Heimtiere: Faszination Ratte

WAS ÜBER KRANKHEIT ODER GESUNDHEIT ENTSCHEIDET

Fotos: © Normann - FotoliaJeder, der Ratten als Haustiere hält, hat das Geheimnis bereits gelüftet, dass die domestizierte Ratte kein „böser Wolf“ und Angstauslöser unter den Nagetieren ist, sondern ein wunderbares, hochintelligentes und menschenliebes Haustier. Die heute bekannte Hausratte wurde jahrzehntelang von ihrem wilden Gegenstück domestiziert, genauso wie der Hund vom Wolf. Richtig sozialisiert sind Ratten in der Lage, viel von ihren Menschen zu lernen. Sie sind emotional empfänglich und empfinden sogar Gefühle, wie z. B. Reue. Aus diesem Grund sollten Ratten nie allein gehalten werden. Als dämmerungsaktive Tiere sind sie die perfekte Lösung für Besitzer, die tagsüber arbeiten müssen. Sie passen ihre „Schlaf- und Spielzeit“ ihren Besitzern an und freuen sich, wenn ihre menschliche Familie nach Hause kommt. Außerdem hat jede Ratte eine eigene Persönlichkeit, die sie im Laufe ihres Lebens entwickelt. Ratten bauen eine richtige Beziehung zu ihren Menschen auf und sehen sie als Teil ihres Rudels.

Foto: Kuttelvaserova - FotoliaWährend wilde Ratten – ähnlich wie wilde Katzen oder Hunde – Träger und Überträger von Krankheiten sind, braucht man sich bei domestizierten Ratten darüber keine Sorgen machen. Seitdem sie nicht mehr aus dem Haus oder den Laboratorien in die freie Natur entkommen, kommen sie auch nicht mehr in Kontakt mit Salmonellen oder anderen Krankheitserregern, die auch unsere Hauskatzen und Hunde bis heute mit nach Hause bringen können.
Trotzdem müssen – wie bei allen Tieren – auch bei Ratten einige Kenntnisse erworben werden, um sicherzustellen, dass die kleinen Nager gesund bleiben. Ein Thema, dem sich alle Rattenbesitzer früher oder später stellen müssen, sind chronische Atemwegserkrankungen. Mit ein wenig Verständnis können wir unserer Hausratte ein glückliches und beschwerdefreies Leben bieten.

Mykoplasmose der Ratte

Mykoplasmen sind eine Gattung von zellwandlosen Bakterien. Sie gehören zur Familie der Mycoplasmataceae. Sie sind die kleinsten frei lebenden Organismen der Welt. Einige Arten der Mykoplasmen sind hochansteckend und können zu schweren chronischen und degenerativen Krankheiten führen. Im Gegensatz zu konventionellen Erregern ermöglicht eine fehlende Zellwand den Mykoplasmen, ihre Form nach Belieben zu verändern und sich durch den Körper des Wirts zu bewegen, was anderen Krankheitserregern nicht möglich ist. So kolonisieren sie ungestraft ins Gewebe und spielen innerhalb des Immunsystems „Hide and Seek“.
Mycoplasmose ist eine Krankheit, die sich leider bei fast allen Ratten von Geburt an nachweisen lässt. Die Erreger, die Ratten betreffen, heißen Mycoplasma pulmonis. Diese werden von der Mutter meist schon im Mutterleib übertragen, wenngleich auch eine indirekte Übertragung nicht auszuschließen ist. Daher zählt die Mykoplasmose zu den häufigsten Erkrankungen unserer Ratten.

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FAKTORENKRANKEIT
Zu einem Ausbruch der Erkrankung kommt es erst durch eine Störung des Immunsystems. Auslösende Faktoren können dabei Stress, schlechte Haltungsbedingungen (hohe Ammoniakkonzentration, Zugluft), Fütterungsfehler, Vitamin A- oder E-Mangel, Zigarettenrauch, Infektionskrankheiten oder auch eine genetische Anfälligkeit sein.

