SERIE: Unsere Tiere und ihre G´schichterl

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Die Auffangstation für Reptilien in München kümmert sich schon lange nicht mehr nur um wechselwarme Tiere wie Reptilien, Amphibien, Fische und Invertebraten, sondern auch um exotische Säugetiere. In dieser Serie möchten wir Ihnen unsere Tiere und die verschiedenen Tierarten, um die wir uns bemühen, vorstellen und näherbringen. Jedes unserer Tiere  hat eine Geschichte hinter sich, die wir mit Ihnen teilen wollen.

Was macht eine gute Tierhaltung aus?

THP 2 19 Page52 Image2Ein Thema, das uns als Auffangstation für Reptilien immer schon sehr am Herzen gelegen hat, ist eine art- und verhaltensgerechte Tierhaltung, die sich nicht nur an der Spezies, sondern vor allem am Individuum orientiert. Alle Basisparameter müssen stimmen, damit eine Tierhaltung als gut erachtet werden kann. Dazu gehören die grundsätzlichen Dinge wie gute Unterbringung, ausreichend Platz, ad- äquate Einrichtung, regelmäßige artspezifische Fütterung mit dem richtigen Futter in geeigneter Zubereitung, Zugang zu Trinkwasser, klimatische Gegebenheiten etc. – alles, was dazu führt, dass ein Tier körperlich gesund bleibt. Was dabei zunächst nicht beachtet wird, ist die „geistige“ Gesundheit unserer Schützlinge.
Reptilien wird gerne unterstellt, sie seien ungefähr so intelligent wie eingeweichte Milchbrötchen, dass ihnen somit Langeweile vollkommen fremd sein muss. Dass dem nicht so ist, ist inzwischen auch wissenschaftlich nachgewiesen. Auch Reptilien können sich langweilen.
Unsere afrikanische Nilweichschildkröte Ramses kam zu uns mit Narben und Verletzungen am Hals und im Bereich der Achseln, durch Wunden, die er sich selbst zugefügt hatte und immer wieder selbst zufügte (Automutilation). Diagnostisch konnten keine Anzeichen für eine Hauterkrankung oder Ähnliches gefunden werden. Therapieversuche hatten erst dauerhaft Erfolg, nachdem ihm sein Leben interessanter gestaltet wurde: Laub und große Gesteinsbrocken, andere Schildkröten und nicht zuletzt Fische in seinem Teich, mit denen er interagieren konnte, die Möglichkeit, seine Umgebung und die Menschen darin zu beobachten, Spielzeug wie schwimmende Gummibälle, Wasserpflanzen etc.

THP 2 19 Page53 Image4Tiere in menschlicher Obhut müssen sich normalerweise nicht darum kümmern, woher ihre nächste Mahlzeit kommt, sie müssen ihr Territorium nicht gegen Eindringlinge verteidigen. Selbst schlechtes Wetter ist in den meisten Fällen nicht gegeben. Somit kann Langeweile als ein menschenverursachtes Wohlstandsproblem angesehen werden, das man als guter Tierhalter auch wieder lösen sollte: Man bietet den Tieren Abwechslung. In der Auffangstation legen wir sehr großen Wert auf angemessenes „Enrichment“. Enrichment (dt.: Bereicherung) bedeutet, dass man einem Tier Situationen bietet, in denen es geistig und körperlich stimuliert und gefordert wird.
Das fängt an bei der Gestaltung des Lebensraumes. Der Kletterast für einen Grünen Leguan wird von vielen schon als Enrichment betrachtet. Allerdings gehört so etwas einfach zu Basisausstattung eines Terrariums und ist somit noch weit davon entfernt, eine zusätzliche Haltungsverbesserung darzustellen. In dem Moment, wo ein zweiter und dritter Ast angeboten werden und dem Tier die Möglichkeit zur Wahl gegeben wird, befindet man sich schon eher auf dem gedanklichen Weg zu einem echten Enrichment. Nimmt man zusätzlich noch natürliche Materialien, belaubte Äste mit Rinde, Erde aus dem Garten, Laub und Moos als Bodengrund, stimuliert man auch die Sinnesorgane des Tieres (Geruchs-, Tast- und Sehsinn). Dies sind die sehr einfachen Möglichkeiten, das Leben eines Haustieres, auch eines exotischen, für immer neue, kurze Momente zu bereichern. Ausreichend auf Dauer ist das natürlich noch nicht. Ganz wichtig ist es, das Tier auch geistig zu fordern, und das lässt sich hervorragend über die Fütterung lösen. Indem man Futter versteckt oder so verpackt, dass die Tiere arbeiten müssen, um es herauszubekommen, es nicht immer in mundgerechte Stücke schneidet, oder einfach mal einen Teil in der Einstreu versteckt, es unzerteilt anbietet oder aufhängt, kann man dafür sorgen, dass die Tiere zum Teil viele Stunden lang beschäftigt sind. Je länger die Tiere sich bewegen und beschäftigen, bis sie satt sind, desto erfolgreicher war das Enrichment. Andere Möglichkeiten sind soziales Enrichment, also Kontakt zu Tieren der gleichen Art oder anderer Arten (inklusive des Menschen) zu gewähren, aber gerade bei Reptilien, die in der Regel keine sozialen Tiere sind, kann das problematisch sein. Es ist also mit Bedacht vorzugehen, damit man das Tier dadurch nicht stresst oder gar Kämpfe und Verletzungen provoziert.
Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, dem sei das aktuelle Vereinsmagazin der Auffangstation für Reptilien, München e.V. „Wissen schützt Tiere“ ans Herz gelegt. Es widmet sich ausführlich den Themen Enrichment, Bedarf und Bedürfnisdeckung von Tieren in menschlicher Obhut und ist als PDF kostenlos auf unserer Homepage erhältlich.

DR. MARKUS BAURDR. MARKUS BAUR

FACHTIERARZT FÜR REPTILIEN
LEITER DER AUFFANGSTATION FÜR REPTILIEN,  MÜNCHEN E. V.

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Fotos: © Auffangstation für Reptilien e.V.

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