Osteopathie bei Pferden und Hunden

Foto: © sushyb - FotoliaAls physiotherapeutische und osteopathische Pferde- und Hundetherapeutin werde ich oft gefragt, was man sich eigentlich unter den Behandlungsmethoden und deren Hintergrund vorstellen kann. Einige Tierbesitzer können sich nur schwer ein Bild davon machen, welche Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten im Detail dahinterstecken.

Osteopathie leitet sich aus den griechischen Wörtern „os“ für Knochen und „pathos“ für Leiden, also Knochenleiden, ab. In der Veterinärmedizin stellt die Osteopathie im Vergleich zu anderen Behandlungsmethoden eine noch recht junge Therapieform dar. Allerdings ist sie in der Humanmedizin mittlerweile über mehr als hundert Jahre fest verwurzelt und anerkannt. Leider kämpft sie immer noch um die notwendige Reputation und wird mitunter belächelt, kann aber durch gezielten und regelmäßigen Einsatz auf schonende Art und Weise enorme Behandlungserfolge aufweisen. Begründet wurde sie vom US-amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still (1828 – 1917).

Für ihn war die Anatomie bzw. die Struktur des Menschen Grundvoraussetzung für einen einwandfrei funktionierenden Organismus. In seinen Studien fand er deutliche Anzeichen dafür, dass viele Krankheiten durch Bewegungsverluste, Blockaden von Gelenken, Muskeln, aber auch Organen und anderen Geweben hervorgerufen werden. Gleichzeitig stellte er fest, dass eine Korrektur dieser Bewegungsverluste zur Genesung führt.
Leider wird in diesem Zusammenhang viel zu oft vergessen, dass in manchen Behandlungsfällen viel Geduld und Ausdauer erforderlich ist. Zeit ist hierbei ein entscheidender Faktor, was in unserer heutigen Zeit mittlerweile aufgrund ständiger Verfügbarkeit, Termindruck und Kurzlebigkeit bedauerlicherweise viel zu oft vergessen wird.
In meiner täglichen Arbeit kommt es oft vor, dass ein Pferd aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen (z. B. Schmerzen, Muskelverspannungen, Fehlstellungen, einseitiges Training, Zahnprobleme, nicht passender Sattel etc.) nicht mehr in der Lage ist, sein gewohntes Leistungspensum zu erbringen, sei es im Sport, im Freizeitbereich oder auch nach längerem Stehen durch z. B. operative Maßnahmen. Nicht immer gelingt es dem Besitzer, die Ursachen und Hintergründe schnell herauszufinden. Es wird zwar viel Geld für mögliche Hilfsmittel wie Futterumstellung, Zahnbehandlung, neuer Sattel usw. ausgegeben, doch führt dies selten zum vollen Erfolg.

Fotos: alexonline, sippakorn - FotoliaBedauerlicherweise werden vom Besitzer oder aber auch vom Trainer des Pferdes Verspannungen und Blockaden oft als Widerspenstigkeit oder Faulheit abgetan und dementsprechend geahndet. Bei den meisten Pferden ist dieses Verhalten allerdings auf ganz andere Ursachen zurückzuführen. Versuchen Sie doch mal als Beispiel, Ihren Kopf gerade zu halten oder normal zu bewegen, wenn die gesamte Nacken- und Rückenmuskulatur verspannt ist. Hierbei kann man sich die Funktionen des Körpers wie ein Uhrwerk vorstellen, bei dem ein Zahnrad außer Funktion geraten ist. Das kann an ganz anderer Stelle zu Problemen führen, was schlussendlich dazu führt, dass die Uhrzeit nicht korrekt angezeigt wird oder im schlimmsten Fall sogar die Uhr stehen geblieben ist – also die totale Fehlfunktion. Nichts anderes passiert im Körper eines jeden Pferdes bzw. Individuums.

Die Osteopathie sowie auch andere Therapieverfahren, wie etwa die Physiotherapie, die Wärme- und Kälteanwendungen, die Magnetfeld- und Lasertherapie, die Akupunktur oder das Setzen von Blutegeln usw., sind zwar keine Wundermittel, um alle Probleme im Bereich Pferdegesundheit sofort zu lösen, sie bieten aber auf jeden Fall eine effektive Methode, um Muskelverspannungen und -verklebungen sowie Gelenksblockaden schonend zu beheben. Werden am Anfang solche recht harmlosen Bewegungseinschränkungen ignoriert oder gar nicht erkannt, können daraus zusätzliche Kompensationsmechanismen und letztendlich Verschleißerscheinungen entstehen. Die Uhr bleibt also stehen. Viele Hunde haben ähnliche Rücken- oder Gelenksprobleme wie Pferde. Hunde haben aber im Vergleich zu Pferden den Vorteil, dass sie keine Reiter oder ähnliches auf ihrem Rücken tragen müssen. Doch auch beim Spielen und Toben im Garten können ähnliche Probleme entstehen. Beim täglichen Spaziergang wirkt er plötzlich unbeholfen und steif, mag nicht mehr über Hürden oder gar ins Auto springen, jede Treppe oder Stufe wird plötzlich zu einem großen Hindernis und auch das Fressverhalten kann dadurch stark beeinflusst werden. Hier kann die Osteopathie den Körper des Hundes wieder in Balance bringen und massive Folgeschäden vermeiden.

Foto: BieckerEine osteopathische Behandlung beim Hund ist anzuraten, wenn sich Anzeichen wie Probleme beim Aufstehen, Taktfehler in der Bewegung, plötzliche Wesensveränderung ohne erkennbare Ursachen, plötzliche Lahmheit, ungewohntes Fress- und Trinkverhalten, Fiepen am Bewegungsanfang zeigen, oder auch nach schweren Stürzen und operativen Eingriffen oder einfach zur Prophylaxe.
Durch einen gezielten Therapie- und Massageplan können bei Pferd und Hund Verspannungen und Gelenksblockaden gelöst und in ihre Ursprungsform zurückgebracht werden. Hierzu ist ein Trainingsplan anzuraten, der mit dem Therapeuten oder dem behandelnden Tierarzt abgesprochen werden sollte.

Es gilt anzumerken, dass es keinen pauschalen Therapieplan gibt, der angewandt werden kann, denn der muss bei jedem Tier individuell auf seine Bedürfnisse angepasst werden. Dementsprechend gehört zu einer vernünftigen Behandlung auch eine detaillierte Anamnese und eine detaillierte Befragung des Besitzers, die teilweise recht wichtige Informationen für die Behandlung und den dazugehörigen Therapieplan enthalten können.
Grundsätzlich sollte sich aber jeder Pferde- und Hundebesitzer verinnerlichen, dass wir unsere Tiere nicht dem gleichen Leistungs- und Zeitdruck wie uns Menschen aussetzen sollten. Jedes Tier sollte mit dem entsprechenden Respekt und mit Ruhe behandelt werden. Dies kann außerdem den positiven Effekt nach sich ziehen, dass manche Krankheitsbilder oder Verhaltensstörungen gar nicht erst auftreten. Die Tiere werden es ihren Besitzern entsprechend danken.


MARINA BIECKER
MARINA BIECKER
TIERHEILPRAKTIKERIN IN EIGENER PRAXIS IM RAUM BRAUNSCHWEIG
Spezialisiert auf Pferde und Hunde


TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE:

  • Physiotherapie (Massagen, Dehnungen)
  • Osteopathie (Gelenkmobilisation)
  • Akupunktur
  • Lasertherapie
  • Lymphdrainage
  • Blutegeltherapie
  • Cranio-Sacrale Therapie

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