Flöhe und Zecken: Gefährliche Blutsauger

Foto: Haase – FotoliaBiologisch gesehen gehören Zecken zu den Spinnentieren, sie gelten aber auch als größte Vertreter der Milben. Insgesamt lassen sich Zecken in Schildzecken und Lederzecken unterteilen. Schildzecken zeichnen sich durch ihren harten Rückenschild aus, der bei männlichen Zecken den gesamten Rücken, bei weiblichen Zecken, Nymphen und Larven nur einen Teil des Rückens bedeckt. Lederzecken fehlt dieser Schild. Sie besitzen eine weichere Hülle und werden deshalb oft auch als „sanfte Zecken“ bezeichnet. Weltweit gibt es etwa 900 Zeckenarten, wobei Schildzecken überall verbreitet sind, während Lederzecken überwiegend in tropischen und subtropischen Ländern vorkommen. Bei uns in Deutschland finden sich v. a. drei Zeckenarten, die uns, unsere Hunde und Katzen befallen: der Gemeine Holzbock (lat. Ixodes ricinus), die Auwaldzecke (lat. Dermacentor reticulatus) und die Braune Hundezecke (lat. Ripicephalus sanguineus). Häufig anzutreffen sind aber auch die Igelzecke (lat. Ixodes hexagonus), die Schafzecke (lat. Dermacentor marginatus) und die Taubenzecke (lat. Argas reflexus). In Europa am häufigsten vertreten ist der Gemeine Holzbock, der bevorzugt auf Gräsern, Sträuchern und Büschen sitzt und darauf wartet, von einem geeigneten Wirt abgestreift zu werden. Noch häufiger als Zecken kommen hierzulande Flöhe vor, denn weltweit gibt es etwa 2.400 Floharten, wovon in Mitteleuropa bereits 70 Arten vertreten sind. Biologisch gesehen werden Flöhe den flügellosen Insekten zugeordnet. Obwohl sie als wirtsspezifisch gelten, ist es überwiegend der Katzenfloh (lat. Ctenocephalides felis), der unsere Haustiere und manchmal auch uns Menschen befällt.

Zecken

201503 Floehe2GEMEINER HOLZBOCK – IXODES RICINUS

Der Gemeine Holzbock ist die in Deutschland und in weiten Teilen Europas am häufigsten vorkommende Zeckenart. Sie zählt zu den Schildzecken und gilt als Überträger von Borreliose und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis). Der Gemeine Holzbock befällt außer Hunde, Katzen und den Menschen auch Vögel, Eidechsen, Hasen und Wildtiere wie Damwild, Rotwild und Füchse.

201503 Floehe3AUWALDZECKE – DERMACENTOR RETICULATUS

Über Tierimporte aus Süd- und Osteuropa wurde die Auwaldzecke in den 1990er-Jahren nach Deutschland gebracht. Seither häufen sich die Zahlenangaben dieser Zeckenart von Jahr zu Jahr. Anzutreffen sind Auwaldzecken besonders in wenig kultivierten Feuchtbiotopen wie Wiesenund Sumpfniederungen. Sie gelten als Überträger von Babesien und Rickettsien und befallen außer Menschen und Hunde auch Pferde, Rinder, Schafe, Kleinsäuger und Wildtiere wie Rehe, Rotwild, Damwild und Wildschweine.

201503 Floehe4BRAUNE HUNDEZECKE – RIPICEPHALUS SANGUINEUS

Die Braune Hundezecke kommt v. a. in den europäischen Mittelmeerländern vor, tritt aber als Urlaubsmitbringsel auch bei uns immer häufiger auf, obwohl sie für ihren Lebenszyklus Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad Celsius bevorzugt. Bei Temperaturen unter 20 Grad Celsius wird der Zyklus unterbrochen. Daher findet man diese Zeckenart bei uns überwiegend in warmen Häusern, Hundehütten und Ställen, wo sie monatelang gut überleben können. Braune Hundezecken gelten als Überträger von Ehrlichiose und Babesiose.