SYMPTOME
Die ersten Symptome bleiben meist unbemerkt. Ratten sind dafür bekannt, ihre Krankheiten sehr gut zu verstecken. Im Verlauf der Krankheit befällt M. Pulmonis drei große Bereiche des Körpers: die oberen Atemwege, das bronchopulmonale System und die Genitalien.

OBERE ATEMWEGE
M. Pulmonis beginnt mit unspezifischen Symptomen wie Rhinitis (Erkältungssymptom), Sinusitis, (Nasennebenhöhlenentzündung) mit Schnüffeln, Niesen und rötlichem Augenund/ oder Nasenausfluss. Die rötliche Flüssigkeit (Porphyrin) stammt aus den Harderschen Drüsen am Auge. Man kann dieses rötliche Sekret in seltenen Fällen auch bei gesunden Tieren direkt nach dem Aufwachen sehen. Die Ratten entfernen es dann selbst und verteilen es im Fell, sodass es bei weißem Fell im Nacken zu leichten Verfärbungen kommen kann.

SPÄTER WANDERT DER ERREGER TIEFER UND GREIFT BRONCHIEN UND LUNGEN AN
Alle Symptome, die beim Befall der oberen Atemwege auftreten, kommen auch hier vor, äußern sich aber deutlicher. Hinzu kommen:

  • Geräusche beim Atmen – Die Atemwegserkrankung ist nicht mehr „harmlos”, sondern schon fortgeschritten. In diesem Fall ist unbedingt ein Tierarzt aufzusuchen, denn hier hilft nur noch ein Antibiotikum
  • Untertemperatur (Die Ratte fühlt sich insgesamt „kalt” an)
  • Kopfschiefhaltung (Hinweis: PEWRatten zeigen manchmal eine Kopfschiefhaltung, ohne krank zu sein)
  • Apathie – Keine Nahrungsaufnahme
  • Ataxie

WIE REAGIERT MAN RICHTIG, WENN EINE RATTE EINEN ANFALL ERLEIDET?
Atemgeräusche, rötlicher Augenausfluss, Abmagerung oder Fellprobleme bedürfen der schnellstmöglichen tierärztlichen Kontrolle und Behandlung. Die Standard-Behandlung gegen eine Mykoplasmen-Infektion ist eine Antibiotikatherapie. Wenn das Antibiotikum anschlägt, tritt nach etwa 3 Tagen eine Besserung ein. Wenn nicht, sollte der Tierarzt erneut konsultiert werden. Bewährt haben sich folgende Antibiotika: Doxycyclin, Enrofloxacin, Tetracyclin und Erythromycin.

FLÜSSIGKEIT – EIN OFT ÜBERSEHENES LEBENSELIXIR
Ohne Flüssigkeitsaufnahme kann eine Ratte kaum mehr als 3 Tage überleben. Dehydrierung und Unterzucker können als gefährlicher eingeschätzt werden als die Krankheit selbst. Wenn ein Nagetier Lungenprobleme hat, ist die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme deutlich eingeschränkt. Auch das Atmen wird für den Nager zur Tortur, selbst wenn es für den Menschen nicht dramatisch aussieht. Eine selbstgemachte und oral verabreichte Elektrolytlösung, eingeweichte Haferflocken, die Lieblingsleckerlis oder wasserhaltige Früchte und Gemüsesorten, wie z. B. Gurken, sind nur einige Vorschläge, wie den Tieren Flüssigkeit zugeführt werden kann. Auch ist es ratsam, die Wasserflasche direkt neben den Schlafplatz der Tiere zu stellen, sodass eine erschöpfte Ratte ohne Aufwand trinken kann.

