Lebendfutter - Artgerechte Zucht

Foto: © Etzold - FotoliaODER SCHMUCKSTÜCKE IM TERRARIUM?

Wer fleischfressende Reptilien und/oder Insekten hält, hat sich bereits mit der Tatsache des Verfütterns von sog. Futtertieren auseinandersetzen müssen. Für die zu pflegenden Tiere ist das oft notwendig oder zumindest zur artgerechten Ernährung anzuraten. Dieses „Lebendfutter“ wird mittlerweile in kleinen Plastikschalen als sog. Heimchendosen in Baumärkten, zoologischen Handlungen und in Onlineshops angeboten. Dort ist es allerdings oft in bedauernswertem Zustand anzutreffen. Die Futterinsekten werden in diesen Boxen weder während des Transportes noch im Ladengeschäft mit Wasser oder Futter versorgt, bereits verendete Tiere oder in der Häutung befindliche Insekten teilen sich den minimalen Platz mit den wenigen agilen Artgenossen. Das kann weder angenehm für die Futtertiere sein, noch gesund für die zu fütternden Reptilien. Was liegt da näher, als sich selber an der Zucht und Haltung von Futtertieren zu versuchen. In der Reptilienhaltung wird oft empfohlen, die Futtertiere vor dem Verfüttern mit einem Vitamin- und Mineralienpulver einzupudern – das erübrigt sich meines Erachtens, wenn die Futtertiere gesund und aktiv gehalten werden.

Drosophila melanogaster für Beginner geeignet

Ich möchte mit den relativ einfach, aber sehr erfolgreich zu vermehrenden Drosophila melanogaster, allgemein besser bekannt als Fruchtfliegen, beginnen. Diese im Haushalt oft lästige Begleiterin von sommerlichen Obstschalen wird bereits seit langer Zeit in der Wissenschaft genutzt. Zu diesem Zweck wurde eine flugunfähige Variante gezüchtet. Diese Art gibt es als Zuchtansatz zu kaufen. Es empfiehlt sich, die Tiere in einem Schraubglas mit einem Brei aus in Wasser gekochten Haferflocken, etwas Trockenhefe und obenauf Holzwolle zu halten. Achten Sie darauf, dass das Glas gut verschlossen wird. Es reicht völlig aus, einen Nylonstrumpf als obere Abdeckung über das Glas zu stülpen und mit einem Gummi zu befestigen. Um einer Schimmelbildung im Haferflockenbrei vorzubeugen, kann man dem Brei jeweils ein wenig Methyl- 4-hydroxybenzoat (aus der Apotheke) zufügen.
Dieser Ansatz wird einige Tage stehen gelassen und die Fliegen beginnen Eier zu legen, aus denen sich innerhalb von Stunden kleine Maden entwickeln. Diese Maden eignen sich bereits zur Verfütterung an Aquarienfische. Nach weiteren wenigen Tagen schlüpfen die ersten Fliegen und können an Mantiden oder kleine Reptilien wie z. B. Jungferngeckos verfüttert werden. Ein paar Fliegen werden wieder in ein entsprechend vorbereitetes Glas gegeben und der Ablauf beginnt von vorne.

Tenebrio molitor, ein zuchtbarer Mehlkäfer

Foto: WaßmannEbenso unkompliziert ist die Haltung und Vermehrung von Mehlwürmern oder genauer von Mehlkäfern (Tenebrio molitor). Diese Tiere sind als Mehlwürmer für ein paar Cent erhältlich. Sie werden in ein Glasgefäß, z. B. ein großes Gurkenglas, mit Sägespänen und trockenen Haferflocken gegeben. Hin und wieder kann ein Apfelschnitz oder ein wenig Möhrenschale zur Flüssigkeitsversorgung gegeben werden. Dann muss jedoch darauf geachtet werden, dass diese nicht zu schimmeln beginnen. Als Eiablagefläche genügt ein Stück geknoteter Stoff. Ein trockenes Brötchen oder eine Brotscheibe dient gleichzeitig als Versteck und zusätzliche Nahrungsquelle. Nach dem Schlupf aus dem Ei lebt der Mehlwurm bis zu zehn Monate als „Wurm“ oder genauer gesagt als Made. In diesem Zustand können die Tiere gut verfüttert werden. Der Zustand als Puppe ist mit ca. 14 Tagen relativ kurz und endet mit dem fertigen Käfer, der wiederum eine Lebenserwartung von ca. zwei Monaten hat. Es ist ohne weiteres möglich, alle Stadien zusammen zu halten. Das so besetzte „Käferterrarium“ benötigt nur hin und wieder frische Haferflocken und gelegentlich eine in kurzer Zeit zu fressende Zugabe von Frischkost in Form von Obstschalen.