201503 Floehe5IGELZECKE – IXODES HEXAGONUS

Igelzecken halten sich überwiegend im Bau ihrer Wirtstiere (Igel, Fuchs, Iltis, Wiesel, Hermelin) auf, befallen aber auch andere Tiere wie Katzen, Hunde und selten auch den Menschen. Igelzecken haben starke Ähnlichkeit mit dem Gemeinen Holzbock und gelten wie er als Überträger von Borreliose und FSME.

201503 Floehe5aSCHAFZECKE – DERMACENTOR MARGINATUS

Schafzecken lieben Steppenlandschaften und sind daher in Deutschland eher selten anzutreffen. Man findet sie überwiegend auf Weideflächen, was bedeutet, dass sie neben Schafen auch Ziegen, Rinder, Pferde, Rotwild und Kleinsäuger befallen. Hunde, Katzen und Menschen sind von einem Schafzeckenbefall nur sehr selten betroffen. Ob Schafzecken Krankheiten übertragen, ist bislang unklar.

201503 Floehe6TAUBENZECKE – ARGAS REFLEXUS

Wie der Name schon sagt, findet man Taubenzecken überall dort, wo Tauben nisten. Daher sind sie in ganz Deutschland vertreten. Die Taubenzecke ist sehr widerstandsfähig und kann bis zu neun Jahre hungern, ohne daran zu sterben. Außer Tauben befallen Taubenzecken auch andere Vögel und Geflügelarten und selten auch den Menschen. Ob sie Krankheiten übertragen, ist unklar.

Blutsaugakt

201503 Floehe7Alle Zecken besitzen kräftige, paarig angelegte Mundwerkzeuge, die mit Widerhaken besetzt sind. Damit bohren sie sich in die oberflächlichen Hautbezirke ihres Wirtes ein und ernähren sich vom Blut und der austretenden Lymphe. Zusätzlich verfügen Zecken über ein spezielles Organ, das sog. Haller’sche Organ, das sich im ersten Beinpaar befindet und empfindlich auf Vibrationen, Temperaturveränderungen und Gerüche reagiert. Über dieses Organ spüren sie ihren Wirt auf und positionieren sich, um abgestreift zu werden. Auf ihrem Wirt krabbelt die Zecke so lange über die Haut, bis sie eine möglichst weiche und unbehaarte Stelle gefunden hat. Mit ihren scherenartigen Mundwerkzeugen öffnet sie die obere Hautschicht und sondert gleichzeitig ein Sekret zur Betäubung ab, um möglichst unbemerkt zu bleiben. Dann öffnet sie mit ihrem Stechrüssel ein Blutgefäß und saugt Blut. Damit sie dabei nicht den Halt verliert, befestigt sie ihren Stechapparat mit einem zementartigen Klebstoff, der die Wunde nach außen hin verschließt. Vollgesaugt kann eine ausgewachsene weibliche Zecke ihr Gewicht um das bis zu 120-fache erhöhen. Beim Saugakt filtern Zecken die Bestandteile aus dem Blut, die sie benötigen, und pumpen den Rest in den Wirt zurück. Dadurch kann es zur Übertragung von Krankheitserregern kommen, wenn die Zecke selbst mit Erregern infiziert ist. Damit aber eine Übertragung stattfinden kann, muss die Zecke mindestens 12 bis 24 Stunden auf ihrem Wirt verweilen, da sich die Erreger im Zeckendarm befinden und erst zur Speicheldrüse wandern, wenn sie durch den Blutsaugakt aktiviert werden. Deshalb ist es ganz wichtig, Zecken so früh wie möglich zu entfernen. Nach vollständig abgeschlossenem Saugakt fallen die Zecken von alleine wieder ab.