PROGNOSE
Trotz erfolgreicher Behandlung bleiben die Ratten Träger des Erregers und auch ein erneuter Krankheitsausbruch ist möglich, v. a. wenn sich die Krankheit noch in den oberen Atemwegen befindet. Die Prognose für Ratten, die schon eine Lungenentzündung und eine hochgradige Atemnot entwickelt hatten, ist zweifelhaft und macht eine langfristige Antibiotikatherapie erforderlich. Bei älteren Ratten ist die Prognose noch schlechter. Es ist wichtig, Nase, Augen und das Allgemeinbefinden täglich zu überprüfen, um Krankheitssymptome möglichst schnell zu bemerken.

Prophylaxe

Die medizinische Behandlung kann M. pulmonis nicht komplett aus den Atemwegen einer Ratte eliminieren. Daher ist eine gute Prophylaxe für Rattenbesitzer von enormer Bedeutung.

ECHINACEA
Gut bewährt hat sich die Gabe von Echinacea, das von Rattenfreunden auch oft empfohlen wird. Dieses Immunsystem stärkende Naturmittel gibt es als Saft (Echinacea Stada Junior ohne Alkohol), als Tabletten zum Zerstoßen und als Globuli (Echinacea D6) in der Apotheke. Allerdings sollten homöopathische Mittel nur in Absprache mit dem Tierarzt oder Tierheilpraktiker gegeben werden.

GELBWURZEL
Es wird empfohlen, Gelbwurzel nur in Kombination mit Echinacea zu geben. Gelbwurzel ist eine Pflanze ähnlich Echinacea, die das Immunsystem stärkt. Beide Stoffe harmonieren gut in Kombination miteinander. Der empfohlene Behandlungszeitraum für Echinacea und Gelbwurzel beträgt 1 Woche. Anschließend sollte 2-3 Wochen pausiert werden. Ein längerer Gebrauch kann zu einer Überreizung oder Unterdrückung des Immunsystems führen.

GRAPEFRUITKERNEXTRAKT – DAS PFLANZLICHE ANTIBIOTIKUM
Grapefruitkernextrakt wird aus den zermahlenen Kernen und der Schale der Grapefruit hergestellt.
Grapefruitkernextrakt ist ein Breitbandmittel und kann für jede Infektion verwendet werden, egal ob durch Bakterien, Viren oder Pilze verursacht. Das Journal of Alternative and Complementatry Medicine hat festgestellt, dass Grapefruitkernextrakt gegen etwa 800 Bakterien- und Virenstämme, 100 Pilzstämme und eine große Anzahl von Parasiten wirksam ist. Kein anderes natürlich vorkommendes Antimicrobial hat so ein Repertoire!
Bei den ersten Anzeichen eines Schnupfens können eine Prise Pulver im Müsli oder ein paar Tropfen in der Wasserflasche hilfreich sein. Wenn nur bestimmte Ratten behandelt werden sollen, ist es ratsam, das Extrakt z. B. mit etwas Joghurt als Leckerli zu geben. Beachten Sie, dass Grapefruitkernextrakt einen wirklich bitteren Geschmack hat. Die Tropfen müssen deshalb erst verdünnt werden. Bitte keine Kerne direkt aus einer Grapefruit verfüttern.

LUFTFEUCHTIGKEIT
Wenn die Luft in Ihrem Zuhause trocken ist, hilft ein Luftbefeuchter, damit die Ratten leichter atmen können. Auch eine Wanne mit Wasser neben dem Rattenkäfig kann für mehr Luftfeuchtigkeit sorgen. Manchmal hilft es auch, wenn die Nager den warmen Dampf der Dusche einatmen. Es ist aber auf jeden Fall darauf zu achten, dass die Ratte nicht gestresst wird. Deshalb am besten die Ratte in einer gut belüfteten Transportbox mit ins Badezimmer nehmen, damit sie die warme und feuchte Luft einatmen kann, ohne gestresst zu werden.

