CNI: Chronische Nierenerkrankung bei Katzen

201602 CNI1ANAMNESE, UNTERSUCHUNG, DIAGNOSE UND THERAPIEMÖGLICHKEITEN IN DER TIERHEILPRAXIS

Die Niere ist ein lebenswichtiges Hochleistungsorgan mit vielfältigen Aufgaben. Daher muss eine Erkrankung der Nieren rechtzeitig erkannt und behandelt werden.

 

Die wichtigsten Aufgaben der Nieren sind:

  • Ausscheidungsorgan der harnpflichtigen Stoffe aus dem Blut (auch für die Exkretion körperfremder Substanzen)
  • Rückhaltung der für den Organismus erhaltenswerten Stoffe
  • Regulation von Elektrolyt- und Wasserhaushalt, wodurch für die Aufrechterhaltung des osmotischen Drucks im Blut und in den Geweben gesorgt wird
  • Wirkstoffe zur Regulation des Blutdrucks bereiten die Nieren in ihrem juxtaglomerulären Apparat vor
  • Bildung und Inaktivierung von Hormonen

Fallbeispiel Katze Alice

Alice, eine 11 Jahre alte, reine Wohnungskatze, macht seit drei Wochen ihren Besitzern große Sorgen. Sie ist vermehrt unrein geworden und uriniert nicht mehr in ihre Katzentoilette.
Sie lebt harmonisch mit einem 8-jährigen Kater und einer 3-jährigen Katze in einer geräumigen Dachwohnung zusammen, jedoch ist zu beobachten, dass die beiden anderen Tiere Katze Alice seit ein paar Tagen gezielt aus dem Weg gehen. Gesichert ist, dass Alice die Übeltäterin der Urinpfützen ist, da sie schon mehrfach beim Urinieren außerhalb der Katzentoiletten erwischt wurde. Hiervon sind 4 im Haushalt vorhanden, welche täglich 2 Mal gereinigt werden.
Den Besitzern ist zudem aufgefallen, dass Alice vermehrt trinkt, ihren Lieblingsschlafplatz gewechselt hat und nun vor dem Katzentrinkboden schläft.

ANAMNESE
Als Tierheilpraktikerin arbeite ich ganzheitlich und im Einklang mit der Natur. Ich sehe nicht nur den Körper, sondern binde auch die Umwelteinflüsse und die Seele des Tieres mit in die Behandlung ein. Bei Katze Alice konnte ich mir vor Ort einen ersten Überblick über den Allgemeinzustand des Tieres verschaffen, ebenso wichtige Details beim Besitzer erfragen, mir ein Bild über die Haltungsbedingungen, die Beziehung der Tiere untereinander sowie zu den Besitzern machen. Auch verhaltensbedingte Komponenten beim Fehlverhalten des Urinierens außerhalb der Katzentoilette dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Diese nehmen in der tierpsychologischen Praxis bei Katzen rund 50 % ein.

Foto: Rembex – FotoliaUNTERSUCHUNG
Nach der ersten Anamnese startete ich mit den verschiedenen mir zur Verfügung stehenden Untersuchungsmöglichkeiten.
Zuerst begann ich mit der Adspektionsanalyse (Betrachtungsanalyse) und verschaffte mir einen Gesamteindruck über das Tier, jedoch detaillierter als bei der ersten Anamnese.
Danach folgte die Palpationsanalyse (Tast-Untersuchung), und beim Messen des Pulses an der Arteria femoralis, im oberen Drittel der Innenseite der Hinterschenkel, nutzte ich die Pulsuhr der TCM, um eventuelle Auffälligkeiten an den Organen festzustellen. Zuletzt maß ich die Körpertemperatur, ob diese im Normbereich – bei ausgewachsenen Katzen von 38 bis 39 Grad – lag. Weiter ging es mit der Überprüfung des Herzens der Katze mit einer Stethoskop-Untersuchung nach der PABST-Regel (man beginnt vorne links mit der Stethoskop-Untersuchung: Pulmonal-, Aorten-, Bikuspidalklappe, dann Seitenwechsel zur Trikuspidalklappe). Hierbei sollten im besten Falle keine Auffälligkeiten der vier Klappenbereiche zu hören sein und die Herzfrequenz bei einer gesunden Katze bei 80 – 120 Schlägen pro Minute liegen.
Auch die Lunge (Pulmo) abzuhören ist wichtig, ob hier Rasselgeräusche sind, die auf Wasser in der Lunge hinweisen könnten.
Ein großes Blutbild wurde nach erfolgreicher Blutabnahme beim Labor angefordert.
Urin konnte bei Katze Alice sofort mit den Urin-Schnelltest Easystrips MT10 zur Krankheit-Früherkennung eingesetzt werden, da der Besitzer einen Beutel Uro-Tec (ein spezielles Katzenstreu, das weder Urin absorbiert noch die Zusammensetzung des Urins verändert) sich vorab beim Tierarzt besorgt hatte und Alice umgehend das neue Streu zu einem „Markierurinieren“ veranlasste.
Der Besitzer selbst hatte bereits Röntgen- und Ultraschallbilder bei seinem Haustierarzt erstellen lassen, die ich zusätzlich nutzen konnte, um die Diagnose zu stellen.