Entwicklungszyklus

Weibliche Zecken legen erst im Alter von drei bis fünf Jahren Eier. Haben sie dieses Alter erreicht, legen sie ihre Eipakete dort ab, wo sie auch leben. Entsprechend befestigt der Gemeine Holzbock seine Eier an der Unterseite eines Grashalms, die Taubenzecke an Hauswänden oder Taubennestern und die Igelzecke in den Gängen des Baus ihrer Wirtstiere. Aus den Eiern schlüpfen dann Larven, die sich nach dem Schlüpfen zunächst auf die Suche nach einem geeigneten Zwischenwirt machen. Viele Zwischenwirte wie Nagetiere gelten als Vektoren, die Krankheitserreger auf Zecken übertragen, die diese dann an ihren Wirt beim Biss weitergeben können. Nach dem Blutsaugakt fällt die Zeckenlarve vom Zwischenwirt ab und entwickelt sich über eine Häutung zur Nymphe. Nymphen saugen ebenfalls Blut und entwickeln sich schließlich über eine zweite Häutung zur adulten Zecke. Insgesamt dauert der Entwicklungszyklus von Zecken sehr lange. Bei günstigen Bedingungen kann dies nur ein paar Monate sein, bei ungünstigeren Bedingungen ein paar Jahre. Optimale Bedingungen liegen vor, wenn die Temperatur zwischen 17 und 20 Grad Celsius beträgt und die Luftfeuchtigkeit bei mindestens 80 Prozent liegt. Zeitlich betrachtet sind Zecken sehr langlebig und können auch ohne Blut zu saugen monatelang überleben.

Flöhe

201503 Floehe8KATZENFLOH – CTENOCEPHALIDES FELIS

Obwohl es auch den Hundefloh, den Igelfloh und den Menschenfloh gibt, kommt in Deutschland am häufigsten der Katzenfloh vor. Er befällt trotz Wirtsspezifität auch Hunde und ab und zu sogar den Menschen. Der Katzenfloh ist bräunlich gefärbt, besitzt einen festen, aber elastischen Panzer und einen seitlich abgeflachten Körper, der ihm erlaubt, sich zwischen den Haaren seines Wirtes problemlos zu bewegen. Halt findet er durch seine nach hinten gerichteten Borsten, die sich sowohl am Körper, als auch an den Beinen befinden. So können Flöhe sich gut an Haaren befestigen und deshalb auch nur schwer ausgekämmt werden. Ihre Hinterbeine sind mit einem elastischen Resillinpolster ausgestattet, das es ihnen ermöglicht, eine Sprungkraft ähnlich eines Katapultes zu entwickeln und so bis zu 35 Zentimeter hoch und 20 Zentimeter weit zu springen. Im Größenvergleich mit einem Menschen würde ein Mensch damit problemlos ein Hochhaus überspringen können. Wie Zecken saugen auch Flöhe Blut und können dabei gefährliche Krankheiten übertragen oder eine sog. Flohspeichelallergie auslösen. Die Eier, Larven und Puppen von Flöhen können über Monate hinweg in der näheren Umgebung von Hunden und Katzen überleben, sodass ein Flohbefall auch im Winter nicht selten vorkommt.

Blutsaugakt

Mit ihrem stark entwickeltem Stechund Saugrüssel saugen Flöhe in der Regel einmal pro Tag Blut. Dabei können sie das Zwanzigfache ihres Gewichtes aufnehmen. Während des Saugaktes sondert der Floh Speichel ab, der Proteine und Haptene enthält, die beim Hund und v. a. bei der Katze für das Auftreten einer Flohspeichelallergie verantwortlich sind. Betroffene Tiere zeigen einen deutlichen Juckreiz, z. T. verbunden mit Haarverlust und Krustenbildung. Durch den ausgelösten Juckreiz und das damit verbundene Knabbern an der eigenen Haut kann es zum Abschlucken von Flöhen und damit zur Übertragung von Bandwürmern (Gurkenkernbandwurm) kommen, da Flöhe von Bandwürmern als Zwischenwirte für ihre Entwicklung genutzt werden. Aufgrund des Saugens von Blut setzen Flöhe einen stark bluthaltigen Kot ab, über den ein Flohbefall auch sicher nachgewiesen werden kann. Dazu kann man mit einem feuchten Taschentuch die kleinen schwarzen Pünktchen (Flohkot) von der Haut des Haustieres abgreifen und nach kurzer Wartezeit einen roten Hof auf dem feuchten Tuch sehen. Dieser gilt als Blut- und damit Flohnachweis.

