EKTOPARASITEN SERIE: Teil 2 – Flöhe

Foto: DoraZett - FotoliaKRANKHEITSÜBERTRAGENDE VEKTOREN

Rezidivierender Flohbefall lässt auf Resistenzen schließen

Behandlungen gegen Parasiten- und insbesondere Flohbefall gehören zur ganz normalen Routine der Kleintierpraxis. Doch in letzter Zeit mehren sich Berichte von Hunde- und Katzenbesitzern über rezidivierende Flohbefallsraten trotz Flohprophylaxe. Dies lässt eine Wirkstoffresistenz bei Flöhen vermuten, die bereits im Jahr 2006 in einer Publikation von Jutta Klasen für das Umweltbundesamt beschrieben wurde. Klasen ging in ihrer Publikation davon aus, dass Resistenzen insbesondere damit begründet werden können, dass für eine effektive Prophylaxe nur ein einziger Wirkstoff zur Verfügung steht. Hinzu kommen unsachgemäße Anwendungen, Unterdosierungen und fehlende Nachbehandlungen. Einen besseren Prophylaxeerfolg ließe damit ein neuer Wirkstoff erwarten.

Blutmahlzeit als Vermehrungsvoraussetzung

Der Katzenfloh (Ctenocephalides felis) ist die in Deutschland am meisten verbreitete Flohspezies auf Haustieren. Die Blutaufnahme ist sowohl für weibliche als auch für männliche Flöhe die Voraussetzung für eine erfolgreiche Befruchtung. Die Paarung erfolgt auf dem Wirt. Während der Reproduktionsphase können weibliche Flöhe mehr als das 15-fache ihres eigenen Körpergewichtes an Blut aufnehmen, sodass in Relation dazu 72 Flöhe dem Wirt pro Tag einen Milliliter Blut absaugen.

„Raffinierter“ Entwicklungszyklus

Foto: DoraZett - FotoliaFlöhe gehören als Insekten zu den holometabolen Organismen. Ihre Entwicklung läuft entsprechend über mehrere Stadien ab. Die Dauer der Entwicklung variiert stark, da der Zyklus von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und bestimmten Wirtsstimuli abhängig ist. Der adulte weibliche Floh legt täglich bis zu 50 Eier auf dem Fell des Wirtes ab. Circa 60 Prozent der Eier fallen bereits innerhalb von zwei Stunden vom Wirt ab und entwickeln sich insbesondere in Schlaf-, Ruhe- und Futterplätzen der Wirtstiere. Die Larven schlüpfen in der Regel innerhalb von zehn Tagen. Die Larvenentwicklung vollzieht sich über zwei Häutungen, die mit einer Verpuppung endet. Unter durchschnittlichen Haushaltsbedingungen schlüpft der Katzenfloh innerhalb von drei bis vier Wochen. Die Entwicklung kann sich aber auch verzögern und bis zu 30 Wochen in Anspruch nehmen. Der adulte Katzenfloh lebt je nach Umweltbedingungen bis zu 133 Tage als stationärer Ektoparasit auf seinem Wirt. Innerhalb einer Flohpopulation befinden sich also lediglich die adulten Flöhe auf dem Wirt – Larven und Puppen entwickeln sich in der Umgebung. Dieser „raffinierte“ Entwicklungszyklus muss bei einer adäquaten Prophylaxe berücksichtigt werden. Auch in den Wintermonaten bieten geheizte Wohnräume den Flöhen günstige Entwicklungsmöglichkeiten, sodass die häusliche Umgebung als Reservoir für eine Reinfestation fungiert.

Neuer Wirkstoff hilft auch bei resistenten Stämmen

Grundsätzlich sollte mit der Behandlung eines akuten Flohbefalls schnell begonnen werden. Im Gegensatz zu früher müssen heutzutage bei Anwendung neuer Spot-on-Präparate mit ovizider, lavizider und adultizider Wirksamkeit keine zusätzlichen Entwicklungshemmer mehr gegeben werden. Es genügt die mechanische Reinigung der Umgebung, um den Flohdruck zu senken und eine Reinfestation zu vermeiden. Hilfreich kann dabei sein, den Tierbesitzer auch darauf hinzuweisen, dass in die Reinigung auch Auto und Wochenendhaus miteinbezogen werden. Durch Anwendung neuer Wirkstoffe können auch resistente Flohstämme wirksam behandelt werden. Eine kritische Betrachtung der Packungsbeilage kann bei den gängigen Präparaten entsprechend hilfreich sein.

DR. ISA FOLTIN DR. ISA FOLTIN
TIERÄRZTIN, RADIOLOGIN, DIPLOM-JOURNALISTIN

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