Wüsten- oder Wanderheuschrecken – beides geht

Foto: WaßmannEin weiteres sehr beliebtes Futter für Reptilien stellen die Heuschrecken dar. Zum einen ist zwischen Wüstenheuschrecken (Schistocerca gregaria) und Wanderheuschrecken (Locusta migratoria) zu unterscheiden. Die Wüstenheuschrecke benötigt zur Fortpflanzung eine Temperatur von 35 - 40 Grad und eine Nachtabsenkung auf ca. 15 Grad. Dementsprechend sind die Haltungsbedingungen für Wanderheuschrecken leichter zu realisieren, da diese mit einer Temperatur von 30 - 35 Grad zu halten sind. Dies ist durch einen Sportstrahler im Terrarium zu erreichen. Beide Arten benötigen zur Eiablage einen ca. zehn Zentimeter tiefen, mit feuchter Erde gefüllten Ablagebehälter. Bei der Fütterung ist auf relativ trockenes Futter zu achten. Keinesfalls Salat oder Gurke, sondern eher Gras oder gekeimte Weizenkörner. Eine Zugabe von Wasser ist nicht erforderlich. Bei längerer Abwesenheit stelle ich jedoch einen mit Gras bepflanzten Blumentopf oder eine kleine Schale mit Wassergel ins Terrarium. Als Bodengrund stelle ich ein Gemisch aus Sägespänen und Haferflocken zur Verfügung. Ein weiteres Einrichtungsutensil sollten einige Zweige darstellen. Da die Tiere ausreichend Platz zur Häutung benötigen, empfehle ich ein mindestens 40 x 40 Zentimeter großes Terrarium mit ausreichend Klettermöglichkeit. Diese auf diese Art gehaltenen und gezüchteten Futtertiere stehen dann in unterschiedlichen Größen zum Verfüttern zur Verfügung. Um die Zucht aufrechtzuerhalten, sind jedoch immer ausreichend adulte Exemplare nötig.
Eine kurze Warnung möchte ich jedoch noch aussprechen, denn es kann vorkommen, dass die Futterinsekten den eigentlichen Terrarientieren den Rang ablaufen und Sie dazu übergehen werden, nur noch diese bunten und interessanten Insekten zu halten.

Grillen und Heimchen für die häusliche Zucht nicht zu empfehlen

Von der Zucht von Grillen und Heimchen rate ich jedoch ab, da diese im Falle eines Ausbruchs aus dem Zuchtbehälter in der Lage sind, ein Leben im Haus zu führen. Mag das Zirpen der Grillen anfangs noch angenehm und südländisch anmuten, kann es doch sehr nerven, wenn es einem den Schlaf raubt. Selbst im Reptilienterrarium können sich die Grillen verstecken und vermehren. Nach dem Schlupf sind die Jungtiere oft zu klein, um als Nahrung wahrgenommen zu werden, und hinter Verkleidungen und in Einrichtungsgegenständen finden sie ausreichend Versteckmöglichkeiten.

SABINE WASSMANN SABINE WASSMANN
TIERHEILPRAKTIKERIN IN AUSBILDUNG

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INTERESSENSSCHWERPUNKT:

  • Haltung von Phasmiden, Schauinsekten, Wirbellosen und Reptilien

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