHEMA:
1 x täglich Petasites comp., Firma Wala (1ml Injektion)

Wirksame Inhaltsstoffe:
Plantago lanceolata (Spitzwegerich)
Foto: goldbany - FotoliaDie wichtigsten Inhaltsstoffe des Spitzwegerichs sind Iridoidglykoside (besonders Aucubin und Catalpol), Flavonoide, Gerbstoffe und Kieselsäure. Die Iridoidglycoside haben eine antimikrobielle Wirkung. In der Natur dienen sie der Pflanze als Schutz vor Fressfeinden und Mikroorganismen (Bakterien und Pilzen). In der Phytotherapie werden sie als pflanzliches Antibiotikum verwendet. Die Flavonoide gehören in der Natur zu den wichtigsten Pflanzenfarbstoffen. Sie wirken antiphlogistisch (entzündungshemmend) und spasmolytisch (krampflösend). Als Arzneipflanze werden diese Wirkungen häufig bei Atemwegsinfekten, Mund- und Rachenschleimhautentzündungen sowie äußerlich als Wundheilmittel eingesetzt. Verwendet werden die Blätter und das Kraut.

Foto: jeans - FotoliaPetasites hybridus (Pestwurz)
Der wichtigste Inhaltsstoff der Pestwurz ist das Petasin. Es gehört zur Gruppe der Sesquiterpene. Diese Substanz wirkt spasmolytisch auf die glatte Muskulatur der Bronchien und der Harnwege. Im Naturzustand enthält die Pestwurz Substanzen (Pyrrolizidinalkaloide) mit möglicherweise toxischer Wirkung auf die Leber. Ich empfehle deshalb immer nur eine kurzzeitige Anwendung dieser Pflanze. In der Humanmedizin wird die Pestwurz auch zur Migräneprophylaxe verwendet.

Foto: Dzierzawa - Fotolia
Eine subkutane Injektion bei der Schlange erfolgt zwischen den Schuppen kranial an der seitlichen Bauchwand.
Natürlich kann man die Injektionslösung auch oral verabreichen, doch subkutan wirkt sie schneller und effektiver.
Man kann auch den Tierarzt für die Injektion hinzuziehen, denn das Wohl des Tieres sollte immer im Vordergrund stehen!



Foto: Fa. Hawlik1 x täglich Agaricus blazei murill (ABM, Mandelpilz)
Wirksame Inhaltstoffe:
Der Agaricus ist der wichtigste immunstimulierende Heilpilz, den wir in der Mykotherapie kennen. Seine wirksamen Bestandteile sind Beta-Glucane, Ergosterol, Linolsäure, Vitamine, Mineralstoffe und Proteine. Der ABM besitzt keinen einzelnen herausragenden Wirkstoff, er wird durch seine natürliche Kombination der Inhaltsstoffe so wertvoll. Ursprünglich stammt der Agaricus aus dem brasilianischen Regenwald, heute wird er auch in Europa, Kanada und Japan kultiviert. In der Veterinär- und Humanmedizin wird er begleitend in der Krebstherapie verwendet.

1 x täglich Inhalation mit hypertoner Kochsalzlösung für ca. 5 Minuten
Foto: Silke WeberZur Inhalation verwende ich bevorzugt Mucoclear-3%-Ampullen (Firma Pari). Durch den osmotischen Effekt der hypertonen Natriumchloridlösung kann Schleim und Sekret leichter gelöst werden.
Man benutzt dazu einen Düsenvernebler mit Zubehörset (z. B. Firma Pari oder Omron). Viele Apotheken bieten diese Vernebler auch zum Verleih an. Die Schlange wird dazu in einen separaten Behälter gesetzt.

Sollte trotz dieser Behandlung nach maximal fünf Tagen keine Besserung eintreten, ist auf jeden Fall ein Tierarztbesuch notwendig. Meist benötigt die Schlange dann ein Antibiotikum. Parallel zur Antibiose kann die „natürliche“ Behandlung aber weiter fortgesetzt werden. Im Anschluss an die Antibiotikatherapie empfehle ich grundsätzlich eine „Immunkur“:
Weiterhin 1 x täglich Agaricus blazei murill.

1 x täglich Bene-Bac Gel (Firma Albrecht)
Bene-Bac enthält sieben verschiedene probiotische Bakterien. Nach einer Antibiotikatherapie ist es wichtig, die Darmflora wieder aufzubauen und zu stärken.

SILKE WEBER SILKE WEBER
TIERHEILPRAKTIKERIN FÜR KLEINTIERE UND REPTILIEN
EIGENE PRAXIS IN MÜNCHEN 

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