Diagnose CNI (Chronische Nierenerkrankung)

Aufgrund meiner eingehenden Untersuchung und der Auswertung des Blutbildes, des Urins, der Röntgenund Ultraschallbilder stellte ich die Verdachtsdiagnose CNI (Chronische Nierenerkrankung). Differentialdiagnostisch konnte Harngrieß (Struvitsteine) ausgeschlossen werden, hier waren keine Auffälligkeiten auf den Röntgenbildern zu sehen. Diabetes mellitus kam ebenso nicht in Betracht, da die Glukose im Urin und der Blutzucker in der Blutbildanalyse im Normbereich lagen. Es gab keine Normabweichung des TSH-Wertes und die Schilddrüsenhormone T3 und T4 waren in Ordnung, was eine Erkankung der Glandula thyreoidea (Schilddrüse) ausschließen ließ.
Protesturinieren oder ein verhaltenstypisches Markieren durch Alice konnte ausgeschlossen werden, daher musste eine physiologische Ursache vorliegen.
Heller und klarer Urin, den wir durch das spezielle Katzenstreu gefangen hatten, deutete darauf hin, dass Alice sehr viel trinken musste, was die Besitzer ja auch bestätigten, ebenso wie reichlicheres Absetzen von Urin.
Die Besitzer teilten mir mit, dass Alice in letzter Zeit unter Anorexie leide (typisch bei CNI – ausgelöst durch Übelkeit) und sie den Eindruck hätten, dass die Katze an Gewicht verloren habe. Dies bestätigte auch meinen Eindruck, da das Tier stumpfes und schuppiges Fell hatte und eingefallen wirkte. Die Blutwerte bestätigten mir zudem eine Erkrankung der Nieren:
Kreatinin lag bei 2,8mg/dl, was zeigte, dass der geschätzte Nierenverlust bereits bei ca. 75 % lag. Auch der Urinprotein/Kreatinin- Quotient lag bei 0,5 – bei gesunden Katzen liegt er bei unter 0,2. Zudem hatte sie entzündetes Zahnfleisch und blasse Schleimhäute.
Die anderen Katzen gingen Alice aus dem Weg, weil sie an ihrem Verhalten und am Geruch merkten, dass diese erkrankt ist.
Aufgrund der Anamnese, den Ergebnissen der Untersuchung sowie den Erzählungen der Besitzer stellte ich die Diagnose einer chronischen Niereninsuffizienz (CNI). Unter CNI leiden ca. 10 % aller Katzen über 10 Jahren.

Tierheilpraktische Therapiemöglichkeiten bei CNI

201602 CNI3ERNÄHRUNGSUMSTELLUNG
Als Sofortmaßnahme bei CNI sollte man bei der Fütterung auf Nierendiätfutter umstellen, was man in kleinen Portionen anbietet, da die erkrankten Tiere oft schlechte Fresser sind, und um die Übelkeit weitestgehend zu vermeiden.
Das Futter sollte sehr wenig Zusatz- und Nebenerzeugnisse beinhalten, die den bereits angegriffenen Nieren zusätzlich schaden könnten.
Wichtig zu beachten ist jedoch, dass ein Gleichgewicht stattfindet zwischen einer Einschränkung bzw. Linderung der Azotämie einerseits, Urämie bei einer erkrankter Niere und der Deckung des Protein- und Aminosäurenbedarfs andererseits.
Zu vermeiden ist ein Phosporüberschuss, und auch Fleisch sollte keinesfalls pur gefüttert werden. Das Verhältnis von Kalzium zu Phosphor bei gesunden Katzen liegt bei normalen Futterrationen zwischen 1 : 1 und 2 : 1. Jedoch muss bei an CNI erkrankten Tieren darauf geachtet werden, dass dieser Wert, je nach den Blutwerten, zwischen 1,4 : 1 und 1,8 : 1 liegt.
Auch der Kaliumwert ist oftmals durch Dehydrierung erniedrigt, was im schlimmsten Fall kardiologische Probleme auslösen könnte. Daher ist es sinnvoll, mehrere Wasserstellen im Haus anzubieten.

