Katzendiebstahl: Realität oder Hirngespinst?

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Ich bin Studentin zur Tierheilpraktikerin und möchte mit diesem Artikel einfach eine große Breite an Aufmerksamkeit streuen. Ich bin seit Jahren aktiv für den Tierschutzverein „Helfer für Tiere in Not e. V.“ tätig. Anfang Januar erreichten uns Anrufe, dass in einem Ortsteil von Ibbenbüren 14 Katzen spurlos verschwunden seien.

Natürlich könnte man jetzt sagen, dass ja bundesweit pro Jahr rund 350.000 bis 400.000 Vierbeiner, die Mehrzahl davon Katzen, verschwinden und 14 dagegen eine verschwindend kleine Anzahl ist. Trotzdem! Alle 14 Katzen waren sowohl kastriert als auch registriert – wie kann es also sein, dass sie spurlos verschwinden?



Wo sind die Katzenjäger, die Katzenhasser?

Diese Frage stellten wir uns auch. Was also tun? Wir entschlossen uns, die Öffentlichkeit über die Tageszeitung zu informieren. Mit Erfolg, denn nach der Veröffentlichung stand das Telefon nicht mehr still. Am Ende des Tages waren es weit über 40 Katzen, die uns als verschwunden gemeldet wurden. Und wieder etliche davon kastriert und registriert. An einen Zufall kann man da wohl kaum mehr glauben.
Mehrere Anrufer berichteten uns auch davon, Lebendfallen in ihrer unmittelbaren Umgebung gesehen zu haben. Waren es also doch Jäger? Um diese Frage zu klären, riefen wir zur Fallensuche in einem Waldstück auf, an dessen angrenzender Siedlung etliche Katzen verschwunden waren. Fallen fanden wir dabei viele. Alle Fallen waren vorschriftsmäßig aufgestellt, doch über die Anzahl waren wir erschrocken. Zu einem der Waldstücke wurde uns der Zugang verweigert. Eine Spaziergängerin fand dort mehrere Lebendfallen in kleinen Abständen und in der Nähe in einer Falle eine tote Katze. Diese war noch nicht lange tot, sodass wir uns entschlossen, sie zur Obduktion nach Münster zu bringen. Doch das Ergebnis brachte uns nicht weiter, denn die noch sehr junge Katze verstarb an Herzversagen. Ein Jäger wollte uns dann auch noch weismachen, der Uhu hätte die Katzen geholt…


Mit Hilfe der Medien

Foto: © THesIMPLIFYEin Lokalsender und der WDR wurden auf unsere Aktion aufmerksam und brachten Beträge über die verschwundenen Katzen, deren Anzahl mittlerweile auf 60 angewachsen war. Wieder standen die Telefone nicht mehr still. Von Mitte Dezember 2013 bis Mitte Februar 2014 hatten wir nun 118 verschwundene Katzen zu verzeichnen und waren immer noch ratlos.
Die „Anti-Jagd-Allianz“ informierte uns darüber, dass Jäger Katzen zur Fuchsjagd benutzen. Aber so viele? Dass Katzen Jäger zum Opfer fallen, ja, aber wir glaubten nicht an so eine große Zahl. Dann kam der entscheidende Hinweis aus Bayern.


Der entscheidende Hinweis

Die „Initiative Tierdiebstahl Bayern“ berichtete darüber, dass Altkleidersammler gezielt Katzen fangen und sie dafür auch Beweise hätten. Eine große Hilfe waren uns auch die Hinweise auf den Seiten www.anti-jagd-allianz.de und www.haustierdiebstahl-in-deutschland.de. Auf beiden Webpages wird die Vorgehensweise der Katzendiebe genau beschrieben. Die Fangmethoden sind ebenso grausam wie die Tötung der Tiere.


Warum Katzen?

Komischerweise verschwanden überwiegend grau getigerte und schwarzweiße Kater sowie einige wenige schwarze Katzen und eine Glückskatze. Das warf für uns die Frage auf, ob diese Katzen ausgewählt werden, weil ihr Fell dem von chinesischen Waschbären so ähnlich gleicht? Der Handel mit Katzen- und Hundefell ist EU-weit seit 2008 verboten. Doch der Handel geht weiter! Zum Teil werden Hundefelle mit Phantasienamen wie Loup d’Asie, Gaewolf, Bio-Wolf, Corsac Fox etc. und Katzenfelle mit Lipi, Maopee oder Goyangi belegt.


Aufklärung hilft!

Seit wir die Öffentlichkeit aufmerksam gemacht haben, sind in unserer Umgebung keine Katzen mehr verschwunden. Die Katzenfänger scheinen weitergezogen zu sein. Sollten Sie von ähnlichen Vorkommnissen in Ihrer Umgebung hören, denken Sie an die Altkleidersammler. Zunächst sollte das vermisste Tier allerdings an allen denkbaren Orten gesucht werden, denn oftmals werden Katzen versehentlich im Keller eingesperrt oder sie verstecken sich in der Garage eines Nachbarn. Im nächsten Schritt sollte eine telefonische Vermisstenanzeige bei TASSO oder beim Deutschen Haustierregister abgegeben werden. Zusätzlich kann auch dem Ordnungsamt der Stadt der Verlust des Tieres gemeldet werden, ebenso wie umliegenden Tierärzten, den Tierschutzvereinen und Tierheimen. Sollte aber der Verdacht bestehen, dass das Tier tatsächlich von Katzenfängern gestohlen worden sein könnte, sollte man unbedingt die Polizei einschalten. Damit die Beamten der Strafanzeige nachgehen können, ist es hilfreich, wenn man möglichst genaue Angaben (Personenbeschreibung, Tag und Ort, Autokennzeichen etc.) zum vermeintlichen Katzenfänger machen kann.


MONIKA AUDICK MONIKA AUDICK
STUDENTIN ZUR TIERHEILPRAKTIKERIN AN DER PARACELSUS SCHULE OSNABRÜCK 

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