Einrichtung des Käfigs

EINE OPTIMALE HALTUNG IST DIE BESTE VORAUSSETZUNG FÜR EIN LANGES RATTENLEBEN
Ratten genießen eine saubere Umwelt. In der Regel benutzen sie eine Art Ecktoilette. Oft verbringen sie – genau wie Katzen – mehrere Stunden am Tag damit, sich zu putzen. Ratten riechen nur dann unangenehm, wenn etwas mit der Hygiene in ihrem Käfig nicht stimmt. Es ist deshalb darauf zu achten, immer eine möglichst staubarme und trotzdem absorbierende Einstreu zu verwenden. Bestimmte Einstreusorten reizen die Lungen auch von gesunden Ratten und provozieren sogar noch den Ausbruch von M. Pulmonis. Wichtig ist auch die Raumtemperatur. Die Tiere sollten unbedingt in einem Raum mit relativ stabilen Temperaturen gehalten werden.

MYKOPLASMA UND AMMONIAK: EINE FEINDLICHE KOMBINATION
Allgemein bekannt ist bei Rattenbesitzern, dass Uringerüche Mykoplasmen anregen können. Bekannt ist, dass Ratten, auch wenn sie gesund sind, öfter niesen, wenn ihr Käfig verschmutzt ist. Ist der Käfig hygienisch einwandfrei, nimmt das Niesen in den meisten Fällen schnell ab. Eine Zusammenfassung der Forschung von Broderson et al. 1976 hat gezeigt, dass – obwohl alle Ratten auf Uringerüche reagieren – mit Mykoplasmen infizierte Ratten ein viel stärkeres Niesen zeigen, als Ratten, die bakterienfrei sind.
M. pulmonis freie Ratten oder SPF (specific pathogen free) Ratten sind ausschließlich in Laboratorien zu finden, da sie dort per Kaiserschnitt zur Welt gebracht werden.

KLEINTIERSTREU IST NICHT GLEICH KLEINTIERSTREU
Üblicherweise bekommt man für Kleintiere eine Einstreu, die aus harzführendem Fichtenholz hergestellt ist. Harz besteht aus verschiedenen chemischen Verbindungen, größtenteils aus Phenolen, die ätzend für die Lungen sind. Im Labor wurde festgestellt, dass Nagetiere auf Weichholzspänen eine höhere Enzymzahl in der Leber aufweisen. Die Leber versucht ständig, diese Chemikalien zu verarbeiten. Dies wirkt sich negativ aus und beweist ihre Giftigkeit. Aus diesem Grund haben Laboratorien die Nutzung dieser Weichholzspäne eingestellt. Leider sind sie aber im Heimtierbereich noch weit verbreitet, da sie gut riechen und günstig sind. Besser geeignet wären aber staubarme und wohltuende Alternativen, die sanfter zu den Atemwegen sind. Das sind z. B. Hanfeinstreu, Leinenstreu, Altromin, Strohpellets, Fleecedecken und Zeitungspapier. Einfach geschnittenes Heu und Stroh als Basis sind auch nicht vorteilhaft, da sie oft staubig und allergieprovozierend sind.

Fazit

Obwohl M. Pulmonis meist inaktiv bleiben, muss man sie als eine Art „schlafende Pneumonie“ betrachten. Unsere Ratten bleiben zwar nicht völlig von der Krankheit verschont, sind aber zumindest zum Teil vor ihr geschützt. Rattenliebhaber sind dafür zuständig, die Symptome so rasch wie möglich zu erkennen, um die besten Chancen für ihre Ratten zu schaffen. Es ist ratsam, sich beim Therapeuten zu informieren. Der Lohn dieser Bemühungen werden glückliche Fellnasen sein!

CREE SUMMER TAYLORCREE SUMMER TAYLOR
TIERHEILPRAKTIKER IN AUSBILDUNG
LANGJÄHRIGE ARBEIT MIT RETTUNGSHUNDEN IN KANADA
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