INFUSIONSTHERAPIE/ VITAMIN B
Subkutane Infusionen helfen, dass das Tier nicht dehydriert. Diese Infusionen haben eine blutreinigende Wirkung und unterstützen somit die Niere bei der Filtration von Schadstoffen.

Katzen, die unter CNI leiden, scheiden mehr Urin aus und auch mehr wasserlösliche Vitamine und Elektrolyte. Daher ist es sinnvoll, diese Stoffe als Zusatz zu verabreichen, denn v. a. ein Mangel an B-Vitaminen löst zusätzlich eine Anorexie aus und es könnte hierbei bis hin zu Zuckungen und einer Anämie kommen.

BACH-BLÜTEN/HOMÖOPATHIE
Bach-Blüten richten sich ausschließlich auf das emotionale Wohl und die Heilung der Psyche, Homöopathie auf das physische Wohl, aber dennoch auch psychische Aspekte mit berücksichtigt, um eine richtige Diagnose und geeignete Therapieform zu erstellen. Beide Therapien können gut unterstützend bei der Therapie der CNI gemeinsam verwendet werden, da die erkrankte Katze sowohl unter der psychischen Abgeschlagenheit und Unsauberkeit leidet als auch unter einer physischen Erkrankung.
Jedoch wird man eine chronische Krankheit wie CNI nicht rein durch Bach-Blüten oder Homöopathie heilen können, man kann aber dem Tier helfen, ein doch lebenswertes und längeres Leben zu führen.

UMFELD
Alles, was zusätzlich Stress auslöst, sollte vermieden werden, um die kranke Alice nicht weiter zu schwächen.
Es sollten, wenn weitere Tiere mit im Haushalt sind, auch diese mitbehandelt werden.
Beim Bemerken, dass das Partnertier krank ist, ziehen sie sich oftmals vom kranken Tier zurück oder könnten sogar noch weiter gehen und anfangen, es abzulehnen, oder versuchen, es aus dem bisher gemeinsam genutzten Revier fortzujagen.
Ausgleichende und beruhigende natürliche Mittel wären hier auf jeden Fall noch mit in Betracht zu ziehen, auch für die Mitbewohner von Alice.

201602 CNI4THERAPIE DER KATZE ALICE
Die drei Katzen werden von nun an getrennt gefüttert. Da der Besitzer von Alice zufällig in einem Zoofachhandel arbeitet, ist auch die Ernährungsumstellung auf spezielles Nierendiätfutter sofort und gerne durch die Besitzer angenommen worden.
Zudem erhält Alice ab sofort täglich ⅓ Tablette Vitamin-B-Komplex von Ratiopharm, welche zerkleinert unter das Nassfutter gemischt wird, um den Vitamin-B-Haushalt auszugleichen.
Alice wird nun mit dem sog. SUC-Cocktail oral behandelt. Dieser besteht aus drei Komplexmitteln in flüssiger Form, die bei Nierenproblemen angewendet werden und welche laut vielen Studien gute Erfolge erzielen.
Die drei Mittel Solidago comp., Ubichinon comp. und Coenzyme sollen täglich einmal in flüssiger Form zu jeweils 1,1 ml gegeben werden. Dauer dieser Therapie ist mindestens 4 Wochen – aber sie kann auch verlängert werden, je nach Reaktion und Annahme der Therapie.
201602 CNI5Für das seelische Gleichgewicht aller drei Katzen haben wir uns entschieden, mit Bach-Blüten zu arbeiten. Da es hier eine gezielte Trennung der Schwerpunkte (Seele und Körper) gibt, kann man die klassische Homöopathie mit der Bach-Blütentherapie gut verbinden. Die SUC-Therapie zielt auf die Physis der Katze Alice, die Bach-Blütentherapie rein auf die Psyche der drei Tiere.
Wir nutzen nur zwei Bach-Blüten als Mischung (anstatt der sonst üblichen 5–12 Blütenmischungen): Agrimony und Water Violet. Die Wirkung dieser Blüten soll eine Verbesserung im Befinden hervorrufen und einen Rückzug vermeiden, sodass diese auch an die beiden gesunden Katzen zur Beruhigung gegeben werden.

Bei einer Früherkennung der CNI stehen gute und zahlreiche Möglichkeiten zur Behandlung durch einen Tierheilpraktiker bereit, und so können Sie jeder Katze mit CNI ihre letzten Lebensmonate/- jahre sehr erleichtern und ihr auch noch viele schöne und lebenswerte Momente bieten!

JANINA GEISJANINA GEIS
TIERHEILPRAKTIKERIN
MOBILE TIERHEILPRAXIS IN WÜRZBURG

 

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