Entwicklungszyklus

Unter günstigen Bedingungen erfordert die Generationsfolge bei Flöhen lediglich zwei Wochen. Weibliche Flöhe legen pro Tag etwa 40 bis 50 Eier, die vom Fell des Hundes oder der Katze abfallen und sich in der Umgebung entwickeln. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich anschließend in einem widerstandsfähigen Kokon verpuppen, in dem sie sich zum ausgewachsenen Floh entwickeln. In ihrem Kokon verweilen die Flöhe dann so lange, bis ihnen ein bestimmter Reiz von außen, wie Temperaturänderung, Lichtänderung oder Erschütterung, das Signal zum Schlüpfen gibt. Die Mindestverweildauer im Kokon beträgt neun Tage, die Höchstverweildauer sechs Monate. Das ist auch der Grund dafür, warum nach einer einmaligen Flohbehandlung plötzlich erneut Flöhe auftreten können und es dabei egal ist, ob draußen gerade Sommer oder Winter herrscht. Ist der Floh geschlüpft, muss er nicht gleich Blut zu sich nehmen, sondern kann sich in aller Ruhe nach einem geeigneten Wirt umsehen. Hat er diesen gefunden, saugt er täglich Blut und kann (im Falle eines weiblichen Flohs) auch täglich Eier legen. Die Lebensdauer eines Flohs beträgt etwa drei Monate.

Prophylaxe gegen Zecken und Flöhe

201503 Floehe9Es gibt verschiedene Methoden, gegen Zecken und Flohbefall vorzubeugen. Allerdings werden auch immer wieder Hausmittelchen beschrieben, die jedoch mehr Schaden anrichten, als sie Wirkung zeigen. So kann z. B. ein mit Knoblauch oder Zwiebeln versetztes Futter bei Hund und Katze zu massiven Vergiftungserscheinungen und zur Zerstörung der roten Blutkörperchen führen. Auch der Einsatz von ätherischen Ölen muss mit Skepsis betrachtet werden, da nicht alle Öle von Haustieren vertragen werden und die wenigsten auch nur den Hauch einer Wirkung zeigen, zumal die Geruchsempfindlichkeit von Flöhen und Zecken als äußerst fragwürdig einzuschätzen ist. Hinzu kommt, dass die Anwendung von Ölen bei Zecken zum Ersticken führen kann. Dabei übergeben sich Zecken und geben alle Krankheitserreger an den Wirt ab. Gut bewährt haben sich bei Zecken z. B. Bernsteinketten, da diese das Fell mit einer geringen Ladung versehen, die für Zecken unangenehm zu sein scheint, sodass sie wieder abfallen, bevor sie beißen. Gegen Flöhe helfen Bernsteinketten allerdings nicht.
Auf dem Markt erhältlich sind diverse Mittel z. B. als Spot-on-Präparate, Tabletten, Halsbänder, Puder oder Sprays mit diversen Wirkstoffen. Die meisten Präparate gegen Flöhe helfen auch gegen einzelne Zeckenarten und sogar gegen eine Flohspeichelallergie. Wichtig ist jedoch zu beachten, dass jedes Präparat nur bei der dafür deklarierten Tierart angewendet werden sollte, da es bei anderen Tierarten giftig wirken kann. Auch ist zu beachten, dass jedes Präparat nur dann sicher wirksam ist, wenn es entsprechend der Packungsbeilage angewendet und die Anwendung in angegebener zeitlicher Abfolge wiederholt wird. Denn egal welches Präparat man verwendet, jedes ist nur über einen bestimmten Zeitraum wirksam.

DR. ISA FOLTIN DR. ISA FOLTIN
TIERÄRZTIN, RADIOLOGIN, DIPLOM-JOURNALISTIN

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE

  • Medizinjournalismus für Pharmafirmen, Wissenschafts- und Publikumsmedien
  • Vergleichende Radiologie bei Mensch und Tier
  • Spezialgebiet Kernspintomographie (MRT)
  • Dozentin an den Paracelsus Schulen

Fotos: © Cosmin Manci - Fotolia, André Karwath - Pixelio, PaulT - Pixelio, Fotolia, Tschuch - Pixelio, Cosmin-Ovidiu Manci - Fotolia, MERFELDAS - Fotolia, DoraZett - Fotolia

< zurück