Mykotherapie für Tiere: Paracelsus Schule Stuttgart

SEMINARBERICHT

Autorin: Tanja Rosenkranz

Pilze machen etwa 25 Prozent der Biomasse unserer Erde aus und spielen in  vielen Kulturen eine große Rolle, z. B. als Rauschpilze mit psychogener Wirkung  oder als Delikatesse. Bereits Hildegard von Bingen (1098 – 1179) setzte sie als  Heilmittel ein. Destillate aus Pfifferlingen wurden früher bei Lepra für Einreibungen genutzt. Auch die Schulmedizin greift auf sie in Form von Penizillin (Antibiotikum) oder Ciclosporin (Immunsuppressivum) zurück. Doch Pilze sind nicht nur  für den Menschen hilfreich. Auch in der Tierwelt können Vitalpilze hervorragende Dienste leisten, wie die sechs Kursteilnehmer/innen dieses Seminars detailliert erfahren durften.

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Mit mehreren Kisten voller Gläser mit getrockneten Pilzen, einem Pilztestkasten, Plakaten, Fachliteratur, Kerzen, Teekannen, diversen Pilz-und Kräutertees sowie Pilzschokolade bepackt, betrat Dozentin Petra Jericke (HP und THP) den Seminarraum und schaffte somit schon zu Beginn eine sehr ansprechende, praxisbezogene Lernatmosphäre.
Das Themenspektrum des zweitägigen Seminars umfasste Lebensraum, Aussehen, Herstellung, Inhaltsstoffe und Wirkungsweise zehn verschiedener Heilpilze sowie deren Besonderheiten im therapeutischen Einsatz am Tier.
Besprochen wurden die Pilze Agaricus blazei murrill (ABM), Auricularia polytricha, Coprinus comatus, Cordyceps sinensis, Coriolus versicolor, Hericium erinaceus, Maitake, Polyporus umbellatus, Reishi und Shiitake.
Um die Welt der Pilze und ihre Wirkungsweisen besser zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass Pilze in verschiedener Hinsicht eine Sonderstellung in der Natur einnehmen.
Das, was wir oberirdisch vom Pilz sehen, ist nur der Fruchtkörper. Der weitaus größere Teil und der eigentliche Pilz ist das sog. Myzel. Dieses liegt verdeckt unter der Erde. Aus ihm wachsen Hyphen (Pilzfäden) heraus, die als Transportmittel für Wasser und Nährstoffe den gesamten Nährboden durchziehen. Der dunkle Hallimasch in den USA hat ein ca. 880 Hektar großes Myzel!

THP 2 19 Page32 Image1Pilzen haftet in Mythen, Geschichten und Bräuchen etwas Magisches, Geheimnisvolles an, und den giftigen Fliegenpilz kennt jedes Kind. Der Pilz ist weder ein Tier noch eine Pflanze. Da er aber einen Zellkern besitzt, kann man ihn den eukaryoten Lebewesen zuordnen. Seine Zellwand besteht aus Chitin – demselben Material wie der Insektenpanzer. Im Pilzpulver sind davon noch Anteile enthalten, weshalb u.a. bei einem empfindlichen Magen lieber das Extrakt verwendet werden sollte.
Ihr spezieller Aufbau befähigt die Pilze zu einer besonderen Heilwirkung: Sie nähren, entgiften, regulieren und schützen. Insgesamt betrachtet sind sie somit anderen Heilmethoden, wie z. B. der Phytotherapie, überlegen.
Ihre wohl größte Stärke ist die nebenwirkungsarme Modulation und Regeneration von Organsystemen, das Anregen eines geschwächten Immunsystems (Infekte, Tumorerkrankungen), Beruhigung der übersteigerten Abwehr (Allergien) sowie Entgiftung über Leber, Haut, Lymphe und Nieren. Ein Schwerpunkt des Seminars war deshalb der Einsatz von Pilzen bei Tumor- und Lebererkrankungen.
Über Pilze ist es möglich, bei Schlafstörungen die Psyche zu beruhigen, Schmerzen zu lindern (u.a. bei Arthrose), den Lymphabfluss anzuregen, das Gedächtnis vor Prüfungen zu stärken und Alterungsprozesse hinauszuzö- gern. Dabei haben die unterschiedlichen Pilze trotz ihrer breit gefächerten Einsatzbereiche meist einen besonderen Bezug zu einem Organ, z.B. ist der Maitake einer der „Leberpilze“.

