Therapie eines Mastzelltumors: Fine hat‘s geschafft!

201702 Mast1 Vorgeschichte

Unsere Mischlingshündin Fine kam vor sechs Jahren aus dem Auslandstierschutz zu uns. Vor einem halben Jahr bemerkte ich eine erbsengroße Umfangsvermehrung am rechten Sprunggelenk cranial (vorne). Beim Abtasten fühlte sich der Knoten derb-elastisch bis hart an, war aber nicht schmerzhaft und beeinträchtigte auch Fines Gangbild in keiner Weise, sodass ich mich entschloss, zunächst abzuwarten. Innerhalb von drei Wochen hatte sich der Umfang dann aber mehr als verdoppelt, sodass sie bei der Erstvorstellung beim Tierarzt etwa Wallnussgröße aufwies.

Erstdiagnose

Der von mir aufgesuchte Tierarzt untersuchte Fine zunächst allgemein und nahm anschließend eine Feinnadelbiopsie der Umfangsvermehrung vor, die in einem Fachlabor ausgewertet wurde.

201702 Mast3Ergebnis: Mastzelltumor

Mastzellen stammen von bestimmten Vorläuferzellen im Knochenmark ab, werden ins Blut abgegeben und siedeln sich an bestimmten Stellen im Körper, z.B. der Haut, an. Beim Mastzelltumor handelt es sich um eine Ansammlung bösartig entarteter Mastzellen. Beim Hund gehören Mastzelltumoren zu den häufigsten Tumorerkrankungen der Haut. Die Ursache, warum sich Mastzellen plötzlich bösartig verändern, ist bisher nicht bekannt. Der Tierarzt erklärte mir, dass die Heilungschance bei Fine aufgrund Größe und Lokalisation des Tumors fragwürdig sei. Da der Tumor zudem wahrscheinlich nicht im Gesunden operativ entfernt werden könne, wäre die Konsequenz eine Amputation der Hintergliedmaße. Die Operation sollte bereits drei Tage später erfolgen.

Von der Diagnose geschockt und der Kurzfristigkeit der anstehenden Operation überrumpelt, habe ich mich nach Beratung mit meiner Familie entschlossen, eine zweite Meinung einzuholen, und stellte Fine in der Chirurgischen Tierklinik der LMU München bei Herrn Prof. Dr. Roberto Köstlin vor.

201702 Mast4Wichtigkeit des Stagings

Prof. Köstlin zog Dr. Wergin, Oberärztin für Strahlentherapie der benachbarten Medizinischen Kleintierklinik der LMU, hinzu. Beide Tierärzte schätzten die Prognose aufgrund Tumorgröße und Lokalisation zunächst ebenfalls als fragwürdig ein und wollten die Therapieplanung abhängig vom Staging machen. Aus der Humanmedizin kenne ich die TNM-Klassifikation und die damit verbundene Abhängigkeit von Prognose und Therapie bei Tumorerkrankungen. Obwohl das Staging gut ausfiel, stand Prof. Köstlin aufgrund der ungünstigen Lokalisation und der 201702 Mast5enormen Größe des Tumors vor einer schwierigen Entscheidung, was die Therapieplanung betraf. Ist nicht genügend Eigengewebe vorhanden, um die Wunde nach der operativen Tumorentfernung wieder schließen zu können, bleibt oftmals nur die Gliedmaßenamputation. Für unsere drei Söhne war die Vorstellung, dass Fine ihr Bein verlieren könnte, so schrecklich, dass sie ihr ganzes gespartes Taschengeld zusammenlegen wollten, um Fines Bein zu retten. Da die Tumorgröße mit T2 bis T3 einzuschätzen war, wurde der Therapieplan vom Grad der Metastasierung abhängig gemacht. Nach anfänglich unklarem Lymphknotenbefund ergab eine zweite Untersuchung einen negativen Lymphknotenbefund, und auch die abdominelle Sonografie (Bauchultraschall) zeigte keine strukturellen Veränderungen in Leber oder Milz, sodass eine kurative Therapieplanung für Fine ins Auge gefasst werden konnte.

Individueller Therapieplan

Um den Tumor adäquat operieren zu können, musste er zunächst zum Schrumpfen gebracht werden, sodass Fine im ersten Schritt mit Kortison und einem Antihistaminikum behandelt wurde. Danach wurde der Tumor von Prof. Köstlin chirurgisch entfernt. Wie erwartet konnte nicht vollständig im Gesunden operiert und auch die Wunde nicht komplett geschlossen werden. Beim Haustierarzt musste deshalb zwei- bis dreimal pro Woche der Verband gewechselt und die Wunde behandelt werden. Um Fine therapeutisch etwas zu unterschützen, gab ich ihr während der gesamten Behandlungsdauer Schüßler-Salze, Arnica und Bach-Blüten. Sechs Wochen später war die Wunde von innen heraus zugeheilt, sodass im letzten Schritt mit der Nachbestrahlung begonnen werden konnte. Dr. Wergin erklärte mir ausführlich das Prozedere der Strahlentherapie, die möglichen Nebenwirkungen und therapeutischen Erfolgsaussichten. Mitgeteilt wurden mir von Anfang an auch die Kosten, die bei dieser Art der Therapie zu erwarten waren.

201702 Mast6Kosten-Nutzen-Faktor

Aufgrund der langen Anreise (wir wohnen in Regensburg) blieb Fine während der Zeit der Operation und Strahlentherapie stationär in der Universitätstierklinik München, wo ihr auf mein Bitten hin auch die Schüßler-Salze, Arnica und Bach-Blüten weiter gegeben wurden. Mastzellen neigen häufig dazu, an verschiedenen Stellen des Körpers aufzutreten, und so leider auch bei Fine. Im Rahmen einer Zwischenuntersuchung fiel auf, dass Fine auch noch einen kleinen, etwa stecknadelkopfgroßen Mastzelltumor am linken Ohr aufwies. Dieser wurde in einer zweiten Operation ebenfalls entfernt, jedoch nicht mehr nachbestrahlt. Nach insgesamt 16 Strahlentherapie-Einheiten in Narkose, verteilt auf vier Wochen mit jeweils vier Einheiten, hatte Fine es überstanden und konnte die Klinik geheilt und auf vier Beinen verlassen. Insgesamt beliefen sich die Behandlungskosten auf 4.800 Euro. Die Frage, ob wir bereit sind, diese enorme Summe in Fines Leben zu investieren, stellte sich uns nicht, auch wenn wir froh waren, dass wir die Summe nicht auf einmal bezahlen mussten. Retrospektiv betrachtet muss man aber schon sagen, dass der Weg schwierig war und uns zwischendurch immer wieder an unsere Grenzen brachte. Trotzdem haben wir während der gesamten Zeit nie vergessen, dass Fine ein Teil unserer Familie ist und uns so viel Freude und Liebe geschenkt hat, dass sich die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Faktor erst gar nicht stellte.

Fotos: © Müller (5), Agency-Animal-Picture/Krug

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