THP 2 19 Page32 Image2Eventuell auftretende Nebenwirkungen wie z.B. Durchfall sind Teil einer erwünschten Entgiftungsreaktion und gehen nach einigen Tagen vorüber. Es empfiehlt sich, die Pilze einzuschleichen, um den Organismus langsam daran zu gewöhnen.
Generelle Vorsicht ist nur beim Shiitake geboten, da er allergische Reaktionen hervorrufen kann: Er sollte vor Einnahme auf der Schleimhaut getestet und bei Bläschenbildung nicht gegeben werden.
Pilze sind auch auf orthomolekularer Ebene wirksam und können körperliche Mängel ausgleichen. Sie enthalten u.a. wichtige Spurenelemente, Vitamine, essenzielle Aminosäuren und Mineralstoffe. Wirklich magisch ist, dass die Pilze es dem Körper ermöglichen, nur die von ihm benötigten Inhaltsstoffe zu verwerten – der Rest wird ausgeschieden. Somit ist keine Überdosierung oder Hemmung von Gegenspielern wie z.B. Natrium und Kalium möglich!
Dass Pilze eine außerordentlich starke und nachweisliche Wirkung haben, zeigt auch die Tatsache, dass der Cordyceps durch seine Erhöhung der Leistungsfähigkeit bei Sportpferden und -hunden unter das Dopinggesetz fällt!
Ein weiterer großer Pluspunkt von Heilpilzen ist, dass sie sowohl untereinander als auch mit schulmedizinischen Medikamenten und diversen Naturheilverfahren ohne Wechselwirkungen kombiniert werden können: Phytotherapie, Homöopathie, Akupunktur, Schüßler-Salze, Bach-Blüten, Bioresonanztherapie usw.

Deshalb nahm die Dozentin bei den zu erarbeitenden Fallbeispielen auch immer wieder Bezug zu weiteren, die Pilze unterstützenden naturheilkundlichen Mitteln. Gleichzeitig schlug sie so gekonnt die Brücke zum bisherigen Vorwissen bzw. der Arbeitsweise der Kursteilnehmer/innen, die ihre Ideen zur Behandlung aktiv und zugunsten aller mit einbringen durften.
Die mitgebrachten Pilzkräutertees und Pilzschokoladen wurden in den Pausen verköstigt und kamen geschmacklich sehr gut an. Die getrockneten Pilze durften berührt und beschnuppert werden, und manchmal kristallisierte sich schon da eine persönliche Vorliebe für einen Pilz heraus. Es lohnt sich, diese Spur weiter zu verfolgen. Petra Jericke berichtete, dass sich auch Tiere manchmal zu einem bestimmten Pilz hingezogen fühlen, weil sie ihn benötigen. Man müsse nur ihre feinen körpersprachlichen Signale lesen.
Überhaupt sprechen viele Tierarten gut auf Vitalpilze an, darunter Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Kaninchen, Pferde, Schafe, Alpakas, Rinder und Vögel. Die Dosierung richtet sich nach dem Gewicht bzw. der Größe des tierischen Patienten. Je nach Erkrankungsbild und gewünschter Wirkung wird sich der geschulte Therapeut für ein Pulver, ein Extrakt oder für eine Kombination aus beidem entscheiden. Die Pilze können als Kapseln oder Pulver über das Futter angeboten oder mit Wasser verdünnt über eine Spritze direkt ins Maul bzw. den Schnabel eingegeben werden.
Wichtig ist es, auf die Qualität der verwendeten Produkte zu achten. Zum einen, da Pilze Radioaktivität speichern können, zum anderen, da beim Anbau teilweise Pestizide verwendet werden.
Therapeutisch ist die Grenze der Heilpilze erreicht, wenn definitiv Gewebe oder Strukturen zerstört sind: Da können selbst die hochpotenten Pilze nicht mehr reparieren. Bei weit fortgeschrittenen Pathologien kann es dennoch ein erstrebenswertes Ziel sein, den Sterbeprozess mit Pilzen zu begleiten und zu erleichtern.

Insgesamt betrachtet eignen sich Vitalpilze gut, ein Krankheitsgeschehen zu verlangsamen oder Komplikationen zu vermeiden. Und gerade bei schweren Krankheiten wie Krebs werden Pilze (vor allem im Frühstadium) mit Erfolg eingesetzt, wie Studien beweisen. Petra Jericke zeichnet sich durch ihre jahrelange Erfahrung als Heilpraktikerin und Tierheilpraktikerin aus. Sie vermag es, ihr fundiertes Fachwissen kompakt weiterzugeben und mit praktischen Beispielen anschaulich zu illustrieren. Somit war auch dieses Seminar ein absoluter Gewinn für die Praxis!
Nun sind wir angehalten, eigene Erfahrungen mit Heilpilzen an uns und an uns anvertrauten Tieren zu sammeln. Das umfangreiche Skript hilft dabei, je nach den vorhandenen Symptomen den richtigen Pilz oder die optimale Pilzkombination auszuwählen.
Da es bei aller Informationsdichte unmöglich war, an einem Wochenende alle Heilpilze durchzunehmen, ist ein Aufbauseminar geplant, das weitere Vitalpilze und Erfahrungen mit ihnen im Praxisalltag abdeckt.
Pilze vermögen es, individuell und bedarfsgerecht an Mensch und Tier ihre heilende Wirkung zu entfalten. Dies hat das Seminar, das viel von der absoluten Begeisterung der Dozentin für die Mykotherapie profitiert, bewiesen. Deshalb wünsche ich dieser Methode eine weite Verbreitung und freue mich auf das Aufbauseminar mit neuen Impulsen für die Tierheilpraxis!

PETRA JERICKEPETRA JERICKE
HEILPRAKTIKERIN
TIERHEILPRAKTIKERIN
PRAKTIZIEREND IN DEN USA

TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE

  • Orthomolekularmedizin
  • Labordiagnostik
  • Mykotherapie
  • Schlangenenzymtherapie nach Horvi
  • Phytotherapie
  • Dozentin an den Paracelsus Schulen

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Fotos: © Petra Jericke, akepong – Adobe

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